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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Carsten Wieczorrek in Mai 13, 2022, 21:08:36 NACHMITTAGS

Titel: Diacetylfluorescin Zwischenbericht
Beitrag von: Carsten Wieczorrek in Mai 13, 2022, 21:08:36 NACHMITTAGS
Hallo,
also, gegenwärtig bin ich etwas enttäuscht. Aber vermutlich mache ich nur etwas falsch (ich gebe noch nicht auf).
Ich habe hier eine Bäckerhefe-Kultur, die unter Zuckerzugabe seit zwei Tagen munter vor sich hin gärt. Am ersten Tag und am zweiten Tag habe ich jeweils etwas Diacetylfluorescin zugegeben.
Zu sehen ist fast nix. Anbei ein Foto, aufgenommen mit 1000 ASA, 5 sec. Belichtung und dem Apo 1,4. Und das ganze OHNE Sperrfilter (ich habe das Filterrad heraus gezogen).
Wer weiss Rat?
Schönen Abend
Carsten
Titel: Re: Diacetylfluorescin Zwischenbericht
Beitrag von: MiR in Mai 26, 2022, 14:45:54 NACHMITTAGS
Hallo Carsten,

wenn mich das Diacetylfluoreszein aus einer anderen Perspektive interessiert, fand/finde ich es spannend, zu sehen, was dabei an Ergebnissen rumkommt.  Irgendwie hat mich die Sache angesteckt, habe also selber mal ein wenig recherchiert. Grundtenor der Publikationen:

- Objekt kann generell nicht geeignet sein
- man muß sich streng an die Prozedur halten 
- Objekt zu alt

Bei der Suche nach einem geeignetem Medium, für ein erfolgreiches Experiment, bin ich auf folgenden Artikel gestoßen: "Lebendbestimmung kariogener Bakterien mittels Fluoresceindiacetat" in Kariesprophylaxe 3, 75-79 (1981)

Nun scheint es leider ;) so, dass normalerweise diese Bakterien in meinem Mund nicht vorliegen und auf die Suche im Umfeld möchte ich eher nicht gehen! Aber ich finde den Artikel interessant, zumal weitere geeignete (mir völlig unbekannte) Medien aufgeführt werden. Vielleicht bringt dir das Selbststudium ja was ...

Ganz gespannt auf weitere Ergebnisse
Michael
 
Titel: Re: Diacetylfluorescin Zwischenbericht
Beitrag von: reblaus in Mai 26, 2022, 15:30:28 NACHMITTAGS
Hallo -

diese Färbung scheint bei höheren Pflanzen recht unproblematisch zu sein:

vor langer Zeit haben wir mal Zellkulturen unterschiedlicher Rebsorten hergestellt. Wenn ich mich recht erinnere wurde zu diesem Zweck Wundkallus enzymatisch behandelt um die Mittellamelle zwischen den Zellen aufzulösen und diese so zu einer Suspensionskultur zu vereinzeln. Diese diente dann als Basis für Untersuchungen im Rahmen der Pilzresistenz-Genetik.
Um zu testen ob und wieviele der Zellen diese Behandlung überstanden hatten wurden sie mit Fluoreszeindiazetat gefärbt, das die intakte Protoplastenmembran durchdringen kann. Intakte Zellen spalten die Actetatreste ab, es entsteht Fluoroszein, das die Zelle nicht mehr verlassen kann. Im Fluoreszenzlicht sehen gesunde Zellen dann so aus:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/325761_25773083.jpg)
Diese Zellen besitzen noch ihre Zellwand. Durch Behandlung mit einem Enzymgemisch kann diese entfernt werden, sodass reine Protoplasten erhalten werden, die dann eine kugelrunde Form annehmen und weiterverarbeitet werdem können.

Viele Grüße

Rolf