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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: MikroManni in Mai 27, 2023, 18:56:46 NACHMITTAGS

Titel: Eosin gefärbte Hefe und Paramecium
Beitrag von: MikroManni in Mai 27, 2023, 18:56:46 NACHMITTAGS
Hallo ins Forum,

nachdem ich in meiner alten "vergammelten" Tümpelprobe zahlreiche Paramecien gefunden habe, dachte ich an ein Fütterungsexperiment mit gefärbter Hefe.

Dazu wurde von einem Würfel Bäckerhefe etwas abgenommen und in etwas Wasser mit 0.5% Zucker und etwas Salz aufgelöst und so die Hefe "aktiv" gemacht. Nach einiger Zeit roch es leicht nach Alkohol. Da mir kein Kongorot zur Verfügung steht, habe ich eine 1% Eosinlösung zum Anfärben verwendet. Die Hefe färbte sich recht gut an, etwa 95% aller Hefe war rot. Nach 2 h war der Bodensaztz durchgehend rot. Bild 1 zeigt die eingesetzte Hefe im Fütterungsversuch. (Direkt in Wasser aufgelöste Bäckerhefe vom Würfel konnte nicht  gut angefärbt werden; waren nur etwa 5% rot angefärbt).

Es wurden 100 µl der Paramecien enthaltenen Tümpelprobe auf den Objektträger gesetzt und die gefärbte Hefe (5 µl) zugegeben. Dann direkt unter das Mikroskop und nach etwa nur 10-15 Sekunden sah man die ersten Paramecien mit aufgenommenen roten Hefen.. Mit Filterpapier überschüssige Flüssigkeit abgesaugt, so dass sich die Paramecien gerade noch so bewegen konnten (Bild 2 Hellfeld, Bild 3 Ausschnitt aus Bild 1, Bild 4 schiefe Beleuchtung, Bild 5  Phasenkontrast, Bild 6 Dunkelfeld, alles gleiches Paramecium). Alle Hefe war nach dieser sehr kurzen Zeit in einer großen Vakuole vorliegend. Nach längerer Fütterungszeit war die Hefe in mehrerer Vakuolen zu finden (Bild 7-9). Teilweise auch entfärbte Hefe zu finden. 

Konnte auch noch Videos aufnehmen, in denen man sieht, wie die rot gefärbte Hefe wieder ausgeschleust wird. Bin mir aber nicht sicher, ob dies ein aktiver Vorgang war oder durch zuviel Druck durch die geringe Flüssigkeitsschicht hervorgerufen wurde. Tendiere aber zum aktiven Ausschleusen, da ich es bei zwei Paramecien sah, die sich beide noch bewegten.

Somit kann man Eosin-Färbung an "aktivierter" Hefe als ein Füterungsexperiment z.B. in der Schule verwenden; ohne das karzinogene Kongorot verwenden zu müssen, das man ohnehin nicht offiziell als Privatperson bekommt. Leider kann mit Eosin nicht ein ph-Umschlag in der Vakuole verfolgt werden (rot-zu blau).

Hoffe das kleine Experiment gefällt.

Schönes sonniges Wochenende
Manfred
Titel: Re: Eosin gefärbte Hefe und Paramecium
Beitrag von: Gerd Schmahl in Mai 27, 2023, 21:05:44 NACHMITTAGS
Hallo Manfred,
mir gefällt Dein Experiment sehr gut und Du hast es auch gut fotografisch dokumentiert. Vielleicht noch ein wenig mehr Kontrast, aber das ist Geschmackssache.

Du kannst übrigens auch auf Deinen eigenen Beitrag antworten, wenn Du noch ein Bild nachliefern willst. Das ist jetzt leider in einem anderen Faden... Am besten hier noch einmal anhängen, sonst geht der Zusammenhang verloren.
LG Gerd
Titel: Re: Eosin gefärbte Hefe und Paramecium
Beitrag von: Drodi in Mai 28, 2023, 23:07:53 NACHMITTAGS
Hallo Manfred,


schöne Erklärung und super Bilder!

Bei mir schwimmen eigentlich nur Waffentierchen rum, aber bei denen sollte das ja auch so funktionieren.

Ich werde das bei Gelegenheit mal probieren :)


Mit besten Grüßen, Martin
Titel: Re: Eosin gefärbte Hefe und Paramecium
Beitrag von: MikroManni in Mai 30, 2023, 09:43:38 VORMITTAG
Hallo Gerd,

danke für den Tipp.

Hier noch mal das Bild 9 im selben Thema.

Beste Grüße
Manfred
Titel: Re: Eosin gefärbte Hefe und Paramecium
Beitrag von: Gerd Schmahl in Mai 30, 2023, 18:55:45 NACHMITTAGS
Hallo Martin,
würde mich freuen, wenn der Versuch auch mit dem deutlich kleineren Waffentierchen Stylonychia gelingt. Meines Wissens sind das Bakterienfresser und die meisten Bakterien sind nochmal ein ganzes Stück kleiner als Hefe-Zellen.

Aber wirklich kluch
macht nur Versuch.

Vielleicht bekommt es ja seinen Schlund doch weit genug auf.
LG Gerd