Liebe Freunde des Tümpelns,
in den letzten Tagen habe ich mich mit einer interessanten Probe aus einem kleinen Tümpel in unmittelbarer Nähe des Mainradwegs bei Randersacker beschäftigt. Das beprobte Gewässer hat einen Durchmesser von nur wenigen Metern und ist kaum mehr als 30 cm tief, der Grund ist mit Falllaub der umstehenden Bäume bedeckt, das Ufer von einem schmalen Schilfgürtel gesäumt.
Am vorletzten Wochenende waren mir auf der Wasseroberfläche die frühjahrestypischen Flocken an ,,Auftrieb" aufgefallen, also oberflächlich mit Biofilmen und Algen bewachsene Detritusklumpen, die bei intensiver Photosynthese der assimilierenden Organismen und den dabei entstehenden Luftblasen vom Gewässergrund an die Oberfläche getrieben waren. Dort konnte ich die Flocken leicht absammeln.
Im Probengefäß auf der Fensterbank bildeten sich nach einigen Tagen grau-weiße, den Detritus überlagernde Schleier (Abb. 1), die sich bei näherer Untersuchung als dichte Bestände des Schwefelwasserstoff-oxidierenden Fadenbakteriums Beggiatoa entpuppten (Abb. 2). Assoziiert mit den Beggiatoa-Fäden fand ich eine vielfältige mikroskopische Lebewelt, die sich hauptsächlich aus Diatomeen, Euglenophyceen (Abb. 3, 4), Ciliaten (Abb. 6-10) und bdelloiden Rädertieren (Abb. 5) zusammensetzte. Es war hochinteressant, die Entwicklung dieser Lebensgemeinschaft über Tage zu verfolgen. Selbst ein unscheinbares Kleingewässer bietet zur richtigen Zeit fast unerschöpfliche Beobachtungsmöglichkeiten. Im Folgenden einige Impressionen hierzu.
Schöne Grüße
Ole
Abb. 1: Dichte Beggiatoa-Entwicklung, assoziiert mit einer sich zersetzenden Erlen-Kätzchenblüte
Abb. 2: Beggiatoa-Fäden mit intrazellulären Schwefelkörnern
Abb. 3, 4: Mit den Beggiatoa-Fäden assoziierte Mikroorganismen, vorrangig Euglenophyceen und Diatomeen
Abb. 5: Strudler bei der Nahrungsaufnahme: Pleuronema coronatum und ein bdelloides Rädertier aus der Gattung Rotaria
Abb. 6: Nassula ornata mit bunt gefärbten Nahrungsvakuolen und Mundreuse
Abb. 7: Unbestimmter hypotricher Ciliat mit gefressenen Euglenophyceen
Abb. 8: Dexiotricha granulosa
Abb. 9: Loxophyllum helus (vermute ich zumindest)
Abb. 10: Pleuronema coronatum, links mit kontraktiler Vakuole, Makronukleus und Mikronuklei, rechts komplexer Cilienapparat um die Mundöffnung
Hallo Ole,
es gefällt mir, dass Du auch Bilder aus dem Tümpel zur Frühlingszeit zeigst. Das Bild 10 mit dem komplexen Cilienapparat um die Mundöffnung gefällt mir besonders.
Danke für das Zeigen.
Grüße
Kurt
Hallo Ole,
mit Loxophyllum helus und Dexiotricha granulosa hast du ja zwei eher ungewöhnliche Ciliaten erbeutet. Sehr interessant finde ich auch das Vieh, das sich an den Euglenen sattgefressen hat. Gatuliere.
Viele Grüße
Bernd
Lieber Ole,
du bist ein Meister der "natürlichen" Mikrofotografie.
An den ganz unterschiedlichen Objekten merkt man immer wieder, dass dir das Tümpeln einfach Spass macht.
Ich freue mich schon auf deine nächsten Entdeckungen.
Herzliche Grüße
KlausZ