Liebe Rätselfreunde,
nein, so abgehoben wie Reinhards phatastische epitaktischen Kristalle, die mein Mineralogenherz sehr erfreut haben, ist dieses Rätsel nicht, ich bin aber doch sehr gespannt in welche Richtung sich die Diskussion entwickelt.
Viel Spaß,
Olaf
Lieber Olaf,
für mich sieht das aus wie ein Gewebe.
Viele Grüsse
Florian
Lieber Florian,
für mich auch, ist's aber leider nicht :(.
Herzliche Grüße,
Olaf
Lieber Olaf,
nach einem ersten Blick dachte ich ganz klar Gewebe (genaugenommen drängte sich bei mir die Idee der Fernsehdecke auf dem Ohrensessel auf ;)) ! Hätte mich also Florians Meinung angeschlossen. Der zweite Blick lässt mich, gerade im oberen Bereich des Bildes, zweifeln. Außerdem, würde es uns Olaf so einfach machen ? Die klare Antwort kann darauf nur lauten: nein !!! Habe aber leider keinen Vorschlag was es sein könnte :'( .
Viele Grüße aus Berlin
Michael
PS: ein größerer Ausschnitt des Objektes wäre da sehr hilfreich gewesen ;)
Sehe gerade, ich liege richtig ...
Ich würde mal mit dem Material anfangen wollen, und vermute, es besteht aus Kunststoff. Passen dann auch die tollen Farben dazu ...Wie wärs mit einem (Garten)-Schlauch ?
Hallo Michael,
mit Kunststoff hast Du schon ins Schwarze getroffen, aber Gartenschlauch ist ganz falsch.
Übrigens sind wir hier im Mikroskopie-Forum und nicht im Stoffladen oder Gartencenter ;)-
Herzliche Grüße,
Olaf
Lieber Olaf,
darf man vermuten, daß das Objekt innerhalb der Aufnahme gebogen ist, oder wie erklärt sich die kontinuierliche
Änderung von Farbe und Struktur nach unten hin?
Herzliche Grüße
Reinhard
Lieber Reinhard,
nein, es ist nichts gebogen, aber Deine Beobachtung ist sehr gut und völlig richtig: es gibt einen Gradienten in der Probe.
Herzliche Grüße,
Olaf
Hallo Olaf,
der Gradient verläuft wohl senkrecht, sieht aus wie Farben beim Verlaufsfilter.
Die Faser-Struktur scheint sich waagerecht in den Komplementärfarben abzuwechseln?
Habe keine Ahnung, was das ist.
LG
Jürgen
... um das Rätseln wieder anzustoßen hier noch eine Zusatzinformation.
Wenn ein Rätsel von mir kommt könnte man ja vermuten, dass es sich um einen polarisationsoptischen Effekt handelt, und dem ist auch so! Hier nun zusätzlich ein Bild der Probe in linear polarisiertem Licht und eines bei gekreuzten Polarisatoren mit Lambda-Kompensator wegen der Schönheit. Die Bildbreite ist ca. 5 mm, wesentlich sind die Oberflächenstrukturen, die man an dem Bild im linear polarisierten Licht am besten sieht.
Viel Spaß,
Olaf
Hallo Olaf,
ich bin verwirrt, habe allerdings inzwischen einen Glühwein + Ouzo intus, aber die Bilder sind m.E. identisch ... Zumindest ist mir jetzt klar wieso die Bilddatei den Namen"gekreuzt" trägt.
Viele Grüße aus Berlin,
Michael
Könnte eine stirn-gefräste-Oberfläche sein
LG
Jürgen
Lieber Olaf,
schließe mich Jürgen an, Schleif- oder Fräsriefen in einem Material welches diesen schönen Pol Effekt hat.
lg
anne
Zitat von: hugojun in November 21, 2022, 16:19:20 NACHMITTAGS
Könnte eine stirn-gefräste-Oberfläche sein
LG
Jürgen
füge hinzu : UV Harz Oberfläche
Hallo Olaf,
21 Rillen bei 5 mm Breite sind über 0,23 mm Breite je Struktur, das kann man gut mit unbewaffnetem Auge sehen.
Da es sich um Kunststoff handelt und vermutlich durchsichtig ist, tippe ich mal auf strukturierte Einweghandschuhe.
LG Frank
Hallo Olaf,
ein Ausschnitt aus einem Geldschein?
LG Gerd
Zitat von: hugojun in November 21, 2022, 16:26:08 NACHMITTAGS
Zitat von: hugojun in November 21, 2022, 16:19:20 NACHMITTAGS
Könnte eine stirn-gefräste-Oberfläche sein
LG
Jürgen
füge hinzu : UV Harz Oberfläche
Obwohl, Harz ist eigentlich isotrop.
Bei der roten Linie hats ca. ein Γ von 550nm da durch den λ- Kompensator fast kompensiert.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/333721_63208015.jpg) (https://www.pic-upload.de)
LG
Jürgen
Zitat von: plaenerdd in November 21, 2022, 16:59:53 NACHMITTAGS
Hallo Olaf,
ein Ausschnitt aus einem Geldschein?
LG Gerd
Hallo Gerd,
glaubst du Olaf zerschneidet Geldscheine? ;D ;D
Jürgen und Anne, ganz herzlichen Glückwunsch, so ist es, eine stirngefräste Oberfläche in Plexiglas!!!
Da die Aufgabe, die letztlich zu diesem Rätsel geführt hat, sehr interessant und anspruchsvoll war, möchte ich bei der Erklärung etwas weiter ausholen.
Ein DIC-Verfahren am Mikroskop basiert ja auf polarisationsoptischen Effekten. Bei manchen Systemen bedient man sich dabei komplexer Analysator-Schieber aus einem Sandwich von linearer Polarisations-Folie und einer Verzögerungs-Folie mit einem Gangunterschied von Lambda die zwischen Glasplatten verkittet sind. Dabei muss die Schwingungsrichtung der Lambda-Folie exakt 45° zur Schwingungsrichtung des Polarisators orientiert sein. Nutzt man den Schieber mit der Lambda-Folie nach oben (also oberhalb des Analysators) ist diese unwirksam und man hat die normalen grauen DIC-Effekte. Dreht man den Schieber aber so, dass die Folie nach unten zeigt, diese also zwischen Polarisator und Analysator angeordnet ist, hat man die schönen bunten Effekte.
Die optischen Firmen machen sich die Sache leicht: sie bestellen fertig kaschierte Pol-Folien mit Lambda-Folien quadratmeterweise und verkitten die einfach zwischen Glasplatten. Solche kaschierten Folien kann man aber nach meiner Information als Privatperson nicht in vertretbaren Mengen kaufen, einzelne Lambda-Folien gibt es aber sehr wohl, z.B. bei Edmunds Optics. Da ich aber solche Schieber reparieren wollte musste ich mir etwas für das präzise Verkitten einfallen lassen.
Die zielführende Idee war schließlich die Herstellung einer Vorrichtung mit deren Hilfe man die Schwingungsrichtung der Polarisatoren und der Lambda-Folien genau ermitteln und auf der Folie selbst markieren kann. Auf dem ersten Bild sieht man die Vorrichtung für zwei gebräuchliche Durchmesser auf dem Polarisationsmikroskop dessen Fadenkreuz sehr genau auf die Schwingungsrichtung des Polarisators des Mikroskops ausgerichtet ist. Nun werden die zu bestimmenden Folien in den Ausfräsungen der Vorrichtung so lange gedreht bis sie sich in Dunkelstellung befinden, die gesuchte Schwingungsrichtung verläuft dann so wie die weiß ausgelegte Linie in der Vorrichtung.
Zum Anzeichnen auf der Folie, die noch mit einer Schutzfolie bedeckt ist, habe ich ein Lineal aus Plexiglas gefräst. Dieses sieht man auf dem zweiten Bild. Die gefräste Fläche ist mit dem roten Pfeil markiert. Als ich durch Zufall das Lineal einmal falsch aufgelegt habe, also mit der gefrästen Fläche nach oben, sah ich diese schönen Strukturen, Es sind zwei Scharen paralleler Bögen, eine von der Vorderkante und eine von der Rückseite des Fräsers, dies führt zu zwei unterschiedlichen Richtungen der Druckbelastung im Material und damit zu diesem Effekt. Wahrscheinlich ist dieser nur sichtbar weil ich mit großem Vorschub gearbeitet habe. Plexiglas neigt sonst zum Anschmelzen und Schmieren.
Zum weiteren Verfahren, falls es interessiert: Die Striche befinden sich ja nun nur auf der Schutzfolie und die Richtungen müssen ja auf die eigentlichen Folien übertragen werden. Dazu lege ich die beiden Folien genau deckungsgleich mit den angezeichneten Richtungen übereinander und feile mit einer kleinen Dreikantfeile eine ca. 1/2 mm große Kerbe in den Rand. Diese dient mir als Orientierung bei der Verkittung – sie wird später durch die Fassung abgedeckt.
Hat Spaß gemacht,
Olaf
... vielleicht noch eine Zusatzinformation, da in einem parallelen Thread ausführlich über UV-Kleber und deren Aushärtung diskutiert wird. Natürlich war mein erster Ansatz diese Folien mit solchem Kleber zu verkitten, weil der sich schnell und sehr leicht verarbeiten lässt. Dies ist aber leider nicht möglich, da beide Folien die benötigte UV-Strahlung absorbieren, der Kleber also zwischen der Pol-Folie und der Lambda-Folie nicht aushärtet. Daher musste ich mit klassischem Epoxidharz verkitten.
Quintessenz der letzten Tage: again something learned ;D
Herzliche Grüße,
Olaf
Hallo Olaf,
ich habe auch wieder was gelernt. :D
Gruß
Ludger
Zitat von: olaf.med in November 21, 2022, 17:34:45 NACHMITTAGS
... der Kleber also zwischen der Pol-Folie und der Lambda-Folie nicht aushärtet. Daher musste ich mit klassischem Epoxidharz verkitten.
Hallo Olaf,
für solche Anwendungsfälle gibt es Aktivatoren für UV-Kleber, nur mal so, für Dein nächstes "undurchsichtiges" Projekt.
Toll, wie Du diese Problemstellungen gelöst hast. Und nett, dass Du uns teilhaben lässt, danke.
LG Frank
Hallo Olaf,
na, das Rätsel hätte ich wohl in hundert Jahren nicht gelöst, aber vielen Dank für die begleitenden Infos zu deiner Arbeit. Seehr interessant!
Viele Grüße
Michael
Lieber Olaf,
vielleicht erlaubst du noch eine Frage zum Gradienten.
Eine einfache Lambda-Folie ist doch nicht keilförmig?
LG
Jürgen
Lieber Jürgen,
die Lambda-Folie ist bei den Bildern garnicht im Spiel, sondern ausschließlich das Plexiglas-Lineal. Der Gradient ist tatsächlich im Plexiglas selbst, das, wie die meisten Kunststoffe, schon doppelbrechend ist, entweder durch Orientierung der Makromoleküle beim Produktionsprozess oder Spannungen oder was auch immer. Die periodische Textur durch das Fräsen wird diesem Gradienten lediglich überlagert.
Herzliche Grüße,
Olaf