Liebe Mikroskopie-Experten,
ich bin in den Besitz eines älteren Leitz-Mikroskops (vermutlich Leitz-SM aus den 60-er Jahren) gelangt und hoffe, es für die Mikroskopie von Pilzen verwenden zu können, um mir neben der makroskopischen Betrachtung ein weiteres Werkzeug für die Hobby-Pilzbestimmung zu erschließen:
Mit der Durchlicht-Mikroskopie bin ich zwar im Laufe meines Studiums in Kontakt gekommen, allerdings ging es dabei eher um die Beurteilung von Präparaten als um die technische/physikalische Funktionsweise eines Mikroskops, deshalb entschuldigt bitte meine eventuellen Wissenslücken.
Von dieser Anfrage erhoffe ich mir eine möglichst genaue Bestimmung des Mikroskops (Mikroskop-Modells) und der einzelnen Komponenten (Okulare, Objektive, Kreuztisch, Kondensor, Beleuchtung etc.). Im Idealfall hätte ich auch gern die ursprünglichen Dokumente (Gebrauchsanweisung etc.) von Leitz, die dazu gehören.
Modell/Komponenten:
Ich habe mich schon etwas im Forum umgesehen und einen Bestimmungsschlüssel für schwarze Leitz-Mikroskope ,,Bestimmungstafel ("Stammbaum") für schwarze Leitz-Mikroskope (Ortholux, Dialux, Laborlux)" gefunden. Mit dem Bestimmungsschlüssel bin ich zum Modell ,,Leitz-SM" gekommen. Ebenfalls bin ich so auf die Seite ,,http://microscope.database.free.fr/512.html" gestoßen, wo ich das Dokument ,,Medical Microscope SM" gefunden habe. Mit diesem Katalog habe ich die einzelnen Komponenten meines Mikroskops abgeglichen und bin zum nachfolgenden Ergebnis gelangt, zu dem ich gerne Eure geschätzte Meinung hören würde, ob das so alles seine Richtigkeit hat:
1) Okulare: 6x vergrößernd, # 519 034 oder # 519 030 je nach ,,Field of View", leider weiß ich nicht, was man unter dem ,,Field of View" versteht oder wie man es ermittelt, deshalb kann ich die Okulare nicht sicher zuordnen
2) Tubus: TUBE ,,S" #512 066, auf dem Tubus steht noch ,,1,25x", woraus ich schließe, dass in dem Tubus nochmal eine Linse mit 1,25facher Vergrößerung eingebaut ist? Wenn man den Tubus vom Stativ abnimmt ist unten am Tubus jedenfalls noch eine Linse zu sehen, die mit ,,L442" beschriftet ist.
3) Objektivrevolver: ,,Quadruple revolving objective nosepiece 0.4.-, on ball bearing races" #512 043
4) Objektive: Insgesamt sind 4 Objektive vorhanden.
Das erste Objektiv ist mit ,,Leitz 3.5/0.10" sowie ,,170/-" beschriftet und entspricht damit wohl dem ,,ACHROMATIC DRY OBJECTIVE" mit der Katalognummer #519 036
Das zweite Objektiv ist mit ,,Leitz 10/0.25" sowie ,,170/-" beschriftet und entspricht damit wohl dem ,,ACHROMATIC DRY OBJECTIVE" mit der Katalognummer #519 004
Das dritte Objektiv ist mit ,,Leitz 40/0.65" sowie ,,170/0.17" beschriftet und entspricht damit wohl dem ,,ACHROMATIC DRY OBJECTIVE" mit der Katalognummer #519 003
Das vierte Objektiv ist mit ,,Leitz Oel 100/1.30", ,,A348830" sowie ,,170/0.17" beschriftet und entspricht damit wohl dem ,,ACHROMATIC INVERSION OBJECTIVE" mit der Katalognummer #519 060
5) Kreuztisch: Im Katalog ist leider kein Tisch aufgeführt, der mit dem Tisch an meinem Mikroskop übereinstimmt. Könnte es sein, dass der Kreuztisch bereits ausgetauscht wurde oder, dass das ,,Leitz-SM" noch mit einem anderen Kreuztisch verkauft wurde als den im Katalog aufgeführten?
6) Kondensor: ,,SWING OUT CONDENSER #601" #512 085
7) Beleuchtung: ,,MICRO DIA LAMP" #514 096
Jetzt ist die Anfrage doch sehr lang geworden, aber ich hoffe, dass Ihr das trotzdem weniger als Zumutung und mehr als fröhliches Rätsel raten ansehen könnt. Ich freue mich jedenfalls über jede Hilfe beim Bestimmen des Mikroskops/der Komponenten. Vielen Dank schon jetzt an alle, die sich beteiligen!
Liebe Grüße
MykoMikro
Ergänzung: Ich hätte die Bilder gerne in den Text eingefügt, aber das hat leider nicht geklappt. Ich hoffe, man sieht sie trotzdem als Anhang.
Hallo MykoMikro (mit einem Vornamen, welchem auch immer, wäre die Anrede schöner...),
dein "Frage" ist so ausführlich, dass sie die Antwort vollumfänglich bereits enthält: Du hast dein Leitz SM mit allen Komponenten korrekt beschrieben. Die Objektive sind Achromate und gehöre zur damaligen Standardausstattung des SM. Die Okulare sind einfache Huygensokulare mit niedriger Sehfeldzahl, so heißt das "Field of view" deutsch. Der Kondensor ist völlig korrekt beschrieben der Klappkondensor 601, du findest die meisten Komponenten auch hier im Dokument "Abbildende und beleuchtende..." https://www.leitz-ortholux.de/downloads.php (https://www.leitz-ortholux.de/downloads.php) Der Kreuztisch ist nicht von Leitz sondern vom Hersteller Märzheuser, ist aber als Zubehör auch Teil der Originalausstattung. Das Leitz SM ist in sehr großen Stückzahlen an Schulen, Universitäten und Labore ausgeliefert worden, sehr robust und daher noch oft im Gebrauchtmarkt. Alle optischen Komponenten sind gut soweit noch in Ordnung - nur die Okulare bieten nur einen kleinen Übersichtsbereich und die Beleuchtung ist eine Funzel. Man kann dafür auch eine einfache LED applizieren, siehe hierlhttps://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=10683.30 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=10683.30) ganz unten.
Grüße Andreas
Hallo,
Du hast da eine 220 Volt-Ansteckleuchte, sehr wahrscheinlich mit einer E 14 Glühbirne. Investiere mal 2 € für eine E 14 LED-Kühlschranklampe (möglichst in kaltweiß), die wird nicht heiß.
Jochen
Zitat von: andr_brno in November 16, 2022, 13:49:15 NACHMITTAGS
Hallo MykoMikro (mit einem Vornamen, welchem auch immer, wäre die Anrede schöner...),
dein "Frage" ist so ausführlich, dass sie die Antwort vollumfänglich bereits enthält: Du hast dein Leitz SM mit allen Komponenten korrekt beschrieben. Die Objektive sind Achromate und gehöre zur damaligen Standardausstattung des SM. Die Okulare sind einfache Huygensokulare mit niedriger Sehfeldzahl, so heißt das "Field of view" deutsch. Der Kondensor ist völlig korrekt beschrieben der Klappkondensor 601, du findest die meisten Komponenten auch hier im Dokument "Abbildende und beleuchtende..." https://www.leitz-ortholux.de/downloads.php (https://www.leitz-ortholux.de/downloads.php) Der Kreuztisch ist nicht von Leitz sondern vom Hersteller Märzheuser, ist aber als Zubehör auch Teil der Originalausstattung. Das Leitz SM ist in sehr großen Stückzahlen an Schulen, Universitäten und Labore ausgeliefert worden, sehr robust und daher noch oft im Gebrauchtmarkt. Alle optischen Komponenten sind gut soweit noch in Ordnung - nur die Okulare bieten nur einen kleinen Übersichtsbereich und die Beleuchtung ist eine Funzel. Man kann dafür auch eine einfache LED applizieren, siehe hierlhttps://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=10683.30 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=10683.30) ganz unten.
Grüße Andreas
Hallo Andreas,
herzlichen Dank für deine Hilfe bei der Bestimmung, die nützliche PowerPoint und den Tipp mit der Beleuchtung. Ich schreibe ab sofort mit Vornamen weiter und bitte um Entschuldigung, wenn meine Anfrage unhöflich war. Ich bin mit den Umgangsformen im Forum noch nicht vertraut. Außerdem freut es mich sehr, dass die meisten Komponenten schon richtig bestimmt sind.
Ich habe trotzdem noch zwei Rückfragen:
1.) Du schreibst, es seien ,,einfache Huygensokulare mit niedriger Sehfeldzahl". Meinst du damit, dass es sich um die 6fach vergrößernden Okulare mit der kleineren Sehfeldzahl von 17mm (Katalognummer 519 030) handelt? Oder meinst du, dass sowohl 17mm als auch 19mm (wie bei dem anderen möglichen 6fach vergrößernden Okular) kleine Sehfehldzahlen sind?
2.) Gibt es eine Möglichkeit, die genaue Bezeichnung des Tisches von Märzhäuser zu ermitteln?
Freundliche Grüße
Jan
Zitat von: jochen53 in November 16, 2022, 14:10:29 NACHMITTAGS
Hallo,
Du hast da eine 220 Volt-Ansteckleuchte, sehr wahrscheinlich mit einer E 14 Glühbirne. Investiere mal 2 € für eine E 14 LED-Kühlschranklampe (möglichst in kaltweiß), die wird nicht heiß.
Jochen
Hallo Jochen,
vielen Dank auch für deine Antwort. Dass die Beleuchtung sehr heiß wird, hatte ich auch schon festgestellt und mir Sorgen wegen Brandgefahr etc. gemacht. So eine LED ist in jedem Fall eine gute Übergangslösung. Langfristig würde ich aber gerne eine andere Beleuchtung fest installieren, so wie es auch bei den Nachfolgemodellen ,,Leitz Lux" realisiert wurde und in dem von Andreas verlinkten Thread beschrieben ist. Leider bin ich nicht so der begabteste Bastler, aber ich werde mal schauen, ob ich das irgendwie hinkriege.
Freundliche Grüße
Jan
Hallo Jan,
ZitatMeinst du damit, dass es sich um die 6fach vergrößernden Okulare mit der kleineren Sehfeldzahl von 17mm (Katalognummer 519 030) handelt? Oder meinst du, dass sowohl 17mm als auch 19mm (wie bei dem anderen möglichen 6fach vergrößernden Okular) kleine Sehfehldzahlen sind?
Ich vermute, hier liegt das Okularpaar 6x / 17mm deiner Liste vor. Warum genau ein Einzelokular 6x / 19mm angeboten wurde kann ich nicht beantworten. 19mm ist bei 6x auch kein riesiges Sehfeld, die späteren GW Okulare lieferten z. B. 6,3x / 28mm.
Du kannst mal im Mikromarkt anfragen, vielleicht bietet dir jemand die sehr verbreiteten GF 10x M 18mm Periplan Okulare mit verstellbarer Fokussierung an, die sind etwas übersichtlicher.
Der Objektführer ist schwer näher zu bestimmen, es ist einfach der tausendfach mit dem SM ausgelieferte Märzhäuser-Objektführer. Märzhäuser stellt bis heute in Wetzlar Mikroskoptische und Zubehör her.
Das SM ist ein ausbaufähiges Mikroskop, nur die Beleuchtung ist etwas minimalistisch - da fehlt einfach der Abstand für einen parallelisierten Beleuchtungsstrahlengang. Dafür ist es leicht, handlich und trotzdem stabil. Du kannst es zu deinen Pilzen in den Wald mitnehmen...
Aber Vorsicht: Pilze mögen Olympus... ;)
Grüße Andreas
Hallo Andreas,
ZitatAber Vorsicht: Pilze mögen Olympus... ;)
Du hast das "r" hinter "Pilze" vergessen. Die Pilze selber werden Olympus eher fürchten, denn kommt so ein Gerät in ihre Nähe, werden sie meistens zerstückelt, zerquetscht und in Farblösungen getunkt...
Hallo Jan,
das ist "Forums-Folklore", also nicht zu ernst nehmen. Ich denke den Pilzen kannst Du auch mit dem SM-Lux (schon irgendwie skurril, dass ein Mikroskop mit einer solchen Funzel die Einheit der Beleuchtungsstärke im Namen trägt) das Fürchten lehren.
LG Gerd
Zitat von: plaenerdd in November 16, 2022, 19:18:33 NACHMITTAGS
auch mit dem SM-Lux
Lieber Gerd,
ich darf da mal kurz reingrätschen. Das SM-Lux ist das hier: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=45125.0
Nichts für ungut aber Jan hat ein SM.
Aber mit den Pilzen hast Du natürlich recht. Man kann ordentliche Pilzmikroskopie nur mit Olympus betreiben - wobei......neulich habe ich gelernt, daß ein Leica DM-sonstwie dafür auch geeignet sei. Aber eben nur das DM-sonstwie und nicht das nahezu baugleiche Vorgängermodell.
Naja - Bildschirmgrafik lässt sich ja auch ausschließlich am Mac erzeugen. Der stürzt nämlich nicht ab. ;)
So, genug der Bosheiten.
@Jan: ich hab hier einst mal was zusammengestellt: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=17309.0
Mit den Komponenten hast Du gut recherchiert. Das passt soweit. Der Tip mit der Kühlschrankbirne ist gut und funktioniert hervorragend.
Wolfgang
Zitat von: ortholux in November 16, 2022, 22:50:45 NACHMITTAGSMan kann ordentliche Pilzmikroskopie nur mit Olympus betreiben
Das würde mich tatsächlich auch mal interessieren, wie es dazu kam, daß unter Pilzlern Olympus-Mikroskope bevorzugt werden. Wer hat damit angefangen? Das muß ein besonders begabter Influencer gewesen sein...
Grüße
Martin
Hallo zusammen,
danke nochmal für die freundlichen Worte und die Erklärungen. Wirklich toll, was hier in so kurzer Zeit alles zusammengetragen wurde. Ich glaube, dass ich alleine sehr schnell überfordert gewesen wäre mit der Bestimmungsarbeit, aber man muss ja erstmal wissen, was man genau für ein Mikroskop hat bevor man darüber nachdenken kann, wie man es für die Pilzbestimmung ausrüstet.
@Wolfgang: Deine Zusammenstellung zum Leitz SM hat mir auch sehr geholfen, insbesondere finde ich interessant, dass man noch einen Trinokulartubus zur Fotografie einbauen kann. Vielen Dank!
Jetzt da die Bestimmung von Modell und Komponenten abgeschlossen ist würde ich gerne noch ein paar (eventuell recht laienhafte, sorry!) Verständnisfragen zur Funktionsweise klären.
1.) Okulare: Eines der Okulare ist über einen Drehmechanismus ausfahrbar. Wozu ist das gut? Damit verändert man dann ja nur die Länge des Okulars bzw. den Abstand zwischen den beiden Linsen im Okular, oder?
2.) Tubus und Vergrößerung: Der Binokulartubus ist mit ,,1,25x" beschriftet. Ist es richtig, dass das bedeutet, dass durch die eingebaute Linse ,,L442" eine 1,25-fache Vergrößerung erreicht wird? Das würde dann ja bedeuten, dass der Komplex aus Okularen (6fache Vergrößerung) und Binokulartubus (1,25fache Vergrößerung) eine 8fache (6 x 1,25 fache) Vergrößerung bewirkt. Das ergäbe dann je nach Objektiv eine Gesamtvergrößerung für das ganze Mikroskop von 28 (3,5-er Objektiv), 80 (10-er Objektiv), 320 (40-er Objektiv) und 800 (100-er Objektiv). Habe ich das soweit richtig verstanden?
3.)Reparatur des Objektführers/Kreuztisches: Der Objektführer von Märzhäuser hatte leider einen defekten Klemmmechanismus, d.h. der hakenförmige Bügel, der normalerweise den Objektträger festklemmt war komplett locker/nicht gespannt. Der Grund dafür war, dass die Feder, die den Bügel normalerweise zurückschnellen lässt zerbrochen war, was ich rausgefunden habe, nachdem ich das Ding einmal aufgeschraubt und die Feder näher angeschaut habe. Ich habe den abgebrochenen Teil der Feder dann entfernt und den Rest wieder so zurecht gebogen, dass ich die Feder wieder notdürftig einsetzen konnte und der Klemmmechanismus wieder funktioniert. Allerdings hebt sich jetzt der Bügel leicht vom Kreuztisch ab, sodass er öfter mal über den Objektträger herüber rutscht. Das führe ich darauf zurück, dass die reparierte Feder eben etwas verbogen ist. Langer Rede kurzer Sinn: Ich würde gerne wissen, ob man die Feder austauschen kann oder, ob man gleich den ganzen Objektführer austauschen müsste, um das Problem zu beheben.
4.) Austauschen der Beleuchtung: Gibt es Vorgaben, wie hell die Beleuchtung am besten sein sollte oder welche sonstigen physikalischen Eigenschaften die Lichtquelle haben muss, abgesehen davon, dass sie möglichst kaltweiß sein sollte?
Ich freue mich über jede Hilfe und jeden, der noch nicht genervt von meinen vielen Fragen ist... :-[
Freundliche Grüße
Jan
Guten Morgen Jan,
einen schönes Mikroskop hast Du da! Ich nutze so ein Stativ als Reisemikroskop und bin damit mehr als zufrieden.
Zu 1.)
Wenn Du ohne Brille mikroskopierst, kannst Du mit dem Mechanismus das Mikroskop exakt auf Deine Augen einstellen: Du stellst mit dem fixen Okular scharf und korrigierst dann mit dem justierbaren Okular so, dass beide Bilder gleich scharf sind (ggf. jeweils das andere Auge zukneifen). Die geringe Änderung der Tubuslänge ist dabei nicht relevant.
Auch mit Brille ist es manchmal notwendig, ein wenig zu korrigieren und wenn du den Fototubus nutzt, sollten beide Okulare einstellbar sein, dann fokussierst Du so, dass das Bild an der Kamera scharf ist und passt die Okulare entsprechend an.
Zu 2.)
Korrekt
Zu 3.)
Stelle mal eine Suchanfrage hier im Markt, es kann durchaus sein, dass jemand so eine Feder abzugeben hat.
Zu 4.)
Nein, dazu gibt es keine Vorgaben. Aber je höher die Vergrößerung ist, umso mehr Licht wird benötigt. Ich nutze an meinem SM ein 40er Objektiv für die höchste Vergrößerung und ich habe die gleiche Original-Leuchte wie Du. Dort steckt nun eine 3Watt Kühlschrankbirne mit Leuchtfilament drin: ein LED Array eingebettet in Leuchtmasse, das ein sehr schönes, homogenes Licht erzeugt und auch für die gelegentliche Nutzung des 100er Objektivs noch genug Reserven hat.
Vorteil: Billig, genug Licht und die Anmutung des Geräts bleibt erhalten: Du kannst halt die Originalleuchte weiter verwenden.
Nachteil: Nicht ohne weiteres dimmbar.
Ich habe mich auch für eine warmweiße Birne entschieden und lasse den Blaufilter im Strahlengang. Der schluckt zwar zusätzlich etwas Licht, aber ich persönlich finde das Licht der kaltweißen LED als zu hart. Da die Dinger im 2er Pack bei Amazon aber nur 4 oder 5 Euro kosten, kannst Du einfach selbst testen, was Dir besser liegt.
Da der Teilemarkt für das SM sehr gut bestückt ist: was könntest Du sonst noch tun:
- Schau mal, ob Du 10x Weitfeldokulare bekommen kannst (die haben ein Sehfeld von 18 oder 20 mm), niedriger oder höher vergrößernde Okulare sind oft "Gucklöcher" :)
- Du kannst nach und nach die Objektive gegen NPL oder PL Objektive für 170 mm Tubuslänge (Planobjektive bis 22 bzw 25 mm Sehfeld) ersetzen, insbesondere, wenn Du fotografieren willst.
Dabei musst Du auf die Abgleichlänge achten: Deine Objektive werden 37 mm haben, die größeren NPL und PL Objektive haben 45 mm. Du brauchst Zwischenringe (Plezy) für die verbliebenen 37 mm Objektive und die sind leider recht selten. Ggf. geht da nur ganz oder garnicht.
Herzliche Grüße
Jörg
p.s.
Das 100er ist ein Immersionsobjektiv - es wird mit einem Tropfen Immersionsöl zwischen Deckglas und Frontlinse genutzt.
Zitat von: Fahrenheit in November 17, 2022, 06:58:25 VORMITTAG
- Schau mal, ob Du 10x Weitfeldokulare bekommen kannst
Die heißen bei Leitz ,,Großfeldokulare", z. B. ,,Periplan GF 10x".
Wenn Du das vorhast, melde Dich! Hab ich ,,rumliegen". Genauso Objektive.
Wolfgang
Hallo Jan,
ja, auch mit einem Leitz sollen sich Pilze bestimmen lassen. ;)
Das wichtigste für Pilzmikroskopie ist das 100er Objektiv, das braucht man unbedingt, auch wenn anfangs die Ölerei manchmal zur Pantscherei wird.
Der Abgleich von 40er und 100er Objektiv muss identisch sein, d.h. wenn man vom 40er auf das 100er geht, zwischendrin den Öltropfen aufs Deckglas macht und das 100er einschwenkt, dann stößt man nicht ans Deckglas an.
Freundliche Grüße
Peter
PS: Weshalb bei Pilzlern die OLYMPUS-Fraktion so stark vertreten ist, dafür gibt es eine einfache Erklärung. Walter Pätzold betrieb seit 1981 die Schwarzwälder Pilzlehrschau in Hornberg/Schwarzwald. Deutschlandweit war diese Pilzschule damals einzigartig. In den Fortgeschrittenen-Seminaren wurde natürlich auch mikroskopiert. Und er benutzte ein OLYMPUS Mikroskop. Durch die Nähe zu Freiburg und den dort ansässigen OLYMPUS-Händler NOSCH ergab sich eine fruchtbare Kooperation. Wer ein Mikroskop suchte, wurde an NOSCH verwiesen. Dieser stellte den Pilzlern ihre Mikroskope wunschgemäß zusammen und lieferte diese sogar nach Hause und baute sie dort auf.
Genau dieses "wunschgemäß" machte den Unterschied. So wurden Strichplatten zum Messen bereits in die Okulare integriert, Brillenträgern wurden dioptrienverstellbare Messokulare angeboten etc. Man war dort gut aufgehoben und bekam genau das, was man brauchte. Es wurde niemandem etwas "aufgeschwatzt".
Und - quasi myzelmäßig - verbreitete sich dadurch OLYMPUS bei den Pilzlern weiter. Der erfolgreiche Influencer war also Walter Pätzold und die Pilzlehrschau Hornberg - und das bereits zu Zeiten, als das Internet noch nicht mal Kinderschuhe anhatte.
Danke Peter für diese interessante Aufklärung!
Olympus und die Pilzler blicken also auf eine lange gemeinsame Tradition zurück, die natürlich dann später über die Pilzforen noch weitere Verbreitung erfahren hat.
Grüße
Martin
Auch von mir herzlichen Dank für das Licht im Dunkel der Vorurteile.
Wolfgang
Hallo,
als kleiner Nachtrag von mir:
Die OLYMPUS-Mikroskope waren damals in den 80er Jahren schon nicht gerade günstig. So kosteten Binokulare in der Hellfeldausführung der CH2-Baureihe mit einfachen Achromaten ca. 3500 DM und die BH2-Mikroskope ab 4500 DM. Das war richtig viel Geld!
Aus Preisgründen wurden einige "Neupilzler" ab der Jahrhundertwende "abtrünnig" und besorgten sich deutlich günstigere Geräte (Chinaware unter den verschiedensten Labels). Diese Teile hielten oft den rauen Anforderungen der Pilzler in den Folgejahren nicht stand. Reparaturen klappriger Tische, defekter Triebe und Stative gestalteten sich schwierig bis unmöglich.
Die CH2-Mikroskope sind mechanisch (fast) unverwüstlich und erfreuen sich gerade deshalb heute wieder einer zunehmenden Beliebtheit.
Gruß
Peter
Hallo in die Runde,
Vielen Dank für die weiteren Antworten. Ich habe mich jetzt mit den verschiedenen Okularen und Objektiven auseinandergesetzt und zu den Okularen noch einige speziellere Fragen. Bezüglich der Objektive habe ich auch recherchiert und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass meine Achromat-Objektive erstmal ausreichen und ich andere Objektive, die besser für Bildfarbe und -wölbung korrigieren (Halbachromate, Apochromate, Plan-Apochromate, NPI) für den Anfang eher nicht brauche. Wenn ich mich mehr mit Mikrofotografie beschäftige, kann ich mir immer noch bessere Objektive zulegen.
Ich werde allerdings auf jeden Fall andere Okulare benötigen, denn für die Pilzmikroskopie brauche ich soweit ich weiß mindestens eine 1000fache Vergrößerung zum Messen der Sporen, die ich mit meinen jetzigen 6fach-vergrößernden Okularen nicht erreiche, denn um diese Gesamtvergrößerung zu erreichen müssen die Okulare mindestens eine 8fache Vergrößerung aufweisen. Außerdem habe ich diesem Thread https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=21688.0 entnommen, dass es am besten Weitfeldokulare (davon eines mit Okularmikrometerplatte), also mit Sehfeldzahl 18 oder höher, sein sollten, wie hier auch schon vorgeschlagen wurde.
Mit diesen Voraussetzungen im Hinterkopf habe ich mir nochmal den Leitz-Katalog angeschaut, den Andreas verlinkt hatte ( https://www.leitz-ortholux.de/pdf/abbildende_beleuchtende_1973.pdf).
Im Katalog von Leitz (https://www.leitz-ortholux.de/pdf/abbildende_beleuchtende_1973.pdf) findet man 3 Okulartypen, die diese Voraussetzungen erfüllen:
-Periplan-Okulare mit der Zusatzbezeichnung ,,NF" (NF 10x, NF10xM, NF10xZ)
-Periplan-Großfeld-Okulare GF mit 10facher Vergrößerung (GF 10x und GF 10x M, letztere ohne Punktzahl, mit Punktzahl 10 oder Punktzahl 20) oder 12,5facher Vergrößerung (GF 12,5x und GF 12,5x M)
Periplan-Großfeld-Okulare GW (GW 8x M mit keinen/10/20 Punkten, GF12,5x und GF12,5M)
Bevor ich mich entscheiden kann, welche Okulare am besten für meine Zwecke geeignet sind, muss ich jetzt nochmal ein paar Fragen stellen:
1) Was bedeutet es, wenn die Okulare die Zusatzbezeichnung ,,NF" haben?
2) Was haben die Punktzahlen hinter den Okularbezeichnungen zu bedeuten?
3) Die aufgeführten Okulare haben 3 verschiedene Vergrößerungsfaktoren (8fach, 10fach, 12,5fach). Ist es für die Pilzmikroskopie denn sinnvoll eine noch höhere Vergrößerung zu haben als 8fach (bzw. insgesamt 1000fach) oder ist das eher ,,für schön" und nicht unbedingt notwendig?
4) Kann ich mit meinem Binokulartubus überhaupt die Periplan-Großfeld-Okulare GW nutzen oder bräuchte man dafür einen Tubus mit höherem Durchmesser (wie das Leitz-Orthoplan ihn hat)?
5) Die Okulare unterscheiden sich, laut Leitz-Katalog, auch in der Kategorie ,,Bildwinkel". Ist das wichtig für meine Okular-Auswahl oder kann ich das ignorieren?
Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir nochmal auf die Sprünge helfen könntet.
Freundliche Grüße
Jan
Hallo Jan,
ich versuche mich mal an den Antworten:
(1) NF bedeutet "Normalfeld", das waren die Okulare mit leicht vergrößertem Sehfeld gegenüber den alten "Schlüssellochokularen", wie du sie an deinem SM hast. NF zur Unterscheidung zu GF (Großfeld) und GW (Weitfeld, 30mm Durchmesser).
(2) Die M-Okulare mit Punktzahl dahinter haben Strichplatten eingelegt, die beiden Platten "10 Punkte" und "20 Punkte" dienten für spezielle Zählverfahren in der Diagnostik und waren seinerzeit (70er Jahre) wohl stark nachgefragt und daher im Set orderbar. Die Strichplatten mit Schema des Aufdrucks findest du ganz hinten im Kapitel ... Strichplatten
(3) Das ist eher Geschackssache. Die Auflösung ändert sich nicht durch höher vegrößernde Okulare, daher spricht man populärwissenschaftlich von leerer Vergrößerung. Ganz richtig ist dieser Ausdruck aber auch nicht, es gibt irgendwie immer einen ideale Kombination zwischen Okularvergrößerung und Zweck der Mikroskopie. Manchmal ist Übersicht wichtig, z.B. bei der Histologie, da gehr man mit 6,3 GW ran. Manchmal will man kontrastreiche Objekte exakt ausmessen, da ist ein stark vergrößerndes Okluar mit feiner Strichplatte gefragt. Manchmal passt es einfach dem Beobachter... Was der Pilzler gerne an seinem Olympus zum 100er Öl trägt kann ich nicht beurteilen, ich bin keiner.
(4) Nein, richtig erkannt. Die GW-Okulare sind für die Tuben der Orthoplan-Generation mit 30mm Durchmesser. Für dein SM aus der schwarzen Generation vorher sieht es da schwarz aus. Es gibt einen Monotubus mit 30mm für das SM / Laborlux, das heisst aber: Es gibt wahrscheinlich EINEN, und den hat der Wolfgang (Ortholux), wie alles andere auch...
(5) Der Bildwinkel berechnet sich aus Sehfeldzahl und Vergrößerung und gibt den optischen Eindruck der Bildgröße aus. Du kannst damit nachvollziehen, dass Okulare größerer Vergrößerung auch mit kleiner Sehfeldzahl optisch ein ähnlich großes Bildfeld vor deinem Auge ausbreiten wie Okulare geringer Vergrößereung und höherer Sehfeldzahl. Aber Achtung: Ab einem gewissen Alter, das einschließlich mir die meisten Foristen schon überschritten haben engt sich der Bildwinkel des menschlichen Auges ein. Du kannst dann das große Sehfeld gar nicht mehr mit einem entspannten Blick übersehen. Trotzdem ist es natürlich angenehm, wenn man nicht in einen schwarzen Tunnel blickt...
Schönen Restsonntag
Andreas
Hallo,
NF und GF haben beide ein Sehfeld von 18. Die NF sind aber einfacher aufgebaut, war die Billig-Version eines Großfeldokulars.
GW scheidet aus, die sind, wie geschrieben, immer für 30 mm Tuben also das Orthoplan.
Viele Grüße
Alexander
Alexander hat natürlich recht, ich habe selbst in diesem Beitrag https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=40144.msg296037#msg296037 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=40144.msg296037#msg296037) die beiden Typen verglichen. Bei manchem schränkt sich halt im Alter nicht nur das Sehfeld ein...
Was dann NF genau bedeuten soll konnte nicht geklärt werden, und einen Unterschied konnte ich optisch beim besten Willen nicht erkennen.
Grüße Andreas
Hallo zusammen,
nach längerer Pause melde ich mich nochmal. Als Erstes noch einmal vielen Dank für die hilfreichen Beiträge. Mittlerweile hatte ich Zeit, mich ein bisschen einzulesen und noch etwas zu recherchieren und zumindest schon mal die Glühlampe gegen eine Kühlschrank-LED auszutauschen.Außerdem ist es mir, so glaube ich, gelungen, jedes Bauteil außer den Objektiven und Okularen mit Katalognummer zu bestimmen (auch den Märzhäuser-Objekttisch!). Ich habe daraus einen Steckbrief zu meinem Mikroskop gebastelt, den ich unten anhänge.
Was mir allerdings noch einiges Kopf zerbrechen bereitet hat, ist die Parfokalität der Objektive. Und zwar scheinen das 3,5er-Objektiv, das 10er-Objektiv und das 100er-Objektiv parfokal angeglichen zu sein, denn, wenn ich bei bei scharf eingestelltem Objekt vom 3,5er-Objektiv zum 10-er-Objektiv wechsele, bleibt das Bild scharf und, wenn ich aus dieser Position zum 100er-Objektiv wechsele, passt quasi nur noch ein Haar zwischen Deckglas und Frontlinse (ein Bild des 100er-Objektivs in dieser Position ist unten angehängt):
Dementsprechend gehe ich davon aus, dass die Abgleichlänge der 3 genannten Objektive in etwa der Strecke von der Unterseite des Objektivrevolvers bis zur Frontlinse des 100er-Objektivs entspricht (die Entfernung von Frontlinse zum Objekt kann man wohl vernachlässigen bei ,,einer Haaresbreite" Abstand), wenn letzteres eingeschraubt ist. Diese Strecke habe ich mit dem Zollstock gemessen und sie beträgt ca. 37mm (ein Bild der Messung ist unten angehängt), was wohl mal eine gängige Abgleichlänge bei Leitz war (vor Einführung der DIN58887):
Wenn ich nun vom 3,5er- oder 10er-Objektiv zum 40er-Objektiv wechsele, dann muss ich den Objekttisch ca. 2mm höher einstellen, um das Bild scharf zu bekommen. Dementsprechend müsste ja das 40er-Objektiv eine Abgleichlänge von 35mm (37mm-2mm) haben. Das verwundert mich, weil ich im Leitz-Katalog kein Objektiv mit so einer Abgleichlänge finde. Außerdem ist das 40er-Objektiv dann ja nicht parfokal an die anderen Objektive angeglichen. Im Katalog zum ,,Leitz SM" steht aber explizit, dass alle Objektive parfokal angeglichen sind. Allerdings steht im ,,Leitz SM"-Katalog auch, dass die Deckglasdicke bei der Benutzung des 40er-Objektivs ziemlich exakt 17mm betragen muss während die Deckglasdicke bei den anderen Objektiven (3,5er und 10er) egal sei. Nun weiß ich leider nicht, wie dick die Deckgläser sind, die ich benutze bzw., ob ich diese 17mm einhalte. Daraus ergibt sich für mich folgende Frage:
Kann es sein, dass eine falsche Deckglasdicke dazu führt, dass das 40er-Objektiv eine scheinbar kürzere Abgleichlänge hat oder ist es wahrscheinlicher, dass vom vorherigen Besitzer das originale 40er-Objektiv gegen ein anderes mit falscher Abgleichlänge ausgetauscht worden ist?
Ich freue mich, wie immer, über jede Hilfe!
Freundliche Grüße
Jan
Mikroskop-Steckbrief bis jetzt
Modellname: (Monocular and Binocular) Medical Microscope SM
Hersteller: Leitz Wetzlar
Baujahr: 1965 (Stativbezeichnung: ,,Leitz WETZLAR GERMANY 660630")
Stativ: 051 235 Modern stand, SM-M, made of non-corroding alloy with single knob, combined coarse and finde adjustment. Rack and pinion with dovetail slider -.-.5, for the adjustment in the height of condenser; including protective dust cover
Okulare (in der Originalausstattung gibt es zwei 6fach vergrößernde Okulare, die sich nur im Field of View = FOV unterscheiden, das ich nicht ermitteln kann):
-6x vergrößernd
# 519 034 (mit FOV 19mm)
ODER
# 519 030 (mit FOV 17mm)
Tubus: TUBE ,,S" #512 066
Objektivrevolver: Quadruple revolving objective nosepiece 0.4.-, on ball bearing races #512 043
Objektive: ??? Zumindest das 40-er-Objektiv ist nicht parfokal angeglichen an das 3,5-er-Objektiv und das 10-er-Objektiv, daher wohl nicht die Originalausstattung, oder doch?! Da ich nicht beantworten kann, warum das 40er-Objektiv eine andere Abgleichlänge hat, bin ich mir hier mit den Katalognummern unsicher, deshalb an dieser Stelle nur die Beschriftungen:
»3,5er-Objektiv-Beschriftung: ,,Leitz 3.5/0.10" sowie ,,170/-"
»10er-Objektiv-Beschriftung: ,,Leitz 10/0.25" sowie ,,170/-"
»40er-Objektiv-Beschriftung: ,,Leitz 40/0.65" sowie ,,170/0.17"
»100er-Objektiv-Beschriftung: ,,Leitz Oel 100/1.30", ,,A348830" sowie ,,170/0.17"
Objekttisch/Objektführer: 513 155 Attachable mechanical stage #21, with low set coaxial control knobs, traversing area 75x26mm
Kondensor: Swing-out condenser with aperture diaphragm and interchangeable aspherical top element N.A. 0.90, #601
Beleuchtung: 514 096 Micro-dia lamp -.-.-.13 15 watt, for direct connection to 110 volts A.C.
Glühlampe: 500 013 Bulb 15 watts, 110 volts A.C. (for #514 096) ;-)
Lieber Jan,
auch wenn ich jetzt so langsam gesteinigt werde, aber hör doch einfach mal auf Deinen gesunden Menschenverstand!
Du schreibst, dass Du nirgends einen Hinweis auf Abgleichlängen abseits der 37mm gefunden hast. Was sagt uns das? ,,Nirgends" ist ja schon ein winzig kleiner Hinweis darauf, dass es das vielleicht nicht gegeben hat.
Die Abgleichlänge ist der Abstand zwischen Revolvegewinde und fokussierter Probe. Ein 3.5er hat einen freien Arbeitsabstand von ca. 30mm, während ein 100er nur einen Bruchteil eines Millimeters hat. Beide haben aber die selbe Abgleichlänge von, z.B. 37mm.
ABER - einfach mal zum Verständnis: wenn damals ein Mikroskop ausgeliefert wurde (wie es heute ist weiß ich nicht) wurde es vorher abgeglichen. D.h., die eingeschraubten Objektive wurden untereinander abgeglichen (parfokal ,,gemacht"). Das kann z.B. mit einer Art ,,Beilagscheiben" (sehr dünne Kunststoffringe) auf dem Gewinde passiert sein.
Wenn man heute ein 60 Jahre altes Mikroskop kauft, dann kann man Glück haben und alles passt wunderbar oder eben nicht. Wurde nämlich der hohe Aufwand des Abgleichs nicht betrieben, so hat man zwischen den stark- und schwächer vergrößernden Objektiven immer einen Nachfokussierbedarf.
Wie Du es schaffst, zwischen 3.5, 10 und 100 zu wechseln und den Focus zu halten ist ohnehin ein Wunder. Oder ist Dein 100er Objektiv kein Immersionsobjektiv?
Die Deckglasdicke ist es jedenfalls nicht.
Du scheinst sehr gewissenhaft zu sein. Aber selbst ich als Sammler von schwarzen Leitz-Mikroskopen kenne all die Fakten, die Dich zerreißen nicht.
Übrinx: ,,die andere" Abgleichlänge ist 45 mm. Somit kannst Du leicht überprüfen, ob jemand ein ,,falsches" 40er eingeschraubt hat.
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
hatten die 40er Objektive aus dieser Zeit vielleicht schon einen Deckglasschutz, der jetzt verhakt sein könnte? Ca 2mm wäre ja so ein Maß, das für mich nach fest sitzendem Deckgkasschutz riecht.
LG Gerd
Lieber Gerd,
die Idee ist gut. Es sieht tatsächlich so aus als wäre das Frontelement von Jans 40er nicht ganz ausgefahren.
Ich häng mal ein Bild eines funktionierenden 40ers dran.
Jan, Du kannst einfach die Hülse abschrauben, dann kannst Du das gefederte Frontelement besser fassen. Dann zieh mal daran, ob es sich bewegt!
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
danke für die ausführliche Antwort.
Zitatauch wenn ich jetzt so langsam gesteinigt werde, aber hör doch einfach mal auf Deinen gesunden Menschenverstand!
ZitatDu scheinst sehr gewissenhaft zu sein. Aber selbst ich als Sammler von schwarzen Leitz-Mikroskopen kenne all die Fakten, die Dich zerreißen nicht.
Ich bin eben noch ganz am Anfang mit der Mikroskopie, deshalb kann ich nur nochmal um Nachsicht bitten, wenn ich mit der vielen Fragerei jemanden nerve. Es fällt mir schwer einzuschätzen, was wichtig ist und was nicht, weshalb ich zur Orientierung erstmal alle Bauteile möglichst genau bestimmen wollte. Ich bin aber offen für Kritik, wenn an diesem Vorgehen etwas auszusetzen ist.
ZitatDu schreibst, dass Du nirgends einen Hinweis auf Abgleichlängen abseits der 37mm gefunden hast. Was sagt uns das? ,,Nirgends" ist ja schon ein winzig kleiner Hinweis darauf, dass es das vielleicht nicht gegeben hat.
Genau deshalb frage ich ja, weil ich mir keinen Reim darauf machen kann, dass ich eine Abgleichlänge von 35mm herausbekomme.
ZitatABER - einfach mal zum Verständnis: wenn damals ein Mikroskop ausgeliefert wurde (wie es heute ist weiß ich nicht) wurde es vorher abgeglichen. D.h., die eingeschraubten Objektive wurden untereinander abgeglichen (parfokal ,,gemacht"). Das kann z.B. mit einer Art ,,Beilagscheiben" (sehr dünne Kunststoffringe) auf dem Gewinde passiert sein.
Wenn man heute ein 60 Jahre altes Mikroskop kauft, dann kann man Glück haben und alles passt wunderbar oder eben nicht. Wurde nämlich der hohe Aufwand des Abgleichs nicht betrieben, so hat man zwischen den stark- und schwächer vergrößernden Objektiven immer einen Nachfokussierbedarf.
So verstehe ich das auch oder hab ich dazu was falsches geschrieben?
ZitatWie Du es schaffst, zwischen 3.5, 10 und 100 zu wechseln und den Focus zu halten ist ohnehin ein Wunder. Oder ist Dein 100er Objektiv kein Immersionsobjektiv?
So sollte es doch sein, wenn die Objektive parfokal angeglichen sind oder verstehe ich das falsch? Wie schon geschrieben kann ich die Schärfe des Bildes beim 100er-Objektiv (ein Öl-Immersionsobjektiv) nicht beurteilen, weil ich noch kein Immersionsöl habe. Allerdings weiß ich, dass das 100er-Objektiv beim Mikroskopieren fast das Deckglas berühren sollte und das tut es, wenn ich das Bild mit dem 3,5er- oder dem 10er-Objektiv scharf stelle und dann zum 100er-Objektiv wechsele. Dementsprechend habe ich angenommen, dass diese 3 Objektive parfokal angeglichen sind.
ZitatDie Deckglasdicke ist es jedenfalls nicht.
Das ist schon mal gut zu wissen, dass es nicht am Deckglas liegt. Vielen Dank.
Freundliche Grüße
Jan
Hallo Wolfgang und Gerd,
danke für die Beiträge.
Das wäre ja schön, wenn sich bei meinem 40er-Objektiv der Deckglasschutz verhakt hätte und ich das Problem selber lösen könnte. Allerdings verstehe ich noch nicht ganz, wie ich das machen soll. Wie und was muss ich genau abschrauben, um woran zu ziehen? Und kann ich dabei nicht auch etwas kaputt machen?...
Ich füge noch Bilder von meinem 40er-Objektiv und den anderen Objektiven zum Vergleich an.
Freundliche Grüße
Jan
Hallo Jan,
das 40er sieht wirklich so aus, als ob der Schutzmechanismus festgehakt wäre.
Du hälst das Objektiv am Rändel fest und drehst die Hülse -das Teil, auf dem die Beschriftung ist- auf, es ist ein hundsnormales Rechtsgewinde. Sitzt manchmal recht fest. Dann sehen wir weiter.
Hallo Jan,
ich habe die 3 Teile mal eingefärbt. Der rote Teil enthält die gefederte Frontlinse, die eigentlich von allein wieder herauskommen sollte wie rechts bei dem Objektiv von Wolfgang. Manchmal reicht es, mit spitzen Fingern diesen Teil einfach wieder raus zu ziehen. Wenn das nicht gelingt, musst Du den mittleren grünen Teil gegen den unteren Rändelring, den ich nicht eingefärbt habe, verdrehen, so wie Jürgen es beschrieben hat. Wenn dieser mittlere Teil, der nur eine recht dünne Hülle ist, sich nicht verdrehen lässt: keine Gewalt anwenden und mit irgendwelchen Zangen versuchen das zu drehen! Du würdest das Teil unweigerlich zerschrammen und verbiegen. Was Du machen kannst, um besseren Gripp zu bekommen: Ein Stück Fahrradschlauch drum wickeln, oder mit einer "Baby Boa (https://www.amazon.de/Konservenglas-Flaschen%C3%B6ffner-Baby-Boa-Constrictor/dp/B006H4RJFM/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=21PL7I5HEOTRO&keywords=Deckel%C3%B6ffner+Boa+Konstruktor&qid=1670104063&sprefix=deckel%C3%B6ffner+boa+konstruktor%2Caps%2C96&sr=8-2)" zu drehen versuchen.
Ich kenne die Leitz-Objektive nicht so genau wie Wolfgang, aber unter der Hülle sollte eine Führungsschraube in einem Schlitz stecken. Diese Schraube muss in den vorderen Teil des Schlitzes und steckt z.Z. wahrscheinlich im hinteren fest. Eventuell muss das Ganze etwas gefettet werden, damit es richtig flutscht, aber wichtig ist, dass die Frontlinse wieder an der richtigen Stelle steht. Vorsichtig mit kriechenden Ölen wie Ballistol oder WD40. Das Zeug kann bis auf die inneren Linsenflächen kriechen!
LG Gerd
Hallo Gerd und Jürgen,
vielen Dank für die Anleitung zum Abschrauben der Hülse. Leider bewegt sich das Ding keinen Millimeter... Einen Fahrradschlauch oder so eine "Baby Boah" habe ich leider nicht da. Ich werde mir dann wohl demnächst so eine "Baby Boah" besorgen und schauen, ob es damit geht.
Freundliche Grüße
Jan
Guten Abend,
während ich noch daran verzweifle, die Hülse von meinem 40er abzuschrauben, um den Deckglasschutz zu reparieren, hätte ich nochmal eine hoffentlich für euch recht einfache Frage:
Welches Immersionsöl ist für mein 100er-Objektiv geeignet und wo kann man sich das besorgen?
Hier nochmal die Daten zum 100er kurz zusammengefasst (Bilder im Anhang):
-Beschriftung: ,,Leitz Oel 100/1.30"; ,,A348830" ; ,,170/0.17
-Abgleichlänge: 37mm
-Vermutete Katalognummer: 519 060
Danke euch :)
Gruß
Jan
Hallo Jan,
Solange Du keine sehr speziellen Anforderungen (Eigenfluoreszenz, Viskosität, Brechungsindex) hast, tut es jedes moderne Immersionsöl. Eine Bezugsquelle findest Du leicht. Google liefert über 18.000 Treffer. Auf Nummer sicher gehst Du mit dem Zeiss 518N. Kostet halt.
Viele Grüße
Alexander
Hallo Alexander,
danke, dann ist das doch einfacher als gedacht. Ich hatte in der Mikrofibel folgendes dazu gefunden:
"Als Immersionsöl nehme man stets das vom Objektivhersteller empfohlene oder gelieferte. Das ist wichtig, weil sein Öl eventuell auf Verträglichkeit mit
dem Kitt getestet ist, mit dem die Frontlinse des Immersionsobjektivs in die Fassung gekittet bzw. die
Fassung abgedichtet ist, damit das Öl nicht ins Objektivinnere eindringen kann" (S.43)
Deshalb hätte ich gedacht, es gibt ein spezielles Öl von Leitz, das man verwenden sollte.
Gruß
Jan
Hallo zusammen,
leider bekomme ich den verhakten Deckglasschutz von meinem 40er Objektiv einfach nicht gelöst. Ich habe mir jetzt so eine "BabyBoa" besorgt und versucht, damit die Hülse abzuschrauben, aber damit habe ich das Frontelement leider nur noch tiefer versenkt (siehe Bilder).
Langsam kommen mir auch Zweifel, ob man die Hülse überhaupt abschrauben kann. Das ist ja auch noch ein älteres 40er mit 37mm Abgleichlänge. Kann es sein, dass man die Hülse damals noch nicht so abschrauben konnte, wie es bei den späteren Objektiven mit 45mm Abgleichlänge möglich ist? Ich erkenne jedenfalls keinen Schlitz im Bereich des Rändels, für mich sieht das aus wie ein einziges Werkstück.
Vielleicht habt ihr ja noch einen Tipp, was ich machen könnte oder wohin man sich wenden könnte, um das reparieren zu lassen.
Freundliche Grüße
Jan
Hallo Jan,
willst Du mir Dein 40er einfach mal zuschicken. Ich habe die entsprechenden Werkzeuge die Hülse ohne Beschädigung abzuschrauben.
Olaf Medenbach
Bruno-Heide-Str. 8
58456 Witten
Herzliche Grüße,
Olaf
Hallo Jan,
noch ein Tip:
das Gewinde schließt direkt an den doppelten Rändelring an. Wenn Du das Objektiv in diesem unteren Bereich packst, drückst Du durch die geringe Wandstärke auf das Gewinde und klemmst es. Du mußt weiter vorn (richtung Frontlinse) packen. Dann sollte es gehen. Außer es ist irgendwie festgebacken.
Dann -> Olaf.
Wolfgang
Dünne Latexhandschuhe anziehen, das erhöht die Griffigkeit beim manuellen Abschrauben.
Funktioniert auch beim Rausschrauben von alten Glühbirnen in engen Gehäusen ohne Bruch.
Gruß - Werner
Hallo und danke für eure Tipps,
ich hab's jetzt mal an dem 100er Objektiv probiert (siehe Bilder) und das hat Gott sei Dank geklappt: Ich bin wohl doch nicht grundsätzlich zu blöd dazu. Das ist schon mal eine Erleichterung...
Aber die Hülse vom 40er bewegt sich leider immer noch kein Stück. Ich werde nochmal den Tipp mit den Latex-Handschuhen ausprobieren und wenn das nicht geht, würde ich gerne auf Olafs Angebot zurückkommen.
Freundliche Grüße
Jan
Hallo nochmal,
jetzt kann ich doch noch einen Teilerfolg vermelden. :) Mir ist nämlich aufgefallen, dass der schwarze Plastikeinsatz (siehe Bilder) ganz hinten am Objektiv eine Verbindung bis ganz nach vorne zum Frontelement hat. Es hat jetzt also gereicht, mit einer Hand die Hülse zu greifen und mit der anderen Hand fest von hinten auf den Plastikeinsatz zu drücken bis das Frontelement wieder ganz ausgefahren war (siehe Bilder)!
Schöner wäre es natürlich, wenn der Mechanismus vom Deckglasschutz so gut gefettet wäre, dass das Frontelement von alleine wieder ausgefahren wird. Auch der Deckglasschutz vom 100er ist ein bisschen schwergängig. Ich würde deshalb gerne beide (das 40er und das 100er), wie Gerd vorgeschlagen hatte, nachfetten. Entsprechend frage ich mich jetzt, wie ich das machen kann, ohne die Optik einzusauen und bitte nochmal um Rat.
Vermutlich wird es ja dafür wieder darauf hinauslaufen, dass ich die Hülse abschrauben muss, sodass ich am Ende eventuell das 40er trotzdem an Olaf schicken würde...
Freundliche Grüße
Jan