Hallo in die Runde,
beim Anblick der von Ernst Häckel gezeichneten exotischen, sehr zerbrechlichen Radiolarien treibt mich die Frage um, wie konnte er sie damals präparieren und mit den Mikroskopen vor über 100 Jahren so beobachten, dass er sie derart detailreich zeichnen konnte?
Ich mag nicht unbedingt Kunstwerke der Natur im Zeitraffer ansehen, aber für einen Schnellüberblick der vielen Variationen finde ich das ein gutes Video https://www.youtube.com/watch?v=tl_onFMjJWA
Es würde mich sehr reizen, mich an solchen Radiolarien für ästhetische REM Aufnahmen anzunehmen, ich bin jedoch als Landratte (FFM) weit weg von den Meeren und weiß überhaupt nicht, wie, wann und wo man diese außerordentlichen Schönheiten heran kommen kann.
Ich schätze mal, ein Fangen mit einem üblichen Planktonnetz würde die Feinstrukturen sofort zerstören.
Ist das Verfolgen dieser Idee überhaupt realistisch?
LG
Bernd
Lieber Bernd,
In seinen Lebenserinnerungen beschreibt Ernst Häckel, wie er gleich zu Beginn seiner Italienreise fast die gesamte Reisekasse für ein Mikroskop-Objektiv von Amici geopfert hat. Um dann später in Messina dem Meergott auf den Knien zu danken, für all die wundervollen Geschöpfe, die er damit beobachten konnte. Und zu schwören, sein Leben fortan ihrer Erforschung zu widmen. Er hatte ja ursprünglich daran gedacht, Kunstmaler werden.
Später hat er noch andere Mikroskope namhafter Hersteller verwendet, die Alle schon damals die Grenzen der Auflösung der Lichtmikroskopie ausgelotet haben.
Radiolarien bekommt man z.B. über den Mineralienfachhandel Krantz in Bonn
https://www.krantz-online.de/radiolarienmergel-aus-barbados/F64 (https://www.krantz-online.de/radiolarienmergel-aus-barbados/F64)
Dort gibt es auch schon fertige Legepräparate oder lose Sammlungen.
Viel Erfolg! Wobei der Hiweis angebracht ist: Hohe Suchtgefahr, siehe oben!
Alfons
Lieber Alfons,
da ich Bernds Wünsche ungefähr abschätzen kann, denke ich lautet die korrekte Fragestellung wie er an rezente, bzw. möglichst gut erhaltene Exemplare kommt. Die Radiolarien von Barbados sind zwar angesichts ihres Alters in hervorragendem Zustand, jedoch sind die Fortsätze nicht erhalten.
Hat Ernst Häckel evtl. direkt auf dem Schiff die Zeichnungen angefertigt von frisch gezogenen Proben?
lg
Anne
Hallo Anne,
Ernst Häckel war nicht mit auf dem Expeditionsschiff. Er hat die konservierten Proben zur Bearbeitung bekommen. Das dürften einerseits Planktonnetzfänge, andererseits aber auch Tiefseetone gewesen sein.
Beste Grüße
Gerd
Hallo Bernd,
man kann ja mit Erfahrung eine Menge sehen mit dem Lichtmikroskop und dazu noch ein Bisschen was erahnen. Häckel hat sich bei seinen Zeichnungen nicht auf das für jedermann sicher erkennbare Minimum beschränkt, sondern ist ein Stück weit in den Graubereich der erahnbaren Strukturen hineingegangen. Zeitgenossen, vermutlich auch weniger geübt und nicht so gut ausgestattet (rein mikrotechnisch gesehen) wie Häckel, haben ihn daraufhin kritisiert.
Es gibt ja viele Arten von Radiolarien und nicht alle sind gleich zerbrechlich. Viele dürften uns kaum bekannt sein, weil sie in den üblichen Proben nicht auftauchen bzw. nur als Knochensammlung.
Christian Sardet hat lebende Radiolarien in seinem Bildband "Plankton" gezeigt. Er hat sie gleich an Bord des Schiffs fotografiert. Einige der Exemplare in seinem Buch würde man wohl gar nicht in totem Zustand untersuchen können. Es gab viele von Sardets Fotos auch im Internet, aber ich konnte die Seite spontan nicht wiederfinden.
Grundsätzlich müsste es möglich sein, einzelne besonders gut erhaltene Exemplare von den noch halbwegs robusten Arten aus dem Meeresplankton zu fischen und so REM-Bilder zu schaffen, die so noch nicht da gewesen sind.
Viele Grüße,
Bob
Hallo in die Runde,
@Alfons
wie Anne richtig angemerkt hatte - wenn es realisierbar ist - trachte ich nach rezenten Radiolarien.
Wenn - wie du schreibst - Ernst Häckel eigentlich Kunstmaler werden wollte, dann wüßte ich nicht, wie er seine im Mikroskop gesehenen und (als Mediziner) gezeichneten Objekte nach einem Kunststudium noch besser und eindrucksvoller hätten werden können. ;).
Zu der von dir angesprochenen Suchtgefahr: Ich verpüre wahrlich jetzt schon ein unwiderstehliches Verlangen, einige der sehr filigranen, kunstvoll gezeichneten Radiolarien in Natura und 3D im REM zu bewundern.
@Bob
Ich habe mir das Buch von Christian Sardet gleich mal angeschaut, es sind viele schöne Aufnahmen darin aber leider sind nicht die Objekte meiner Begierde abgelichtet.
Vieleicht kann mir als Radiolarien-Laien hier jemand weiter helfen, ich habe das Internet (mit meinen Möglichkeiten) durchgesucht, ich finde keine Makro/Mikro/REM Aufnahmen der filigranen Radiolarien, wie sie Häckel so detailreich gezeichnet hat.
Sind diese in den letzten 100 Jahren aus den Ozeanen verschwunden oder nur noch im Tiefseeboden zu finden (Häckel soll ja auch Tiefsee-Bodenproben untersucht haben)?
Ich wüßte auch nicht, wie man an Tiefseewasser - oder Bodenproben herankommen könnte. Ein E-Mailkontaktversuch an das AWI war leider nicht erfolgreich.
LG
Bernd
Übrigens hat Haeckel Zeichnungen angefertigt, die dann später von einem Profi gestochen wurden. Seine Zeichnungen sind etwas gröber als die detailreichen Stiche in dem Buch. Ich habe vor ein paar Jahren das kleine Karl-Ernst von Baer Museum in Tartu (Estland) angeschaut. Da standen ein paar von Haeckels Originalzeichnungen auf einen Schrank rum, die der Museumsleiter geschenkt bekommen hatte. Die sind schön, aber lange nicht die Qualität, wie in den ,,Kunstformen der Natur". Nur so als Zusatzinformation.
Grüße
Stephan
Liebe Kollegen,
eine echt mal vermutlich sehr "blöde" Frage, aber nach dem Motto "Was Sie schon immer wissen wollten, aber...": Natürlich weiß ich, dass es das Werk "Kunstformen der Natur" von Häckel gibt, habe mich aber - als eher an der Mikroskoptechnik Interessierter - nie damit befasst. Ich kenne auch grob die kunstvollen Stiche der Radiolarien etc.
Nun mein Frage: Gibt es all diese Objekte wirklich "so", wie abgebildet sind oder ist Vieles eher der Phantasie entsprungen?
Herzliche Grüße
Peter
Lieber Peter,
man weiß, dass Haeckel manchmal etwas geschönt hat, aber im Prinzip gibt es das alles.
Grüße
Stephan
Hallo Bernd,
ich kann Dir nicht alle Fragen beantworten, kann mich aber erinnern, dass mir CMB, Matthias Burba, erzählt hat, wie er direkt auf dem Schiff Aufnahmen von lebenden Radiolarien gemacht hat, da alleine durch den Transport diese schon kaputt gehen. Tiefseeproben habe ich einige. Da kann man schöne Sachen finden, die Betonung liegt auf ,,kann". Oft sind auch hier alles Fortsätze abgebrochen. Auch hier braucht es viel Glück!
lg
Anne
Liebe Kollegen,
Die Untersuchungen Haeckel zur Systematik der Radiolarien gehen im Wesentlichen auf 2 Episoden zurück:
1) Seine Reise als junger Student nach Messina, wo er frisch geschöpfte Tiefwasserproben aus der Strasse von Messina untersuchte und zeichnete.
Diese Zeichnungen wurden in Kupfer gestochen und im ersten Band der Radiolarien publiziert.
2) Später bekam Häckel den ehrenvollen Auftrag, die Sammlung von Tiefseeschlämmen der englischen Challenger-Expedition zu untersuchen. Das wurde ein gewaltiges Werk, veröffentlicht in den 2 Bänden des insgesamt 24-bändigen Challenger-Reports. EinText-Band und ein Tafelband. Die Zeichnungen Häckels wurden von Giltsch auf Stein übetragen und als - teils mehrfarbige - Lithographien gedruckt.
Weil sich kaum eine Bibliothek den 24-bändigen Challenger-Report (in Folio) leisten konnte (die Tübinger Universitätsbibliothek bekam eine Ausgabe als Präsent der Englischen Queen), gab es eine Deutsche Ausgabe der 'Radiolarien' in zwei weiteren Bänden, ebenfalls im Großformat.
Um die Schönheit der 'Kunstformen der Natur' einem weiten Publikum von Künstlern, Architekten und Naturfreunden nahe zu bringen, editierte Häckel um die vorletzte Jahrhundertwende die gleichnamige (Volks-)Ausgabe in 10 Lieferungen à 10 Lithographien, wieder zum Teil als Mehrfarbendruck.
Um seine Arbeit zu finanzieren, verkaufte Häckel einige seiner Radiolarienpräparate an wissenschaftliche Institutionen. So auch an die Universität Tübingen, siehe Bild.
Mit monistischen Grüßen,
Alfons
Ich meine, einen Nachdruck neulich bei Jokers gesehen zu haben.
Hallo in die Runde
@Anne
von den letzten Lebend-Proben Phytoplankton von dir und Wolfgang habe ich folgendes gelernt: verdünnt fangen, so früh wie möglich die gewünschten Exemplare einzeln herausfischen und sofort (möglichst immer einzeln in der Schwebe haltend) präparieren. Kein Zentrifugieren, Sedimentieren oder Filtrieren. Eben der (für mich) höchste Schwierigkeitsgrad der Aufarbeitung;)
@Alfons
was für ein Schatz, den du da zeigst! Gibt es davon evtl. irgend wo Mikroskop-Fotos zu bewundern?
LG
Bernd
Lieber Bernd,
Die vorliegenden Präparate stammen aus der Sammlung des Instituts. Manfred Kage hatte sich vor Jahren die Mühe gemacht, Einige der Präparate zu fotografieren. Deshalb habe ich keine Zeit mehr investiert - kann es aber bei Gelegenheit versuchen.
Die Radiolarien der Challenger-Expedition wurden von vielen Herstellern mikroskopischer Präparate verkauft, hier z.B. aus einer Tiefseeprobe vom 8. September 1875.
Das zweite Präparat stammt von einer Probes der etwas früheren Expedition der H.M.S. Porcupine im Jahr 1869 und zeigt Globigerinen(schlamm) aus einer Tiefe von 1120 Faden.
Die Meisten der Radiolarien im Schlamm der Tiefsee blieben nur als Bruchstücke erhalten. Es bedurfte sicher vieler Geduld (und etwas Phantasie), die wirkliche Form zu rekonstruieren.
Viel Spass beim Betrachten,
Alfons
Hallo Bernd,
ich hatte sogar gereinigte Proben der Exkursion, die ich aber an einen lieben Freund verschenkt habe. Auch diese Proben waren überwiegend Bruchstücke. Häckel hatte wohl, wie schon Alfons schreibt, vervollständigt. Was jedoch anhand von guten Bruchstücken durchaus möglich ist. Irgendwo habe ich noch Meller Präparate, die auch von der Exkursion sind, mit sehr faszinierenden Bruchstücken.
lg
Anne
Hallo,
"Vervollständigen" ist ja akzeptabel, wenn die Vervollständigung der Realität entspricht. meine Frage war eher, ob es alle Radiolarien tatsächlich "so" - wie von Häckel dargestellt - auch gibt oder ob die Formen oft eher im wahrsten Wortsinne "Kunstformen" sind! Oder anders gefargt: Könnte man alle benamsen?*
Herzliche Grüße
Peter
*Aufgrund einer irritierten PN-Nachfrage: "Benamsen" = "mit einem Namen versehen, benennen, ansprechen". Ok, ein nur mäßig witzig verballhornter Begriff, der aber meines Wissens durchaus im allgemeinen mikroskopischen Sprachgebaruch gängig ist.
Liebe Anne, lieber Alfons,
das schätze ich an diesem Forum so sehr, hier bekommt man erstklassige Hintergrundinfos und hilfreiche Weichenstellungen für seinen weiteren Weg, wenn man laienhaft Neuland betritt. Danke dafür!
Wenn die Proben so viele Bruckstücke enthalten, dann kann man wohl davon ausgehen, dass es sich um geologische Tiefseeschlamm-Bohrungen mit fossilen Radiolarien handelt?
Ich vermute, dass die oberflächlichen Ablagerungen der Tiefsee u.a. aus (frisch) abgestobenen Silikatgerüsten der Radiolarien bedeckt sein müßten, die perfekt und ohne jegliche, mechanische Turbulenzen (empfindliche R. noch zusammen hängend oder ohne Bruch) von aller Organik befreit sein müßten.
Die natürliche Zersetzung mariner Polysacharide soll laut Literatur sehr komplex ablaufen und in unterschiedlichen Kaskaden von speziellen Enzymen und Bakterien erfolgen. Das wäre wohl das perfekte Material für alle Mikroskopiker.
Aber an solches Material herankommen wird wohl nicht möglich sein, so dass nur noch Lebendfang in Frage kommt ....... oder?
LG
Bernd
Lieber Bernd,
auch solches Material habe ich.
Das habe ich mal von Ditmar Metzeltin bekommen, der mir völlig begeistert erzählt hat, das die Radiolarien sozusagen "Säcke weise" auf dem Meeresgrund lagen und einfach ab geschippt werden konnten.
Du wärst sehr enttäuscht. Es handelts sich bei meiner Probe um die "üblichen" Podocyrtis, es sind keine filigranen Fortsätze erhalten.
Das ist natürlich nur die Aussage zu einer Probe, es kann an anderer Stelle sicherlich auch anders aussehen.
lg
anne
Lieber Peter,
Häckel war ein sowohl künstlerisch begabter wie phantasievoller Naturforscher mit dem Ansatz, die Vielfalt der Formen und Arten im Lichte der damals neuen Darwinschen Theorie zu beschreiben.
Als der in Deutschland bedeutendste und kämpferischte Verfechter der natürlichen Evolution stand er im Kreuzfeuer der Kritik, durfte sich also keine Fehler erlauben. Die Verwechslung bzw. doppelte Verwendung eines Holzschnitts von Embryonen der Säugetieren hatte ihn massiven Anfeindungen ausgesetzt.
Deshalb ist davon auszugehen, dass er bei der Beschreibung des ungeheuer reichen Materials der Challenger-Expedition sehr sorgfältig vorging. Er hat dazuhin noch weitere Tiergruppen beschrieben, Quallen und Kalkschwämme.
Insgesamt waren es über 3.000 neue Arten, die Häckel beschrieb und in ein von ihm geschaffenes System der 'Natürlichen Entwicklungsgeschichte' einordnete.
Das muss man erst mal schaffen, sich so viele lateinische und griechische Artnamen auszudenken, die ja auch eine Eigenschaft des Objekts beschreiben sollten.
Am Ende hat er z.B. eine besonders schöne Qualle nach seiner jung verstorbenen Ehefrau Anna Sethe benannt.
Speziell bei der Auflage der Kunstformen stand die Darstellung eines Idealtypus der jeweiligen Art im Mittelpunkt. Die Natur ist da oft weniger künstlerisch. Wovon wir uns morgens im Spiegel im Vergleich zu Michelangelos David oder Botticellis Venus leicht überzeugen können.
Selbst in den modernen Bestimmungsbüchern wird großer Wert auf ein gefälliges Bild gelegt - obwohl in der Natur fast jeder Schmetterling beschädigte Flügel hat oder jedes Tier von Parasiten, Krankheiten oder Alter geplagt ist.
Mit sonntäglichen Grüßen,
Alfons
Hallo Bernd,
Zitat von: bernd 552Wenn die Proben so viele Bruckstücke enthalten, dann kann man wohl davon ausgehen, dass es sich um geologische Tiefseeschlamm-Bohrungen mit fossilen Radiolarien handelt?
Ich glaube kaum, dass man von der Challenger aus gebohrt hat. Vielmehr hat man zur damaligen Zeit wohl mit Gewichten beschwerte Probennehmer an ein Seil quasi im freien Fall auf den Grund fallen lassen, die sich dort einige Zentimeter bis wenige Dezimeter in den Boden gerammt haben und die dann dann wieder hoch gezogen wurden. Aber das ist auch nur eine Vermutung. Gebort haben die aber ganz sicher nicht, jedenfalls nicht in der Tiefsee, wo die Radiolarien ab einer bestimmten Tiefe angereichert werden, weil alle Kalkschlen (Foroaminiferen, Coccolithen u.a.) ab einer bestimmten Tiefe, die abhängig ist von den Temperaturverhältnissen, aufgelöst werden.
Beste Grüße
Gerd
Hallo Gerd,
ja, ich glaube auch, dass vor 100 Jahren die Tiefsee-Bohrtechnik noch nicht so weit war.
Das Bild der Radiolarien, das Alfons von einem originalen Häckeckschen Objektträger zeigt, sieht vom Bruchbild der Radiolarien fast genau so aus, wie z.B. die Radiolarien aus dem Barbados Mergel der Fa. Kranz, die hier im Forum schon oft gezeigt wurden.
Ich hätte bei frisch abgestorbenen und sich langsam auf dem Meeresboden absetzenden Radiolarien viel weniger Bruch erwartet.
Anne berichtete ja, sie hätte solch eine Probe von der Meeresboden-Oberfläche und die Radiolarien (selbst die Robusten) würde ebenso viel Bruch zeigen.
Sehr wahrscheinlich gibt es für die Hobbymikroskopierer zu wenig Zugriff auf solche Bodenproben, so dass man keine verläßlichen Aussagen über die Qualität der dort aufliegenden, filigranen Radiolarien getroffen werden können.
LG
Bernd
Lieber Bernd,
Ich schaue gerne im Challenger-Report nach, wo und wie die gezeigte Probe(n) genommen wurden.
Der Zuwachs des Tiefseebodens beträgt nur wenige Millimeter pro Jahr (wenn überhaupt). Deshalb umspannt eine auch nur oberflächliche Entnahme, wie Gerd sie beschreibt, schon einen großen Zeitraum.
Herzliche Grüße,
Alfons
Hallo,
in den Radiolarienwerken von Häckel habe ich aber auch Zellkörper und deren Inhalt gesehen. Er kann nicht nur subfossile Sedimentproben zur Verfügung gehabt haben, sondern sicher auch rezente Planktonfänge. An so was müsste man heran kommen. Die filigraneren Radiolarien leben in den Tropischen Meeren, während die in den polaren eher robust gebaut sind.
Beste Grüße
Gerd
Hallo Gerd,
Wie oben schon geschrieben, hat Ernst Häckel zuerst die lebend frischen Radiolarien aus dem Tiefenstrom der Meerenge von Messina untersucht und später dann das gesamte Radiolarien-Material der Challenger-Expedition. Vermutlich waren da auch Planktonproben dabei.
Am Mittelmeer war Häckel u.a. in der Meeresbiologischen Station von Villefrache, die für das dortige Tiefenplankton bekannt ist.
In der dortigen Institusbibliothek habe ich vor Jahren geschmökert und eine Arbeit von Häckel gefunden, in der er eine neue Art von Quallen beschrieb. Gesehen hatte er diese Quallen aus seinem Arrest-Zimmer im Turm von Belem vor Lissabon, in dem er wegen eines Cholera-Ausbruchs in London, von wo er kam, in Quarantäne sass und sich von seinen Wärtern die Quallen mit einem Eimer aus dem Wasser schöpfen lies.
Damals war die Merresbiologie ein reich gedeckter Tisch: Fast jede Beobachtung war eine Neuentdeckung!
Mit besten Grüßen,
Alfons