Eine Frage an die Experten in Sachen Feinmechanik.
Dank etwas Zeit kam ich dazu die defekte Irisblende im Beleuchter OI-35 von LOMO reparieren. Sie war etwas aus der Fasson geraten. Es ließen sich aber alle Lamellen wieder verwenden.
Es gibt dazu die hervorragenden Anleitungen von den Mikroskopfreunden Nordhessen. Ich habe da reingesehen, dummerweise erst hinterher. Da steht nach dem Zusammenbau entfetten. Das habe ich auch so gemacht. Allerdings habe ich dann einen Hauch, wirklich nur einen Hauch feinstes Nähmaschinenöl darauf gegeben. Alles funktioniert tadellos. In der Anleitung steht nichts von einfetten. Sollen die Lamellen besser völlig trocken sein oder gefettet ? Vom Werk her waren sie eingefettet. Was ist da das beste ?
Noch eine Anmerkung zur Anleitung, zum Zusammenbau von Irisblenden generell:
Neben dem einfetten, damit die Lamellen bei der Fummelei nicht wieder wegrutschen, erleichtert es das Einlegen auch sehr, wenn man die schon gelegten mit einer Klammer, Massenklemme oder Ähnlichem passender Größe und Spannkraft fixiert. Das geht bei diesem Teil ganz gut.
VG
pschmidt
ZitatIch habe da reingesehen, dummerweise erst hinterher.
haha... aber besser spät als gar nicht :-)
Aus eigener Erfahrung muss ich feststellen, dass die Russen ihre Lamellen nicht ohne Grund einfetten!
Normalerweise wird der Stahl für solche Lamellen "gebläut", was den Rostansatz verhindern soll.
Russenlamellen eignen sich nicht für trockenen Einsatz!!! Die rosten dann schon bei etwas höherer Raumfeuchte. Meiner einer verwendet zum nachträglichen ölen Ballisto-Waffenöl. Wenn alles richtig gemacht ist, läuft die Blende schon fast zu leicht.
Grüße
Wolfgang
Hallo,
eine gut gemachte Bläuung oder Brünierung reicht als alleiniger Korrosionsschutz in mäßigen Klimazonen aus. Bei Iris-Blenden, die sich nicht blitzartig schließen und wieder öffnen müssen, wie die Springblenden bei Foto-Objektiven, macht ein leichtes Einölen nichts aus. Der Tip, erst nach der Montage zu entfetten, kommt vielleicht daher, daß man manchmal die Lamellen absichtlich mit Fett zur Montage in der richtigen Position zueinander fixiert. Bei Foto-Objektiven bremst der Ölfilm durch Adhäsion die Blendenlamellen und es kommt zu Überbelichtungen, weil sich die Blende zu langsam schließt und zum Zeitpunkt der Belichtung noch zu weit offen ist. Solche Blendenlamellen müssen unbedingt trocken und fettfrei sein. Leider haben viele, auch renommierte, Hersteller ungeeignete Fette für den Fokustrieb und die Belndenbetätigung verwendet, die Öl ausbluten und die Blendenlamellen verschmutzen. Deshalb wurden hochwertige Objektiv-Blendenlamellen (z.B. bei Leitz und erstaunlicherweise auch bei Praktica) mit einem speziellen Einbrenn-Gleitlack lackiert, der einerseits die Reibung minimiert und andererseits durch seine totmatte Oberfläche Reflexionen an den ansonsten glänzenden Lamellen verhindert. Dieser Lack mußte auch abriebfest sein und durfte durch die Reibung keine glänzenden Stellen bekommen und keinen Abrieb im Objektiv verursachen.
Viele Grüße, Jochen
Hallo,
ich habe mich immer an den Satz gehalten: "Irisblendenlamellen müssen trocken sein."
Ich habe mir das so erklärt, dass da je auch schnell mal recht hohe Temperaturen auftreten und Öle oder Fette, dann vielleicht doch schneller altern und verharzen.
LG Gerd
Danke an für alle Antworten.
So extrem heiß wird das Rohr im bereich der Blende nicht. Die Wärmeableitung über den Lampenkasten schein ausreichend, das wird in der Tat recht warm.
Dieses Waffenöl habe ich auch im Hause, gar nicht dran gedacht, das Nähmschinenöl stand halt griffbereit. Sollte ich jetzt noch mal entfetten und das Öl tauschen ?
Das diese gebläuten oder brünnierten Lamellen einen Hauch Öl brauchen und nicht trocken laufen sollten scheint mir plausibel. die brünnierten Waffenteile ölt man ja auch ganz leicht ein bei der Pflege.
VG
pschmidt
Hallo zusammen,
ich nehme statt Ballistol das Feinmechaniköl Ustanol (auch von Ballistol) und trage geringe Mengen mit einem Pinsel auf, auch aus Rostschutzgründen. Ballistol dient der Reinigung von Waffenläufen und ist ein reines Kriechöl, welches auch Wasser enthält. Zur langfristigen Schmierung ist es eher ungeeignet.
Hallo Hugo,
Ballistol besteht aus medizinischem Paraffinöl (Paraffinum liquidum), Ölsäure, die mit Kaliumhydroxid neutralisiert ist und iso-Amylalkohol, der dafür sorgt, daß das Kaliumoleat (eine Art "Schmierseife") in Lösung bleibt. So wird das seit 1906 von der Fa. Klever hergestellt. In ganz alten Auflagen des Römpp-Chemielexikons findet sich eine angenäherte Rezeptur. Diese Seife bewirkt einen gewisssen, aber nicht allzu ausgeprägten, Korrosionsschutz, wirkt zusammen mit Wasser emulgierend, wirkt reibungsmindernd und unterstützt zusammen mit dem iso-Amylakohol die Reinigungswirkung für Pulverrückstände in Waffen. Der Amylalkohol wirkt auch etwas keimtötend und desinfizierend. Ein reines Kriechöl ist es nicht, dafür ist die Viskosität zu hoch. WEgen der emulgierenden Wirkung wird es auch gerne von Blechbläsern zur Schmierung der Ventile verwendet. Auf Dauer ist Ballistol allerdings für Buntemetalle nicht zu empfehlen, da es die "Grünspanbildung" (Kupfersalze von Carbonsäuren) fördert.
Viele Grüße, Jochen
Hallo Jochen,
Hugo schrieb explizit USTANOL, was etwas völlig Anderes ist.
Und das Zeug, welches Buntmetalle angreift, ist das Waffenöl Gunex.
Übrigens auch von Ballistol. :-)
Das reinigt übrigens exzellent!
Grüße, Thomas.
Hallo Thomas,
vielen Dank, auch nach 35 Berufsjahren als Chemiker in der Entwicklung von Schmierstoffen und u.a. auch von Waffenölen, lernt man immer noch gerne interessante Dinge dazu.
Jochen
Hallo in die Runde,
bzgl. der Frage kriechen oder nicht kann manchmal auch ein Blick auf die Mitteilungen des Herstellers hilfreich sein:
https://www.ballistol-shop.de/Universal-Oele/Feinmechanik-Oel_B_S_38_52.html (https://www.ballistol-shop.de/Universal-Oele/Feinmechanik-Oel_B_S_38_52.html)
https://www.ballistol-shop.de/Ustanol-Kriechoel-und-Feinmechanikoel-200-ml-Spray_B-S_178.html (https://www.ballistol-shop.de/Ustanol-Kriechoel-und-Feinmechanikoel-200-ml-Spray_B-S_178.html)
Beste Grüße
Thomas
Zitat von: jochen53 in Januar 26, 2023, 12:30:27 NACHMITTAGS
Hallo Thomas,
vielen Dank, auch nach 35 Berufsjahren als Chemiker in der Entwicklung von Schmierstoffen und u.a. auch von Waffenölen, lernt man immer noch gerne interessante Dinge dazu.
Jochen
Bin mir jetzt nicht sicher, ob ich da zynische Untertöne herauslese.
Falls nicht, gern geschehen. ;D
(35 Jahre Restaurationserfahrung...)
Viele wirklich liebe Grüße, Thomas.
Interessante Diskussion,
Man kann hier immer wieder dazu lernen.
Für meine Reparatur schließe ich daraus, ich belasse es erst mal so wie es ist mit dem Nähmaschinen - Feinmechanik Ol.