Mikro-Forum

Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: eremonotus in Januar 26, 2010, 19:17:55 NACHMITTAGS

Titel: Einbettungmittel
Beitrag von: eremonotus in Januar 26, 2010, 19:17:55 NACHMITTAGS
Hallo Liebe Mikroskopiergemeinde!

Nachdem das mein erster Beitrag ist, möchte ich kurz mein Arbeitsgebiet erläutern. Ich bin Biologe in Österreich und arbeite mit Moosen seit knapp 15 Jahren. Also wenn einemal jemand einen Tipp braucht, dann einfach melden! ;)

Nachdem ich jetzt geraume Zeit Polyvinyl-Lactophenol als Einbettungsmittel genommen habe und dieses bei meiner Quelle nicht mehr so einfach zu erwerben ist, wollte ich fragen, ob es da noch andere offizielle Quellen gibt oder ob man diese Substanz als Privatperson nicht mehr bekommen kann? Wäre sehr schade da ich sehr gerne damit gearbeitet habe. Vielleicht kennt ja jemand von Euch auch ein alternatives Produkt. Es geht jedenfalls darum, dass man von benässten Moosblättern, Querschnitten etc. ein Dauerpräparat anfertigen kann. Die Substanz sollte wenn möglich selber weitgehend aushärten, so dass man nur mehr wenig Aufwand mit einem weiteren Einschlussmittel wie Lack etc. hat. Auch sollten die Zellen nicht total schrumpfen.

Ich wäre jedenfalls sehr froh, wenn mir da jemand weiterhelfen könnte.

Liebe Grüße
eremonotus
Titel: Re: Einbettungmittel
Beitrag von: Detlef Kramer in Januar 26, 2010, 19:22:40 NACHMITTAGS
Hallo Herr/Frau eremotus,

versuchen sie es doch einmal bei www.chemlab.at. Da sollte etwas passendes im Angebot sein, z.B. Includal A oder auch die klassische Glycerin-Gelatine, allerdings phenolfrei und daher frei erhältlich.

Gruß

D.K.
Titel: Re: Einbettungmittel
Beitrag von: Bernhard Kaiser in Januar 27, 2010, 05:41:07 VORMITTAG
Hallo,

im Mikrokosmos 95. Heft 1. 2006 habe ich eine Methode beschrieben, welche schnell und bequem anzuwenden ist:

Zitat

Von der Moospflanze zum Präparat
Wir bringen einen Tropfen demineralisiertes Wasser auf einen Objektträger und legen ein Moospflänzchen hinein. Nach einer Minute ist es benetzt. Wir streifen mit einer Pinzette oder einem Skalpell einige Blätter vom Stängel ab. Der Stängel wird entfernt und ein Deckglas aufgelegt. Nun wird mikroskopiert.

Herstellung von Dauerpräparaten
Soll das Präparat aufbewahrt werden? Kein Problem.
Wir lassen das Wasser vollständig verdunsten und fügen dann an den 4 Ecken des Deckglases je einen kleinen Tropfen farblosen oder gefärbten Nagellack hinzu. Nach kurzer Zeit ist der Lack festgeworden und ein Dauerpräparat ist fertig.
Platzieren wir das Deckglas auf die rechte oder linke Seite des Objektträgers, dann ist eine größere zusammenhängende Fläche auf dem OT frei und wir können ein Haftetikett mit den erforderlichen Detailangaben aufkleben, oder zum schnellen Vergleich ein weiteres Deckglas mit anderen Moosblättern auflegen.
Wenn das Präparat wieder angeschaut werden soll, geben wir einen Tropfen demineralisiertes Wasser an eine Seite des Deckglases. Der Wassertropfen wird kapillar unter das Deckglas gesogen, die Blätter werden wieder turgeszent und können erneut mikroskopiert werden.

Früher habe ich ebenfalls mit Lactophenol oder Glyceringelatine gearbeitet, musste aber dann nach Jahren feststellen, daß sich manche Präparate braun verfärbt haben und bei den meisten die Zellstrukturen nicht mehr deutlich oder gar nicht mehr zu sehen waren. Ganz abgesehen vom Aufwand der Herstellung.

Sie erhalten nach o.g. Verfahren Arbeitspräparate, die Sie zum Vergleichen schnell zur Hand haben. Ich mache das seit etwa 10 Jahren und habe keinerlei Schwierigkeiten, auch nicht mit der Haltbarkeit.
Bei der Wiederbenetzung werden zwar in manchen Zellen - besonders in den Hyalinzellen der Torfmoose - Luftblasen eingeschlossen, aber Sie sehen doch immer das Wesentliche.

Freundliche Grüße
Bernhard Kaiser
Titel: Re: Einbettungmittel
Beitrag von: eremonotus in Januar 27, 2010, 07:38:25 VORMITTAG
Vielen Dank für Eure Hilfe! :) :) :)

Glycerine-Gelatine scheidet leider aus, da ich damit früher keine guten Erfahrungen gemacht habe.

Die Idee mit der Fixierung des Deckglases mit Nagellack ist zumindest oberflächlich betrachtet interessant. Werden die Objektträger dabei liegend oder stehend gelagert? Die Lufteinschlüsse gehen normal schnell weg, bei gewissen Gruppen wie z.B. Polytrichaceae oder Pottiaceae muss man mit Hitze nachhelfen.

In jedem Fall bin ich jetzt schon einmal etwas schlauer geworden  und ich werde wohl auch das Includal einmal ausprobieren.

Liebe Grüße
eremonotus
Titel: Re: Einbettungmittel
Beitrag von: Bernhard Kaiser in Januar 27, 2010, 14:16:08 NACHMITTAGS
Guten Tag,

ich bewahre meine Präparate in 100er Präparatekästen auf. Diese stehen wie Bücher im Regal. Die Objektträger liegen somit.

Zitatmuss man mit Hitze nachhelfen
Davon rate ich ab. Die Objekte könnten Schaden nehmen.

Freundliche Grüße
Bernhard Kaiser
Titel: Re: Einbettungmittel
Beitrag von: eremonotus in Januar 27, 2010, 20:50:47 NACHMITTAGS
Danke!

Also ich "koche" die Blätter und Schnitte seit Jahren leicht an und das funktioniert perfekt im wässrigen Milieu. Gerade bei Torfmoosen oder auch bei derberen Laubmoosen geht das sehr gut.

In jedem Fall habe ich heute das Einbettungsmittel ohne Phenol bestellt. Ich denke wenn sich bei Ihnen die Zellstrukturen zum Teil aufgelöst haben, dann dürfte dies wohl am Gehalt von Phenol liegen, denn es wird ja auch im molkularbiologischen Bereich genau dafür verwendet und zwar um die Zellen zu zerstören und die DNA zu isolieren.

Liebe Grüße
Christian
Titel: Re: Einbettungmittel
Beitrag von: Bernhard Kaiser in Januar 28, 2010, 05:13:26 VORMITTAG
Hallo Christian,

ZitatAlso ich "koche" die Blätter und Schnitte seit Jahren leicht an und das funktioniert perfekt im wässrigen Milieu. Gerade bei Torfmoosen oder auch bei derberen Laubmoosen geht das sehr gut.

Besten Dank für den Hinweis. Werde ich gerne ausprobieren.

Phenol als Ursache der Zellzersetzung und Bräunung ist  einleuchtend. Glycerol, Gelatine und Wasser können wohl kaum Veränderungen herbeiführen.

Freundliche Grüße
Bernhard Kaiser

PS. leben Sie im "kalkhaltigen" Österreich? Wenn ja, gibt es dort Bryum elegans Nees ex Brid. mit Brutfäden?
Titel: Re: Einbettungmittel
Beitrag von: eremonotus in Januar 28, 2010, 06:45:52 VORMITTAG
Ich bin Salzburg zu Hause und da ist Bryum elegans auf Kalk und Dolomit verbreitet. Aktuell erheben wir die Moosflora in Vorarlberg und da habe ich letztes Jahr in einem Schistidium-Rasen wenige Stämmchen von Bryum elegans gehabt mit Brutfäden (nicht belegt). Gerne werde ich in diesem Jahr verstärkt darauf achten und Ihnen bei einem Fund Material zukommen lassen.

Liebe Grüße
Christian Schröck
Titel: Re: Einbettungmittel
Beitrag von: Bernhard Kaiser in Januar 28, 2010, 10:21:04 VORMITTAG
Danke Herr Schröck,

das deckt sich mit meinen Beobachtungen. Bryum elegans kommt zwar selten mit Brutfäden vor, aber gelegentlich sind sie zu finden. Bei Frahm/Frey (4. Aufl. 2003) wird dies ausgeschlossen. Wenn Sie in der Exkursionszeit Material finden, wäre ich für einen Beleg dankbar.
siehe hierzu:
Kaiser, B. (2005): Beobachtungen zu Bryum capillare agg. Bryol. Rundbriefe Nr. 94.

Erhitzungsversuche zur Luftverdrängung waren bei Sphagnum fallax erfolgreich. Wieder was hinzugelernt. Danke.

Herzliche Grüße
Bernhard Kaiser