Hallo,
damit der PLEURAX- Thread von Ralf nicht mit dem Anoptralkontrast überfrachtet wird, mache ich hier einen neuen Faden dazu auf. Vielleicht können die Moderatoren ja die dazugehörigen Antworten hierher "umziehen". Wenn nicht, muss man da anfangen zu lesen und dann geht es hier weiter.
LG
Michael
Hier ein paar schnell gemachte Fotos von der Einrichtung:
(https://www2.pic-upload.de/img/37316603/IMG_20231126_105552_resized_20231126_110119966.jpg)
(https://www2.pic-upload.de/img/37316602/IMG_20231126_105642_resized_20231126_110120409.jpg)
(https://www2.pic-upload.de/img/37316604/IMG_20231126_105811_resized_20231126_110119567.jpg)
Also gleich 5 "Erlkönige" im Holzkasten. :) Die habe ich mal vor vielen Jahren einem ehemaligen Kollegen, Johannes Bornhardt, abgetauscht, da musste ich einen JAMIN- LEBEDEFF opfern. Daher weiß ich auch nicht, ob die so verkauft wurden. Da aber die Prüf- Zettelchen die rote Stempelung "Sonderanfertigung" tragen, ist schon davon auszugehen.
Der Kollege hatte ziemlich viele exotische Begehrlichkeiten, auch Planapo 40 und 63 als "Ph 3 H- Ausführung", also mit erhöhter Absorption, die kaufte ich dann instantan ohne meiner Frau davon Bericht zu erstatten.
Die "Ph H- Objektive" gab es aber ganz offiziell als Sonderanfertigung für pro Stück etwa 10000 DM und sehr langer Lieferzeit in den 1980er Jahren.
Der Herr Bornhardt schickte mir ab und zu Listen von Dingen die er abgeben wollte und Sachen, die er suchte. So kamen wir zusammen. Da waren noch viele andere interessante Sachen, wie Spektralokulare (toll für POL- Kurse!), ein "alter DIK" mit kleinerer Bildaufspaltung (Sonderprismen im Kondensor ab Objektiv 25 und ein anders beschriftetes DIK- Hauptprisma), die ich mir aber nicht leisten konnte bzw. nichts Adäquates zum Tausch anbieten konnte.
Vielleicht liest hier ja jemand mit, der diese Sachen jetzt besitzt und zeigt auch ein paar Fotos davon. Johannes Bornhardt schrieb immer echte Briefe, ich weiß nicht einmal, ob der schon e-mail hatte, zu einer Zeit, als das schon sehr üblich war.
Der Unterschied zwischen dem negativen Phasenkontrast und dem Anoptralkontrast besteht in der Ringbreite (die war bei REICHERT schmaler und der Durchmesser weiter als bei CZO) und der Absorption der Phasenringe im Objektiv. Unsere 160 mm Objektive für negativen Phasenkontrast hatten mehr als 90% Absortion, wie zum Teil auf den kleinen, gezackten Beipack- Zettelchen der Endkontrolle ("Z Prüf") für den potentiellen Käufer klar vermerkt war. Der REICHERT Anoptralkontrast musste wegen der geringeren Ringbreite etwas heller ausgeführt werden.
Leider haben sehr schmale und im Durchmesser weite Ph- Ringe einen durchaus ungünstigen Einfluß auf die Detektierbarkeit feinster Stukturen im Phasenkontrast. Das ergibt sich aus der Form der Lichtquelle (hier ringförmig) und dem Beugungsbild der gesamten Anordnung (Ringblende- Probe- Ph- Ring) im Phasenkontrast.
ZEISS baut heute noch ähnliche Objektive, meist für die Spermienmikroskopie. Es gibt sogar eine Ausführung mit zwei Ph- Ringen (pos/ neg).
Der negative Phasenkontrast ist recht gut für kleine, also dünne und flache Protisten (z.B. Nuclearia, Rhynchomonas etc.) geeignet. Schade, dass ich das Planapo 63/1,4 Oil Ph 3 nicht auch mit negativem Ph- Ring habe. :(
Sobald ich die wenigen Protistenfotos, die ich vor Jahren mit dieser Einrichtung gemacht habe, wiederfinde, stelle ich die auch noch hier ein.
LG
Michael
NACHTRAG:
Beim positiven Phasenkontrast kommt es zu einer destruktiven Interferenz des vom Objekt ausgehenden Lichtes und dem ungebeugten Beleuchtungslicht im Bildpunkt, also im reellen Zwischenbild. Das liegt daran, dass beim positiven Phasenkontrast die dünnen Phasenobjekte und der Ph- Ring im Objektiv das ungebeugte Lampenlicht gegenüber dem am Objekt gebeugten Licht zusammengenommen um eine halbe Wellenlänge verschieben. Es kommt dann zur destruktiven Interferenz (Pixel= Schwarz) zwischen diesen beiden Lichtarten. Da der Phasenkontrast- Effekt sehr schwach ist, weil ja immer nur recht wenig Licht durch die dünnen Phasenobjekte verändert wird, muss das ungebeugte Beleuchtungslicht noch abgedunkelt werden, sonst würde der Phasenkontrast- Effekt vom beleuchtenden Licht völlig überstrahlt werden. Diese Lichtdämpfung des ungebeugten, ringförmigen Beleuchtungslichts geschieht ja -neben der Phasenverschiebung- auch im Phasenring. Daher ist der Bildhintergrund beim ZEISS- Phasenkontrast von CZO immer schön Grau. Bei Carl Zeis JENA war der bräunlich.
Beim negativen Phasenkontrast wählt man die Phasenverschiebung im Ph- Ring so, dass es zu einer konstruktiven Interferenz des ungebeugten "Lampen-" mit dem gebeugten "Proben- Licht" kommt. Der Gangunterschied zwischen diesen beiden Wellenarten beträgt dann eine Wellenlänge (Pixel= Hell). Daher muss hier der Bildhintergrund sehr dunkel sein, was in der Regel durch die starke Absorption solcher Ph- Ringe bewerkstelligt wird. Das bekommt man mit verschiedenen Materialien hin (z.B. bei REICHERT und PZO mit "Ruß"= Graphit) und der Bildhintergrund soll dann sehr schön dunkelbraun sein. Das darf man aber nicht zu weit treiben, sonst bekommt man ein spezielles Dunkelfeld. Das gab es bei Carl Zeiss JENA für das JENAVAL contrast und die Interphako- Geräte, für die sog. Farbimmersionsmethode von Asbestfasern, kleinen isolierten Partikeln in der Forensik und in der Staubforschung (heute heißt ein applikativ ähnliches Verfahren "Dispersion Staining").
Olympus did have a full NH, NM, PL and PLL set for the BH2 era (45mm - 160mm TL) scopes. There is even a full new set on sale on the .bay.
I have some of the NH in achromat and PlanAchromat version. Could do some pictures if of interest.
Best, Maarten
Dear Maarten,
I looked at the auction: https://www.ebay.com/itm/304748795380. If I would have such a microscope, I would buy that unique assembly.
Yes, OLYMPUS was more pushing the different types of phase contrast. But the customers had diffficulties to clearly understand the usecases of the different grades and their matching applications. That is, why they dissappeared again. Aside from the general OLYMPUS brochures for the accessories I have not seen a specific brochure dealing with that phase contrast topic. But maybe You have it.
CARL ZEISS as a very honest manufacturer was a bit shy with the marketing of our negative phase contrast as they did not want to have a conflict with REICHERT here. REICHERT, as said, owned the Wilska- Patent. And although our negative phase contrast did not hurt the patent, ZEISS was cautious here.
The CZO 160 mm Planapochromats 40/0,95 Korr; 40/1,0 Oil; 63/1,4 Oil and 100 Oil have all been made with Ph- rings with a higher absorption "Ph H". And there was information for the sales force ("Rundscheiben/ Circular Letter"), as well as marketing material available, in an old IM 35 brochure, written by Heinz Gundlach.
All the best
Michael
Yes some images would be interesting.
Hallo,
ich habe noch ein paar ältere Bilder von eher sehr kleinen Zellen (unter 10 µm) des häufigen farblosen Flagellaten Goniomonas (früher als Cyathomonas bekannt) im normalen positiven Ph und dem mit erhöhter Absorption gefunden. Man sieht aber schon, dass man es selbst heute durch Manipulation der Display- Kennlinie im aufgenommenen Bild, nicht einfach schaffen würde, von "A nach B" , also vom Ph- Bild zum Ph H- Bild, zu gelangen. Die beiden Ph- Typen liefern schon unterschiedliche Bilder von dafür geeigneten sehr kleinen Phasenobjekten. Die werden im Ph H deutlicher abgebildet. Sonst hätte man so etwas auch nicht gebaut, denn das Gamma konnte man auch früher schon ändern -in der Dunkelkammer. :)
Alle Aufnahmen sind komplett unbearbeitet. Die Bilder wurden mit dem 160 mm Planapo 63/1,4 Oil Ph 3 H und Planapo 63/1,4 Oil Ph 3 mit Mikroblitz am PHOMI III aufgenommen. Die Präparate waren noch etwas dicker und die Flagellaten daher nicht gequetscht. Darum kann man noch etwas sphärische Aberration in den Aufnahmen wahrnehmen. Die Goniomonas-Zellen waren noch sehr "schnell unterwegs" und kaum zu blitzen.
Die verwendete Kamera war eine PENTAX ist DS (die war richtig gut). Diese Kamera ist natürlich schon längst gegen ein andere (PANASONIC LUMIX) ausgetauscht worden (die PENTAX- Bildbearbeitungs- Software wurde nicht weiterentwickelt, nur bis WINDOWS XP nutzbar). Ich liebäugele ja immer noch mit einem FUJIFILM XT- Kameragehäuse.
Morgen mache ich noch ein paar Fotos von den Objektiven.
Positiver Phasenkontrast mit erhöhter Absorption:
(https://www2.pic-upload.de/img/37316853/Cyathomonas_Planapo_63_hoch_2.jpg)
(https://www2.pic-upload.de/img/37316850/Cyathomonas_Planapo_63_hoch_1.jpg)
Positiver Phasenkontrast mit normaler Absorption:
(https://www2.pic-upload.de/img/37316851/Cyathomonas_Planapo_63_normal_2.jpg)
(https://www2.pic-upload.de/img/37316852/Cyathomonas_Planapo_63_normal_1.jpg)
LG
Michael
Olympus brochure with example phase pictures at page 15
https://www.alanwood.net/downloads/olympus-lb-objectives.pdf
Hallo,
hier habe ich einmal ein paar von diesen Phasenkontrast- Objektiven mit erhöhter Absorption fotografiert:
(https://www2.pic-upload.de/img/37316990/IMG_20231127_155517_resized_20231127_040107671.jpg)
Planapo 40, 63 und 100 mit "Ph 3 H"- Schicht
(https://www2.pic-upload.de/img/37316991/IMG_20231127_155546_resized_20231127_040108088.jpg)
Eine frühe Ausführung, ohne die vollständige Beschriftung ("H" fehlte hier noch) in der verschlossenen Objektivkapsel (Planapo 100/ 1,3 Ph mit erhöhter Absorption). Dies schöne Objektiv aus den 1970er Jahren war ein Geschenk von Dr. Heinz Gundlach, der diese spezielle Applikation erkannt und die besondere Ausführung des Phasenkontrastes mit erhöhter Absorption auf den Weg gebracht hat. Bei E. LEITZ gab es das auch. Dort hieß der normale Phasenkontrast "n". Aber das waren keine Planapochromat- Ph- Objektive. Die gab es bei LEITZ erst viel viel später.
(https://www2.pic-upload.de/img/37316992/IMG_20231127_155628_resized_20231127_040107206.jpg)
Erste (links) und letzte (rechts) Ausführung von CZO 160 mm Planapochromat- Objektiven Ph 3 mit erhöhter Absorption nebeneinander. Hätte man nicht die korrekt beschriftete Objektivkapsel, würde man das frühe Objektiv nur im Vergleich mit anderen Objektiven im Gebrauch als solches erkennen
LG
Michael
Hallo Michael,
eine schöne Gegenüberstellung der beiden Phako-Arten bei Zeiss.
Zum Thema Anoptralkontrast findet man ja allgmein wenig und zu diesem anderen Kontrastverfahren von Wilska, dem Umbral Kontrast so gut wie gar nichts.
Hat evtl. hierzu jemand was?
An die Veröffentlichung von Wilska "Observations with the anoptral microscope" in Mikroskopie Bd 9, 1954 S1-80 komm ich leider auch nicht ran, evtl kann ja da jemand weiterhelfen
Beste Grüße Stefan
Hallo Stefan,
den gesuchten Artikel fändest Du in der Anlage, wenn er mit 27,2 MB nicht zu groß wäre. Ich lad die Datei auf meine Lila Wolke hoch und schick Dir den Link. Meine Email-Adresse ist offen.
Viele Grüße!
Rainer
Hallo,
wenn man den Wilska- Artikel liest (Danke Rainer!), ist man schon erstaunt darüber, was der Mann alles bedacht hat. Und zu welchen einsamen und völlig richtigen Schlüssen der gekommen ist. Beim Lesen des Artikels wird nicht so ganz klar, wann diese Erfindung gemacht wurde. Der Sohn schrieb mir, dass der Vater ihn oft mitnahm, es bestand ein sehr enges Verhältnis zwischen den Beiden. Er schrieb auch, dass der Anoptralkontrast zum Kriegsende hin, jedenfalls in den Wintermonaten entwickelt wurde. Auch ist Wilskas Vermutung völlig richtig, dass die lichtabsorbierenden Schichten im klassischen ZEISS- (später CZO-) Phasenkontrast stärker zu Reflexen neigen könnten, als seine Rußschicht dies tut. Dagegen hat man bei Carl Zeiss Jena von Anfang an besondere technologische Vorkehrungen zu deren Verhinderung getroffen. Die sind bis heute geheim.
Mir ist auch schon öfters aufgefallen, das der bräunliche JENA 250-CF- Phasenkontrast weniger Halo zeigt. Das liegt an den dort benutzten anderen Schichten (das hatte aber vor Allem finanzielle Gründe, die DDR war immer klamm und die benötigten Materialien teuer) und den Ph- Ringbreiten und Durchmessern.
An meinem JENAVAL benutze hauptsächlich die 250- CF Phv- Objektive Apochromate 25x, 50x und 100x. Von den planachromatischen Phv- Objektiven (GF und Normalfeld) sind jeweils die 100x am besten. Neben dem 25x. Das waren aber zum Teil nach "West- Maßstäben" schon Plan- NEOFLUARe. Ich hatte auch für eine gewisse Zeit ein GF- Planachromat Ph WI 50x, Das war Spitze. Das ist aber verschollen ....
Und der Halo ist aber zunächst nichts schlechtes im Phasenkontrast. Bei kleinen isolierten Objekten.
LG
Michael
NACHTRAG: Die einzige falsche Schlussfolgerung Wilskas war, das Ph- Ringe mit größerem Durchmesser (gemeint ist hier: sehr großer Durchmesser im Vergleich zum damaligen CZJ- Phasenkontrast) zu einer besseren Auflösung führen.
Hallo Michael und alle Freunde des Sepia-Tons,
"As a result, the background of the microscope image appears in an agreeable sepia tone, often giving the illusion of sky-illuminated objects lying on the sand floor of a shallow sea." ;)
1Ich muss mal nach meinem einzigen Anoptral Objektiv kruschen (Reichert 40 Ph A), der Ring sieht genauso aus wie beim Meopta der hier (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=22435.0) mal gezeigt wurde; soviel ich weiß wurde bei Reichert kein Ruß verwendet, aber was das für eine gold-orangene Beschichtung war?
Stefano Barone hat ja unlängst den LOMO Phasenkontrast mit dem LOMO Anoptral-Kontrast auch schön illustriert verglichen
2. Dort stellte er fest "Moreover, if we observe microscope objectives for Anoptral phase contrast such as the Lomo ФА lenses, we can note that – unlike those for positive phase contrast – the phase rings are very close to the edge of the lens (the distance proportionally decreases with increasing lens magnification), it means that most of the zero order or undiffracted component is present: this fact gives a technical explanation to the previous quotes on more specimen details given by Anoptral phase contrast!"
Ich sehe auch da einen gewissen Widerspruch zu
Zitat von: Apochromat in November 29, 2023, 00:19:23 VORMITTAGDie einzige falsche Schlussfolgerung Wilskas war, das Ph- Ringe mit größerem Durchmesser (gemeint ist hier: sehr großer Durchmesser im Vergleich zum damaligen CZJ- Phasenkontrast) zu einer besseren Auflösung führen.
und frage mich, ob er sich nicht eher auf direkt vergleichbaren Ph-Objektiv-Konstruktionen (Reichert Ph vs Ph A ?) bezogen haben könnte?
1 Wilska, A. A New Method of Light Microscopy. Nature171, 353 (1953) (https://www.nature.com/articles/171353a0) (freier download)
2 Barone, S. Anoptral phase contrast applied to diatoms: a study by means of test diatoms on the advantages originally described by its discoverer Alvar Wilska, over the standard (positive) phase contrast. Micscape Feb 2022 (http://www.microscopy-uk.org.uk/mag/artfeb22/sb-Anoptral.pdf#search=%22anoptral%22) (freier download)
Beste Grüße Stefan
Lieber Stefan,
da ich bei der Untersuchung meiner kleinen farblosen Flagellaten hauptsächlich mit Phasenkontrast arbeite, liegt mir dieser seit jeher besonders am Herzen. Deshalb kommt jetzt eine etwas ausführlichere Antwort, bzw. auch einige Fragen von mir an Dich.
Ich weiß auch, dass der Phasenkontrast bei vielen Zellbiologen heute etwas in Vergessenheit geraten ist. Man muss da auch viel sauberer präparieren als bei anderen Kontrastierungsverfahren und nicht jede Zelle ist dünn genug dafür. Kaum zu glauben, aber einige Firmen bauen schon keine Phasenkontrast- Plan- Apochromate mehr.
Auf Seite 3 bezieht sich Wilska auf den Vergleich mit dem Phasenkontrast von Carl Zeiss in Jena. Das waren die Einrichtungen, die von 1941 – 45 meist über Schweden verkauft wurden. Das waren gar nicht so wenige. Im sog. ,,Deutschen Reich" wurde vor 1945 nur eine kleine Zahl von Phasenkontrasteinrichtungen ausgeliefert, zum Beispiel an die Fa. HOECHST in Frankfurt/ Main, des Weiteren an wenige, nicht- zivile Hygiene- Institute im NS- Machtgebiet und an die Kaiser- Wilhelm- Gesellschaft in Berlin, Dahlem. Die deutsche Wirtschaft musste sich überwiegend der Kriegsproduktion unterwerfen. Daher erfolgten der Vertrieb und die Auslieferung meist über das neutrale Schweden. Ein früher Phasenkontrast- Prospekt erschien darum in schwedischer Sprache, was eigentlich schon damals ungewöhnlich war:
(https://www2.pic-upload.de/img/37317305/ZEISS_Svenska_Phasenkontrast.jpg)
Zur Auflösung im Phasenkontrast: Selbst, wenn es Stefano Barone, den ich sehr schätze, geschrieben hat, ist es trotzdem nicht richtig: Die Auffassung, dass eine möglichst große Beleuchtungsapertur im Durchlicht zu höherer Auflösung führt, ist für Hellfeld und DIK selbstverständlich völlig richtig. Im Phasenkontrast beleuchten wir aber mit einer ringförmigen Spaltbeleuchtung. Es kommt doch immer darauf an, dass möglichst viel von dem am Objekt gebeugten Licht in das Objektiv eintreten kann. Und das verhindern Ph- Ringe mit zu großem Durchmesser. Es wurden und werden bei ZEISS wirklich sehr viele Untersuchungen zu diesem Thema angestellt, die letztendlich zu den Dimensionierungen der Phasenringe, so wie diese heute überall üblich sind, geführt haben. Ich lese Stefano´s Artikel auch gerne und bewundere immer, wo er diese sehr seltenen Dinge, wie einen Mikrobenjäger von STEINDORFF oder den Sonderabdruck von Wilska aufspürt.
Selbst das Kombinat Carl Zeiss JENA, das eisern bis fast zum Schluss an seinem unsinnigen ,,Phv- Dogma" festhielt, war sich darüber im Klaren, dass für zellbiologische Untersuchungen die besseren Ringbreiten und Durchmesser, diejenigen waren, wie sie vor 1945 bei Carl Zeiss in Jena von Walter Loos (einer von zwei Medizinern, die je bei MIKRO gearbeitet haben) und Kurt Michel zusammen mit August Köhler entwickelt wurden. Das sind die Dimensionen und Parameter, die dann später bei CZO in Göttingen verwendet wurden. Das haben die Jenaer Kollegen sogar -einmalig für damalige Verhältnisse- in einer Applikationsschrift (APPLIKATION INFORMATION 2/ 1987), die Sabine Haustein schrieb, öffentlich eingeräumt. Die kann man hier herunterladen:
https://www.interphako.at/PDF/zeiss_Objektive_gesch.pdf
Ich habe für einen Phasenkontrast- Vortrag einmal eine Folie gemacht (das Grün eingerahmte ist hier wichtig):
(https://www2.pic-upload.de/img/37318996/PHV_Haustein_1987.jpg)
Bei dem MEOPTA- Objektiv (vielen Dank für den Link!) sieht man schön, dass die Ringbreite (etwas groß) und der Durchmesser in etwa so gewählt wurde, wie bei der 160 mm Optik von CZO. Über das Material, welches bei MEOPTA für die Ph- Ringe verwendet wurde, kann man nur spekulieren. Die auf den Abbildungen erkennbaren, sehr auffälligen, blauen Farben in dem MEOPTA- Phasenkontrastbild haben übrigens nichts mit dem Farblängsfehler des einfachen achromatischen Objektivs zu tun. Dazu gibt es auch längliche Betrachtungen in dem Buch von Hermann Beyer: Theorie und Praxis des Phasenkontrastverfahrens, Geest und Portig, 1965. Die Erklärung in nicht- mathematischer Form ist die, dass die leicht extrafokalen, aber noch im wellenoptischen Schärfetiefenraum des jeweiligen Objektivs befindlichen Objektstrukturen wellenlängenabhängig die Lambda/4- Bedingung erfüllen und es Wellenlängen gibt, die dann ausgelöscht werden (im Roten Bereich), wodurch die blauen Bilder leicht extrafokaler Strukturen zu Stande kommen. Wenn man ganz genau hinschaut, sieht man solche Phänomene selbst bei apochromatischen Phasenkontrastobjektiven. Ich sehe die immer, leider.
Zum Beispiel hier, aufgenommen mit dem 250-CF Apochromat HI Phv 100x/1,40 (Frank Fox, ,,Protisten im Phasenkontrast"):
https://www.mikroskopie-bonn.de/themengalerie/leben_im_wassertropfen/index.html#a36
Oder auch hier:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=41321.msg304170#msg304170 (die sehr schönen Phasenkontrast- Aufnahmen 9, 11 und 13) von Diana Witzgall.
Oder hier bei mir (Lebende Küchenzwiebel- Epidermiszelle mit Nucleus, Nucleolus und Ribosomen in der Kernmembran, sowie den Mitochondrien):
(https://www2.pic-upload.de/img/37240377/Ph_Zwiebel_2.jpg)
Interessant finde ich, dass Du schreibst, das REICHERT keinen ,,Ruß" zur Herstellung der Anoptralkontrast- Ringe benutzt hatte. Das ist auch nicht zwingend notwendig. Die Materialien wurden selbstverständlich von den Herstellern niemals publiziert. Weißt Du da mehr darüber? Meist wurde in den Broschüren zum Phasenkontrast bei der Beschreibung der phasenverschiebenden Schichten das Wort ,,Dielektrikum" benutzt, das klang wissenschaftlich, ohne irgend etwas zu verraten. Für die das Beleuchtungslicht dämpfenden Schichten kommen aber nur wenige Materialien in Frage. Deshalb mein Interesse und die Nachfrage.
Die Ringbreiten des normalen REICHERT Phasenkontrastes kenne ich leider nicht, vielleicht weiß das hier jemand oder schaut mal bei seinen Objektiven nach.
Liebe Grüße
Michael
Hallo Michael,
für mich interessant: Der negative Phasenkontrast nach Pluta bei PZO findet hier nirgends Erwähnung. Gibt es dafür einen speziellen Grund? Hier hatten sowohl Pluta als auch G. Göke ja Ruß als Beschichtungsmaterial angegeben.
Hallo Jürgen,
Im Faden ist der kurz erwähnt. Und es ging ja anfangs um die 5 CZO- Erlkönige im CZO- typischen Eschenholz- Holzkasten aus dem Odenwald.
PZO benutzte "Ruß", also Graphit- Bedampfung. Und Gerhard Göke -ein Meister der telefonischen Mikroskop- Vermarktung und sehr wissend und auch sehr Technik- affin- wusste ganz genau, dass uns Kunden solche Details -die damals nur er wusste- sehr interessierten. Damit war man schon "an der Angel". Ich hatte den negativen Phasenkontrast von PZO in den 1980er Jahren bei Gerhard Göke für mein BIOLAR gekauft. Der Bildhintergrund war nicht ganz so dunkel wie bei meiner CZO- Einrichtung, aber der war auch nicht schlecht. So gut wie eben die Achromate von PZO waren. Es war PZO nicht erlaubt, Apochromate zu bauen. Gekonnt hätten die das und bestimmt besser als LOMO. Gerhard Göke hatte ein solches PZO Apo- Musterobjektiv. Apochromate durften im RWG- Verbund nur Jena und -natürlich- die Russen produzieren. Der damals tschechoslowakischen Firma MEOPTA -ein bis heute technologisch sehr hoch entwickelter Optikproduzent- wurde etwa ab 1972 der Bau von Mikroskopen ganz verboten. Die ehemalige Mikro- Entwicklungsleiterin bei LOMO heißt Olga mit Vornamen und war sehr gut. Sie hat noch lange bei ZEISS in Russland gearbeitet. Olga saß sogar im Sommer mit Pelzmäntelchen bei mir in Göttingen im Kurs und nachdem die einmal "aufgetaut" war, mochten wir uns. Sie konnte eben nicht gut Englisch sprechen. Verstand aber alles und wusste alles über Mikroskopie. Ich habe noch irgendwo das Mikroskopie- Buch von ihr mit Widmung. Leider nur auf Russisch.
Ich fand aber den positiven PZO- Zernike Phasenkontrast mit grauen Ph- Ringen (!) besser als den negativen PZO- Phasenkontrast mit den braunen Ph- Ringen aus Ruß. Man kann auch positiven Phasenkontrast mit Ruß- Ringen herstellen. Das gab es auch bei PZO. Der variable Phasenkontrast von PZO war immer ausverkauft/ nicht lieferbar. Der war sehr aufwendig zu produzieren, mit den zwei anisotropen Phasenringen. Technisch ausgefeilt, vom Bildeindruck nicht empfehlenswert. Die Ringsysteme stören einander jeweils. War halt ein Alleinstellungsmerkmal und der Stolz von Prof. Pluta.
Prof. Maksymilian Pluta bei PZO hat zum Phasenkontrast und DIK sehr viel bis heute Grundlegendes geschrieben. Die drei Bände von Pluta´s "Advanced Light Microscopy" werden heute zu Höchstpreisen - völlig überteuert- gehandelt. Dabei waren die auf Klopapier gedruckt.
Ein Neffe von Prof. Pluta arbeitet bei uns, in Polen :)
LG
Michael
Hallo,
ich lese mit viel Interesse in diesem Thread mit. Dabei beschäftigt mich die Frage: Welche Objekte dienten den Entwicklern als Testpräparate?
Gruss Arnold Büschlen
Hallo Michael,
ich fang mal von hinten an
ZitatInteressant finde ich, dass Du schreibst, das REICHERT keinen ,,Ruß" zur Herstellung der Anoptralkontrast- Ringe benutzt hatte. Das ist auch nicht zwingend notwendig. Die Materialien wurden selbstverständlich von den Herstellern niemals publiziert. Weißt Du da mehr darüber?
Ja, goldhaltig, die Farbe des Rings ist auch recht typisch (ich habe mal Hirnschnitte "vergoldet"), habe nach der Referenz suchen müssen
Bildschirmfoto.jpg
(v. Duijn 1990 3. Internat. Mikroskopietage in Hagen)
Auch ich hatte vorsichtige Zweifel an der theoretischen "Herleitung" von Barone bei der Interpretation seiner Befunde. Andererseits finde ich bei der Craticula den Kontrast schon deutlich besser zugunsten des Anoptrals (wie o.g. wird jedoch Lomo PHA mit PH verglichen), aber bei bestimmten Diatomeen kann es halt immer irgendwelche Gitter-, Interferenz- oder Polarisationseffekte geben, welche die Verallgemeinerung erschweren können. Mit Stauroneis fand ich im Vergleich den Anoptral jetzt nicht zwingend besser.
Ich muss ja als alter Leitz-Fan auch zugeben, dass der CZO Phako sehr schön ist auch wenn ich ihn nur aus vergangenen Tagen in Form von höherwertigen Objektiven erinnere. Bei meiner privaten alten Leitz Zernike Phako Einrichtung findet sich als Fremdgänger "nur" ein CZ Plan PH 63/0,9 welches ich sehr schätze 8)
Beste Grüße Stefan
Hallo Stefan,
hast Du noch -oder Jürgen Stahlschmidt- wenn der hier mitliest- den ganzen Aufschrieb dieses Vortrags? Jürgen hat mir mal einen Link zu den ganzen Tagungsprotokollen geschickt. Den finde ich aber gerade nicht.
Das mit dem Gold ist ganz plausibel, wenn auch ungewöhnlich. Vor allem, dass das irgendwie an die Öffentlichkeit kam, zu einer Zeit, in der es REICHERT ja noch gab. Mit den aufgedampften "Antireflexschichten" wird die Phasenverschiebung mitbewirkt.
Der Rest seiner Beschreibung ist etwas "verschwurbelt" also viel zu kompliziert (meist ein Zeichen dafür, dass der Sachverhalt doch nicht so ganz verstanden wurde, sonst würde man es gleich allgemeinverständlich erklären, finde ich immer :) )
Ich übersetze das mal in einfache Sprache: Der ideale Ort für die Lage des Ph- Ringes ist immer die hintere Brennebene des Objektivs. Die ist optisch exakt zu der vorderen Kondensor- Brennebene, in der die Phasen- Ringblende liegt, konjugiert. In der hinteren Brennebene des Objektivs ist das "primäre Interferenzbild n. Abbe", wir sagen heute das Beugungsbild von Objekt- und Lichtquellenlicht am stärksten getrennt. Dieses Beugungsbild enthält alle auflösbaren Objektinformationen (daher dort als Fourierebene bezeichnet). Manchmal ist es aus konstruktiven Gründen nicht möglich in diese Ebene Dinge einzubringen (z.B. Phasenringe), beispielsweise weil dort eine Linse sitzt, die man nicht "wegrechnen", also verlegen kann. Dann kommt der Ph- Ring in die nächsterreichbare freie Kittfläche. Das kann man für sich einfach feststellen, indem man mit einem Hilfsmikroskop oder einer Bertrandlinse auf die Phasenringblende im Kondensor scharf stellt. Die liegt immer in der vorderen Kondensor- Brennebene. Ist der Phasenring nicht gleichzeitig annähernd scharf und muss das Hilfsmikroskop zu seiner besten Abbildung merklich umfokussiert werden, liegt der Ph- Ring nicht exakt in der hinteren Objektiv- Brennebene. Das ist öfters der Fall als man denkt. Und für diese Abweichung gibt es zulässige Grenzwerte. Aber es wäre schon sehr ungewöhnlich, einen Ph- Ring "absichtlich" bei allen Objektivbrennweiten immer in die Nähe der Frontlinse zu bringen. Das führt zu Bildstörungen, Reflexproblemen, Streulicht etc. Die Absorption des REICHERT Anoptralkontrast- Ringes war geringer als die meiner CZO- Einrichtung, weil der Anoptral- Ph- Ring ja schmaler ist, als der negative Ph- Ring der 160 mm Optik bei CZO. Der Bildhintergrund ist aber heller als bei meinem negativen CZO- Phasenkontrast. Und die Absorption der negativen Ph- Ringe der 160 mm Objektive von CZO kenne ich. Das mit den 95% kann also nicht stimmen.
Ich habe mich nur gewundert, woher der Herr v. Duijn das alles damals wusste. Würde mich heute interessieren.
Du hattest mal im Forum Bilder von Deinen wunderschönen Vergoldungen gezeigt. Tolle Präparate :)
LG
Michael
Zitat von: A. Büschlen in November 29, 2023, 19:46:42 NACHMITTAGSHallo,
ich lese mit viel Interesse in diesem Thread mit. Dabei beschäftigt mich die Frage: Welche Objekte dienten den Entwicklern als Testpräparate?
Gruss Arnold Büschlen
Hallo Arnold,
ich will Dir die Frage einmal so beantworten: Wenn Du die Bildleistung eines Objektivs/ Systems etc. visuell und ohne weitere Messhilfsmittel beurteilen musst, dann nimmst Du ein Dir sehr gut bekanntes Objekt und schaust Dir die Abbildung der darin enthaltenen, feinsten Strukturen unter den verschiedenen Bedingungen an und erhältst so ein sehr gutes Urteil.
So würde ich vorgehen.
LG
Michael
Hallo Michael,
die Vergoldungen hier waren leider nicht von mir, aber die waren spitze!
Ich hatte das mit dem Gold (und wohl Kryolith) bei Reicherts mal vor Jahrzehnten gehört, auf diese Referenz bin ich erst sehr viel später gestoßen.
In dem Mikroskopie Aufsatz von Wilska steht ja, dass Reichert anderes Material als Ruß verwendete, also das kann man wohl eher ausschließen.
Bei Pluta und PZO war das wohl anders, der verwendete Ruß ja auch beim Amplitudenkontrast.
Und um mal Indizien zu sammeln:
v. Duijn wohnte in Zeist - ich denke bei nedoptifa in Zeist gab es schon auch Wissen oder Ahnungen wie man Phasenringe machen kann. Immerhin ging dort Zernike auch mal ein und aus...
Beste Grüße Stefan
Hallo Stefan,
wenn der Herr v. Duijn in Zeist bei NEDOPTIFA gearbeitet hat, stimmt das mit dem Gold. Die Firmen haben sich da früher auch mal ausgetauscht. Weil sich die Menschen in dieser kleinen Welt ja alle kannten. Ich habe über NEDOPTIFA nur ein paar Unterlagen auf Niederländisch. War da nicht irgendwo im Forum auch eine Verlinkung. Ich erinnere mich an ein Foto auf dem eine angemalte Hauswand in Utrecht and diese Fabrik erinnerte. Frits Zernike hat ja mit denen auch viele Phasenkontrast- Spielarten gebaut, die es nur dort gab. Und das schon, als er bereits mit Carl Zeiss in Jena zusammenarbeitete. Die Mikroskope von NEDOPTIFA haben sich aber niemals gegen die starke deutsche und österreichische Konkurrenz behaupten können.
Die Bezeichnung Kryolith, eine Aluminiumfluoridverbindung (Na3AlF6) -wurde auch tatsächlich benutzt, aber eben nicht nur diese- ist aber nur eine gerne nach Außen und in der Literatur angegebene Sammelbezeichnung für phasenverschiebende Schichten.
LG
Michael
Lieber Apochromat,
mit Interesse habe ich alle Mitteilungen in diesem Thread gelesen. Über etwas bin ich mir zum Schluß aber nicht mehr so sicher: Kann es sein, daß Du u.a. in einer Deiner Mitteilungen geschrieben hast, daß bei den Zeiss Objektiven für Phasenkontrast der Endlich-Ära im Regelfall positiver Phasenkontrast und nur ausnahmsweise negativer Phasenkontrast verwendet wird!?
Ich habe nämlich bis jetzt immer genau umgekehrt gedacht, daß bei den Zeiss Objektiven für Phasenkontrast der Endlich-Ära im Regelfall negativer Phasenkontrast eingesetzt wird. Habe ich Dich hier richtig verstanden und es wird bei den Zeiss Objektiven für Phasenkontrast der Endlich-Ära im Regelfall positiver Phasenkontrast verwendet?
Über eine Klarstellung Deinerseits diesbezüglich würde ich mich freuen.
Lieben Gruß
PiusX
Hallo PiusX,
die Objektive für negativen Phasenkopntrast sind stets die Sonderausführungen, die Normalausführung war immer die für positiven Phasenkontrast.
LG
Michael