Hallo zusammen,
Ich habe bisher unzählige Stunden sowohl im Forum als auch auf anderen Websites und in Pflegeanleitungen verbracht um die besten Schmierstoffe und Rostschutz-Tipps zu sammeln. Nachdem ich heute ein Telefonat mit einem Zeiss Mitarbeiter hatte, der mir zu Ballistol geraten hat bin ich nun doch etwas unschlüssig. Hier im Forum raten ja einige dringend von Ballistol im Allgemeinen ab...
Mich würde interessieren wie ihr das mit euren schönsten Schätzen macht? Was verwendet ihr z.B. für den Grobtrieb oder Kreuztisch nach Komplettreinigung?
Ballistol scheint ja als Reinigungsmittel bei meinen Mikroskopen bisher gute Wirkung zu zeigen, allerdings finde ich es ungeeignet für längere Konservierung v.a. für die Messingteile was ich bisher recherchieren konnte.
Vaseline scheint ja auch ein beliebter (und günstiger!) Ersatz für Schmierstoffe zu sein und dann gibt es ja auch noch die Fette der Marke OSIM, wo mir die Unterschiede nun nicht ganz schlüssig sind. Silikonfett wie es z.B. für Kaffee-Vollautomaten zum Einsatz kommt wurde mir auch angeraten, allerdings habe ich Hemmungen diese Schmiere in meine blitzblanke Laufbahnführung einzubringen.
Bitte seht mir nach, wenn das ganze sehr redundante Fragen sind. Ich möchte einfach bei bester Absicht keinen groben Schaden anrichten!
Ich hoffe ich habe meine Hausaufgaben gemacht und freue mich auf Empfehlungen aus dem reichen Erfahrungsschatz des Forums.
Beste Mikrogrüße, Stephan (Parasklepios)
Guten Abend Stephan,
Es ist zu unterscheiden, ob
1)eine Metalloberfläche gegen Rost geschützt werden soll,
oder ob
2) zwei aufeinander gleitende Flächen möglichst mit Hilfe eines Schmierfilms gut gleiten sollen.
Im zweiten Fall kommen noch als Parameter die Flächenpressung (N/cm^2) und die Gleitgeschwindigkeit hinzu Durch diese wird ein Schmierfilm aufgebaut. wie z.B. beim Gleitlager. Maßgebend ist natürlich auch die kinemat. Zähigkeit (Raynoldszahl).
Das so viel gepriesene WD40 ist im ersten Fall gut, am Anfang bildet sich auch ein Schmierfilm aus, der aber schnell zusammenbricht.
Rost bildet sich unter Einwirkung von O2. Das verhindert besagter Film auf der Oberfläche.
Die Gleitbahnen meiner Dreh- und Fräsbank konserviere ich mit WD40. Wenn ich dann nach einigen Wochen mit dem Finger über die Bahn fahre, klebt es!
Für Dein Problem würde ich in jedem Fall ein säurefreies Fett nehmen.
Schau Dir mal die W-Seite der Fa. "Klüber- lubrication" an.
Vor einigen Jahren wurde dieses Thema schon einmal im Forum diskutiert und ein bestimmtes Fett empfohlen, das ich auch erworben habe.
Von einem Kollegen an der FH-GI, der bei Leica gearbeitet hat, bekam ich ein kleine Tube Fett von Leica.
Ballistol ist ein Waffenöl, das ich manchmal benutze. Es ist sehr dünnflüssig und hat gute Kriecheigenschaften.
Wenn Wälzkörper verwendet werden, gibt es spezielle Wälzlagerfette.
Gruß vom Inschenör Peter
Hallo Stephan,
Rostschutz sollt eigentlich unnötig sein, wenn doch, dann leicht mit Nähmschinenöl einölen. Die Führungen und Wellen müssen so geschmiert sein, dass die Bewegungen leicht aber etwas gedämpft erfolgen. Die Dämpfung sollte dabei eher in der Welle mit dem Betätigungsknopf zu finden sein, weniger in der Führung, die bewegt wird. Als Fett mit leichten Dämpfungeigenschaften kann man z.B. bei ebay "OSIM Spezialfett HL-FGF5 für Optomechanik 40g " kaufen. Für Lagerungen, die leichter laufen sollen z.B. Nähmaschinenöl oder Wälzlagerfett. Für WD40 oder Ballistol sehe ich bei der Mikroskopschmierung keine Einsatzmöglichkeiten.
Gegen Ballistol bin ich offenbar allergisch, ich muss da ganz schnell husten.
Viele Grüße,
Bob
Hallo,
Vaseline ist ein guter temporärer Korrosionsschutz, aber als Schmiermittel nicht so gut, je nach Qualität wird Vaseline schon bei 45 - 60° C flüssig. Sie ist billig und in medizinischer Qualität erhältlich.
Als Langzeit-Korrosionsschutz wird für Waffen der Bw das "Schmieröl, Waffen-, S-761" verwendet, es ist sehr dünnflüssig, bleibt aber auch in Sibirien bei -40° C noch flüssig. Es schützt etwa 100 Std. gegen 5%ige Kochsalzlösung und etwa 1000 Std. gegen 100% Luftfeuchtigkeit bei 40° C. Ein Produkt des Handels ist "Addinol Waffenöl W-18". Die Schmierwirkung ist gut, aber die Viskosität ist sehr niedrig.
Wälzlagerfette auf Lithiumseifenbasis sind die am weitesten verbreiteten Fette und bieten neben einer guten Schmierwirkung für Wälzlger auch noch einen Korrosionsschutz, etwa eine Woche gegen dest. Wasser im SKF Emcor-Test. Es gibt sie in verschiedenen "Festigkeiten" (= NLGI Klassen) von fast flüssig bis etwa so hart wie Butter und mit verschiedenen Grundölviskositäten, je nach erforderlicher Belastung oder Drehzahl. Für Verzahnungen kann man sie auch nehmen, Bezugsquelle: Tankstelle, Kfz- oder Landmaschinenwerkstatt.
Daneben gibt es unzählige Spezialfette, u.a. für extrem hohe und tiefe Temperaturen, mit guter Haftfähigkeit, mit MoS2 und/oder Graphit usw. usw. Für bestimmte Anwendungen gibt es extrem zähe, klebrige Fette (z.B. für Okulargewinde an Ferngläsern und Verzahnungen) und spezielle Fette für Kunststoffe oder Gleitöle für Bettbahnen aus Grauguß usw. usw.
Ballistol besteht aus medizinischem Paraffinöl, iso-Amylalkohol (daher der komische Geruch und die gute Reinigungswirkung), Ölsäure und Kalilauge. Daraus bildet sich die Seife Kaliumoleat, die auch für den Korrosionsschutz und die milchige Emulgierung von Wasser verantwortlich ist. Durch die alkalische Reaktion der Seife und die Bildung von grünen Kupferseifen eignet es sich nicht für längere Konservierung von Messing und anderen Kupferlegierungen.
WD-40 ist eigentlich gar kein Schmiermittel, ich habe das mehrmals analysiert, der Hauptbestandteil ist sowas Ähnliches wie Petroleum (so riecht es ja auch) mit etwas Korrosionsschutz. Die Schmierwirkung ist gleich Null, der Korrosionsschutz ist sehr mäßig und reicht nur für kurzzeitigen Schutz unter Dach. Dafür ist es sehr gut als Kriechöl geeignet und zur Lockerung festgerosteter Verbindungen.
Eine Warnung: Silikonöle haben bei höheren Flächenpressungen keinerlei Schmierwirkung für Stahl/Stahl-Paarungen, besser ist sie für Metall gegen Kunststoff oder Gummi oder Kunststoff/Kunststoff-Paarungen. Durch ihre sehr niedrige Oberflächenspannung kriechen und spreiten sie sehr stark und sind dann immer gerade da, wo man sie nicht haben möchte. Sie sind in hauchdünnem Film hervorragende Montagehilfsmittel für Gummiteile und gegen Quietsch- und Knarzgeräusche bei Kunststoffteilen. Extrem hochviskose Silikone werden als Dämpfungsflüssigkeiten verwendet und, verdickt mit PTFE-Pulver in Einhebelmischbatterien im Sanitärbereich.
Getriebeöle stinken fast immer übel (wegen der Schwefeladditive) und sind an feinmechanischen Geräten nicht erforderlich.
Für allgemeine Allerweltsschmieraufgaben ohne hohe Ansprüche an die Belastbarkeit tut es auch ein Paraffinöl aus der Apotheke oder zur Not der letzte Schluck aus der fast leeren Motoröldose.
Jochen
Hallo Jochen,
vielen Dank für Deinen fundierten Beitrag.
Du bist offensichtlich vom Fach.
Gruß vom Inschenör Peter
Hallo erstmal,
für die Gleitbahnen des Mikrotoms verwende ich Ballistol-Öl, vor Benutztung wird das alte Öl abgewischt (verharzt) und durch frisches ersetzt. Dann schnurrt das!
Für Führungen Messing auf Messing [was eigentlich obsolet ist] (Schwalbenschwanzführungen an Tischen, Kondensor- und Triebführungen) bin ich nach langere suche auf ein Losimol-Fett gekommen. Eigentlich für Projektor-Optik-Führungen (Kunststoff auf Kunststoff) entwickelt, hat es sich bezgl. Losbrechmoment als gut geeeignet ertwiesen. Allerdings ist auch hier Zeit ein Faktor!
Grüße
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
für die Gleitbahnen des Mikrotoms ist Ballistol sicher gut geeignet. Auch Blasmusiker verwenden es gerne für Posaunenzüge und für Ventile, weil es die Atemfeuchtigkeit leicht milchig emulgiert.
Mein früherer Arbeitgeber lieferte einst das Öl für Leitz (später Leica), dann auch für Cambridge Instruments und auch für Microm (gehörte zu Zeiss). Alle waren identisch, nur verschieden eingefärbt. Es war ein sehr niedrig viskoses synthetisches Dicarbonsäureesteröl (Adipinsäureester).
Jochen
Für Gleitbahnen von Mikrotomen habe ich bisher nichts besseres als Fin Super gefunden. Trockenschmiermittel auf Teflonbasis. Hervorragend, das Zeug und erheblich besser als andere Teflon-Sprays.
Für Korrosionsschutz und Schmierung von Mikroskopteilen bin ich auf die Produkte von Osim gestoßen. Die sind super!
https://www.osimoptik.de/gshop/de/Optikreinigung---Feinmechanik/Fette---Oele/
Das Optikreinigungsmittel von denen ist hingegen nicht sonderlich toll, wie ich finde.
Zitat von: mlippert in Juni 18, 2021, 19:54:24 NACHMITTAGS
Das Optikreinigungsmittel von denen ist hingegen nicht sonderlich toll, wie ich finde.
Diesbezüglich meine Erfahrungen:
Vielleicht ein Placebo oder Aberglaube meinerseits...aber für die (zumeist finale) Reinigung verwende ich Optical Wonder von BAADER PLANETARIUM.
Hiermit erziele ich visuell, nach Kontrolle unter dem Stereomikroskop, bei Linsensoberflächen die besten Ergebnisse.
Eigenlaborate mit Isopropanol, dest. Wasser usw. lieferten immer irgendwelche Rückstande nach dem Verdunsten der Flüssigkeit.
Viele Grüße
Jochen
Hallo Jochen,
das optische Wunder verwende ich zum Brilleputzen; klappt bestens. :-)
Grüße
Wolfgang