Hallo,
ich habe gesehen, dass es von Olympus ein trockenes 100er Durchlichtobjektiv mit Deckglaskorrektur (correction collar) und einer Apertur von 0.95 gab. Wer kann etwas zu diesem Objektv sagen? Welchen Sinn macht ein so hoch vergrößerndes Durchlichtobjektiv? Kennt es jemand und kann etwas zur Bildqaultät sagen?
Herzliche Grüße
Peter
Hallo Peter
Ich hatte es, der Haupeinsatz war die Motivsuche, fotografiert habe ich dann mit Öl. Damit sieht man sehr gut, kann beurteilen was das Präparat hergibt und kennt die Koordinaten.
Mit dem POL-Revolver können die Bildausschnitte deckungsgleich eingestelltwerden.
Ich beide Versionen - mit und ohne APO
Die WD ist größer als mit der Öl-Optik
Liebe Grüße
Gerhard
Hallo Peter!
Solche Objektive finden u.a. Verwendung am Inversmikroskop in Verbindung mit manchmal auch automatisierten Messeinrichtungen, wo Gewebezuchtplatten oftmals keine Glas- sondern Kunststoffböden haben, die vom Immersionsöl u.U. angelöst würden und dann eine Mikroskopie vollkommen unmöglich machen. Andererseits kann man nicht alle Zellen auf Glasböden anziehen. Sie wachsen oft auf der vorbereiteten Polystyrol-Oberfläche besser. Meist werden 40x/0,95 oder auch 60x/0,95 verwendet, wegen des größeren Objektfeldes. Es gibt aber durchaus Fälle wo allein die höhere Vergrößerung für Messungen wichtig ist, und dann braucht man eben auch mal ein 100er und für die unterschiedlichen Kammerböden eben auch eine Korrekturfassung.
Wenn man beispielsweise Zellveränderungen mit Zeitserien, welche u.U. über mehrere Stunden laufen können, mit Hilfe eines inversen Spinnig Disc (Nipkow-Scheibe) Konfokalmikroskop aufnehmen will, dann kann man mit einem solchen Gerät nicht optisch zoomen. Ein Zoom mit einem solchen Gerät ist im Gegensatz zum Zoom mit einem Punktscanner immer nur ein Ausschnitt aus dem Ursprungsbild ohne zusätzlichen Informationsgewinn. Daher benötigt man hier beispielsweise ein solches hochvergrößerndes Objektiv, um damit die zur Verfügung stehende Auflösung bei n.A. 0,95 auch wirklich auszunutzen.
Beim Punktscanner als Konfokalmikroskop sieht das anders aus. Hier bringt ein Ausschnitt echten Informationsgewinn, weil - vereinfacht - die Bildpunkte aus denen sich der jeweilige Ausschnitt zusammensetzt, beim zoomen verkleinert werden, womit die Auflösung im Bild steigt. Dies ist beim Spinnig Disc-Mikroskop technisch nicht möglich.
Da man bei solchen Serien normalerweise über einen programmierbaren Tisch mehrere Punkte auf der Platte immer wieder automatisiert anfährt, automatisch fokussiert und einen z-Stapel aufnimmt, ist ein Trockenobjektiv hierbei von Vorteil. Es geht hierbei selten um die allerletzte Detailauflösung sondern eher um den fluoreszenzmikroskopisch beobacht- und quantitativ auswertbaren Stoffwechsel- oder auch Transportvorgang einer bzw. mehrerer Zellen.
Weitere Verwendungsmöglichkeiten sehe ich in der Mikro-Injektion und -Chirurgie. Die Trockenoptik dürfte nicht nur den größeren Arbeitsabstand haben, sondern auch gut im Wechsel mit den 40er und 60er Trockenobjektiven, die ihrerseits umfassende Deckglaskorrekturmöglichkeiten bieten, am Inversmikroskop zu verwenden sein. Hier habe ich aber keine eigenen Erfahrungen, sondern habe nur den Anwendern über die Schulter geschaut.
Freundliche Grüße zum vergangenen Weihnachtsfest und zum kommenden Jahreswechsel ;)
Wolfgang
Hallo,
solche hochaperturigen Trockenobjektive 60x/ 63x/ 100x mit der Grenzapertur von n.A. 0,95 und Korrektur D= 0,17 sind bei manchen Hämatologen und klinischen Zytologen (PAP) gefragt. Wenn man die einmal auf den richtigen Wert der Deckglasdicke eingestellt hat, ist das Bild im Hellfeld für Anwender, die unbedingt und aus welchen Beweggründen auch immer ohne Immersion arbeiten möchten, ausreichend gut. Es gibt solche Objektive sogar ohne Korr- Ring mit fester Apertur 0,9 im Routinebereich, z.B. beim PRIMOSTAR. Für die Arbeit mit einem Umkehrmikroskop (Kunststoffgefäßböden aus Polystyrol) reicht die Verstellgröße der sphärischen Aberration am Korr- Ring und auch oft der freie Arbeitsabstand solcher Objektive meist nicht aus. Da würde man dann schon Deckglas-dünne Glas- Objektträger verwenden müssen oder LD- Objektive vorziehen.
Mechanisch sind diese hochaperturigen Trocken- Objektive -als Korr- Objektive ausgeführt- das Aufwändigste was man bauen kann und die Stückzahlen wegen der eher ungewöhnlichen Applikation und des hohen Preises solcher Objektive eher gering. Ich würde aber auch immer ein Immersionsobjektiv vorziehen. Ich hatte aber vor Kurzem mal wieder im Kurs das EC Plan-NEOFLUAR 63x/0,95 Korr für die Durchmusterung von PAP- Ausstrichen gezeigt und war dann selbst überrascht, wie ordentlich hier die Bildqualität war. Aber die Bedürfnisse sind ja sehr vielfältig in der Mikroskopie. Da gibt es kein Schwarz/Weiß. Wie gesagt, für mich wäre so ein Objektiv eher weniger interessant.
LG
Michael
Hallo Michael,
es ist Dir aber ganz sicher bekannt dass es im Handel Multiwell-Platten mit deckglasdünnen Glas- und auch Polystyrolböden eben für diesen von mir angesprochenen Zweck gibt, genauso wie Polystyrol-Petrischalen mit solchen Böden.
Freundliche Grüße vom
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
Ja klar, benutzen wir so etwas auch, z.B. von IBIDI oder WillCo Wells, inzwischen gibt es sogar DIC- taugliche Kunststoffböden. Ich würde solche Objektive mit D= 0,17 und Korr- Ring aufgrund ihrer geringen Kompensationswirkung gegenüber sphärischer Aberration trotzdem für so etwas nicht nehmen wollen. Aber wie gesagt, das kann ja jeder halten wie er/sie es gerne möchte.
LG
Michael
Hallo Michael und Wolfgang,
vielen Dank für Eure ausführlichen Erläuterungen.
Herzliche Grüße
Peter