Da ich auf der Suche nach einem passenden Trinokulartubus (binokularen Phototubus) für mein Leitz SM-LUX bin, habe ich kürzlich folgendes Teil auf eBay ersteigert, siehe Fotos unten. Leider kam das Ding ohne Beschreibung, so dass ich nun am Ausprobieren bin und ein paar Fragen habe, bei denen mir die Leitz-Experten hier im Forum vielleicht weiterhelfen können.
Das Teil scheint perfekt zu passen (Ringschwalben-Durchmesser von 43 mm). Die Okulare sind offenbar die gleichen wie das, welches die ich in meinem Monokulartubus hatte (Periplan GF 10x). Das Mikroskopbild sieht gut aus. Auch der Schieber für den Strahlteiler scheint zu funktionieren. Es gibt offenbar zwei Positionen: Nur Binokular oder Binokular mit Phototubus geteilt. Ist das so korrekt? Wie ist das Teilverhältnis (50:50)?
Mir ist allerdings unklar, wofür der zweite Drehkopf auf der linken Seite gedacht ist. Dieser scheint keinen Effekt zu haben. Ich fühle zwei "metallene" Anschläge. Dennoch lässt sich der Kopf darüber hinaus einfach und quasi-unendlich weiter durchdrehen wodurch sich die Anschläge mit drehen bzw. verschieben.
Daher die Frage: Weiß jemand, was es mit dem Drehkopf auf sich hat? Ist dieser defekt, wenn er sich derart durchdrehen lässt?
Leider konnte ich auf dem Teil keine Modellnummer finden. Kennt jemand die Modellbezeichnung dieses Trinokulartubus? Farblich scheint sie nicht zum Grau des SM-LUX zu passen. Daher stellt sich mir die Frage, zu welchem Leitz-Modell er ursprünglich gehörte? Hat jemand vielleicht zufällig eine zugehörige Leitz Anleitung oder Broschüre?
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/344585_36849274.jpg) (https://postimg.cc/68SMBySj)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/344585_63208015.jpg) (https://postimg.cc/CZGk95Vf)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/344585_32001227.jpg) (https://postimg.cc/qzNn4jTr)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/344585_19575591.jpg) (https://postimg.cc/JGSXnZrk)
Hallo Stevie,
der Trino-Tubus scheint der Tubus FSA mit Steckanschluß für die Lichtmessung des Leitz Vario-Orthomat zu sein (siehe Bild http://www.photomacrography.net/forum/userpix/718_VarioOrthomatSystem_1.jpg).
Die genaue Funktion kann ich Dir leider nicht beschreiben, aber dazu werden sich sicherlich die Kundigen noch melden.
Viele Grüße
Kay
Hi Kay, danke für den Hinweis! Das ist ja interessant. Den Leitz ORTHOMAT kannte ich noch nicht. Aber das scheint das entscheidende Stichwort zu sein. Ich denke du hast da den Nagel auf den Kopf getroffen und das verlinkte Photo zeigt es ja relativ eindeutig.
Ich hab damit noch ein bisschen recherchiert und konnte mir mit den Infos aus https://www.leitz-ortholux.de/pdf/metalloplan_6x6.pdf (https://www.leitz-ortholux.de/pdf/metalloplan_6x6.pdf) und https://www.ronaldschulte.nl/files/Manual-orthoplan78.pdf (https://www.ronaldschulte.nl/files/Manual-orthoplan78.pdf) Folgendes zusammenreimen:
Es handelt sich bei meinem "Trinokulartubus" offenbar um den spezielle binokulare Fototubus
FSA-GW tube with reflection device zum Anschluss eines VARIO-ORTHOMAT. Der wiederum ist ist ein Systems zur automatisierten Mikrofotografie mittels einer Filmkamera. Das System konnte mittels Photomultipliern eine Lichtmessung durchführend und somit die benötigte Belichtungszeit automatisch bestimmen.
Da das System verschiedene Filmformate aufnehmen konnte von 35mm bis 9 x 12 cm sowie Polaroid, hatte der Spezialtubus einen eingebauten 3-fach-Spiegel ("reflection device"), der Lichtmarkierungen für das ausgewählte Filmformat in das Mikroskopbild einblenden konnte. Dies erlaubte es, den gewünschten Bildausschnitt an den eingeblendeten Umrissen auszurichten. Der Knopf auf der linken Seite des Tubus diente dabei die Lichtmarkierungen zu wechseln oder auszublenden. Das scheint bei mir nicht zu funktionieren - vielleicht weil kein Vario-Orthomat angeschlossen ist.
Können das die Experten hier bestätigen?
Nun stellen sich mir noch folgende Fragen:
- Den Orthomat gab es offenbar für die Mikroskope Leitz Orthoplan sowie Leitz Metalloplan-HL 6x6. Heißt das, dass mein Tubus hier theoretisch das größere Sehfeld unterstützt, wenn man es mit entsprechenden Okularen bestücken würde. Derzeit hab ich ja nur Okulare mit Sehfeldzahl 18 passend zu meinem SM-LUX. Das Orthoplan kann ja theoretisch bis 28.
- Ich kenne eigentlich nur die Orthoplan-Mikroskope in der alten grauen Hammerschlag-Lackierung. Mein Tubus hat aber eher eine hellbeige Lackierung. Gab es später andere Orthoplan-Lackierungen oder gehört mein Tubus doch zu einem anderen Mikroskop?
- Wie ist das mit der Tubuslänge und Parfokalität? Mein SM-LUX hat ja 170mm Tubuslänge, aber das Orthoplan 160mm. Falls der vorliegende Tubus vom Orthoplan stammt, hat dies Auswirkungen bei der Verwendung am SM-LUX?
- Falls jemand die Leitz Brochüre Nr. 540-045 hat, darin soll eine detaillierte Beschreibung des Leitz Vario-Orthomat und vielleicht auch der vorliegenden Tubus sein.
- Ich muss übrigens eine kleine Korrektur vornehmen, der Strahlteiler hat bei meinem Tubus 3 Positionen, wie man an den Markierungen auf dem Drehknopf sehen kann. Laut den oben erwähnten Quellen sollten es wohl 100% Binokular, 20% Binokular + 80% Foto sowie 100% Foto sein. Allerdings wird in meinem Fall selbst bei der 100% Foto-Einstellung noch ein Teil des Lichts ins Binokular geschickt. Tatsächlich sieht es bei mir eher nach 100% (Bino), 40%+60% (Bino+Foto) und 20%+80% (Bino+Foto) aus. Vielleicht ist 40%+60% Einstellung tatsächlich 50%:50% und wirkt nur schwächer, weil im Binokular das Licht auf zwei Okular ausgeteilt wird?