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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Manfred Melcher in März 26, 2023, 22:12:25 NACHMITTAGS

Titel: Leitz Laborlux I - Hilfe
Beitrag von: Manfred Melcher in März 26, 2023, 22:12:25 NACHMITTAGS
Hallo Forum,

Ich habe gestern ein Laborlux I erstanden und benötige Hilfe bei der Lösung einiger Funktionsprobleme.
Die erste Frage betrifft die Bino-Befestigung. Das Bino wird aufgeschraubt, lässt sich aber nach dem Aufschrauben nicht verdrehen. Wenn ich es richtig einschätze, müsste es mittels eines Überwurfrings lösbar - und nach dem Verdrehen wieder fixierbar sein. Dieser Ring ( in der Abbildung durch einen Pfeil gekennzeichnet ) ist so festsitzend, dass es mir bisher nicht gelungen ist, ihn zu verdrehen. Bevor ich zu viel Gewalt anwende, möchte ich lieber hier nachfragen, ob meine Überlegungen richtig sind und wenn ja, was für Tipps Ihr mir hier geben könnt. Ich hoffe ich habe mich verständlich ausgedrückt!
Mein zweiter Punkt ist die Feintriebsverstellung. Der Feintrieb lässt sich verstellen, aber nur etwas weniger als eine Umdrehung. Ich denke nicht, dass dies so gewollt ist. Der durch kleine weiße Striche markierte Verstellbereich lässt sich nicht ansatzweise abfahren. Ich meine mich zu erinnern, über dieses Problem im Forum schon einmal gelesen zu haben, kann aber keinen Hinweis mehr finden.

Über Eure Tipps und Anleitungen würde ich mich seh freuen!

LG
Manfred


Titel: Re: Leitz Laborlux I - Hilfe
Beitrag von: jochen53 in März 28, 2023, 10:06:50 VORMITTAG
Hallo Manfred,
ein schönes Exemplar hast Du da erworben, sogar mit dem an diesem Mikroskop eher selten anzutreffenden Berek-Kondensor. Ich habe auch so eines (Nr. 398 358), bei dem habe ich genau das entgegengesetzte Problem: Der Bino-Tubus läßt sich extrem leicht drehen, aber leider nicht fester einstellen. Das ist etwas lästig, weil das so leicht geht, daß sich der Tubus bei jeder kleinsten Berührung wegdreht. Ich glaube, daß ein Gewindering, der sich an dem unteren "Rohr" befindet dafür verantwortlich sein könnte. Der von Dir markierte, geriffelte Montagering dreht sich jedenfalls nicht mit. So wie es aussieht, benötigt man dafür einen Spezialschlüssel, vielleicht eine Art Hakenschlüssel. Der Ring sitzt jedenfalls bei meinem bombenfest und mit einer Rohrzange möchte ich da nicht rangehen.
Ich habe noch ein zweites, teilweise ausgeschlachtetes Stativ (Nr. 398 257) ohne Tubus, bei dem bewirkte anfangs das Drehen des Feintriebs keinen Effekt. Da war das Fett im Trieb verhärtet. Soweit ich weiß, hat der Feintrieb nur einen begrenzten Bereich mit Anschlägen an beiden Enden. Ich konnte damals durch Erwärmen mit einem Föhn und häufiges Bewegen das Fett wieder weicher bekommen. Besser wäre es sicher gewesen, den Trieb zu zerlegen, zu reinigen und neu zu fetten. Dafür muß man zuerst die obere silberne Abdeckplatte mit der Garvur "Ernst Leitz Wetzlar" mit 2 Schrauben abschrauben, aber darunter ist eine unter Druck stehende Feder!
Hast Du eine Beleuchtung dafür? Stephan Hiller hier im Forum kann da bei einer LED-Lösung behilflich sein. Ich habe von ihm einen 3-D gedruckten Adapter, mit dem ich eine Zeiss Einsteckleuchte 15 W (welcher Frevel an einem Leitz!) von einem Zeiss Standard oder wahlweise seine LED-Beleuchtung hinten einstecken kann.
Viel Spaß mit dem alten Schätzchen, Jochen.
Titel: Re: Leitz Laborlux I - Hilfe
Beitrag von: Thomas Böder in März 28, 2023, 10:16:07 VORMITTAG
Moin Manfred, du brauchst Wärme und einen Bandschlüssel(mit Gummi) umd den Ring zu lösen.
Der Feintrieb wird nur verharzt sein.
Der ist nicht weiter kompliziert und lässt sich gut zerlegen, reinigen und schmieren.

Grüße, Thomas.
Titel: Re: Leitz Laborlux I - Hilfe
Beitrag von: Hugo Halfmann in März 28, 2023, 11:56:22 VORMITTAG
Hallo Manfred,

ZitatDer Feintrieb lässt sich verstellen, aber nur etwas weniger als eine Umdrehung. Ich denke nicht, dass dies so gewollt ist. Der durch kleine weiße Striche markierte Verstellbereich lässt sich nicht ansatzweise abfahren. Ich meine mich zu erinnern, über dieses Problem im Forum schon einmal gelesen zu haben, kann aber keinen Hinweis mehr finden.
Dieses Problem tritt beim Ortholux I auch immer wieder auf und in diesem Zusammenhang wurde das hier mehrmals diskutiert. Grund dafür ist der im klebrigen Fett festklebende Anschlag des Feintriebs. Da hilft Wärme (leider nur vorübergehend) bzw. reinigen und neu fetten (das einzig sinnvolle). Für das Ortholux I habe ich eine Wartungsanleitung geschrieben, das Laborlux wartet noch auf seine Wartung.
Titel: Re: Leitz Laborlux I - Hilfe
Beitrag von: Diana1982 in März 28, 2023, 12:59:02 NACHMITTAGS
Hallo Manfred,

Hier ein entspr. Beitrag zum Ortholux I:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=37616.0 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=37616.0)

LG Diana
Titel: Re: Leitz Laborlux I - Hilfe
Beitrag von: Manfred Melcher in März 28, 2023, 18:11:21 NACHMITTAGS
Vielen Dank für Eure hilfreichen Antworten!
Da hatte ich mich doch richtig erinnert, dass das Feintriebproblem hier schon einmal behandelt wurde. Ich hoffe, dass es beim Laborlux etwas weniger anspruchsvoll ausfällt. Die Fotos zeigen auf den ersten Blick große Ähnlichkeit, soweit ich mich erinnere. Da werde ich nachher nochmal einen Blick darauf werfen.
Bei der Bino-Tubus-Befestigung würde mich interessieren, ob die Mutter von oben betrachtet im Uhrzeigersinn oder entgegen Uhrzeigersinn gedreht werden muss zum Lösen. Dürfte bei Gewaltanwendung ein entscheidender Hinweis sein. Mit Wärmeeinwirkung und Kriechöl möchte ich vorsichtig sein, wegen der optischen Komponenten.

Nochmals vielen Dank für die Tipps und Anleitungen! Ich werde Euch informieren, falls ich Fortschritte erziele.

Liebe Grüße
Manfred
Titel: Re: Leitz Laborlux I - Hilfe
Beitrag von: Hugo Halfmann in März 28, 2023, 19:13:22 NACHMITTAGS
Hallo Manfred,

Wärme ist relativ - ein Backofen muss es nicht sein, bei mir haben immer ein Fön oder die Sommersonne (ok, das ist momentan schlecht) ausgereicht. Die Wohnzimmerheizung reicht manchmal auch schon.
Titel: Re: Leitz Laborlux I - Hilfe
Beitrag von: Manfred Melcher in März 28, 2023, 21:37:28 NACHMITTAGS
So, den Feintrieb konnte ich wieder gängig machen. Er ist wesentlich einfacher aufgebaut wie Dianas Bilder es vom Ortholux zeigten. Da ich die Triebknöpfe nicht abziehen konnte, habe ich auf eine komplette Demontage verzichtet. Beim Laborlux I ist in die Zahnscheibe eine Schraube eingedreht, deren Kopf übersteht und der bei den Endanschlägen über eine Blechzunge einen Arretierbolzen seitlich einschiebt. Dieser Bolzen wird durch eine Feder wieder in seine Ausgangslage zurückgeschoben. Durch Verharzung war dies nicht mehr möglich, aber ich konnte ihn durch Fettzugabe wieder gängig machen. Ob dies eine Dauerlösung ist, wird sich zeigen. Ich denke schon, weil dies kein filigranes Hebelchen ist wie beim Ortholux und die Federkraft ausreichen dürfte.

Was die Überwurfmutter am Bino angeht, war ich leider nicht erfolgreich. Wie Hugo angeraten hat, habe ich mit Heißluft erwärmt, aber ohne Erfolg. Vielleicht lasse ich ein paar Tropfen Xylol in den Spalt laufen, damit sich das Fett löst, aber ich will nicht mehr kaputt machen.

Einstweilen nochmals vielen Dank an alle die sich hier helfend eingebracht haben. Es ist schön, wenn man solchen technischen Zeitzeugen wieder Leben einhauchen kann. 75 Jahre Universitätsbetrieb hinterlässt schon seine Spuren.

Liebe Grüße
Manfred