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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Florian D. in Juli 10, 2022, 13:19:42 NACHMITTAGS

Titel: Meteorit
Beitrag von: Florian D. in Juli 10, 2022, 13:19:42 NACHMITTAGS
Glückauf Forum

Zum Thema Meteorite gab es ja schonmal einen tollen Faden:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=9658.msg90780#msg90780
In einer Schachtel Dünnschliffe, über deren Provenienz ich immer noch grüble (ich glaube, ich habe sie mal Linuxpenguin abgekauft), fand ich auch 2 Schliffe, der eine gänzlich unbeschriftet, aus deren merkwürdiger Textur ich nicht schlau wurde, bis Olaf mich darauf hinwies, dass es sich um Chondrulen handele, also kleine wiedererstrarrte Schmelztröpfchen in den sogenannten chondrischen Meteoriten.
Auf dem 2. Schliff fand sich tatsächlich eine verwischte Beschriftung "SWA 1848", was zu einem Chondriten aus Marrokko in der Datenbank https://www.lpi.usra.edu/meteor/ passen würde.
Die Bilder, des Schliffes, die ich im Anhang zeige, stammen vielleicht von dem berühmten Allende Meteoriten, der 1969 in Mexiko niedergegangen ist.
Seit Holgers Faden vor 10 Jahren, hat man einiges über die Bildung dieser Meteoriten und vor allem der darin enthaltenen Chondrulen herausgefunden.
Sie haben sich vor 4,5 Milliarden Jahren in der Protoplanetaren Wolke gebildet, nur wenige Millionen Jahre, nachdem die Sonne gezündet hatte. Es handelt sich also um die ältesten Objekte aus unserem Sonnensystem. Die mittlere Zusammensetzung der Chondrulen entspricht, von den leitchtflüchtigen Elementen abgesehen, genau der für die protoplanetare Wolke erwarteten. Diese Wolke ist zu diesem Zeitpunkt zunehmend instabil geworden und kleine Agglomerate konnten wie Schneebälle schnell zu Protoplanetoiden heranwachsen. Da die Geschwindigkeit dieser Akkretionen oft höher war, als die Schallgeschwindigkeit innerhalb der Wolke, führte dies zur Ausbildung von Stosswellen, in denen die Temperatur des Gases schnell auf Temperaturen nahe der Schmelztemperatur der Partikel  oder sogar darüber  anwuchs und ebensoschnell wieder abfiel. Diese maximale Temperatur kann man gut abschätzen. In den anhängenden Bildern erkennt man Chondrulen (einmal in linear polarisiertem Licht, einmal in x-pol mit Rot I Kompensator, um die Helligkeitskontraste auszugleichen), die beide vorwiegend pyroxenitische Zusammensetzung haben. In den ersten beiden Bildern sind grosse porphyrische Pyroxenkristalle ausgebildet. Dies lässt darauf schliessen, dass die Schmelztemperatur der Pyroxene nicht ganz erreicht wurde und daher mehrere Kristallisationskeime erhalten blieben um die herum sich die neuen, grossen Kristalle bildeten. Hingegen wurde im 3. und 4. Schliff die Schmelztemperatur überschritten und es bildete sich eine homogene Schmelze, die unterkühlte bis plötzlich vom kälteren Rand aus radialstrahlige Kristallaggregate augenblicklich auskristallisierten.
Die Chondrulen sind zw. 0.5 und 2 mm groß.

Viele Grüsse
Florian
Titel: Re: Meteorit
Beitrag von: olaf.med in Juli 10, 2022, 14:33:55 NACHMITTAGS
Lieber Florian,

Danke für den schönen Beitrag,  die Meteorite sind immer hochspannend. Übrigens, Chondrulen ist ein schöner neudeutscher Name für die guten alten Chondren  ;D ;D ;D.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Meteorit
Beitrag von: Florian D. in Juli 11, 2022, 23:32:55 NACHMITTAGS
Die folgenden Bilder sind nicht so schön. Ich habe probiert, das Metall (vielleicht auch Troillit o.ä), in das eine Chondre eingebettet ist, im Auflicht zu photographieren. Leider ist der Schliff eingebettet, so dass das Resultat recht flau ist. Im 2. Bild ist Durchlicht zugeschaltet, um die Chondre erahnen zu können. Man erkennt, dass viel von dem Metall oder Erz sich in rotschwarzen Rost umgewandelt hat.

Viele Grüsse
Florian
Titel: Re: Meteorit
Beitrag von: olaf.med in Juli 12, 2022, 10:47:57 VORMITTAG
Lieber Florian,

es ist schon sehr erstaunlich, dass Du an einem abgedeckten Dünnschliff im Auflicht überhaupt etwas sehen konntest. Hast Du Ölimmerion benutzt um die Reflektion des Deckglases zu eliminieren?

Man kann hier sogar vorsichtige Diagnosen abgeben: Das obere Korn ist, wie richtig erkannt, ged. Eisen, das randlich in Limonit umgewandelt ist (rote Innenreflexe im zweiten Bild).

Der Rest ist wohl Troilit (im rechten Korn mit wenig ged. Eisen verwachsen).

Herzliche Grüße,

Olaf

Titel: Re: Meteorit
Beitrag von: Florian D. in Juli 12, 2022, 11:09:05 VORMITTAG
Hallo Olaf,

pfundig, so hätte ich das auch vermutet. Ich habe ein gewöhnliches 10 Fach Objektiv statt eines Auflichtobjektivs verwendet, natürlich ohne Immersion.

Viele Grüsse
Florian
Titel: Re: Meteorit
Beitrag von: hugojun in Juli 12, 2022, 11:26:53 VORMITTAG
Hallo Florian,

schöne Chondren , die du da zeigst.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/327906_36849274.jpg) (https://www.pic-upload.de)

Bild 1 und 2 zeigt eine porphyrische Pyroxen Chondre , siehe auch im SW Bild.

Deine Bilder 3 und 4 könnte eine sehr feine Balken – Chondre wie Type e sein , aber
auf Grund der Farbgebung durch das Lambda I , sollten die ,,echten Farben ,, eher geringen Gangunterschied haben , es könnte also auch radial-strahliger Pyroxen sein,
auch wegen der nicht parallelen Lamellen , die pfeilförmig  zusammenlaufen .


Im Auflicht ist am rechten Troilit sogar die Korngrenze auf Grund der Anisotropie zu erkennen!
Danke fürs zeigen

LG
Jürgen
Titel: Aw: Meteorit
Beitrag von: Meilo11 in Mai 26, 2024, 15:17:05 NACHMITTAGS
Hallo zusammen. Ich bin noch ganz neu hier. Ich habe zuletzt einen tollen Fund gemacht und weiß gar nicht, worum es si h genau handelt. Es könnte ein Meteorit sein. Könnt ihr mir vielleicht weiterhelfen, wie ich das rausfinden kann?

Beste Grüße
Miron
Titel: Aw: Meteorit
Beitrag von: Florian D. in Mai 26, 2024, 17:10:17 NACHMITTAGS
Hallo Miron,

vielleicht kannst du uns ja erst mal Photos von Deinem Fund schicken, sowie eine Beschreibung?

Viele Grüsse
Florian