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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: anne in August 21, 2022, 14:04:23 NACHMITTAGS

Titel: Marine Probe möglichst lange erhalten
Beitrag von: anne in August 21, 2022, 14:04:23 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,
ich bin gerade in Urlaub und direkt vor dem Haus ist ein Kanal der strotzt nur so vor Leben.
Ich möchte gerne eine Probe mitnehmen (Planktonnetz) und möglichst lange das Leben darin erhalten.
Ich hätte nun den Fang in eine möglichst große Flasche mit original Fundortwasser eingebracht.
Enttäuschend war, dass in einer ersten Probe im 200ml Gefäß schon am nächsten Tag alles Leben kaputt war (außer den Kieselalgen).
Ich würde es gerne über mehr als 1 Woche am Leben erhalten und evtl. nach Bexbach mitnehmen.
Über Tipps wäre ich dankbar, habe allerdings außer Probegefäßen und 1,5 l Plastikflaschen nichts zur Verfügung.
lg
anne
Titel: Re: Marine Probe möglichst lange erhalten
Beitrag von: Michael L. in August 21, 2022, 15:14:43 NACHMITTAGS
Hallo Anne,

ich befürchte das wird mit einfachen Mitteln nicht möglich sein. Zu hohe Temperaturen und geringe Sauerstoffkonzentration und fehlende Wasserbewegung, außerdem läuft das Fressen innerhalb der Nahrungskette weiter. 5% Salzwasserformol und es bleiben wenigsten mikroskopierbare Konserven    ;D

Viele Grüße,

Michael
Titel: Re: Marine Probe möglichst lange erhalten
Beitrag von: Fraenzel in August 21, 2022, 15:24:40 NACHMITTAGS
Hallo Anne, Michael hat schon die Probleme erwähnt.
Ich würde die Probe ganz kurz vor der Heimreise nehmen und mit reichlich Detritus als Nahrung versehen. Gut wäre
auch eine Kühlung von außen (Kühltasche + Kühlakku). Dann möglichst großes Gefäß verwenden und oben reichlich Luft lassen.
Viel Erfolg wünscht Dir
Peter
Titel: Re: Marine Probe möglichst lange erhalten
Beitrag von: Silber_und_Licht in August 21, 2022, 16:03:27 NACHMITTAGS
Moin Anne!

Nach meiner eigenen Erfahrung würde ich vor allem die Finger vom Planktonnetz lassen und mich eher mit einer (oder mehreren) Schöpfproben begnügen oder die aus dem Planktonnetz kommende Probe sehr(!) stark verdünnen. Grund ist die viel zu hohe Populationsdichte in der durch das Netz angereicherten Probe, in der sich die kleinen Geister gegenseitig die Lebensgrundlage nehmen. Ferner würde ich die Probengläser möglichst hoch gefüllt - damit zerstörendes Schwappen im Behältnis vermieden wird - in einem Isolierbehältnis mit Eis oder Akkus gekühlt nach Hause schaffen. Eis bekommt man beim örtlichen Fischhandel und eine Isobox oder -tasche im Supermarkt.

Ich habe zu Hause Zellkuturflaschen halb gefüllt als Miniaquarien auf dem Inversmikroskop über Tage verwandt und so beobachtet. Aufbewahrt auf der durch zwei Lagen Pergamentpapier abgedunkelten kühlen Fensterbank eines Nordfensters ohne Heizung darunter.

Einmal habe ich ein solches Aquarium dort vergessen - der Lamellenvorhang am Fenster war auf "dicht" gestellt, Blumen die gegossen werden müssten, stehen nie dort. Ich war stark verblüfft als ich nach über zwei Monaten des Nichtbeachtens in einer solchen Zellkulturflasche auf der Fensterbank eine putzmuntere kleine Garnele inmitten einer sauberen und nicht etwa fauligen Umgebung fand, die sich offenbar von den immer wieder nachwachsenden Kleinstlebewesen bestens hat ernähren können und durch den luftdurchlässigen Verschluss der Flasche zwar genügenden Gasaustausch bekam, aber doch vor Austrocknung geschützt war. Man kann also durchaus marines Leben auch über 150 Kilometer von der Küste entfernt einige Zeit beobachten, zumal gerade die Organismen des Wattenmeeres und der Strandbereiche auch mit höheren Temperaturen ganz gut zurecht kommen. Müssen sie auch, denn in den flachen Pfützen am Strand herrschen bei Sonnenschein schnell mal reichlich über 20°C.

Ich habe auf diese Art und Weise sogar schon einmal Rippenquallen (Seestachelbeeren) heil nach Hause bekommen und tatsächlich immerhin eineinhalb Tage beobachten können.

Viel Spaß bei Gucken!

Wolfgang
Titel: Re: Marine Probe möglichst lange erhalten
Beitrag von: anne in August 21, 2022, 16:37:05 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,
ja es wird sicherlich nicht einfach und könnte auch schief gehen.
Ich bewahre gerade alle 1,5 l Flaschen hier auf und würde, so wie Wolfgang beschreibt, hoch verdünnt, nach Hause transportieren.
Die Proben sind so toll, da juckt der Fotografenfinger gewaltig.
Die Proben aus der Kieler Förde konnte ich wochenlang(!) ohne Fäulnis beobachten.
Das Problem war da nur die Kleinkrebse, die die begehrten Diatomeen weggefressen haben.
Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert, die Einzeller die ich sehe, sind faszinierend, die Artenvielfalt der Diatomeen ist genial, irgendwas wird schon ankommen.
lg
anne
Titel: Re: Marine Probe möglichst lange erhalten
Beitrag von: Silber_und_Licht in August 21, 2022, 19:27:32 NACHMITTAGS
Ich drücke Dir die Daumen und - falls gewünscht - auch die dicken Zehen. Vielleicht zeigst Du mal ein wenig von dem was heil angekommen ist?

Liebe Grüße aus dem Land der Heidschnucken und (flotten) Bienen.

Wolfgang
Titel: Re: Marine Probe möglichst lange erhalten
Beitrag von: anne in August 21, 2022, 21:13:28 NACHMITTAGS
Lieber Wolfgang,
ich gebe mein Bestes und hoffe ein paar Bilder einfangen zu können!
Grüsse aus dem flachen Zeeland.
lg
anne
Titel: Re: Marine Probe möglichst lange erhalten
Beitrag von: Silber_und_Licht in August 21, 2022, 22:39:50 NACHMITTAGS
Zitat von: anne in August 21, 2022, 21:13:28 NACHMITTAGS
....
ich gebe mein Bestes ....

auf meine Zusicherung, anlässlich einer anspruchsvollen Aufgabe mein Bestes zu geben, antwortete mir mal ein (von mir sehr geschätzter und auch sonst überaus beliebter) Institutsdirektor:"Ihr Bestes wird nicht reichen, Sie müssen sich schon richtig anstrengen!" ...  ;)

In diesem Sinne eine Gute Nacht!

Wolfgang