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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Paul H. in Mai 31, 2021, 09:20:42 VORMITTAG

Titel: Sonderbare Objektive
Beitrag von: Paul H. in Mai 31, 2021, 09:20:42 VORMITTAG
Ein kürzlich erworbenes Mikroskop "Henry Sutter, Basel" verfügt über 5 Objektive, von denen mir zwei wegen Ihrer Vergrösserung besonders erscheinen (beide ohne Angaben zu Tubuslänge und Deckglasdicke): 10,3x / N.A. 0.30 und 98x Fluorit / N.A. 1.32.
Kennt jemand den Grund für diese seltsamen Vergrösserungen und den Hersteller (vermutlich Leitz Wetzlar; bin aber eben nicht sicher), dann wäre ich für entsprechende Hinweise sehr dankbar.
Titel: Re: Sonderbare Objektive
Beitrag von: Bob in Mai 31, 2021, 21:58:50 NACHMITTAGS
Hallo,

Grund für die krumme Maßstabsangabe ist vermutlich einfach Ehrlichkeit. Gerade die 100er hatten füher oft nicht wirklch eine 100,00:1 Vergößerung, sondern etwas weniger.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Sonderbare Objektive
Beitrag von: spectator in Juni 01, 2021, 09:48:16 VORMITTAG
Hallo,
im 19.Jahrhundert kamen anfangs viele Mikroskope und Objektive aus England, und es wurde nicht die Vergrößerung, sondern die Brennweite angegeben - natürlich in Bruchteilen von Zoll. Dies war auch noch zu Anfang ds 20.Jhd. üblich - z.B. die Immersionsobjektive von Zeiss und Leitz mit 1/12 und 1/16 (Zoll) . Wenn man diese Angaben umrechnete, kam man eben zu so "krummen" Vergrößerungszahlen. Da aber die Objektive ohnehin alle eine gewisse Brennweiten-Toleranz hatten, haben die meisten Hersteller diese Zahlen gerundet, als man dazu überging, nicht mehr die Brennweite, sondern die Vergrößerung anzugeben.
Die Toleranz der Vergrößerungen bzw. Brennweiten bei den älteren Objektiven ist übrigens auch der Grund, weshalb man bei Verwendung von Okularmikrometern für jedes Objektiv selbst den "Mikrometerwert" mittels eines Objektmikrometers feststellen muß. Ich habe zwar schon gedruckte Tabellen von Herstellern gesehen, in denen diese Werte angegeben waren, aber diese waren neueren Datums - heute scheinen diese Toleranzen sehr eng zu sein.
Viele Grüße
Helmut
Titel: Re: Sonderbare Objektive
Beitrag von: limno in Juni 01, 2021, 10:24:40 VORMITTAG
Guten Morgen Bob,
gut, dass Du  mal darauf zu sprechen kommst: Ich habe Planapochromate von LOMO bzw. CZJ 2,5 :1, 3,5:1, 6,3:1 bzw. Apochromaten von LOMO 16:1, 20:1, 40:1, 70:1
Besonders die niedrig und mittel vergrößernden Objektive weichen in Wirklichkeit nach unten ab: 2,0:1, 3,0:1, 6,0:1, 9:1, 15:1 während die höher vergrößernden recht genau sind. Warum das so ist, darüber kann ich nur spekulieren; sollten doch bei längeren Brennweiten  die Messungen genauer sein???.
Fragende Grüße von
Heinrich
Titel: Re: Sonderbare Objektive
Beitrag von: Bob in Juni 21, 2021, 21:14:15 NACHMITTAGS
Hallo Heinrich,
das kommt für mich unerwartet und ganz glaube ich es auch nicht. Betreibst Du sie evtl. anders als vorgesehen z.B Tubuslänge oder Okular oder gibt es da noch einen Tubusfaktor ?

Bei den 100ern kam das m.W. von der Brenweite der Frontlinse, bei unter 2mm ließ der Elan nach. Bei den schwächeren Objektiven hätte ich nur eine Abweichung von einzelnen Prozent erwartet.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Sonderbare Objektive
Beitrag von: limno in Juni 21, 2021, 22:33:55 NACHMITTAGS
Guten Abend Bob,
bei meiner 5D Mark II i betragen die Bildmaße 5616 x 3744 Pixel. Da der Fotoausschnitt  in der Breite durch den Kamerasensor auf 3744 Pixel begrenzt wird, kann ich besonders genau messen.
Die Apochromate 20 : 1, 40 : 1, 70 :1 haben jeweils die Breite  (in µm) 523, 262 und 148. Der Tubusfaktor ist 1,25, das CZJ-Projektiv vergrößert 2,5fach. Das 20er- Gesichtsfeld ist also fast genau doppelt so groß  wie das des 40er-Objektivs , bzw. 3,5fach wie das des 70 ers. Das Gesichtsfeld des 2,5ers ist aber z.B.10mal so groß und nicht 8fach, wie man es theoretisch erwartet. Sämtliche Objektive benötigen einen  Adapter um die Tubuslänge von 33 auf 45 mm anzupassen.
Und erst kürzlich habe ich entdeckt, dass ich mit dem Apochromaten 70/1,23 kein Dunkelfeld bekomme, was ja bei Aperturen kleiner 1,25 kein Problem wäre; bei Aperturen, die größer sind, brauche ich eine Trichterblende. Woraus folgt, dass besagtes Objektiv eine numerische Apertur über 1,25 haben muss.
Die russischen Ingenieure sind eben recht tolerant und spendieren dem Mikroskopiker mit einer Vorliebe für große Gesichtsfelder und hohe Auflösungen gerne noch diese überraschenden Zuckerl!
Mit süßen Abendgrüßen
Heinrich