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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Gerd Schmahl in März 08, 2022, 20:23:38 NACHMITTAGS

Titel: Federmilben
Beitrag von: Gerd Schmahl in März 08, 2022, 20:23:38 NACHMITTAGS
Hallo,
vor ein paar Tagen fand ich einen wunderschönen Eichelhäher recht frisch verendet auf der Straße. Vielleicht gegen ein Auto geflogen? Der kam erst mal in den Frost, um ihn später präparieren zu lassen, aber der Preis war es mir dann doch nicht wert. Also kam er gestern wieder heraus und ich habe ihm nur ein paar schöne Federn abgenommen. Dabei fielen auch sehr kleine fast kreisrunde Federn von der Flügeldecke ab, die wunderbar unter ein rundes Deckglas passten. Mit UV-Kleber eingedeckt, ist das Präparat schon nach wenigen Minuten fertig. Ich staunte allerdings nicht schlecht, als ich unter jedem 2. Deckglas Milben und ihre Nymphen fand. In einem Präparat waren sie besonders häufig:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/321724_32001227.jpg) (https://abload.de/image.php?img=federmilbensplanapo4-6tknd.jpg)

Leider sind die Tiere fast durchsichtig, so dass sie nur sehr schwer zu staken sind. Hier ein Bild einer Nymphe (nur 6 statt 8 Beine) mit dem 40er SPlanApo (Stak aus 19 Einzelfotos - wohl noch zu wenige):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/321724_19575591.jpg) (https://abload.de/image.php?img=federmilbe-splanapo40gqkf5.jpg)

Zwei Details fand  ich ganz besonders interessant. Zum einen die Oberflächenstruktur (Einzelfoto)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/321724_41962596.jpg) (https://abload.de/image.php?img=federmilbeoberflche80amjr7.jpg)

Zum anderen: Die Haftorgane an den Beinen (links oben im entfärbten Einzelbild):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/321724_42119052.jpg) (https://abload.de/image.php?img=federmilbe-haftorgan8ocjdm.jpg)

Die Bestimmung dürfte schwer sein, aber falls jemand eine Eingrenzung wagen mag, wäre ich nicht böse.

Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Federmilben
Beitrag von: Lumi in März 08, 2022, 22:45:31 NACHMITTAGS
Hallo Gerd,
genaueres über die Federmilben weiß ich nicht,
ich habe aber letztes Jahr Federmilben an einer toten Schwalbe gefunden. Die sind wohl üblich, bzw. nicht selten in der Vogelwelt und bei Haushühnern, und sind wohl auch nicht unbedingt schädlich für die Tiere. Die Milben sammeln sich am Federschaft, meist in den oberen steiferen Handschwingenfedern. Ich finde es schon krass wie sich die Milben an die Federn angepasst haben, man stelle sich vor, wie viele Flügelschläge eine Schwalbe in der Sekunde macht. Unter dem Mikroskop laufen sie erst mal nur im Kreis (dauerschwindelige Junkies scheinbar :D)
Ich habe versucht die Viecher im "Auflicht" am Durchlichtmikroskop abzulichten.
Jedenfalls sind die Milben noch nach 2 Wochen munter herumgewandert in der Klarsichthülle (ohne Feder in der Hülle)

Grüße
Franz

Titel: Re: Federmilben
Beitrag von: Gerd Schmahl in März 09, 2022, 16:46:29 NACHMITTAGS
Hallo Franz,
besten Dank für die sehr schöne Ergänzung! "Meine" Milben krabbeln nicht mehr, denn sie waren mehrere Tage bei Minus 18 Grad im Frost. Aber ich bin mal sehr gespannt, ob die Präparate sich gut halten, oder die Tierchen doch noch von innen her zerlegt werden, denn sie wurden ja ohne jede Fixierung/Sterilisierung in UV-Kleber eingedeckt. Für solche Sachen wie Federn und Haare und erst recht für Gesteinsdünnschliffe spielt das keine Rolle, aber bei Tieren, die verwesen können? Mal sehen!
Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Federmilben
Beitrag von: ortholux in März 10, 2022, 10:38:02 VORMITTAG
Zitat von: plaenerdd in März 08, 2022, 20:23:38 NACHMITTAGS
um ihn später präparieren zu lassen,

Hallo Gerd,

mich erstaunt, daß das jemand machen mag. Alle Singvögel sind geschützt und dürfen nicht präpariert werden, außer eine Bildungsanstalt, o. ä. möchte das machen lassen. Ich krieg noch nicht mal einen Maulwurf beim örtlichen Präparator ausgestopft.

Wolfgang
Titel: Re: Federmilben
Beitrag von: Gerd Schmahl in März 10, 2022, 18:22:51 NACHMITTAGS
Hallo Wolfgang,
das kann gut sein. Ich habe den Präparator nicht selbst gesprochen, sondern einen Freund gefragt, der einen guten Präparator kennt und er konnte mir auch sagen, was dergleichen kosten würde. Er hat auch gesagt, dass er gar nicht weiß, ob er das machen darf und das hat mir gereicht, davon Abstand zu nehmen.
Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Federmilben
Beitrag von: 3nzo in März 11, 2022, 10:37:40 VORMITTAG
Hallo Gerd,
Sie sind eine Fundgrube für Neuigkeiten  :) herzlichen Glückwunsch.
Meine Großmutter hat mir als Kind immer gesagt, ich solle aufpassen, dass ich keine Hühnerläuse (Milben) bekomme. Sie stören wahrscheinlich auch Menschen, ich weiß es nicht.
Sicherlich haben Sie bei toten Vögeln, oft von der Vogelgrippe, die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen getroffen, zumal in diesem Winter in Nordeuropa ein Ausbruch gemeldet wurde, eine Villa geschlossen, nachdem tote Vögel dieser Krankheit entdeckt wurden.
Mit freundlichen Grüßen.

Enzo
Titel: Re: Federmilben
Beitrag von: liftboy in März 11, 2022, 13:23:03 NACHMITTAGS
Hallo Enzo,

Federmilben und auch Grasmilben sind nicht so speziell aufgestellt, dass sie nicht in Notzeiten einen Menschen als Fehlwirt annehmen. Juckt übrigends fürchterlich!

Grüße
Wolfgang
Titel: Re: Federmilben
Beitrag von: Gerd Schmahl in März 13, 2022, 15:45:32 NACHMITTAGS
Hallo Wolfgang,
nicht alle Milben, die im Federkleid der Vögel zu Hause sind, saugen Blut. Die meisten Milbenarten sind sowohl für den Vogel und erst recht für Menschen vollkommen harmlos. Viele leben wie die Hausstaubmilben von Hautschuppen und anderem "Körperabfall". Dazu gehören sehr sicher auch die von mir und Franz gezeigten Tiere.
Die gemeineren Viecher sind eigentlich die Nest-Milben, die sich normalerweise im Nest aufhalten und ihre Wirte nur zur Nahrungsaufnahme aufsuchen. Wenn man Nistkästen reinigt, sollte man sich deshalb gut anziehen. Neben den Milben wohnen zuweilen auch Vogelflöhe in den Nestern. Wenn die Vögel ausgeflogen sind, hungern die Parasiten und fallen über alle möglichen Warmblüter her, auch wenn das für sie oft tödlich endet. Die blutsaugenden Arten haben größere Mundwerkzeuge, als die gezeigten Federmilben.
Es gibt auch noch Federspul- und Federbalgmilben. Erstere zerfressen die Federspulen, die Zweiten leben ähnlich den Haarbalgmilben in den Federbälgen. Beide werden nur bei Massenbefall für die Vögel gefährlich.
Beste Grüße
Gerd