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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: wilfried48 in Dezember 16, 2022, 23:03:37 NACHMITTAGS

Titel: Deckglaskorrektur bei Zeiss unendlich 100x Ölimmersionsobjektiven
Beitrag von: wilfried48 in Dezember 16, 2022, 23:03:37 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

die 160mm Zeiss 100er Ölimmersionsobjektive waren immer mit 160/- graviert.
Der - bedeutete je nach Informationsquelle: mit oder ohne Deckglas zu verwenden oder Deckglasdicke muß nicht exakt eingehalten werden.
Die physikalische Erklärung war, daß der Brechungsindex zwischen Immersionsöl und Deckglas praktisch gleich ist (homogene Immersion).

Wie verhält sich das bei unendlich 100x Ölimmersionsobjektiven, die sind immer mit unendlich/0,17 graviert. Kann man die aus dem gleichen Grund
auch ohne Deckglas verwenden ?

Der Hintergrund meiner Frage ist, dass ein auf auf Deckglasdicke 0 korrigiertes Auflicht Epiplan 100x Ölimmersionsobjektiv praktisch nicht zu bekommen ist und ich ersatzweise gerne ein 100x Durchlichtojektiv ohne Deckglas verwenden würde.

Hat da jemand praktische Erfahrung ob und gegebenenfalls wieviel Verlust an Abbildungsqualität zu erwarten ist ?

viele Grüße
Wilfried
Titel: Re: Deckglaskorrektur bei Zeiss unendlich 100x Ölimmersionsobjektiven
Beitrag von: Lupus in Dezember 17, 2022, 10:01:20 VORMITTAG
Hallo Wilfried,

die Frage des Qualitätsverlustes ist theoretisch schwer zu beantworten, da bleibt wohl nur der praktische Versuch an einem Objekt wie z.B. einem Objektmikrometer - mit und ohne aufgelegtem Deckglas. Interessanterweise bietet Zeiss selbst bei einfacheren Objektiven wie dem A-Plan 100x/1.25 zwei sonst praktisch identische Varianten an: Eine ohne (Aufdruck ∞/0) und eine mit Deckglas (Aufdruck ∞/0,17). Der Unterschied könnte hauptsächlich in der doch nicht exakt mit (Deck-)Glas vergleichbaren Dispersionskurve von Immersionsöl liegen. Der Arbeitsabstand ist ohne Deckglas aber auch etwas größer ausgelegt.

Hubert
Titel: Re: Deckglaskorrektur bei Zeiss unendlich 100x Ölimmersionsobjektiven
Beitrag von: Bob in Dezember 17, 2022, 11:58:58 VORMITTAG
Hallo Wilfried,
praktische Erfahrungen müssten doch Leute haben, die Blutausstriche untersuchen, denn die werden normalerweise nicht eingedeckt und meist mit Ölimmersion untersucht.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Deckglaskorrektur bei Zeiss unendlich 100x Ölimmersionsobjektiven
Beitrag von: reblaus in Dezember 17, 2022, 13:30:14 NACHMITTAGS
Hallo Bob -

ich vermute mal, dass sich jemand der Blutausstriche routinemäßig untersucht eher keine Gedanken zu dieser Fragestellung macht ...

Gruß

Rolf
Titel: Re: Deckglaskorrektur bei Zeiss unendlich 100x Ölimmersionsobjektiven
Beitrag von: Rawfoto in Dezember 17, 2022, 13:38:49 NACHMITTAGS
Hallo Wilfried

Bei den Olympus BX gibt es immer noch die Unterscheidung NC und Deckglas, bzw. Etliche Öl-Objektive haben den Deckglaskorrekturring

Liebe Grüße

Gerhard
Titel: Re: Deckglaskorrektur bei Zeiss unendlich 100x Ölimmersionsobjektiven
Beitrag von: Apochromat in Dezember 27, 2022, 00:55:11 VORMITTAG
Hallo,

die Frage kann ich ganz schnell praktisch beantworten, da ich dazu auch schon umfangreiche Untersuchungen im Applikationslabor bei ZEISS durchgeführt habe. Ein hochaperturiges Ölimmersionsobjektiv D= 0,17 mit einer n.A. bis zu 1.46 kann ohne irgendwelche Qualitätseinbußen im Hellfeld mit oder ohne Deckglas verwendet werden, um Blutausstriche auch auf sehr kleine cytologische Details hin zu untersuchen, wie sie z.B in der Malaria- Diagnostik vorkommen. Wollte man ein D=0 Öl- Immersions- Objektiv mit Deckglas verwenden, käme es dann auf den freien Arbeitsabstand des Objektives mit oder ohne Deckglas an, ob dies möglich wäre.

Andere Fragen, wie die Erklärung des Prinzips der homogenen Immersion (aplanatisches Punktepaar, gibt es HI überhaupt noch?) und die Objektivgravuren (warum CZO 160 mm Oil D= - oder 250 CF bei HI mit D=0,17 graviert) oder die bei Weglassen des Deckglases bei D= 0,17 verbundenen Probleme der Nicht- Mehr- Parfokalität bei gemischten Immersionsreihen D= 0,17 mit D=- müsste man gesondert erklären.

Man kann übrigens wunderbare Ergebnisse mit einem Auflicht- Trocken- Planapo im Durchlicht mit hämatologischen Präparaten erzielen. Das ist auch nichts Neues. Deshalb gab es bei Carl Zeiss JENA hierfür auch das Spezialobjektiv 250 CF GF-PA 100x/0,90 oo/0-A für die Hämatologie. Ich würde da heute unser EC Epiplan- APOCHROMAT 50x/0,95 HD DIC D=0 empfehlen.

LG
Michael
Titel: Re: Deckglaskorrektur bei Zeiss unendlich 100x Ölimmersionsobjektiven
Beitrag von: momotaro in Dezember 27, 2022, 02:05:45 VORMITTAG
Hallo Michael,

ja das würde ich auch empfehlen, Objektiv EC Epiplan-Apochromat 50x/0,95 HD DIC M27 ; Artikelnummer: 422672-9960-000 kostet ja nur 5.199,11 €, aber woher nehmen und nicht stehlen.

LG Helmut
Titel: Re: Deckglaskorrektur bei Zeiss unendlich 100x Ölimmersionsobjektiven
Beitrag von: wilfried48 in Dezember 27, 2022, 12:10:23 NACHMITTAGS
Hallo Michael,

ich habe jetzt ein 100x Plan-Neofluar 1.30/0,17 bei unseren Biologen ausgeliehen und im Axio-Imager Z2 am Zeiss Testgitter ohne Deckglas getestet.
Im Durchlicht funktioniert es einwandfrei aber im Auflicht habe ich eine Randabschattung. Das Auflicht-Bild innerhalb des nichtabgeschatteten Bereichs von ca. 18 mm bei  23 mm Sehfeld ist auch tadellos und gut parfokal zum 100x HD Epiplan-Neofluar 0,9/0.

Es scheint also der koaxiale Auflicht-Beleuchtungsstrahlengang beeinflusst zu werden, sodaß wir doch ein Epiplan Ölimmersionsobjektiv benötigen. Aber dazu gibt es bei Zeiss aktuell wenig Auswahl.

viele Grüße
Wilfried
Titel: Re: Deckglaskorrektur bei Zeiss unendlich 100x Ölimmersionsobjektiven
Beitrag von: Apochromat in Dezember 27, 2022, 14:50:13 NACHMITTAGS
Hallo Wilfried,

jetzt verstehe ich Deine Frage erst: Du möchtest gerne mit einer Ölimmersion 100x D=0,17 unbedeckte Objekte IM AUFLICHT mikroskopieren. Ist das richtig? Das ist schon möglich, da der durch das Weglassen des Deckglases verursachte Öffnungsfehler (sphärische Aberration) sehr gering ist (theoretisch auf einem Spezialinterferometer oder am LSM mit fluoreszierenden Latexkügelchen auch messbar) und praktisch im Auflicht- Hellfeld auch irrelevant ist. Theoretisch dürfte der Öffnungsfehler hier sogar recht groß werden dürfen (mindestens etwa das 2fache der wellenoptischen Schärfentiefe des Objektivs). Also bei einer n.A. von 1,3 etwa das 2fache von 0,29 µm. Rechenweg: n Imm x (Wellenlänge/ n.A.^2)= 1,518 x 0,55/ 1,3^2= 0,8349/ 1,69)

Dann beschreibst Du auch eine von Dir festgestellte Abnahme der Bildqualität zum Rand hin. Ist das ein Helligkeitsabfall? Der kann auch verschiedene Ursachen haben. An einem "BioMed"- Axio Imager braucht man dann für Auflicht noch die Kompensatoraufnahme HD und eine Streuscheibe im Auflichtstrahlengang. Die gibt es aber wiederum nicht einzeln zu kaufen, da ja hierfür der Axio Imager m ("Mat"- Stativ) gebaut wird. Man kann als Ersatz hierfür aber den Einschub "Lichtabschwächer mit variablen Streuscheiben" 423616-0000-000 verwenden. Oder man setzt eine d= 25 mm Streuscheibe in das Auflichtfilterrad ein. Beim Axio Imager m muß die Streuscheibe mit dem kleinen Hebel auf der Stativrückseite eingeschwenkt sein. Bei Verwendung einer VisLED muß auch der fokussierbare Lampenkollektor richtig eingestellt sein.

Es gibt aber für Auflicht das sehr gute Epiplan- NEOFLUAR 100x/1,30 Oil Pol 422493-9900-000. Das wurde eigentlich für die Erzmikroskopie, sowie für die Untersuchung von Kohle, Kautschuk und schwarzem Gummi entwickelt.

LG
Michael