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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: SNoK / Stephan Krall in August 19, 2022, 16:38:40 NACHMITTAGS

Titel: Prymnesium parvum / Oder-Fischsterben
Beitrag von: SNoK / Stephan Krall in August 19, 2022, 16:38:40 NACHMITTAGS
Liebes Forum,

mich erstaunt, dass dieses Thema noch nicht im Forum "aufgeploppt" ist: Prymnesium parvum als möglicher Verursacher des Fischsterbens in der Oder. Ich wurde natürlich als Liebhaber der kleinen Tierchen, oder Algen, sofort hellhörig und habe in all meinen Büchern gewühlt. Nirgens habe ich etwas über Prymnesium gefunden. In Wikpedia gibt es allerdings einen umfassenden Eintrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Prymnesium_parvum. Im Forum habe ich die Gattung nur einmal von Anne erwähnt und mit einem Bild gesehen, in einem Thread über Draparnaldia: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=36729.msg269322#msg269322.

Wo sind die Heroen des Forums, die diesen Organismus schon fotografiert und beschrieben haben? Das würde mich wirklich interessieren.

Grüße
Stephan
Titel: Re: Prymnesium parvum
Beitrag von: KayZed in August 19, 2022, 17:03:40 NACHMITTAGS
Hallo Stephan,

danke für deinen Beitrag, vor allem für den link zu dem hervorragenden Wikipedia-Artikel.

Wundert mich auch, dass das noch kein Thema unter den Algenfreunden ist.

Bin auch mal gespannt, ob schon jemand Beobachtungen oder Bilder beisteuern kann.

Liebe Grüße
KlausZ
Titel: Re: Prymnesium parvum
Beitrag von: Werner in August 19, 2022, 18:59:51 NACHMITTAGS
Beim Fischsterben in der Oder wurde wohl schon viel vertuscht und verschleiert.
Erst soll es Quecksilber gewesen sein, dann wurde aber keines gefunden (Hg kann man nur falsch messen, wenn man sich saudumm anstellt). Dann wurde erhöhter (!) Sauerstoffgehalt angegeben. Kann eigentlich nur von Peroxiden kommen, schließlich soll es einen Chemieunfall in Polen gegeben haben. Das Ganze ist sehr wenig professionell.
Ich weiß, wie in einem großen Wasserlabor gearbeitet wird (wurde?), Da sind viele moderne Geräte, GS-MS, HPLC.MS, ICP-MS mit höchster Nachweisempfindlichkeit in kurzer Zeit. Nach 2 Tagen sollte das Ergebnis eigentlich vorliegen - hat es aber nicht ...

Gruß - Werner
Titel: Re: Prymnesium parvum
Beitrag von: Peter V. in August 19, 2022, 19:35:03 NACHMITTAGS
Hallo Werner,

ehrlich gesagt, hat es mich auch verwundert, dass die Analysen bisher nichts Eindeutiges ergeben haben. Vielleicht habe ich auch hohe Erwartungen an moderne Analytik?

Oder es ist eine homöpathische Ursache - Wassergedächtnis, Cluster oder was auch immer ohne stoffliche Nachweisbarkeit ;) :D

Wer hat da wohl den Fluss geschüttelt?

Hezrliche Grüße
Peter

Titel: Re: Prymnesium parvum Oder-Fischsterben
Beitrag von: Lupus in August 19, 2022, 20:00:11 NACHMITTAGS
Hallo,

Zitathat es mich auch verwundert, dass die Analysen bisher nichts Eindeutiges ergeben haben
das dürfte auch nicht ganz so einfach sein, wenn man natürlich einerseits den Verdacht hat, dass giftige Stoffen eingeleitet wurden und analytisch danach sucht. Es sich jetzt aber möglicherweise herausstellt dass es das Gift einer Alge war die eigentlich im Süßwasser nicht vorkommt.
https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/oder-gift-von-goldalgen-nachgewiesen-a-65897d16-ec26-442d-a00a-25c5c258303f (https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/oder-gift-von-goldalgen-nachgewiesen-a-65897d16-ec26-442d-a00a-25c5c258303f)

Hubert
Titel: Re: Prymnesium parvum
Beitrag von: limno in August 19, 2022, 21:38:09 NACHMITTAGS
Hallo,
also nachdem sich  mehr und mehr herauskristallisiert, dass es wahrscheinlich das Toxin besagter Goldalge war, würde ich nicht von unprofessioneller Arbeit sprechen wollen. Dass unmittelbar nach Bekanntwerden der Katastrophe, die Gerüchteküche hochkocht, in der viele ihr Süppchen bereiten, ist nichts besonderes. Gaby Weber und Fefe haben sich da nicht mit Ruhm bekleckert,sondern gleich Verschwörungstheorien herausposaunt, anstatt die Ergebnisse abzuwarten. Dass mindestens kriminelle Schlamperei im Spiel war- keine Frage. Bei der organischen Analytik kommen theoretisch tausende Stoffe in Frage. Und zuletzt soll ja eine logische  Kausalkette von Ereignissen geknüpft  werden, deren Ausgangspunkt länger als eine Woche zurückliegt. Limnologie ist mehr als nur Hydrochemie!
Wenn die Genomanalyse zutreffend sein sollte, nahm die Katastrophe mutmaßlich etwa folgendermaßen ihren Lauf: Infolge der anhaltenden Trockenheit stieg die Salzkonzentration (vermutlich durch Abwässer  aus einem Bergwerk) stark an . Prymnesium parvum eine Alge, die normalerweise in stark salzhaltigem Brackwasser gedeiht, kommt in der Oder eher zufällig (z.B. Eintrag durch Vögel) vor.
Besonders kleine Algen sind in der Lage auf hohe Nährstoffkonzentrationen mit einem explosionsartigem Populationswachstum zu reagieren, besonders wenn das Wasser warm ist Das erklärt den steilen Anstieg der Sauerstoffkonzentration. Im Gefolge stieg auch die Toxinmenge auf letale Konzentrationen . Nachdem die Labore wahrscheinlich größtenteils ihre Arbeit getan haben, steht jetzt die vermutlich die nicht minder schwierige juristische Aufarbeitung an.Ich bin nur heilfroh, dass dass sich die Quecksilberhypothese als falsch erwiesen hat, den sie hätte dem Fluss auf viele Jahrzehnte den Rest gegeben.
Abendgrüße von

Heinrich
Titel: Re: Prymnesium parvum / Oder-Fischsterben
Beitrag von: Bernd in August 19, 2022, 21:49:56 NACHMITTAGS
Hallo,

Zitateiner Alge ... die eigentlich im Süßwasser nicht vorkommt

wie in dem Wikipedia-Artikel angegeben, scheint P. parvum unter bestimmten Bedingungen sehr wohl im Süßwasser vorzukommen, manchmal sogar massenhaft. Ich könnte mir vorstellen, daß P. parvum auch sehr leicht übersehen wird. Wer bei Ochromonas roseola z.B., einer anderen Art aus dem Taxon der Haptophyta, schon mal versucht hat, das Haptonema zu sehen, weiß, daß dies nicht einfach ist. Bei mehr oder weniger flüchtiger Betrachtung kann ich mir schon vorstellen, daß die Art z.B. mit der – dann als langweilig ignorierten - Goldalge Ochromonas verwechselt wird. Und was das Vorkommen von Salzwasserarten im Süßwasser betrifft, hatten wir hier im Forum schon einige Beispiele bei den Diatomeen, z.B. Hydrosera oder Pleurosira laevis.

Viele Grüße,
Bernd