Liebe Mikroskopiker,
ich brauche mal eure Hilfe. Mein Problem betrifft die Größe der Lichtringe des Kondensorrevolvers meines Leitz Diaplans, die wohl nicht zu den Phasenringen der Objektive passen. An dem Diaplan habe ich:
UKO Kondensor (Nr. 513 594) mit Revolverscheibe (Nr. 513 595) und derzeit Lichtring 2 S1.1 (Nr. 513 699) und 4 S1.1 (Nr. 513 701). Laut Serviceanleitung für das Aristoplan (Diaplan weitgehend baugleich) sollten die Lichtringe für diesen Kondensor passen (in Auszügen auf http://www.lenaturaliste.net/forum/viewtopic.php?f=220&t=22861&sid=8b7173991a9723945e1248e567113141&start=60 (http://www.lenaturaliste.net/forum/viewtopic.php?f=220&t=22861&sid=8b7173991a9723945e1248e567113141&start=60))
Als Objektive kommen ein Leitz Pl Apo 25 und Pl Apo 40, 170 mm Tubuslänge, Phaco 2 zum Einsatz. Und genau hier kommt das Problem: bei beiden Objektiven ist der Phasenring des Objektivs kleiner als der Lichring. Ich bekommen also die Ringe nicht zur Deckung. Wobei die Übereinstimmung der Ringe beim Pl Apo 40 besser ist als beim Pl Apo 25. (Um Missverständnissen vorzubeugen: Objektiv wird auf Präparat scharf gestellt, dann geköhlert, erst dann erfolgt Einstellung des Phasenringes..)
Wo könnte hier das Problem liegen? Angehängt noch ein schlechtes Photo (Handy) durch das Hilfsfernrohr auf Lichtring und Phasenring mit Objektiv Pl Apo 25, welches die Situation verdeutlichen sollte.
Eine weitere Bitte hätte ich auch noch: ich suche die Maße der Lichtringe 1, 3 und D. Könnte eventuell jemand, der diese Lichtringe besitzt hier mal die Außen- und Innendurchmesser der Lichtringe messen und hier mitteilen? Damit würde einem Selbstbau dieser Ringe nichts mehr im Wege stehen.
Mit herzlichen Grüßen,
Jens
Hallo Jens,
Der Kondensorkopf passt aber dazu?
Falls sich niemand meldet, kann ich übermorgen nachschauen wegen den Ringen.
LG Diana
Hallo,
grundsätzlich sehe ich zwei Möglichkeiten für diesen Fehler:
1. Der Kondensor ist an dieser Stelle mit einem nicht passenden Lichtring bestückt.
2. Der Kondensor besitzt eine von der Normschnittweite und Standard-Apertur 0,9 abweichende ausklappbare Kopflinsengruppe. In diesem Fall passt der übliche Standard–Lichtring in der Größe nicht, weil er in Abhängigkeit von der Schnittweite dieser Kopf-Linsengruppe in abweichender Größe in die Ebene des objektivseitigen Phasenringes projiziert wird.
Ich nehme an, dass auch bei diesem Mikroskop die numerische Apertur des üblichen Linsenkopfes bei 0,90 liegt. Diese Apertur war jedenfalls bei Leitz für alle Trockenkondensoren die allgemein übliche.
Die Standard-Lichtringe Phaco 1, 2, 3 waren in ihrem Durchmesser und ihrer Breite so dimensioniert, dass sie also bei einem Kondensor mit der Apertur 0,9 korrekt in die zugehörigen Phasenkontrast- Objektive projiziert worden.
Man kann auch ohne Vermessen eines verfügbaren Lichtrings von passender Größe die erforderliche Lichtring-Größe fotografisch und rechnerisch ermitteln. Hierzu macht man ein sauber justiertes Foto durch die Einstelllupe, welches den Phasenring im Objektiv und irgendeinen verfügbaren Lichtring von abweichender Größe in einer Projektionsebene sauber und scharf konturiert abbildet. Dieses Foto druckt man sich dann großformatig aus. Sodann misst man im Foto zunächst den mittleren Durchmesser und die Breite des fotografierten Kondensor-Lichtrings. Im zweiten Schritt misst man die tatsächliche Größe des fotografierten Kondensor-Lichtrings auf der Kondensor-Lichtmaske aus. Auf diese Weise kann man das großformatige Foto dahingehend ,,eichen", dass man weiß, welche mit einem Lineal ausmessbare Strecke in diesem Foto mit welcher Strecke bzw. Distanz auf der Kondensor-Lichtmaske korrespondiert. Man erhält also sozusagen einen Korrekturfaktor. Im letzten Schritt kann man dann durch Größenvergleich des Phasenringes und Lichtringes auf diesen großformatigen Foto exakt ermitteln, in welchem Maße Durchmesser und Breite des Lichtrings im Kondensor verändert werden müssen, damit beides in der Phasenring-Ebene des Objektivs korrekt übereinander projiziert wird.
Das ganze ist letztlich nur eine Dreisatz–Rechnung.
Ich habe auf diese Weise sehr präzise Lichtringe für die Phasenkontrast-Kondensoren verschiedener Leitz-Mikroskope selbst gebaut, um einige Phasenkontrast-Objektive von Fremdherstellern mit abweichenden Phasenring–Größen an den jeweiligen Mikroskopen verwenden zu können. Das ganze hat so einwandfrei funktioniert.
Die Lichtmasken hatte ich mir dann bei einem Leiterplatten-Hersteller mit Laser auf Folien drucken lassen. Diese Lichtringe waren aufgrund dieses Herstellungsprozesses absolut präzise, quasi im Mikrometerbereich genau, und die geschwärzten Flächen waren absolut lichtundurchlässig. Natürlich gibt es aber auch andere Herstellungsverfahren, die solche Lichtmasken mit hinreichender Präzession generieren lassen.
Ich hoffe sehr, dass dieser kleine Erfahrungsbericht hilfreich ist.
Viele Grüße und viel Erfolg
Jörg Piper
Hallo,
Jens braucht an diesem System einen Kondensorkopf Achr. 0.90 S1.1.
LG Diana
So ist es, das ist ja die normale Bestückung.
Es gibt nur manchmal ja auch für aufrechte Mikroskope Anordnungen, bei denen dieser Kopf beispielsweise durch einen mit längerer Schnittweite und einer Apertur von beispielsweise 0,6 ersetzt wird. Damit kann man dann zum Beispiel in einer dickeren Petrischale, die man auf den Objekttisch stellt, mit etwas Glück auch im Phasenkontrast Untersuchungen machen, wenn das Objektiv kein Deckglas benötigt und hinreichenden Arbeitsabstand hat. In so einem Fall muss man sich halt die im Kondensor vorhandenen Standard-Phasenringe selbst anders dimensioniert neu machen, damit der Phasenkontrast noch klappt.
Hierfür wollte ich ein einfaches Kochrezept vorschlagen, das sich in der Praxis als umsetzbar bewährt hat.
LG
Jörg
Hallo Jens,
falls der "falsche" Kondensorkopf verbaut ist, kann ich mit einem nagelneuen originalverpackten unbenutzten ACHR. 0.9 S 1.1 dienen.
Hezrliche gGrüße
Peter
Hallo,
an meinem Kondensor ist auch der richtige Kondesorkopf verbaut (Achr. 0,9 S1.1), hier liegt der Fehler also nicht.
@Peter
Vielen Dank für dein nettes Angebot.
@Jörg
Dir auch erstmal vielen Dank für deine ausführliche Erklärung zur Ermittlung der benötigten Lichtringröße - ich werde mich dann mal an der Ausmessung des Lichringes Phaco 1 nach der von dir beschriebenen Methode versuchen. Sollte eigenlich nicht allzu schwierig sein.
@Diana
dennoch wäre ich an den Maßen der originalen Lichtringe interessiert. Ich habe leider (noch) kein Phaco 3 Objektiv mit dem ich nach Jörgs Methode die Größe dieses Lichringes bestimmen könnte. Für die Dunkelfeldblende ist diese Methode sowieso nicht anwendbar.
Noch eine Vermutung: haben die nicht übereinstimmenden Phaseringe eventuell mit der "falschen" Tubuslänge meiner Objektive zu tun? Ich verwende ja an einem Mikroskop, welches auf 160 mm Tubuslänge ausgelegt ist, Objektive mit 170 mm Tubuslänge. Im normalen Durchlicht spielt dies ja ab Objektiven mit einem Vergrößerungsfaktor größer 16 keine Rolle mehr, aber was bedeutet dies für die Übereinstimmung von Lichtring mit Phasenring?
Mit herzlichen Grüßen,
Jens
Lieber Jens,
Ich war heute den ganzen Tag unterwegs, habe aber sogar an Dich gedacht und von jemanden für Dich angerufen, von dem ich weiß, dass er sowohl ein Orthoplan als auch ein Diaplan in Betrieb hat.
Ich hatte den Gedanken, dass es eigentlich nicht an den Objektiven liegen kann, war dann aber doch leicht unsicher und bat meinen Bekannten, es kurz zu testen.
Bei ihm ging Phaco mit 170er Objektiven.
Sobald ich Zeit habe, teste und messe ich für Dich oder schicke Dir die Blenden zum selber Maß nehmen zu.
Muss jetzt "zur Entspannung" leider noch etwas Holz schlichten. Der nächste Winter kommt bestimmt...
LG Diana
Hallo Jens,
Ich habe jetzt ein Diaplan mit Phaco-Kondensor aufgebaut und kann für Dich alles mögliche testen.
Der erste Test: 170mm Objektiv NPL 25 Phaco 2: Ringe passen perfekt zueinander.
LG Diana
Weiter gehts:
Produktnummern der Ringe:
Phaco 1: 513698 (1 S1.1)
Phaco 2: 513699 (2 S1.1)
Phaco 3: 513700 (3 S1.1)
Phaco 4: 513701 (4 S1.1)
Dunkelfeld: 513702 (DF S1.1)
Wie ich Deinem Eingangspost entnehme, hast Du die richtigen Nummern. Die Scheibe passt auch und der Kondensor ist ebenso der richtige (und nicht z.B. irgendein komisches Gebastel, was nicht zum Diaplan gehört, sondern ans Laborlux oder so).
LG Diana
Sitzen Deine Ringe richtig herum drin?
Wenn die ausgebaute Scheibe vor Dir liegt, lege sie mal so, dass die 6 randseitigen Schlitze für die Rastung oben liegen.
Wenn Du nun drauf schaust, sollte die Beschriftung der Ringe 1 S1.1 usw. oben sein und die Produktnummern unten.
LG Diana
Den "Trick" mit dem Scheibenausbauen kennst Du?
Einfach die silberne Schlitzschraube unten mittig im Kondensor so weit es geht lösen und die Scheibe herausnehmen...
LG Diana
Der Kondensor ist in der richtigen Höhe, sitzt nicht zu tief? (Fragt gerade Peter, der anscheinend parallel testet und mit mir whatsappt ;) )
Hallo Jens,
wahrscheinlich brauchst Du meine manuelle Messmethode nicht anzuwenden, wenn man Dir gleich die passenden Lichtring-Größen durchgibt.
Trotzdem bleibt die Methode dahingehend universell und interessant, dass man natürlich auch beliebige Lichtringe anfertigen kann, die dann für Kombinationen passen, für die es werksseitig gar keine Lichtringe gibt. Beispiel: bestimmte Zeiss–Objektive an einem Leitz–Mikroskop. So gibt es beispielsweise ein Iris 40–Phasenkontrastobjektiv von Zeiss, das Leitz in dieser Form nie gebaut hat und das dennoch an einen Leitz-Mikroskop sehr gut funktioniert, jedoch eine abweichende Phasenring-Größe hat. Hier muss man sich dann selbst behelfen.
Prinzipiell kann man mit der Methode auch geeignet dimensionierte Dunkelfeldringe für Objektive anpassen. Man muss dann nur die hintere Objektiv-Brennebene so fotografieren, wieder mit einem eingeschwenkten Phasenkontrast-Lichtring von bekanntem Durchmesser, dass man die äußere optische wirksame Randbegrenzung des Objektivs mit im Bild hat. Dann misst man auf dem Foto diesen Objektivdurchmesser aus und setzt ihn in rechnerischen Bezug zum Durchmesser des mit abgebildetes kleineren Phasenringes im Foto. Nun braucht man nur einen Kondensor-Lichtring anzufertigen, dessen Innenrand-Durchmesser sich etwas größer in die hintere Objektivbrennebene projiziert als der Objektiv–Außendurchmesser. Und schon projiziert sich das Ringlicht außerhalb des Objektivdurchmessers, so dass ein Dunkelfeldbild entsteht. Man kann dann sogar noch mit unterschiedlich großen Dunkelfeld-Lichtringen spielen. Denn je größer der Lichtring ist, desto schräger fällt das Beleuchtungspflicht ein und desto konturbetonter (aber auch lichtschluckender) erscheint das Dunkelfeldbild.
PS: Wenn der Kondensorkopf der richtige ist, auch alle Lichtringe in der Revolverscheibe die originalen und richtigen und auch alle Objektive von Leitz sind, egal, ob 160- oder 170 mm–Tubuslänge, dann ist diese Nichtübereinstimmung ein Rätsel.
Dianas Hinweis, dass die Lichtringe möglicherweise verkehrt herum in die Revolverscheibe eingelegt wurden, wäre natürlich stichhaltig und erklärend.
Ich kann nur noch ergänzend beitragen, dass Lichtringe in durchaus ähnlich erscheinenden und für ein und dasselbe Mikroskop passenden Kondensoren wegen unterschiedlicher optischer Auslegungen nicht immer dieselben Größen hatten. So gab es beispielsweise für die Gerätegeneration Laborlux 11, Laborlux 12, Dialux 20 zwei Universalkondensoren, die verwendbar waren: UK und UKL. Deren Lichtringe hatten leicht abweichende Größen. Folglich konnte man diese Ringe nicht gegeneinander tauschen, auch wenn sie jeweils in die andere Revolverscheibe rein mechanisch hinein passten.
Zu den späteren Mikroskopen wie Diaplan und Aristoplan gab es meines Wissens auch unterschiedlich designte Kondensoren, die sich rein äußerlich durchaus ähnelten. So gab es beispielsweise Kondensoren, bei denen die Revolverscheibe wie üblich ausgelegt war, aber auch andere, bei denen die Revolverscheibe sozusagen doppelstöckig angelegt war, so dass neben der einen Lichtmaske darunter oder darüber noch andere Dinge untergebracht werden konnten. Auch diese Lichtringe waren meines Wissens unterschiedlich. Wenn man also von irgendeinem Händler ein solches Mikroskop kauft und der Händler hat womöglich aus Einzelteilen solch einen Kondensor komplettiert, erscheint auch denkbar, dass er sich hierbei vertan hat.
Viele Grüße
Jörg
Hallo Jens,
Ich denke, das beste ist, ich schicke Dir, sobald wir den Fehler bei Dir ermittelt haben, die fehlenden Ringe (leihweise) zu und Du misst selber. Dann bist Du für alle Maße selbst verantwortlich...
Oder möchtest Du lieber originale Ringe zukaufen? Dann schau ich gerne, was ich übrig habe.
LG Diana
Hallo Diana, Hallo Jörg,
ich habe heute nochmals alles überprüft. Kondensorkopf ist der Richtige, die Ringe sitzen richig herum im Kondensorrevolver, auch wenn ich den Kondensor ganz nach oben stelle, stimmen Phasenring und Lichtring beim 25 Objektiv nicht überein. So komme ich jedenfalls hier erstmal nicht weiter.
Erst mal vielen Dank an alle, die mich bei diesem Problem unterstützt haben. Ich werde jetzt erstmal bei Diana die entsprechenden Ringe ausleihen, bzw. kaufen und dann weitersehen.
Herzliche Grüße,
Jens
Hallo Jens,
Nachdem Du mir den Kondensor zur Überprüfung geschickt hast, habe ich gerade ein wenig getestet, bzw. mich auf Fehlersuche begeben:
Deine Lichtringe sind völlig in Ordnung und auch die Scheibe ist richtig im Kondensor eingesetzt, sowie die Lichtringe in die Scheibe.
Desweiteren ist der Kondensorkopf in perfektem Zustand und auch weit genug eingeschraubt oder ähnliches.
Ich habe o.g. Komponenten mit meinen quergetauscht und an meinem Kondensor funktioniert damit alles tdellos.
Soweit, so gut... es müsste, wenn nichts verbastelt wäre, also eigentlich alles ok sein.
Deinen Effekt kann ich aber bestätigen - und nein, auch Deine 170mm Objektive sind nicht das Problem!
Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass - den Kondensorkopf weggeklappt - Deine Lichtringe, wenn man sie von oben durch die Kondensorlinse (die obere, direkt unter dem Schlitten des Kondensorkopfes) betrachtet, etwas größer ausschauen als bei meinem Kondensor.
Die Fehlerursache ist also entweder eine völlig falsche Kondensorlinse ODER eine verkehrt herum eingebaute.
Der Kondensor war definitiv schonmal zerlegt gewesen, was man an den entsprechenden Schrauben gut sehen kann.
LG Diana
Hallo Jens,
Hab Deinen Kondensor jetzt mal aufgemacht, die Linse für Dich ausgebaut und anders herum wieder eingesetzt.
Jetzt passts :) 8)
LG Diana
Hallo Diana,
ich verbeuge mich und ziehe meinen Hut.... . Wer den Kondensor auseinander gebaut haben könnte, ist mir natürlich ein großes Rätsel... ::) ... aber der war so verdreckt, überall Glassplitter drin und verharzt von altem Fett, der musste gereinigt werden. Ich hätte schwören können, die Linse richtig herum eingebaut zu haben, aber nun gut. Ich danke dir erstmal recht herzlich für die (eigentlich) einfache Lösung dieses Problems.
Liebe Grüße,
Jens