Hallo Foristen !
Welcher Zusammenhang besteht zw. ISO Empfindlichkeit bei Digitalkameras und Dynamikumfang. Ist bei ISO 100 oder 50
der Dynamikumfang geringer im Vergleich z.B. bei ISO 400 ? Nachbearbeitungen nicht berücksichtigt. Arbeite mit JPG und
nicht RAW. Im Netz wird oft behauptet dass bei zu niedriger ISO Einstellung der Dynamikumfang geringer sein soll im
Vergleich dann mit etwas höherer ISO Einstellung.Danke.-
Grüße Hermann
Hallo Hermann -
selbst wenn allen eventuellen Diskussionsteilnehmern dein Forschungsziel und die dazu verwendete Kamera bekannt wären wird sich diese Frage zu einem ellenlangen Diskussionsfaden entwickeln, an dessen Ende Du "genauso klug als wie zuvor" bist. Das kenne ich aus einschlägigen Foto-Foren.
Die einzige Lösung: Selbst ausprobieren! Im Digitalzeitalter entstehen dabei ja keine Materialkosten mehr.
Viele Erfolg!
Rolf
Moin!
Die höchste Dynamik hat eine Kamera bei ihrer Grundempfindlichkeit, die normalerweise in den technischen Spezifikationen abgelegt ist. Je höher man nun die gewünschte/erforderliche Empfindlichkeit wählt, umso geringer wird die Dynamik. Interessant ist dabei, wieviel Dynamik bei sehr hohen Empfindlichkeiten (z.B. oberhalb 12800 ASA) noch vorhanden ist.
Dies ist sehr schön hier in dieser Tabelle für die unterschiedlichsten Kamera/Sensortypen abzulesen:https://www.photonstophotos.net/Charts/PDR.htm
Da die Kamerasensoren in den allermeisten Fällen mit ihrer Grundempfindlichkeit bei 100 - 160ASA liegen, kann man, wenn der Photograph für seine Bildidee so etwas benötigt, die Empfindlichkeit um 1-2 Lichtwerte absenken (pull-Einstellungen) diese Unterschreitung der Grundempfindlichkeit ist genauso mit einem (geringen) Verlust an Dynamik-Umfang verbunden wie eine Push-Einstellung um 1 - 2 Lichtwerte nach oben.
Ich würde das aber nicht überbewerten, weil moderne Sensoren wie beispielsweise jener in der D850 von NIKON einen Dynamikumfang von über 12 Lichtwerten bei Grundempfindlichkeit haben und man auch bei einem Verlust von 2 Lichtwerten immer noch bei 10 Lichtwerten liegt. Dies reicht nicht nur für die allermeisten Fälle - ganz besonders in der Mikrophotographie - aus, auch wenn diese anspruchsvoll betrieben wird, sondern liegt immer noch zwei bis drei Lichtwerte über dem was Diafilm in der Lage war, zu bieten. Beim vielbeweinten Kodachrome 25 beispielsweise hat man sogar gerade mal 5 - 5,5 Lichtwerte Dynamikumfang zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang
Hallo Wolfgang
Da müßte doch laut Tabelle deines Linkes, der Dynamikumfang bei meiner Fuji (schwarze Linie), im Vergleich zu meinen anderen Kameras am höchsten sein? (Was auch mein persönlicher Eindruck ist)
Oder habe ich da etwas mißverstanden?.
Gruß von Siegfried
Zitat von: Silber_und_Licht in August 26, 2023, 12:56:51 NACHMITTAGS
Dies ist sehr schön hier in dieser Tabelle für die unterschiedlichsten Kamera/Sensortypen abzulesen:https://www.photonstophotos.net/Charts/PDR.htm
Die Tabelle ist sehr nützlich. Allerdings kann man diese Tabellen, die für die konventionelle Fotografie gedacht sind, nicht 1:1 auf die Mikro-Fotografie umlegen. Solche Tabellen gehen davon aus, dass die Lichtintensität, die auf den Sensor wirkt, unabhängig von der Sensorgröße ist. Das macht für die Fotografie durchaus Sinn, und erklärt warum größere Sensoren (z.B. die Canaon Mark II versus Canon 600d in Siegfrieds Diagramm) bei identer Sensortechnologie einen höheren Dynamikumfang aufweisen als kleine Sensoren: Die Lichtmenge, welche der Vollformat-Sensor einfängt, ist einfach doppelt so groß wie beim APS-C Sensor, und damit ist der Dynamikumfang um ca. einen Lichtwert größer.
In der Mikrofotografie ist die Situation aber eine andere, da die verfügbare Lichtmenge durch das Objektiv und dessen numerischer Apertur begrenzt ist. Die Fotoadaption vergrößert das Zwischenbild für eine VF-Kamera auf ca. 1,5-fache Größe im Vergleich zu einer APS-C-Adaption (unter Annahme eines identischen Bildausschnittes). Die Intensität auf dem großen Sensor (Vollformat) ist dann nur halb so groß wie am kleinen Sensor (APS-C). Der Dynamikumfang im resultierenden Bild ist somit für APS-C und VF annähernd identisch, wenn dieselbe Sensortechnologie verwendet wird.
Das ist einer der Gründe, warum in der professionellen Mikroskopie vergleichsweise kleine Sensoren eingesetzt werden: Große Sensoren haben hier keinen Vorteil in Bezug auf Dynamikumfang.
LG
Jürgen
Hallo Hermann
Der Dynamikumfang einer Kamera wird a für den Kontrastumfang in den Bilddaten und b für die Möglichkeit der ISO Einstellung geteilt. Wenn da z.B. 14 Lichtwerte zu Verfügung stehen sind ca. 8 in den Bilddaten möglich - RAW vorausgesetzt.
Die verbleibenden 6 werden für die ISO Verstellung verwendet und mit zusätzlicher Verstärkung aufgeblasen.
Genau diese Verstärkung hat zur Folge, dass bei höheren ISO Einstellungen der real Dynamikumfang abnimmt, also z.B. von den oben beschriebenen 8 Lichtwerten nur 7 nutzbar sind.
Wo die Verstärkung anfängt und sich der Dynamikumfang verringert entscheiden die Entwickler.
Bei JPG brauchst du dir keine Sorgen machen, zu Zeiten der JPG Definition war unvorstellbar was heute Kameras leisten, daher können diese Vorteile nur im RAW nützen.
Jürgen hat natürlich Recht, ich bekomme am Olympus BX mit Öl und hoher NA maximal 7 LW durch, bei der Nikon Z6-II würde alles über ISO 1600 zum Beschnitt der maximal möglichen Tonwerte führen. Der Nachweis kann natürlich mit Messpräparaten (Tonwertstufenkeil) erbracht werden.
Liebe Grüße
Gerhard
Hallo Hermann,
wie schon richtig gesagt sinkt der Dynamikumfang mit steigender ISO-Zahl/Signalverstärkung, das Signal-Rausch-Verhältnis wird dabei schlechter.
Wenn du deine Bilder in der Kamera aber nur als JPG speicherst anstatt als RAW, brauchst du dir eigentlich über solche Fragen (Sensordynamik bei ISO 100 vs. ISO 400) keine Gedanken zu machen!
Die interne Signalverarbeitung und Bildverschlimmbesserung der meisten Kameras, die stattfindet, wenn du einfach als JPG mit Standardeinstellungen speicherst, sorgt schon dafür, dass du bei kontrastreichen Motiven ausgefressene Highlights, abgesoffene Schatten und - eigentlich am schlimmsten und ein großes übel - durch viel zu aggressive Rauschunterdrückung - glattgebügelte Details bekommst. Der Dynamikumfang den der Sensor hat wird nicht voll genutzt. Das ist auch bei prof. Kameras wie der Canon EOS 5D Mk IV oder diversen Sony DSLRs so.
Am besten nimmt man immer in RAW auf und stellt die Bilder im RAW-Converter passend ein. Die Farbtemperatur lässt sich dann ja nachträglich auch gut einstellen. Rauschunterdrückung am besten wenn überhaupt nur moderat fürs Farbrauschen, beim Helligkeitsrauschen auf Null um keine Details wegzubügeln.
Gruß,
Gerrit