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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: PolMik in Oktober 29, 2022, 13:09:30 NACHMITTAGS

Titel: Skarnminerale
Beitrag von: PolMik in Oktober 29, 2022, 13:09:30 NACHMITTAGS
Hallo liebe Foristen,

nachfolgend möchte ich Skarnminerale aus Schweden vorstellen. Der Fundort befindet sich ca. 5 km nördlich Filipstad, ca. 10 km südlich der Nordmark-Felder. Er wurde mir vom Campingplatzbetreiber von Munkeberg empfohlen. Da in der Nähe keine eingezäunten Gruben waren, dürfte der See eine abgesoffene Grube darstellen. Somit sind wahrscheinlich noch mehr Halden im Umfeld des Sees zu finden. Als Bild01 den See und Bild02 die Halde. Mit Bild03 zeige ich die dort mit Ausnahme von massigem Magnetit dort vorkommenden Minerale. Bild04 zeigt einen Kalzit ähnlich dem zu einem bei Krantz zu einem Dünnschliff verarbeiteten.

Mit Bild05 zeigt eine repräsentative Übersicht, unter dem Stereomikroskop aufgenommen. Ungefähr 90% der Körner im Schliff sind Kalzit. Granat und Pyroxen kommen zu jeweils 5% vor. Bild06 zeigt Kalzit mit seiner perfekten Rhomboederspaltbarkeit und die für dieses Mineral typischen polysynthetischen Gleitzwillinge, sowie Einschlüsse (von Kalzit). Von einer anderen Stelle ein konoskopisches Abbild des Kalzites (Bild07). Bild08 zeigt den Granat detaillierter. Idiomorphe Granate waren im Schliff nicht zu finden. Vermutlich handelt es sich um Grossular, mit dem Refraktometer hatte ich einen Brechungsindex von 1,74 gemessen. Mit Bild08 zeige ich einen Klinopyroxen. Die Klinopyroxene sind im Schliff meist stengelig. Die Spaltbarkeit sieht auf den ersten Blick aus wie Hornblende. Das liegt an der Schnittlage. Der Pleochroismus ist schwach von grün nach olivgrün. Die Auslöschungswinkel von 40° bzw 60° belegen, dass es sich wahrscheinlich um Mischkristalle zwischen Hedenbergit und Diopsid handelt.

Viele Grüße
Michael
Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: Florian D. in Oktober 29, 2022, 19:28:34 NACHMITTAGS
Sehr schön!

Bei diesen grünen Pyroxenen würde ich auch an Aegirinaugit denken.

Viele Grüsse
Florian
Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: PolMik in Oktober 29, 2022, 20:08:54 NACHMITTAGS
Hallo Florian,

Du hast auf jeden Fall mehr Erfahrung mit Schliffen als ich. So richtig sicher bin ich mir natürlich, gerade bei Dünnschliffen, nicht. Ich habe jedes einzelne Körnchen gemessen. Die minimale Auslöschungsschiefe lag bei 40°, die maximale Auslöschungsschiefe lag bei 65°. Hervorzuheben bliebe, es gab keine Werte zwischen 40° und 60°, 65° war ein Einzelwert. 40° 38°  wäre Diopsid, 60° 48° Hedenbergit.  Gegen Ägrinaugit spräche, dass der eine Auslöschungsschiefe um 80° hätte. Mischkristalle wären denkbar. Wobei der glaube ich, nicht in Skarnen vorkommt. Der wäre natriumbetont, das würde nicht zum dominierenden Kalzit passen.

Ich stelle von den verschiedenen Skarnfundstellen (Filipstad, Nordmark (Magnetitskarne) und Kopparberg (Buntmetallskarn)) noch weitere Dünnschliffe vor. Wie schon geschrieben, leicht fällt mir das nicht. Sehr farbig und sehr unterschiedliche Gefüge, verschiedenste Zwillinge und Minerale. Deshalb dauert das etwas länger.

Viele Grüße

Michael
Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: hugojun in Oktober 30, 2022, 13:50:27 NACHMITTAGS
Hallo Michael ,

danke für den schönen Beitrag.

,,mit dem Refraktometer hatte ich einen Brechungsindex von 1,74 gemessen" ,

hast du ein Gemmologen-Refraktometer? Bis zu welchem n kannst du damit bestimmen

und mit welcher Immersion arbeitest du?

LG
Jürgen

Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: PolMik in Oktober 30, 2022, 15:16:30 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,

danke für die Nachricht. Ich habe ein analoges "Edelsteinrefraktometer" Messbereich 1,30 - 1,81 mit Diiodmethan - "Pro" (nD=1,79), beides von Kern verwendet. Normales Diiodmethan hätte auch gereicht. Das kommt bei 20°C bis nD=1,7425. Für z.B. Almandin, der auch nicht selten in Skarnen auftaucht, sogar tiefschwarze Kristalle die mir der Chef vom Munkeberg Campingplatz zeigte, hätte der Messbereich nicht gereicht.

Viele Grüße
Michael
Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: hugojun in Oktober 30, 2022, 15:47:11 NACHMITTAGS
Danke Michael,


vielleicht noch eine Zusatzfrage zum Gerät:
Wie ,,Plan" und wie ,,klein" muss/darf denn die zu messende Auflagefläche sein?

LG
Jürgen
Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: PolMik in Oktober 30, 2022, 16:58:07 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,

das ist eine wichtige Frage. Weniger zum Gerät, als viel mehr zum Korn. Der Splitter muss nach meinem Verständnis so plan wie nur möglich sein. Das Ding hatte ich schon bei den Glimmern ausprobiert und nur sehr undeutliche, gerade noch brauchbare Werte abgelesen. Bei den relativ großen Splittern vom Granat war es nicht so schwierig eine völlig ebene Kristallfläche, die dünn genug war, zu finden. Soweit ich festgestellt habe, scheint es eine Reihe Minerale mit Brechungsindizes zwischen 1,5 und 1,7 zu geben, mit von denen man keine vernünftigen Ergebnisse bekommt. Bei dem Granat hat es gut geklappt. Das hängt wahrscheinlich vom verwendeten Gerät ab. 

Viele Grüße

Michael
Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: hugojun in Oktober 30, 2022, 17:18:28 NACHMITTAGS
Danke Michael,

,,...schwierig eine völlig ebene Kristallfläche, die dünn genug war, zu finden..."

Verstehe ich das richtig, dass du im Durchlicht misst, wie bei einer Flüssigkeit?

Ich dachte, dass funktioniert wie bei der Messung des Kalibrier-Standard-Glas, nur bei den

Mineralen mit viel kleiner Auflage.

LG
Jürgen
Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: olaf.med in Oktober 30, 2022, 18:50:01 NACHMITTAGS
Lieber Michael, lieber Jürgen,

ich halte es nicht für ganz unmöglich, aber äußerst unwahrscheinlich, dass man von einem Granat ein Spaltstück findet, dessen Qualität ausreichend ist zur Messung des Brechungsindex auf einem Edelsteinrefraktometer. Dazu benötigt man in der Regel hochplane Flächen von mindestens 1-2 mm2 und die findet man eigentlich bei einem Mineral mit einer so schlechten Spaltbarkeit nicht. Da muss man schon schleifen und polieren.

Ich warne auch davor aus einem "Auslöschungswinkel" auf eine Spezies bei den Pyroxenen zu schließen. Dieser Winkel muss kristallographisch genau orientiert in der Ebene (010) gemessen werden, die man bei stärker pleochroitischen Varietäten über die Spaltbarkeit und das Farbschema bestimmen kann. Bei weniger pleochroitischen Varietäten muss man in den Längsschnitten (denen die nur eine Spaltbarkeit zeigen) statistisch messen und das Maximum der Messwerte annehmen. Prinzipiell darf aber die Auslöschungsschiefe immer nur ein Parameter unter mehreren für die Diagnose sein!.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: PolMik in Oktober 30, 2022, 20:37:47 NACHMITTAGS
Lieber Olaf,

das irritiert mich nun doch sehr. Zum Granat kann ich nur sagen, dass ich das so gemessen habe. Aufgelegt habe ich keine Bruchfläche, sondern eine Kristallfläche. Man könnte es natürlich auch anhand der Brechungsindizes vom benachbarten Kalzit zum Granat in etwa abschätzen? Der Unterschied der Brechungsindizes zwischen Kalzit zu Grossular oder Almandin wäre doch erheblich. Was schätzt Du denn, was könnte das für ein Granat sein?

Aber jetzt zu den Pyroxenen / Hornblenden. Das interessiert mich noch viel mehr. Die Methode mit den Auslöschungsschiefen bei Pyroxenen und Amphibolen ist in "Gesteinsbildende Minerale im Dünnschliff" von H. Pichler und C. Schmitt-Riegraf auf den Seiten 96 - 98 beschrieben. Es sollte Dir ja klar sein, dass das niemals von mir stammen könnte. Daneben habe ich noch Hilfe durch das Buch "Die Mineralien und Fundstellen von Schweden", H.-J. Wilke. Natürlich habe ich nicht nur die Auslöschungsschiefe zur Diagnose verwandt, wie oben geschrieben. Das waren auch, wie geschrieben, keine Einzelwerte. In dem Buch zu den Mineralen aus Schweden ist zwar der Fundort nicht beschrieben, wohl aber die ca. 10 km nördlich liegenden Skarn-Abbau-Gruben des Nordmark-Feldes. Wenn das keine Hornblende ist, wäre ich mir bei dieser Paragenese recht sicher, dass es sich nur um Diopsid - Hedenbergit, vielleicht mit etwas Augit, handeln sollte. Was würdest Du schätzen? Wie könnte ich das (ohne U-Tisch) besser machen?   

Du könntes mir bei der Plackerei mit diesen Schliffen wirklich sehr helfen, wenn Du ein "Kochbuch" zur möglichst exakten Bestimmung von Hornblenden und Pyroxenen ohne Universaldrehtisch anbieten würdest. Irgendwelche rein scholastischen Dinge helfen da nicht. In dem erst genannten Buch sind schon sehr nützliche Hinweise, Grafiken und Tabellen, aber wenn es noch besser geht, gerne. Ich bin mit Dünnschliffen nun wirklich ein totaler Anfänger. Da kommt mir jede Hilfe gelegen.

Bei den Schwermineralen ist es  nicht ganz so. Dazu kommt mehr, wenn ich wieder Natriumpolywolframat habe. Das ist nicht so einfach zu bekommen, aber auf gutem Weg. Unser damaliger Streit-"Brookit" dürfte ein Titanit gewesen sein, die vorgestellten Werte waren auch nicht einfach so zusammengelogen. Die beiden liegen ziemlich nahe beieinander, aber deine Erfahrung habe ich natürlich nicht.

Daneben werde ich noch den Leica-DM 750 P Konkurrenzdisthen zu deinem wunderbaren Artikel historischer Achsenwinkelobjektive vorstellen, sobald ich den Kondensor 0,90/1,25 Öl von Leica habe. Dauert auch noch ein paar Wochen. Rein informativ, hattest Du da zufällig noch einen Grünfilter im Spiel? Dann würde ich auch einen benutzen. Sonst nicht. Geschliffene Klötzchen gegen dünne Scheiben, nicht aus Schweden, sondern doch aus Brasilien.

Viele Grüße

Michael
Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: hugojun in Oktober 31, 2022, 10:42:31 VORMITTAG
Zitat von: hugojun in Oktober 30, 2022, 17:18:28 NACHMITTAGS
Danke Michael,

,,...schwierig eine völlig ebene Kristallfläche, die dünn genug war, zu finden..."

Verstehe ich das richtig, dass du im Durchlicht misst, wie bei einer Flüssigkeit?

Ich dachte, dass funktioniert wie bei der Messung des Kalibrier-Standard-Glas, nur bei den

Mineralen mit viel kleiner Auflage.

LG
Jürgen


Hallo Olaf, Hallo Michael,

die Messung im ,,Durchlicht" ist natürlich Quatsch.

In beiden Fällen, Flüssigkeit oder Festkörper wird natürlich die Totalreflexion gemessen.

In der Regel haben die Refraktometer zwei Beleuchtungsfenster, für die entsprechende Anwendung.

Die Frage der minimalen Oberfläche und Güte hat Olaf ja beantwortet.

LG
Jürgen
Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: olaf.med in Oktober 31, 2022, 18:29:13 NACHMITTAGS
Lieber Michael.

wenn es so einfach wäre ein Kochrezept zur eindeutigen Bestimmung von Pyroxenen und Amphibolen zu erstellen, dann hätten das die alten Mineralogen schon längst gemacht. Ich werde mich jedenfalls nicht mehr an ein solches Projekt begeben.

Dein Klinopyroxen hat für meine Begriffe eine viel zu starke Eigenfarbe um ein Diopsid-Hedenbergit Mischkristall zu sein. Wenn es denn ein Pyroxen ist tendiere ich, wie auch Florian, zum Ägirin, aber zur Verifizierung müsste man wirklich mehr Daten bestimmen.

Deine Angabe, dass Du zur Bestimmung des Brechungsindex des Granats eine Kristallfläche benutzt hast, verwundert mich, da Du in der Beschreibung angibst, dass es keine idiomorphen Kristalle gibt. Aber möglicherweise bezieht sich das ja nur auf den Schliff. Ich habe ziemlich viel mit Totalreflektometern gemessen und kenne die Tücken und Probleme, daher bin ich bei solchen Proben eher skeptisch. Vielleicht hast Du nur die Grenzlinie zur Kontaktflüssigkeit gesehen???

Bei meinen Aufnahmen der Disthen-Interferenzbilder habe ich keine Filter benutzt. Das grüne Achsenbild des Glimmer-Apertometers ist jedoch, wie in der Legende vermerkt, monochromatisch bei 546 nm gemacht.

Beste Grüße,

Olaf

Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: PolMik in November 01, 2022, 10:10:15 VORMITTAG
Hallo Olaf,

danke für die Antwort. Bei dem Granat meinte ich tatsächlich, dass es im Schliff keine ideomorphen Kristalle gab. An den Fundstücken gibt es die. Du hast aber Recht, ich habe eben mit normalem Diiodmethan mal einen Islandspat aufgelegt, Messwert 1,735 und das ist ganz sicher falsch.

Mit dem Pyroxen gebe ich Dir auf jeden Fall recht, weil mir die Eigenfarbe auch zu intensiv ist. Das Zeug in den anderen Schliffen ist ebenfalls erstaunlich farbenfroh. Ich habe noch einen Schliff von Pyroxenit, der wesentlich blasser wirkt. Ägirin wurde aus den Skarnen in der Gegend nicht beschrieben. Dagegen sprachen dann die Auslöschungswinkel und die Natriumbetonung. Mir ist schon klar, dass die allein für die Diagnose nicht reichen. Das wird bei den folgenden Dünnschliffen intensiver zu untersuchen sein. Ägirin würde ich eher in Alkaligesteinen vermuten, aber Mischkristalle wird es geben. Vielleicht ist es besser die Beschreibung auf Pyroxen zu beschränken.

Den Disthenvergleich mache ich also ohne Filter, kann aber schon sagen, dass die Bilder zumindest bis n. A. 0,95 sehr gut werden, jedoch nicht ansatzweise so scharf und gut wie deine.

Mit herzlichen Grüßen

Michael
Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: PolMik in November 02, 2022, 13:06:42 NACHMITTAGS
Hallo liebe Foristen,
jetzt noch ein Schliff von einem mehrheitlich aus Pyroxen bestehendem Stein vom Fundort nördlich Filipstad. Abbildung 01PyroxenUebersicht. Links oben noch etwas Kalzit. Als LPL immer linear polarisiertes Licht, XPL
mit gekreuzten Polarisatoren. So wie Florian und Olaf vermuteten, gibt es tatsächlich Augit. Den hätte ich wegen seiner Natriumbetonung für wenig wahrscheinlich gehalten. Als Cpx nicht näher definierbarer Klinopyroxen. Die Körner sind ungefähr gleich groß, mit Ausnahme von Säumen. Zu ungefähr 80 % besteht es aus Pyroxenen. Wie schon im vorherigen Schliff  die grünen - olivgrünen Körner in einem wirrfilzig (ophitischen) anmutendem Gefüge. Jetzt noch mit Quarz und hier auch einem augitähnlichen Pyroxen. Bezeichnet als CpxAugitQuarz. Dazu vom Quarz und Augit ein konoskopisches Abbild. Der "Augit" ist zu 5% bei den Pyroxenen mitgezählt. Quarz ist zu rund 5% im Schliff enthalten. Als fragliche Entmischung Pyroxene noch je ein Bild LPL und XPL (06 und 07). Diese Erscheinung ist selten zu erkennen. Als nächstes ein Cpx(?zwilling) neben links anorthitreicherem Plagioklas und rechts Quarz (08CpxPlagioklasQuarz). Dazu dann das konoskopische Abbild vom Plagioklas (09). Der anorthitreiche Plagioklas ist zu weniger als 5%
im Schliff zu finden. Der Rest kommt gleich als weiterer Anhang.
Viele Grüße
Michael
Titel: Re: Skarnminerale
Beitrag von: PolMik in November 02, 2022, 13:09:13 NACHMITTAGS
Hallo liebe Foristen,
zu weiteren 5% sind die (meist) Zwillinge von fraglich Amphibol LPL und XPL zu erkennen (10 und 11). Weniger als 1% sind Kalzit. Einmal als LPL und XPL sowie dann als konoskopisches Abbild und mit Lambdaschieber (12-15).
Der Rest besteht aus einem opaken Mineral, vermutlich Magnetit.
Viele Grüße
Michael