Liebe Foristen,
hier beschreibe ich eine Funktion dieses Kompensators über 30 Ordnungen, man braucht für Minerale 5 Ordnungen. Es ist ein Kompensator mit einem Kalzitplättchen. Das Eichprotokoll wurde mitgeliefert. Mit dem habe ich erst einmal gearbeitet und heftige bis beleidigende Kritik geerntet. Die zu beschreibende Funktion ist die Messung von Gangunterschieden bis zu 5 Ordnungen. Grundsätzlich muss man darauf achten, dass die Objektive sehr genau zentriert sind. Außerdem noch einmal Köhlern. Das geht beim DM 750 P sehr einfach. Wenn man einen blauen Saum sieht einfach den Objekttisch etwas heben oder senken bis die Umrandung gestochen scharf gelb ist. Das zu messende Objekt kommt in die Mitte des Sehfeldes. Als erstes wird das zu messende Korn in Diagonalstellung gebracht. Das ist die Hellstellung. Dann wird eine geringere Vergrößerung eingestellt. Dazu das Licht entsprechend heruntergedimmt. Dann die Feldblende zuziehen. Dann kommt der Kompensator in den Tubusschlitz. Beim Drehen der Trommel verändern sich die Interferenzfarben. Wenn sie sich erhöhen kann keine Kopensation stattfinden, das ist die Additionslage. Dann muss man den Objekttisch um 90 Grad drehen. Bei einigen Mikroskopen gibt es zwei um 90 Grad versetzte Tubusschlitze, an denen kann man einfach den Kompensator umsrtecken. Dann hat man die gewünschte Subtraktionslage. Beim Messvorgang durch drehen der Trommel nimmt der Gangunterschied so lange ab, bis die zu messende Stelle schwarz, ausgelöscht, erscheint. Den Winkel misst man. Dass wird die Trommel in die andere Richtung gedreht, bis auch dort Auslöschung erreicht wird. Der Winkel wird ebenfalls gemessen. Es ist darauf zu achten, dass bei Stellung des schwarzen bzw. roten Feldes in dem Fenster des Kompensators die jeweils roten bzw. schwarzen Zahlen für den Winkel Die schwarzen steigen von rechts nach links, die roten von links nach rechts. Die beiden Winkel werden addiert. Die Summe der beiden Kippwinkel heißt 2i. Das wird laut Bedienungsanleitung 5 bis 10 Mal wiederholt und der Mittelwert aus den gemessenen Winkeln gebildet. Mit dem Mittelwert der beiden Kippwinkel 2i geht man in eine mitgelieferte Tabelle und liest für die verwendete Wellenlänge des Lichte, bei weißem Licht 546,1 nm, den Gangunterschied ab (Abb00). Zuir Verbesserung des Ergebnisses kann man das mit weiteren Wellenlängen machen. Mir fehlen die Filter. So weit kein Hexenwerk.
Jetzt kommt der Punkt, mit dem ich Probleme habe. Es geht um die Doppelbrechung. Jetzt habe ich von Leica eine Tafel mit Polarisationsfarben bei der auf der linken Seite der Gangunterschied angegeben wird (Abb. 01). Auf der rechten Seite die Doppelbrechung (Abb02). Auch im Michel-Levy-Chart von Zeiss im Skript Kristalloptik von Professor Stosch ist es so. Ebenso eine Beilage im Buch Einführung in die Kristallographie. Die sind linear miteinander korreliert, so dass man ein Diagramm anfertigen kann. Dort lässt sich das dann bis zur 5. Ordnung verlängern. Genau diese Doppelbrechung ist der interessierende Parameter. Sie ist bei den meisten Mineralen keine Konstante, sondern die Größenordnung schwankt, wahrscheinlich in Abhängigkeit vom Chemismus, zwischen einem Minimum und einem Maximum. Quelle auch Kristalloptik-Script von Prof. H--G. Stosch. Zusammen mit anderen Parametern kann man sich damit dem Ziel der Bestimmung von Mineralen unter dem Mikroskop annähern. In der Bedienungsanleitung zum Kippkompensator steht nicht, dass man die Korndicke berücksichtigen muss. Bei älteren Kippkompensatoren, bei denen man mit mehreren Tabellen hantieren musste, ich hatte das bei Zeiss gesehen, steht das schon drin.
Die Doppelbrechung errechnet sich danach als Quotient aus Gangunterschied und Korndicke, beides in nm. Zur Ermittlung von Korndicken gab es hier im Forum schon umfangreiche Abhandlungen. Schwierig, aber nicht unlösbar sich einem Ergebnis anzunähern.
Jetzt ist die Frage Doppelbrechung korreliert mit Gangunterschied einfach aus der Farbtafel oder die Doppelbrechung wird durch den Quotienten aus Gangunterschied und Korndicke ermittelt?
LG
Michael
Hallo,
Zitatheftige bis beleidigende Kritik geerntet.
Hmmmm.....nach meiner Wahrnehmung war die Kritik zwar durchaus drastisch formuliert, allerdings war es auch so, dass Du Mineraldiagnosen gestellt hast, die ja offenbar und wohl für einen Mineralogen offensichtlich falsch war. Was ja nicht schlimm ist als Anfänger in dem Bereich. Wenn Du aber jemandem, der sich wie vermutlich kein Zweiter in Deutschland - wenn nicht weltweit - mit Kristalloptik auskennt, die Antwort auf die Frage, wie Du auf diese Diagnose kommst, verweigerst, darfst Du Dich auch nicht über eine etwas verärgerte Reaktion wundern.
Also, keep calm and trust your Minieralogist ;)
Hezrliche Grüße
Peter
Hallo Michael ,
der maximale Gangunterschied ist nicht nur abhängig von der Korn-/Schliff- Dicke, sondern auch von der Korn-Lage.
Den maximalen Gangunterschied kann man konoskopisch daran erkennen, dass das Achsen-Kreuz stark aufgeweitet
ist und die Ränder unscharf abgebildet werden. Das Kreuz nimmt einen Großteil der Bildfläche ein.
Die Farbringe sind normalerweise konzentrisch, bei der Lage normal zur optischen Achse sind sie Hyperbeln.
LG
Jürgen
Hallo Michael,
obwohl ich den Eindruck habe, dass Du auf meine Kommentare allergisch reagierst und sie gerne als Beleidigung auffasst, möchte ich trotzdem antworten, da Du ja diesmal ausdrücklich Fragen formuliert hast und ich wirklich gerne helfe, wenn man darum bittet!
Grundlage jeglicher Messungen ist die kristallchemische Grundformel:
Γ = d • Δn
wobei Γ (Gamma) den Gangunterschied (= Interferenzfarbe), d die Dicke und Δn die Doppelbrechung bezeichnet. Die Tafel nach Michel-Levy ist übrigens nichts anderes als die graphische Darstellung dieser Grundformel!
Dies ist eine lineare Gleichung und man kann daherbei zwei bekannten Parametern leicht den dritten berechnen. Was man sieht (und mit dem Kompensator auch quantitativ messen kann) ist die Interferenzfarbe (= Gangunterschied). Was man zur Mineralbestimmung wissen möchte ist die Doppelbrechung, die eine physikalische Stoffkonstante und damit materialspezifisch ist (also ein Bestimmungskriterium darstellt). Daher muss man notwendigerweise die Dicke an der Messstelle bestimmen, um die lineare Gleichung lösen zu können.
Problematisch ist dabei die Auswahl des Korns für die Bestimmung der Doppelbrechung (nz - nx), denn diese ist der Maximalwert von unendlich vielen Werten (nz' - nx'), die je nach Kornorientierung gemessen werden können. In einer Schnittlage senkrecht zu einer optischen Achse ist der Gangunterschied z.B. 0, in einer Schnittlage senkrecht zu ny ist er maximal und entspricht dem gesuchten Wert.
Im Dünnschliff mit konstanter Dicke über die Schlifffläche ist die Auswahl noch relativ einfach, denn man sucht das Korn mit der höchsten Interferenzfarbe für die jeweilige Mineralart und misst dieses. In Körnerpräparaten ist dies sehr viel schwieriger, denn man muss konoskopisch die richtige Kornorientierung finden, und das kann man nur mit viel Erfahrung. Dies setzt auch die Kenntnis der kristalloptischen Verhältnisse (Indikatrix) voraus!
Übrigens ist es ein weit verbreiteter Irrtum, dass man zur Bestimmung des Gangunterschieds für diesen Zweck einen Kompensator benötigt - der ist eigentlich viel zu genau und wird nur für ganz besondere quantitative Bestimmungen benötigt. Für die Mineralbestimmung reicht die Abschätzung aus der Michel-Levy-Tafel völlig aus!
Nicht verstanden habe ich Deinen Hinweis auf die fünfte Ordnung. Es ist völlig irrelevant in welcher Ornung man seine Messung/Bestimmung durchführt.
Olaf
Hallo Peter, Jürgen und Olaf,
schönen Dank für die Antworten. Das hilft mir jetzt weiter. Damit verstehe ich auch, warum ich bei einigen weiteren Tests keine Ergebnisse erzielen konnte. Peter, ich hatte fälschlicherweise Brookit diagnostiziert. Und, nachdem gerade Dein konoskopisches Abbild gezeigt hatte, dass das nur falsch sein konnte, dich gebeten, diesen völlig vermasselten Beitrag zu löschen. Geht das nicht? Jürgen, da lag auch ein Problem. Olaf, die Verwendung der Michel-Levy Tafel ist gerade bei den Kornpräparaten für mich schwer zu verstehen. Die Korngrößen wären einfach zu groß. An einem Schliff konnte ich Deine Beschreibung gerade nachvollziehen. Funktioniert. Prima und nochmals danke. Was die 5 Ordnungen anbetrifft, dachte ich, dass das für Minerale mit hohen Doppelbrechungem im Fall der Leica-Tafel über 0,044 oder bei einem Gangunzterschied über 2200 hilfreich wäre. Was man aber sicher bei Mineralen nicht braucht, sind 30 Ordnungen. Das könnte ich mir nicht einmal bildlich vorstellen. Das sind schon tolle Geräte.
LG
Michael
Hallo Michael,
ich hatte den Thread nicht mehr weiter verfolgt. Ich habe ihn jetzt gelöscht.
Hezrliche Grüße
Peter
Hallo Michael,
wenn Deine Körnerpräparate zu dick sind, solltest Du vielleicht versuchen Dünnschliffe davon herstellen, in dem Du sie in Kunstharz einschließt und dieses "Künstliche Gestein" dann schleifst. Wichtig wäre dabei, dass Du nicht einfach nur Körner mit Kunstharz auf den OT klebst und das dann herunter schleifst, sondern schon einen kleinen Block herstellst, der zuerst von der Unterseite angeschliffen wird, bis Du ungefähr die Mitte der Körnerlage erreicht hast. Dann muss aufgeklebt werden und die andere Seite herunter geschliffen werden. Natürlich muss man den "Block" nicht zu dick machen. 2mm würden sicher reichen. Es gibt kleine flache Silikonformen, (https://www.amazon.de/Schmuckgussformen-Anh%C3%A4nger-Kunstharz-Aufh%C3%A4ngen-Schl%C3%BCsselanh%C3%A4nger/dp/B087JS5BZ3/ref=sr_1_9?keywords=silikonformen+f%C3%BCr+schmuck+kunstharz&link_code=qs&qid=1661097461&sourceid=Mozilla-search&sr=8-9) die eigentlich zur Herstellung von Schmuck aus Kunstharz gedacht sind. Die würden sich sicher sehr gut dazu eignen. Man müsste nur vorher den Nippel abschneiden, der für ein Loch im Anhänger sorgt. Da Kunstharz sehr viel leichter zu schleifen ist als echtes Gestein, sollte es auch schneller gehen, wenn man die Körner nur in einer einfachen Lage am Grund der Form hat. Ich habe Kunstharz schon des öfteren für Dünnschliffe von Knochen und Zähnen benutzt und weiß, dass man das sehr gut von Hand schleifen kann.
LG Gerd
Hallo Peter und Gerd,
schönen Dank für die Antworten. Peter, danke für die Löschung. Der Beitrag passte wirklich nicht in dieses schöne Forum.
Gerd, so ein Polyestergießharz habe ich schon gekauft. Für die normalen Betrachtungen gehen die Kornpräparate. Meist verwende ich Malinol. Fachgerecht ist natürlich die Einbettung in Gelantine und die Verwendung von Dijodmethan.
Deine Methode sollte besonders gut gehen, wenn man viele Körner einer Art hat. Wie Olaf zu Recht bemängelte, kann man solche Untersuchungen an einem oder wenigen Körnern getrost vergessen. Daneben gibt es auch Minerale mit denen man nur teilweise eine Auslöschung bekommt. Ich werde das nach den Strandseifen von Göhren und Bansin mit Pyroxenen (Richtung Diosid/Hedenbergit aus Skarnen) und Feldspäten (aus Pegmatit Richtung Oligoklas) in Angriff nehmen. Bei beiden werde ich vermutlich keine vollständige Auslöschung hinkriegen. Zur Übung zerlege ich vorher mal etwas Kalzit mit Pyroxen (auch aus den Skarnen). Davon zeige ich vorher Fotos.
Anfang September bekomme ich die Teile für die Anbindung meiner Canon EOS 550 an das Mikroskop. Das gibt erst mal Fummelei. Dazu gab es hier im Forum schon reichlich Anregung. Aber die Bilder mit der Flexcam waren zu steigerungsfähig. Auch mit der fokussierbaren Bertrand-Linse unterschied sich das Ergebnis zwischen Foto und Blick in das Objektiv noch sehr deutlich.
LG
Michael