Das Große Immergrün Vinca major stammt aus dem Mittelmeerraum und wurde durch den Menschen als Nutz-, Arznei- und Zierpflanze sowie wegen seiner mythologischen Bedeutung in zahlreiche zuvor unbesiedelte Gebiete verschleppt.
Im 16. Jahrhundert war es in den Gärten bereits weit verbreitet und wurde auch medizinisch verwendet.
In einigen Regionen des allochthonen Areals (Australien, Neuseeland, USA) gilt Vinca major als invasiv und wird massiv bekämpft.
Standorte im Wald zeigen meist noch heute die Lage der ehemaligen Siedlungen an, da sich die Pflanze nur durch Ausläufer vermehrt, die im Jahr bis 2 Meter wachsen.
Bild 01 Habitus, Großes Immergrün Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_36849274.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Die 2 – 3 cm breiten blauen Blüten mit schiefen, an Propeller erinnernden, Kronzipfeln.
Im zeitigen Frühjahr, März – April, manchmal zusätzlich noch im Herbst zeigt sich das Immergrün mit seinen blauen oder violetten Blüten an Hecken, sonnigen Plätzen und in lichten Laubwäldern.
Die Art hat als Zierpflanze vor allem in den Friedhofsgärten ihren Einzug gefunden.
Die Pflanze hat wie der Efeu immergrünes, lederartiges Laub. Es ist daher ein Sinnbild der Unsterblichkeit.
Bild 02 Blüte, Großes Immergrün Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_63208015.jpg)
Urheber: Frank Vincentz
Vinca major ist am Grunde etwas verholzte Staude, von der langen, sprossartige Zweige ausgehen, die über den Boden kriechen und in unregelmäßigen Abständen Paare ovaler, lederartige, immergrüne Blätter tragen.
Bild 03 Immergrüne Blätter, Großes Immergrün Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_32001227.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Da die Zweige kriechen und nicht windend sind, handelt es sich um eine echte
Rankpflanze.Die Erklärung des Namens auf Grund des lateinischen ,,vincire", binden, umschlingen, ist also
falsch.Auf den am Boden kriechenden Zweigen erheben sich die kurzen, nur schwach verzweigten Blütenstängel.
Bild 04 geschlossene Blüte, Großes Immergrün Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_19575591.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Bild 05 Sprossspitze mit Endknospe, Großes Immergrün Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_41962596.jpg)
Bild 06 Blüte, Großes Immergrün Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_42119052.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Bild 07 Schnitt durch die Kronröhre, Großes Immergrün Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_43527150.jpg)
Urheber; Stefan lefnaer
Betrachtet man die hellblaue Blüte, die einen Durchmesser eines 2 – Euro -Stückes hat, von vorne, so sieht sie wie die vielen anderen Hundsgiftgewächse aus: der mittelgroße Schlauch verbreitet sich nach oben und teilt sich in 5 breite Lappen ohne Spitze mit linksgedrehten Zipfeln. Am Schlauchgrund befinden sich 2 Nektardrüsen.
Am Schlund sind zwischen kräftigen Haaren die Staubblätter verankert, und zwar mittels eines gegliederten Fadens, der die Antheren (Staubbeutel) trägt.
Diese sind ebenfalls mit Haaren besetzt.
Auf dem Fruchtknoten sitzt ein langer Griffel, der an der Spitze eine regelmäßige kleine mit langen Haaren besetzte Scheibe trägt.
Als Narbe dürfen wir jedoch nicht die mit Haaren besetzte Oberfläche dieses Scheibchens ansprechen, sondern die Unterseite.
Wir haben hier ein Beispiel von
Herkogamie vor uns, wie man sie auch bei den Schwertlilien findet.
Als
Herkogamie oder Getrenntzwittrigkeit, wird in der Botanik die räumliche Trennung von männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen innerhalb einer Blüte oder auf verschiedenen Individuen bezeichnet.
Diese Vorrichtung, die auf autogame (Selbstbefruchtung) Bestäubung hinzudeuten scheint, haben aber die Aufgabe, sie gerade zu verhindern; die Blüten können nur von Insekten bestäubt werden.
Bei beiden Arten des Immergrüns ist die gesamte Pflanze einschließlich der Wurzeln giftig.
Die Vincamin Alkaloide senken den Blutdruck und verursachen andere Kreislaufbeschwerden sowie Störungen des Magen-Darm-Trakts.
Anwendung in der Volksheilkunde gegen Durchfall, Ruhr sowie Mandelentzündung.
Drogen: Vincae minoris herba
Die Droge besitzt keinen deutlich wahrnehmbaren Geruch und schmeckt bitter und zusammenziehend.
Die jungen Triebe der Pflanze werden zur Blütezeit geerntet und mit künstlicher Wärme bei Temperaturen bis 45 Grad getrocknet.
Alkaloide (bis max. 1,9%), u. a. Akuammicin, Akuammin, Lochvinerin, Venoterpin, Reserpinnin und Vincamin (25 bis 65% der Gesamtalkaloide).
Bild 08 Ilustration, Großes Immergrün Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_56200037.jpg)
Dieses Werk ist gemeinfrei.
Urheber: Argenta, Vicente Martin de.
Systematik:Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Hundsgiftgewächse (Apocynaceae)
Unterfamilie: Rauvolfioideae
Tribus: Vinceae
Gattung: Immergrün (Vinca)
Art: Großes Immergrün
Wissenschaftlicher Name: Vinca major
Trivialnamen: Jungfernkraut, Großblättriges Immergrün, Wintergrün, Großes Sinngrün
Englische Bezeichnung: bigleaf periwinkle
Die Erstveröffentlichung von Vinca major erfolgte 1753 durch
Carl von Linné (1707 – 1778) in ,,Species Plantarum", Tomus I, S. 209.
Carl von Linné war ein schwedischer Naturforscher, der mit der binären Nomenklatur die Grundlagen der modernen botanischen und zoologischen Taxonomie schuf.
Teil 1
Spross, Querschnitte
30 Mikrometer
Bild 09 Schnittstellen, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_36038289.jpg)
Foto: H.-J_Koch
Bild 10 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_55909147.jpg)
Bild 11 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_33420276.jpg)
Bild 12 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_32347029.jpg)
Bild 13 Detailaufnahme, Autofluoreszenz, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_22687807.jpg)
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 14 Detailaufnahme, Autofluoreszenz, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348911_2863675.jpg)
W-3A-Färbung nach Wacker (
Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert
Arbeitsablauf:1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.30 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minuten
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.
Ergebnis:Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000, Sony alpha 6000
Bild 15 Übersicht, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_25773083.jpg)
Bild 16 Detailaufnahme, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_30631159.jpg)
Bild 17 Detailaufnahme mit Beschriftung, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_7244975.jpg)
XY = Xylem, MP = Markparenchym, SK = Sklerenchym (die Grünfärbung irritiert mich), CU = Cuticula, EP = Epidermis, PH = Phloem, K = Kambium, RP = Rindenparenchym
Bild 18 Detailaufnahme, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_65204782.jpg)
Bild 19 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung, Fluoreszenz, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_49972132.jpg)
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 20 Deetailaufnahme, Auflichtbeleuchtung, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_47096010.jpg)
Teil 2
Blattstiel, Quersschnitt
25 Mikrometer
W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Bild 21 Übersicht, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_21210914.jpg)
Bild 22 Detailaufnahme, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_56680499.jpg)
Bild 23 Detailaufnahme, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_40362448.jpg)
Bild 24 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_27717712.jpg)
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 25 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_48132822.jpg)
Bild 26 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_30542218.jpg)
Teil 3
Blatt, Querschnitt
25 Mikrometer
W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Bild 27 Detailaufnahme, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_6444509.jpg)
Bild 28 Detailaufnahme mit Beschriftung, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_58000584.jpg)
CU = Cuticula, PA = Palisaden-Gewebe, SCH = Schwamm-Gewebe
Bild 29 Detailaufnahme, Vinca major
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures013/348912_52243212.jpg)
Verzeichnis der benutzten Literatur:Wikipedia; Freie Enzyklopädie
Aichele ,,Der Kosmos Pflanzenführer", ISBN: 3-86047-394-8
Aichele ,,Was blüht denn da?", 03553-5
Dieter Ennet ," Lexikon der Heilpflanzen" , ISBN: 3-933203-96-1
Fritz Koch ,,Taschenbuch der heimischen Frühjahrsblumen ,1953
Lüder ,,Grundkurs Pflanzenbestimmung", ISBN: 3-494-01418-3
Alois Koch ,,Was blüht denn da ?", 1965
Schönfelder ,,Das neue Handbuch der Heilpflanzen", ISBN: 978-3-440-12932-6
Schmeil ,,Leitfaden der Pflanzenkunde", 1952
,,Botanica" Das Abc der Pflanzen, ISBN: 3-8290-0868-6
,,Was blüht denn da?", ISBN: 978-3-440-11379-0
,,Das große illustrierte Pflanzenbuch", 1966
Der Kosmos ,,Pflanzenführer", ISBN: 978-3-440-16318-4
Die Informationen für Beschreibungen werden von mir selbst aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Dabei benutze ich sowohl Bücher als auch Internet Quellen.
Ich recherchiere dann weiter, suche die zugrundeliegenden Studien heraus, werte sie aus und verbinde alles miteinander.
Beim Recherchieren öffnet sich oft nicht nur eine neue Tür, sondern gleich mehrere. Dahinter verbargen sich weitere spannende Informationen.
Für konstruktive Kritik bin ich ebenso offen wie für lobende Worte.
Hans-Jürgen
Lieber Hans-Jürgen,
vielen Dank für die wieder einmal faszinierende Ausarbeitung!
Herzliche Grüße
Bernd
Lieber Bernd,
danke für deine lobenden Worte.
Gruß
Hans-Jürgen
Lieber Hans-Jürgen,
Sehr interessantes Thema! Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung der Verwendung der Wacker-Farbung, wunderbar in Deinem Schnitt.
LG
Walter
Lieber Hans-Jürgen,
wieder einmal vielen Dank für den schönen und interessanten Thread zum Großen Immergrün, den ich gerne gelistet habe.
Herzliche Grüße
Jörg
Hallo Walter und Jörg,
danke für euer Feedback.
@ Walter,
ich arbeite sehr gerne mit den drei Farben der Wacker – Färbung.
Mir gefallen kräftige Färbungen und mit dem Einsatz von Acridinrot, Acriflavin und Astrablau kann ich durch die Färbezeiten und das Mischen von Acriflavin und Astrablau das Ergebnis verändern.
Gruß
Hans-Jürgen