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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Diana1982 in April 27, 2022, 15:22:00 NACHMITTAGS

Titel: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: Diana1982 in April 27, 2022, 15:22:00 NACHMITTAGS
Toll  ::) ...

...Im Dezember hatte ich mir liebevollst eine spezielle Lackfarbe aus mehreren Lacken angerührt. Der Farbton ist nach vielen Versuchen perfekt gewesen.
Die Grundkomponente war Hammerite Hammerschlaglack. Es ging darum, mit ganz wenig weiteren Farbpigmenten den perfekten Grauton hinzubekommen.

Nun hatte ich den Lack wieder verwenden wollen. Leider war eine dicke Haut darauf. Unter der Haut alles sehr zähflüssig aber noch nicht ganz fest.
Ich habe also Universalverdünnung hinzugefügt bis der Lack sich wieder sehr gut verarbeiten ließ.
Nun habe ich das Gefühl, er härtet nicht mehr ordentlich aus - ODER zumindest nicht so schnell wie gewohnt (nach 24Std. noch nicht wirklich fingernagelkratzfest).

Ist diese Art Verdünndung nie eine gute Lösung?
Bin ich zu ungeduldig?
War es zuviel Verdünnung?

Habt Ihr Tipps, wie das ganze noch zu retten ist?

Gefühlt darf ich neu anrühren. Immerhin habe ich nun die 3 Farben, die ich brauche für das perfekte Leitz Hammerschlag-Hellgrau  ;)

LG Diana
Titel: Re: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: Tilman in April 27, 2022, 18:01:32 NACHMITTAGS
Hallo Diana,
da hast du eine Problem, das jeder der mit Lacken gearbeitet hat kennt. Viele Lacke enthalten Leinölzusätze, die mit Luftsauerstoff aushärten und dann nicht mehr löslich sind. Das erkennt man an der Haut auf dem Lack, wenn dieser längere Zeit gelagert wurde. Wenn sich die Haut wieder mit aufrühren lässt, hat man vielleicht noch Glück. Mit dem flüssigen Unterstand unter der Haut hat man vielleicht auch noch Glück. Aber je mehr von den reaktionsfähigen Komponenten schon ausgehärtet ist umso schlechter wird der Lack. Das kann dann dzu führen, dass der Effekt auftritt den du beschrieben hast. Also vielleicht hast du Glück, aber grundsätzlich ist es ein Problem,  diese Reaktionslacke 1.zu mischen und 2. längere Zeit zu lagern. Man kann sich Farbtöne von Lackfarben beim Händler nach Farbmustern mischen lassen, dann hat man die Gewähr, dass er funktioniert. Ob es dort auch Effektfarben (Hammerschlag o.ä.) gibt, kann ich dir nicht sagen.
Liebe Grüße
Tilman
Titel: Re: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: treinisch in April 27, 2022, 18:07:43 NACHMITTAGS
Hallo Diana,

ich weiß nicht, ob man das wissen kann, aber ich wette gegen eine Heilung. Die Haut ist abgebundener Lack und damit tot. Dass sich die Haut bilden konnte, heißt, dass Oxidation eingesetzt hat. Da auch der Rest-Lack dickflüssig wurde, dürfte ein größerer Teil des Bindemittels oxidiert sein. Das ist soweit wohl irreversibel. Durch das Verdünnen hast Du das nicht repariert.

Vielleicht geht es besser, wenn Du den Lack in einer Glasflasche passender Größe mit Dichtung lagerst?

vlg
Timm
Titel: Re: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: Diana1982 in April 27, 2022, 18:22:48 NACHMITTAGS
Hallo Zusammen,

Ich befürchte auch, dass meine Farbe diesmal hinüber ist und kann auch, da es sich um ein für jemand anderen zu restaurierendes Objekt handelt, kein Risiko eingehen.
Der Lack sollte schon wenigstens Mal-drüber-Wischen aushalten können  ;)
Daher werde ich neu mischen. Im Dezember, als ich die Farbe getestet hatte, war sie wunderbar - hat also "funktioniert".

Das Anmischen nach Farbmuster im Malergeschäft habe ich mehrfach versucht (auch vor Mikroskopiezeiten für andere Zwecke), hat bei Weiß- und Grautönen nie ganz genau gepasst. Gerade abgetöntes Weiß scheint fast unmöglich zu treffen zu sein.

Was die Lagerung angeht: Neulich war alles noch gut... Vermutlich war der Deckel dann doch nicht mehr luftdicht drauf und nun ist die Farbe halt hinüber.
Das nächste Mal suche ich mir ein schmaleres (eher hohes als breites) Gefäß mit besserer Dichtung.

Danke Euch und LG
Diana
Titel: Re: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: Bob in April 27, 2022, 18:49:01 NACHMITTAGS
Hallo Diana,
ich habe einen schwarzen Hammerite - Lack, der auch nur sehr langsam hart wird. Der war original aber auch nicht mit sowas wie Universalverdünnung gelöst, sondern eher mit etwas wie Waschbenzin. Hammerite hat aber verschiedene Lacke, auch nach Land verschieden. Ich meine zu erinnern, dass der schwarze Lack schon mal eine Haut gebildet hatte, und ich versucht habe die Farbe durch Verdünnen zu reanimieren. Ein ähnlicher grün-seidenmatter Lack funktioniert wie er soll, auch nach 1 Jahr Standzeit.
Früher konnte man die Lacke durch Zugabe von Verdünnung vollständig wiederherstellen und auch die Pinsel ewig benutzen.
Ich will früher zurück!!!

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: Nordlicht in April 27, 2022, 20:37:09 NACHMITTAGS
Hallo Diana,

in meiner Jugend als begnadeter Modellbauer (Revell...) hatte ich eine tolle Sammlung kleiner Lackdosen.
Damals war der Trick die Dosen "Kopfüber" zu lagern.
Gab es am Deckel undichtigkeiten wurden diese durch die trocknende Farbe geschlossen.
Wenn sich eine Haut gebildet hatte war Sie unten in richtung Boden, man konnte mit dem Pinsel direkt
in die frische Farbe.

Viele Grüße

Matthias
Titel: Re: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: Diana1982 in April 28, 2022, 15:33:46 NACHMITTAGS
Hallo Zusammen,

Als Kind habe ich meinem Vatee sehr viel bei allen möglichen handwerklichen Tätigkeiten auf dem Hof geholfen. Damals haben wir auch einfach Nitro-Verdünnung in zu feste Farbe geschüttet und gut wars. So zumindest meine Erinnerung...

Vielleicht war das noch richtiges Nitro und/oder richtige Farbe...ich weiß es nicht.

Inzwischen habe ich erneut erfolgreich angerührt  :)

Für weitere Lagertips, speziell das richtige Gefäß getreffend wäre ich dankbar. Aktuell habe ich ein Glasfläschchen mit "Plastiküberstülpdeckel", der eng schließt, genommen.
Mein fest gewordener Versuch befand sich in einem "Pisspöttchen" (kleines Probengefäß, wie es Urologen haben, Plastik mit Plastikschraubdeckel). Lange war die Farbe darin ok, dann innerhalb von wenigen Wochen nicht mehr.

LG Diana
Titel: Re: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: Werner in April 28, 2022, 16:55:45 NACHMITTAGS
Hallo Diana!

Zum Aufbewahren kannst Du große Einmachgläser mit Gummidichtung und Klammer verwenden. Die sind perfekt dicht, wenn man den Gummi mit Vaseline dünn einfettet. Auch als Exsikkator verwendbar, wenn man Trockenmittel dazulegt.

Zu den Lösungsmitteln: Die Nitroverdünnung alter Zusammensetzung gibt es leider nicht mehr! Heute sind das alles wilde Gemische aus möglichst billigen ("technischen", also gerade eben reinen) Lösungsmitteln oder fertig vermarktete billige Lösungsmittelgemische.
Was aus den Lacken verdunstet, sind die Lösungsmittel mit niedriger Siedetemperatur, also Alkohole (Methanol, Ethanol), Aceton und Ester.
Der Pattexgeruch kommt z.B. von Essigsäure-Ethylester, damit kann man zähes altes Pattex aus der Dose wieder brauchbar aufhübschen. Will sagen, mit dem Lösungsmittel, wonach der (frische) Lack hauptsächlich riecht, kann man ihn oft auch wieder streichfähig (oder spritzfähig) machen.
Gegen Luftoxydation hilft das Einmachglas oder bei großen Gefäßen einige Plastiktüten ineinander, mit Klebeband abgedichtet. Die Barrieren bremsen den Luftzutritt besser als garnichts.
Bei den ALTEN Ölfarben mit guter Dose und fester Haut dichtet diese den Rest gut gegen weitere Oxydation ab. Die sind auch noch nach Jahrzehnten verwendbar. Man muß nach Entfernung der Haut halt länger rühren.

Gruß - Werner
Titel: Re: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: Lupus in April 28, 2022, 17:19:44 NACHMITTAGS
Hallo Diana,

ZitatDamals haben wir auch einfach Nitro-Verdünnung in zu feste Farbe geschüttet und gut wars. So zumindest meine Erinnerung...
bei dem Hammerschlaglack dürfte es sich um einen Alcydharzlack handeln, ich habe mit so etwas auch schon Hertel&Reuss-Teile ergänzt. Im Prinzip sind das die "modernen" Nachfolger der früheren Öllacke. Und ich vermute dass da eine optimale Verdünnung mit den richtigen Inhaltsstoffen nicht ganz unwichtig ist, da waren Naturölfarben möglicherweise unkritischer. Aber wenn natürlich bereits durch zu starken Lösungsmittelverlust erste Vernetzungen erfolgen, und man das durch zu viel Lösungsmittel überkompensieren muss, werden sich auch die Eigenschaften wie z.B. Trocknungszeit verändern.

Zitat... Plastik mit Plastikschraubdeckel ...
Ich habe bei meinen kleinen Farb- und Lösungsmittelmischungen festgestellt, dass sich Kunststoffprobengefäße schlecht eignen, weil vermutlich leichtflüchtigere Lösungsmittel wie Kohlenwasserstoffe, die zu 90% als Lösungsmittel in diesem Lack enthalten sind, auf Dauer durch manche Kunststoffe wie PP diffundieren können. Glas mit solidem Schraubverschluss oder Blechdosen sind besser. Wenn die Lackmenge gering ist, sollte der Behälter auch klein dimensioniert werden um Verluste zu minimieren.
Man kann sich leere Farbdosen in diversen Größen kaufen https://www.nonpaints.com/de/125ml-leerdose-weissblech-inkl-deckel-blank (https://www.nonpaints.com/de/125ml-leerdose-weissblech-inkl-deckel-blank)

Hubert
Titel: Re: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: Diana1982 in April 28, 2022, 18:30:44 NACHMITTAGS
Hallo Werner und Hubert,

Danke Euch für die wertvollen Hinweise!

Die von mir angerührte Menge entspricht etwa 2 kleinen Revelldöschen  ;)
Ich lackiere keine großen Flächen neu.

Ich werde mir vermutlich ebensolche Leer-Dosen, die Hubert verlinkt hat, in der Größe, die ich brauche, zulegen und vielleicht zusätzlich in ein gutes vakuumierbares Gefäß geben.
Wegen dem Anrühren des gewünschten Farbtons habe ich zwar jetzt den Dreh raus, aber ständiges Nachmischen macht mir auch keinen Spaß und frisst viel Zeit.

LG
Diana
Titel: Re: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: Diana1982 in April 28, 2022, 18:31:40 NACHMITTAGS
Da das Thema vllt doch für andere interessant sein könnte, bitte ich um Verschiebung in eine geeigneteres Unterforum als das Café.

Danke und LG Diana
Titel: Re: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: Lupus in April 28, 2022, 18:56:00 NACHMITTAGS
Hallo Diana,

ich besitze mindestens 30 dieser 15 ml Revell-Dosenfarben, fast alle aus Jugendzeit 50 Jahre alt und immer noch sehr gut verwendbar. Man muss nur den Deckel richtig ohne Verbiegen öffnen und auch wieder sehr fest schließen, nur andrücken mit der Hand reicht nicht. Wichtig ist auch, evtl. Farbe am Dosenrand vor dem Verschließen gut zu entfernen sonst verklebt der Deckel und ist nicht mehr ohne Deformation zu öffnen. Der zusätzliche Trick mit dem Lagern mit Deckel nach unten wurde ja auch schon erwähnt, der Nachteil ist nur dass dann der Deckel unschön tropft.

Hubert
Titel: Re: Frage zu Lacken (Nachverdünnung bei bereits zäh gewordenem Lack / Aushärtung)
Beitrag von: rlu in April 29, 2022, 11:11:35 VORMITTAG
Hallo,
war vor Kurzem beim Parkettleger, der Lacke und Öle verkauft.

Und sein Tipp war die Dosen verkehrt herum zu lagern. Dann sind die wirklich luftdicht.


Liebe Grüße
Rudolf