Hallo,
ich habe mir am Karfreitag bei einer Wanderung oberhalb der Sächsischen Schweiz eine Probe von einem Feld mitgenommen und zu Hause in Leitungswasser überführt. Das Feld war wohl längere Zeit teilweise überflutet gewesen. Es hatte sich eine dicke Algenmatte gebildet, die kurz davor stand wieder einzutrocknen. Sie glänzte noch, aber freies Wasser war schon keines mehr in der ehemals ca. 20 Quadratmeter großen Pfütze.
Auf meinem Ost-Fenster-Brett hatte ich die Probe aber bis gestern vergessen. Es haben sich wieder neue Algenfäden gebildet, vor allem solche der Gattung Zygnema. Dazwischen lagen aber auch Spiroyrafäden, die nicht mehr ganz frisch aussahen, dafür aber zahlreiche Zygoten gebildet hatten.
Das Besondere daran war aber, dass sich dazu nicht zwei Fäden aneinander gelegt und "Leitersprossen" gebildet hatten, wie ich sie in einem älteren Beitrag zum "Algen-Sex" (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34113.msg249904#msg249904) schon mal gezeigt hatte. Bei dieser aktuellen Probe hatten sich zwei Protoplasma-Körper benachbarte Zellen des gleichen Algen-Fadens über eine schnallenförmige Brücke zueinander gekrochen und zu einer Zygote verschmolzen. Der Fachbegriff dazu lautet ,,Laterale Konjugation" und wird laut FOTT, B.(1971):Algenkunde nur von ca. 5% der fadenförmigen Jochalgen-Arten praktiziert.
Bild 1: Zygote
Bild 2: laterale Zellverbindung
Neben den Zygoten der lateral konjugierenden Spirogyra -Art (? S. longata) fand ich auch sternförmige Zygoten einer nicht näher bestimmten Cosmarium-Art, die an grün gefärbte Bärtiercheneier erinnerten.
Hier ein Stak aus 7 Einzelaufnahmen
Die wunderschönen Fäden einer Zygnema-Art neigte leider gerade nicht zur geschlechtlichen Fortpflanzung. Sie sahen überwiegend schön frisch aus, bildeten aber ebenfalls Dauerformen, die mit einer UV-Schutz-Hülle versehen, kaum noch die im Innern liegenden sternförmigen Chloroplasten erkennen ließen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier eine oder 2 Zygnema-Arten vor mir habe. Es gibt jedenfalls Fäden mit langgestreckten Zellen und ausgebreiteten Chloplasten und (?jüngere) Fäden mit kurzen Zellen, in denen die beiden Chloroplasten sehr gedrängt liegen. Nur die die letzteren produzieren die dunklen Dauerformen.
Es müssen nicht immer Moore sein. Auch große Pfützen können eine interessante Flora und Fauna haben. Die zahlreichen aber wohl nur wenigen Arten zugehörigen Wimpern- und Rädertiere habe ich wegen der noch immer nicht vorhandenen Blitzmöglichkeit nicht sinnvoll ablichten können.
LG Gerd