Liebes Forum,
heute möchte ich euch im vierten Teil meiner Trilogie über einheimische Rotalgen des Süßwassers Batrachospermum atrum vorstellen.
Sonnenburg (2021) berichtet, daß B. atrum im Solinger Bereich der Wupper die häufigste Rotalge ist und die besonders auffällige Bestände stromabwärts bis unterhalb Müngsten und von dort weiter bis Burg vorkommen. Dort werden bereits im Mai hohe Abundanzen erreicht und fallen mindestens bis in den Spätsommer hinein ins Auge. Im Sommer kommt es zu einer auffälligen Drift abgerissener Fragmente in der fließenden Welle. Es handelt sich hier offenbar um das bedeutendste Vorkommen innerhalb Nordrhein-Westfalens. Bundesweit ist B. atrum als ,,sehr selten" und mit der Gefährdungskategorie ,,Gefährdung unbekannten Ausmaßes" eingestuft.
Bei meinem Besuch an der Müngstener Brücke Anfang Juli war wenige 100 m unterhalb (westlich) der Brücke der Flachwasserbereich der Wupper leicht zugänglich. Im flachen Wasser, direkt am Ufer, waren kleine, olivgrüne Büschel von B. atrum in großer Zahl vorhanden und konnten leicht gesammelt werden.
Im Gegensatz zu den im Frühjahr in den Bächen in der Umgebung von Idstein gesammelten Thalli fühlten sich die Thalli von B. atrum bei der Probennahme nicht schleimig an.
Bei schwacher Vergrößerung fielen sofort die zu knotig-wulstigen Verdickungen reduzierten Wirtel und das Fehlen von Seitenästen auf. Der Thallus besteht aus großen, zentral angeordneten axialen Zellen, die von dicht anliegenden Kortikalzellen umgeben sind.
Viele Grüße
Bernd
Literatur:
Gauna, M. C. & Parodi, E. R. (2005) Morfologia y ciclo de vida de Batrachospermum atrum var. puiggarianum (Batrachospermales, Rhodophyta). Darwiniana 43: 57-63.
Sonnenburg, F. (2021) Rotalgen (Rhodophyta) und Braunalgen (Phaeophyceae) im Einzugsgebiet der mittleren Wupper. Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 12, 127-157.
Bild 1: Brückensteig und Müngstener Brücke. Die Entnahme der Probe erfolgte im Bildhintergrund.
Bild 2: B. atrum im wenige Zentimeter tiefen Wasser am Ufer der Wupper.
Bild 3: B. atrum, Übersichtsaufnahme.
Bild 4: B. atrum, Übersichtsaufnahme.
Bild 5: B. atrum, Zweig mit Quirlen und Verzweigungen.
Bild 6: B. atrum, Fokus auf die Kortikalzellen der Quirle
Bild 7: B. atrum, Fokus auf eine Axialzelle.
Hallo Bernd,
vielen Dank für diese weitere, schöne Dokumentation einer Rotalge im Süßwasser. Wie immer finde ich es sehr interessant, dass Du auch die Fundorte beschreibst sowie Angaben zur Lebensweise und morphologische Details bringst. Ein richtig schönes Algenportrait!
Beste Grüße
Ole
Bernd,
Thanks for sharing, interesting topic and a real enrichment to the species spectrum covered in our forum.
Best, Maarten
Liebes Forum,
in dem immer sehr lesenswerten Blog von Martyn Kelly habe ich gerade gelernt, daß Batrachospermum atrum schon seit einiger Zeit in Torularia atra umbenannt wurde https://microscopesandmonsters.wordpress.com/ (https://microscopesandmonsters.wordpress.com/), July 10, 2022, "All change...".
Hier auch noch die Originalarbeit:
Wynne, M.J. (2019). Torularia Bonnnemaison, 1828, a generic name to be reinstated for Atrophycus Necchi & Rossignolo, 2017. Notulae Algarum 89: 1-4. http://www.notulaealgarum.org/2019/index.php (http://www.notulaealgarum.org/2019/index.php)
Viele Grüße
Bernd