Hallo,
für mein Diavert bin ich auf der Suche nach einem Immersionsöl mit hoher Viskosität, das nicht immer flüchten will. Da es für Fluoreszenz eingesetzt werden soll, darf es keine Eigenfluoreszenz zeigen.
Kennt jemand ein geeignetes Öl?
Danke und viele Grüße
Alexander
Hallo Alexander,
das ist vermutlich die Firma mit dem meisten Know How über solche Produkte:
https://www.cargille.com/
Jochen
Hallo Jochen,
Leider hat auch Cargille nicht, was ich suche. Die Kombination hohe Viskosität und keine Autofluoreszenz scheint unmöglich zu sein. Die für Fluoreszenzmikroskopie geeigneten Öle haben alle eine wesentlich niedrigere Viskosität als "normale" Öle. Cargille hat mir das Öl HF empfohlen. Das bringt 700 cSt und damit weniger als zum Beispiel das Immersol 518 N von Zeiss. Nimmt man Autofluoreszenz des Öls in Kauf, bietet Cargille Viskosität bis zu 46000 cSt an.
Ich bin etwas ratlos. Dünnflüssiges Öl ist ein echtes Problem bei der Verwendung am Inversmikroskop.
Viele Grüße
Alexander
Hallo Alexander,
wir benutzen für aufrechte wie für inverse Mikroskope das Öl Zeiss 518F. Die Ölobjektive haben ja meist einen kleinen Arbeitsabstand, da haben wir mit der Viskosität eigentlich keine Probleme. So lange nicht zu viel Öl benutzt wird, sonst läuft es tatsächlich seitlich runter. Das bekommt zugegebener Maßen leider nicht jeder hin. Die Ansage ist: ein kleiner Tropfen auf das Deckglas bevor der Objektträger eingespannt wird. Jeder zweite OT braucht kein neues Öl, weil vom vorigen noch genug am Objektiv hängt. Damit klappt es in der Regel. Ich würde sogar denken das zu visköses Öl Probleme macht, weil beim hochfahren des Objektivs dann der OT stark angehoben wird.
Selbst Wasserimmersionsobjektive funktionieren recht problemlos auch auf inversen Mikroskopen, jedenfalls ohne dass es runter laufen würde.
Steffen
Hallo Alexander,
ich glaube, Du hast Recht, diese Kombination aus sehr geringer bzw. keiner Autofluoreszenz und hoher Viskosität ist nicht ganz einfach realisierbar. Das Cargille NVH und OVH z.B. ist eine Mischung aus Polybutenen und hydrierten Terphenylen. Die Frage ist, in wie weit der Hydrierprozeß wirklich vollständig erfolgt ist, das Ausmaß an restlichen Aromaten und Doppelbindungen beeinflußt natürlich die Fluoreszenz stark. Cargille gibt ja z.B. auch an, daß sich die Farbe über 4 Monate langsam verändert. Inwieweit diese Polybutene ebenfalls hydriert sind und wenn ja, wie vollständig, darüber sagen sie nichts aus. Aus meiner Erfahrung in der Schmierstoffindustrie kann ich jedoch sagen, daß es technisch sehr aufwendig ist, solche Polymere wirklich vollständig (auf eine Jodzahl = 0) zu hydieren und mit zunehmender Hydrierung sinkt allerdings auch der Brechungsindex wieder.
Was ich damit ausdrücken möchte ist. Wenn Cargille es nicht hat, dann wird es fast unmöglich sein, so etwas bei einem anderen Anbieter zu finden.
Vielleicht findet sich ja jemand, der Dir 5 Tropfen NVH oder OVH für einen Versuch zur Verfügung stellen kann. Dann kannst Du Dir ein Bild der Eigenfluoreszenz machen.
Zwischen einer Viskosität von ca. 840 cSt beim Zeiss Öl und ca. 700 cSt beim Cargille HF sehe ich jetzt keinen so großen Unterschied, für mich als Schmierstoffentwickler (i.R.) ist beides schon eine recht hohe Viskosität. Mit zunehmender Viskosität kommt außerdem ein weiteres Problem hinzu: Luftblasen und die Tricks, sie zu vermeiden.
Viele Grüße, Jochen.
Hallo,
Das mit dem möglichst kleinen Tropfen funktioniert bei mir nicht so gut, da ich recht weite Wege fahren muss. Es nicht um Deckgläser mit 18 mm Durchmesser, sondern um Ibidi Zellplatten. Da hängt dann das ganze Öl unten dran, ehe ich in der letzten Reihe angekommen bin.
Ich werde mal mit Immersol 518N experimentieren. Dann sehe ich ja, ob die 700 cSt den Cargille HF ausreichen. Mit der Eigenfluoreszenz des Zeiss-Öls kann ich für so einen Test leben.
Viele Grüße
Alexander
Hallo Alexander,
frag doch mal bei ibidi in Gräfelfing oder nochmal bei Cargille an, wie die das machen und was die empfehlen würden.
Viele Grüße, Jochen
Hallo Alexander,
Du hast zwar schon einige Erfahrungen mit den Immersionsölen von Cargille Labs gewonnen, aber vielleicht wäre es dennoch eine gute Idee, die von dieser Firma angebotenen Sample Packs durchzuprobieren. Der Inhalt dieser Probenfläschchen ist mit ca. 7,5 ml sicher für Testzwecke ausreichend bemessen. Möglicherweise gibt es doch beim Testen eine positive Überraschung, die für Deine Einsatzwecke ok ist.
Ansonsten würde ich bei den verwendeten Suchbegriffen für Web-Recherchen ,,ISO 8036" (zumindest ,,auch" ...) bei den Formulierungen dazunehmen, damit wird die Sache übersichtlicher.
Bei Maßangaben für Viskosität werden unterschiedliche Maßnormen vorkommen. Es existieren sicher Seiten mit denen man Umrechnungen durchführen kann.
Ich wünsche Dir viel Erfolg bei dieser Deiner Suche!
Liebe Grüße
Jakob
Hallo Jakob,
Du hast Recht, es gibt unterschiedliche Maßeinheiten für die Viskosität und es gibt prinzipiell 2 verschiedene Arten der Viskosität, die sog. kinematische Viskosität ν und die dynamische Viskosität η. Beide hängen über die Dichte ρ zusammen:
ν = η / ρ;
ν = kinematische Viskosität; [cSt = mm²/s];
η = dynamische Viskosität; [cP = mPas];
ρ = Dichte; [g/cm³)
Die alte Einheit Centistoke cSt ist identisch mit der SI-Einheit mm²/s und die alte Einheit Centipoise cP ist identisch mit der SI-Einheit Milli-Pascalsekunde mPas.
Bei Vergleichen ist unbedingt zu beachten, daß beide Viskositätsangaben sich auf die selbe Bezugstemperatur beziehen, da die Viskosität sehr stark temperaturabhängig ist. Eine Umrechnung auf andere Temperaturen ist ohne großen Aufwand unmöglich. In technischen Datenblättern und Spezifikationen sind Viskositätsangaben üblich, die um ca. +/- 10% vom angebenen Mittelwert schwanken können.
Bei Umrechnungen von dyn. in kinemat. Viskosität u.U. ist zu beachten, daß die Dichte unbedingt bei der angegeben Bezugstemperatur gegeben sein muß. Umrechnungen der Dichte auf andere Temperaturen sind ohne größeren Aufwand unmöglich.
Viele Grüße, Jochen
Zitat von: Aljoscha in Juni 24, 2023, 13:07:52 NACHMITTAGS
Ich werde mal mit Immersol 518N experimentieren. Dann sehe ich ja, ob die 700 cSt den Cargille HF ausreichen. Mit der Eigenfluoreszenz des Zeiss-Öls kann ich für so einen Test leben.
Hallo Alexander,
wenn es dir um geringe Eigenfluoreszenz geht, ist Immersol 518
N aber keine gute Wahl. Denn das ist das "normale" Immersionsöl für "anspruchslose" Anwendungen, wie Hellfeld. Für Fluoreszenzmikroskopie wird dagegen explizit Immersol 518
F mit geringer Eigenfluoreszenz empfohlen.
Ich schließe mich da d65 an: Auch wir verwenden für das Live-Cell-Imaging standardmäßig Immersol 518
F. Da wir inverse Mikroskope haben, kommt der Öltropfen direkt auf's Objektiv. Wenn man zu viel verwendet bzw. wegen großer Fahrwege etwas mehr benötigt, besteht durchaus die Gefahr, dass Öl am Objektiv herunterläuft. Dem Problem kann man dadurch begegnen, dass man einen Haargummi um das Objektiv macht, der dann überschüssiges Öl auffängt/aufsaugt. (Die professionellere Lösung wäre vielleicht das Zeiss Aquastop II, wobei das wohl eher für wässrige Lösungen gedacht ist.)
Richtig problematisch wird das aber erst, wenn man bei physiologischer Temperatur arbeiten und deshalb das Objektiv auf 37 °C geheizt werden muss. Denn dann nimmt die Viskosität, wie du ja richtig sagst, deutlich ab. Im Übrigen greifen wir dann auf Immersol 518
F/37°C zurück, damit auch der Brechungsindex überhaupt noch stimmt.
Wenn besonders hohe Auflösungen (Konfokalmikroskopie oder STED-Mikroskopie) auch in tieferen Schichten nötig sind (z.B. in multizellulären Sphäroidkulturen), kann man spezielle Wasserimmersionsobjektive verwenden. Da Wasser aber schon "verdammt flüssig" ist (
ν = 1 mm²/s bei 20 °C) und zudem schnell weg trocknet (insbesondere bei 37 °C), verwenden wir dann Immersol
W (2010).
Hier nochmal alle Werte zum Vergleich (laut Zeiss):
Immersol 518Nn = 1,518 (bei 23 °C)
ν = 840 mm²/s bei 23 °C (DIN 51562)
ν = 245 mm²/s bei 40 °C (DIN 51562)
Immersol 518F (444960-0000-000)
n = 1,518 bei 23 °C
ν = 445 mm²/s bei 20 °C (DIN 51562)
Immersol 518 F / 37°C (444970-9010-000)
n = 1,518 bei 37 °C
ν = 236 mm²/s bei 40 °C(DIN 51562)
Immersol W (2010) (444969-0000-000)
n = 1,3339 bei 23 °C
ν = 1020 mm²/s bei 20 °C (DIN 51562)
ν = 820 mm²/s bei 23 °C (DIN 51562)
ν = 320 mm²/s bei 37 °C (DIN 51562)
Wassern = 1,333
ν = 1 mm²/s bei 20 °C
Du sagtest ja, du möchtest was mit hoher Viskosität. Die Frage ist natürlich, was "hoch" für dich bedeutet. Tatsächlich wird beispielsweise Immersol 518N mit seinen 840 mm²/s als "hoch viskos" beworben. Dennoch würde ich ein Immersionsmedium in erster Linie nach seinen optischen Eigenschaften auswählen und damit ist Immersol 518N für Fluoreszenz schonmal raus.