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Foren => Bestimmungshilfe => Thema gestartet von: kmueho in Mai 08, 2021, 06:34:13 VORMITTAG

Titel: Seeigel in Achatscheibe
Beitrag von: kmueho in Mai 08, 2021, 06:34:13 VORMITTAG
Hallo zusammen,

auf der Suche nach möglicherweise interessanten Objekten für das Mikroskop fiel mein Blick auf eine ca. 6mm starke Achatscheibe, womit ich mich ja schon ganz stark in Richtung Dünnschliff bewege :)
Drunter gelegt habe ich sie trotzdem mal und es gab sogar etwas (für mich) Unerwartetes zusehen. Viele beinahe schwarze nadelartige Einschlüsse, die immer von einem Zentrum ausgehen. Wie ein lang-stacheliger Seeigel halt.

Weiß zufällig jemand, was das sein könnte und wie sich solche Formationen gebildet haben?

Ein 3D-Bild konnte ich mir (natürlich) nicht verkneifen. Zwecks 3D-Effekt musste ich die Bilder aber um 90° drehen.

Viele Grüße,
Kai
Titel: Re: Seeigel in Achatscheibe
Beitrag von: Gerd Schmahl in Mai 09, 2021, 20:16:40 NACHMITTAGS
Hallo Kai,
welches Mineral Deine "Seeigel" gebildet hat, kann ich Dir an Hand der Bilder nicht sagen, aber die Entstehung eines solchen Achates ist ein rhythmischer Prozess, der in einem Gesteinshohlraum abläuft. Dabei dringt Kieslsäure in den Hohraum und kristallisiert dort am dessen Rand aus. Diese Minerallösungen sind nie vollkommen rein. Es ist also zum Anfang der Auskristlisation der Kieselsäure, auch ein anderes Mineral mit nadelförmigen Kristallen auskristallisiert, ausgehend von einezelnen Kistallisationskeimen nur zum Zentrum des Hohlraumes hin, denn der äußere Rand der Druse war ja schon mit SiO2 gefüllt. Die Kieselsäutre ist mikrokristallin, besteht also viel kleineren Kristallen als die des nadelförmigen Minerals und diese sind im (Licht-)Mikroskop nicht auflösbar. Die nächste Lage Kieselsäure hat diese kleinen Mineral-Aggregat, dann mit seinen viel kleineren Kristallen eingeschlossen. Die Druse wächst von außen nach innen zu. Dabei ist im Innern die Minerallösung und am Rand sind die schon ausgefallenen Minerale.
Weißt Du von wo der Achat stammt?
Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Seeigel in Achatscheibe
Beitrag von: kmueho in Mai 11, 2021, 03:42:48 VORMITTAG
ZitatWeißt Du von wo der Achat stammt?

Hallo Gerd,

leider nicht, nur dass er in Russland gekauft wurde.

Das mit dem von außen nach innen wachsen/auskristallisieren hatte ich mir schon gedacht, da die "Stacheln der Seeigel" alle nach innen gerichtet sind.
Interessant wäre noch, eine Vorstellung davon zu haben, in welchen Zeiträumen sowas abläuft.

Viele Grüße,
Kai
Titel: Re: Seeigel in Achatscheibe
Beitrag von: Gerd Schmahl in Mai 11, 2021, 19:35:54 NACHMITTAGS
Hallo Kai,
das kann sehr fix gehen. Es gibt sehr gut erhaltene Pflanzenreste, die innerhalb relativ kurzer Zeit in auskristallisierendem Kieselgel eingeschlossen wurden. Die Funde von Rhynie (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=33709) sind ein gutes Beispiel dafür. Hier war eine heiße Quelle in der Nähe. Auch die meisten Achate sind hydrothermalen Ursprungs. Letztlich hängt es sehr von Temperaturgradienten ab, wie schnell die Lösungen abkühlen und die MInerale nichtmehr in Lösung halten können. Bei der Fossilisation von Pflanzen, bei denen nichtn unbedingt immer heiße Quellen im Spiel sind, dürfte auch der pH-Wert eine große rolle spielen, der sich durch verrottendes Pflanzenmaterial stark ändern kann.
Die Farbe Deines Achates sieht allerdings schon fast künstlich aus. Achate werden ja schon seit Jahrhunderten gerne "aufgehübscht".
Beste Grüße
Gerd