Liebe Historiker,
hat einer von euch vielleicht ein PDF eines Leitz-Katalogs mit den Mikroskopen um das Jahr 1925?
Herzlich
Martin
Bestimmt!
Jetzt steh ich aber nicht mehr auf. Ich schau morgen mal.
´nacht
Wolfgang
Danke Wolfgang, ich bin gespannt!
Von dem Katalog von 1925 habe ich nur einzelne miserable Bilder aus einer alten ebay-Anzeige.
Hier noch ein "Nachschlag": Im Leitz Katalog 45A von 1913 muß es noch ein "Stativ K" geben (S. 54-55). Im PDF dieses Katalogs, das im Internet mehrfach kursiert, fehlen leider diese Seiten. Hat jemand möglicherweise das Original und kann diese Seiten zur Verfügung stellen?
Herzlich
Martin
Hallo Martin,
ich kann dir aushelfen.
Das J und das K scheinen recht bald wieder verschwunden zu sein.
Wie Du schon schreibst, im Katalog Nr 45 (1913) tauchen sie auf. Der nächste Katalog Nr 46 fehlt mir. Katalog Nr 47 ist dann von 1921. Hier ist weder das J noch das K aufgeführt. Auch in Katalog Nr 48 (1923) sind die beiden Typen nicht mehr vertreten. Bei G bzw. GH hören die Kataloge auf.
Beck schreibt auch nur, wann die beiden auftauchen (1913), aber nicht, wie lange sie produziert wurden.
Ich hatte mir mal vorgenommen, alle Stative aus dem Katalog Nr 45 (1913) komplett zu sammeln. Das J und das K waren am schwierigsten aufzutreiben.
Mein K hat die Seriennummer 179298, das sollte 1919 sein. Das J hat die Seriennummer 166918, das sollte 1915 sein.
Welche Seriennummer hat denn Deines?
Herzliche Grüße
Thomas
Hallo Thomas,
vielen, vielen Dank! Das beantwortet meine Fragen und wirft neue auf...
Von 1920 kenne ich auch nur den Katalog 46D mit den Nebenapparaten. Von dem Katalog von 1925 kenne ich nur wenige schlechte Abbildungen aus einer Auktionsseite. Im Anhang die Seite mit der Variante "Stativ JT". Da wurde das J um einen Grobtrieb und einen Objektivrevolver an einem Tubus fixer Länge erweitert.
Mein Exemplar (wenn ich es schon so nennen darf; ich halte es noch nicht in Händen) ist ein Kuriosum. Es trägt die Seriennummer 239140 und wurde daher wohl 1925 hergestellt. Es hat den Fuß eines "K" aber den seitlich verschwenkbaren Spiegel des "J" und den fixen Tubus, wie beim "K" und beim "JT". Es liegt die Originalrechnung der Firma Leitz bei, auf der es ausdrücklich als "Mikroskop J" bezeichnet wird. Und was am kuriosesten ist, es wurde erst 1947 verkauft! An einen Werksangehörigen der "Abteilung Optik I".
Ich kann mir vorstellen, daß die Stative J und K wegen ihres aufwändigen Feintriebs einfach zu teuer waren. Das gleichzeitig erhältliche einfache Stativ VI (nur mit Grobtrieb) kostete gerade mal die Hälfte. Vielleicht wurde deshalb auch später der Auszugtubus durch einen fixen Tubus ersetzt.
Deine Exemplare sind übrigens die ersten, die ich sehe. Ich habe im Internet keine weiteren gefunden.
Herzlich
Martin
Hallo Martin,
was bin ich froh, dass Dein Exemplar so spät ist! Sonst müsste ich jetzt wieder auf die Jagd gehn. Aber da es nicht im Katalog von 1913 ist ...
Aber ich freu mich auch wieder ein neues Stativ kennen zu lernen. Wenn Du es mal hast, könntest Du es ja mal ein bisschen vorstellen? Würde mich sehr interessieren.
Reichen Dir die Fotos von den Katalogseiten (1913) oder soll ich sie Dir noch scannen?
Ich glaube der Feintrieb war nicht so kostenintensiv. Wenn ich mich recht erinnere wurde er nur bei den einfachen, kleinen (Schul-)Stativen verbaut. Ich such mal, er beruht glaube ich auf einer bewegten Kugel, was ihn eher robust und günstig in der Herstellung machte.
Herzliche Grüße
Thomas
... und da isser schon. Der Feintrieb wurde 1913 vorgestellt. Die Seite ist aus dem Katalog von 1913:
Hallo Thomas,
ich werde es vorstellen, wenn ich es in Händen halte.
Auf die Kugelmikrometerschraube war Leitz so stolz, daß sie sie auch haben patentieren lassen. Sie wurde aber auch durchaus in "besseren" Stativen verbaut, wie diesem Petrographischen Mikroskop von 1924:
http://www.museum-optischer-instrumente.de/leitz_230600.html
Im Anhang eine Schnittzeichnung aus Pöschl 1927 (gibts auch im Leitz Katalog von 1913).
Grüße
Martin
PS: da haben wir uns überschnitten....
Zitat von: beamish in August 15, 2023, 16:46:32 NACHMITTAGS
...und wurde daher wohl 1925 hergestellt. Es hat den Fuß eines "K" aber den seitlich verschwenkbaren Spiegel des "J" und den fixen Tubus, wie beim "K" und beim "JT". ....es wurde erst 1947 verkauft!
Hallo Martin,
das scheint der typische Werdegang eines Leitz-"Kriegsstativs" zu sein. Die Materialknappheit wurde erst in den Nachkriegsjahren relevant, und es wurden übrig gebliebene Teile zu etwas Neuem vereinigt. Das betrifft insbesondere die Seriennummern 366 xxx - 399 xxx. Bei Dir war das seriennummerntragende Teil (der Fuß?) wahrscheinlich bereits graviert, deshalb noch die alte Nummer.
Ich habe einige solche Wolpertinger. Die Seriennummern passen zum geschätzten Auslieferdatum nach dem Krieg, jedoch stammen manche Teile dieser Geräte aus den 20er Jahren. Auch verschiedene Stativklassen wurden zusammengewürfelt.
Wolfgang
... scheint ja auch eine schlaue Idee zu sein, die Kugellösung.
Aber teuer hat die die Stative wohl nicht gemacht. Sie scheint mir deutlich simpler als die anderen Feintriebkonstruktionen und Leitz selbst stellt sie auch eher als pragmatische Lösung vor.
Aus dem J/K wurde dann später wohl das Stativ "P" (schätze auch ab ca. 1925). Jetzt aber nur noch mit Grobtrieb und eher als "Trichinoskop". Abgebildet kenne ich es nur aus dem großen Katalog für den amerikanischen Markt (1929)
Ja Wolfgang, so siehts wohl aus. Auch die beigegebenen Optiken scheinen nicht von 1925 sondern eher späteren Datums zu sein.
Was mich noch wundert ist, daß Leitz einem Werksangehörigen für diesen "Wolpertinger" noch 80 Reichsmark abgeknöpft hat. Das entspricht 1947 zwei Monatsgehältern eines Arbeiters. (https://hessburg.de/kaufkraftrechner/)
@Thomas: von dem Konzept des J/K ist bei dem P aber nicht mehr viel übrig....
Grüße
Martin
Zitat von: beamish in August 15, 2023, 17:53:36 NACHMITTAGS
Was mich noch wundert ist, daß Leitz einem Werksangehörigen für diesen "Wolpertinger" noch 80 Reichsmark abgeknöpft hat. Das entspricht 1947 zwei Monatsgehältern eines Arbeiters. (https://hessburg.de/kaufkraftrechner/)
... und das für ein Stativ das vor gut 30 Jahren auf den Markt gekommen ist?
Auf der anderen Seite, die Stative waren ja nicht das teure.
Das Stativ J hat nackig (1913) 40,- Reichsmark gekostet, die optische Ausstattung dazu dann noch mal 95,- Reichsmark.
Vielleicht bist Du aber ja auch einfach einem großen Gaunerstück auf die Schliche gekommen. Da wurde damals einfach ein nichtsahnender Mitarbeiter über den Tisch gezogen? Soll´s geben.
Grüße
Thomas
Kann gut sein, daß ihm mehr oder weniger nur die aktuellen Preise für die Objektive und Okulare berechnet wurden. Warten wir mal ab bis ich sie sehe. Ich hab grade eben die Sendungsverfolgungsnummer erhalten. Das Ding sollte also rasch da sein.
Grüße
Martin
... und Wolpertinger hin oder her. Ich liebe Mikroskope mit Geschichte/Provinienznachweis. Was so ein Rechnungszettel ausmacht...
Zitat von: beamish in August 15, 2023, 20:21:09 NACHMITTAGS
... und Wolpertinger hin oder her. Ich liebe Mikroskope mit Geschichte/Provinienznachweis. Was so ein Rechnungszettel ausmacht...
👍👍👍
Die beigefügten Objektive 3 und 6l sowie die Huygens-Okulare 6x und 10x hätten nach der Preisliste im Katalog von 1932 zusammen 63 RM gekostet. Dann wurden für Stativ und Kasten nur 17 RM berechnet.
Dann sieht es schon (etwas) anders aus...