Ein Vertreter von Zeiss Oberkochen hat gesagt die Tubuslinsen von Opton korregieren je nach Objektiv positiv und negativ Farbfehler und sind daher auch für CVD freie Jena Objektive zu verwenden.
Einer von Jena hat gesagt das sei nicht so.
Gibt es hier Optikrechner die wissen was stimmt?
GRÜßE
Hallo Alfons,
Die Fa. Opton- Feinwerktechnik wurde 1946 in Oberkochen gegründet und wurde schließlich zu CARL ZEISS, Oberkochen/ Württ. zunächst mit dem "Opton"-, später dem "Carl- Zeiss- Linsenlogo" "West".
OPTON war das im Londoner ZEISS- Abkommen vertraglich vereinbarte Exportwarenzeichen von CARL ZEISS, Oberkochen in die COMECON-/ RGW- Länder (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe). Und die gibt es seit 1989 nicht mehr. Das heißt also CARL ZEISS, schon lange ;)
Die Tubuslinsen von der Axio- Baureihe (vom Axioplan (1986)) bis heute, also von Mikroskopen mit den Objektiven der jetzigen CARL ZEISS- Unendlich Optik (ICS- Optikkonzept: Infinity Colour and Contrast Corrected System) funktionieren nur mit den ZEISS-Unendlich- Objektiven ICS und IC2S und mit nichts anderem.
Also: Die jetzige CARL ZEISS- Tubuslinse funktioniert NICHT mit dem CVD- freien System von Carl Zeiss JENA für die 250 CF- Optik. Die JENA 250 CF- Tubuslinse war CVD- frei, genau wie die dazu passenden Unendlichobjektive für die MIKROVAL 2- Baureihe (JENAVAL, JENAMED etc.).
Und ich glaube nicht, dass irgendein Mitarbeiter von uns Dir so einen Quatsch erzählt hat, wie Du das schriebst.
Entweder die Kolleginnen/ Kollegen im CZ- Innendienst von Deutschland (das sind die nach Außen für den Endkunden erreichbaren Kontakte) oder die Vertriebsmitarbeiter im Außendienst (meist promovierte Naturwissenschaftler), wissen Antworten auf solche schon recht spezielle Fragen, oder eben nicht. Wenn sie die Antworten nicht wissen, senden sie uns ein e- mail. Und bekommen dann alle relevanten Informationen. Wenn sie die Antworten kennen, geben die nur die korrekten Antworten nach Außen weiter.
Gruß
Michael
Hallo Michael
Vielen Dank für deine Antwort.
Es war vor über 30 Jahren als ich gerade mit Jena angefangen hatte, da wollte jemand M 25 auf Zoll Gewinde Adapter um Jena Objektive am damaligen Axioplan zu verwenden.
Irgendjemand mußte ihm das verzapft haben
Er war wohl mit dem Ergebnis zufrieden.
Sachen gibt's.
Nun wo ich auch Oberkochen bekommen habe war das schon merkwürdig.
GRÜßE
Hallo Michael,
Das mit der Gründung von Opton in Oberkochen ist wohl verklärt dargestellt.
Da haben die USA nach dem Krieg Beute gemacht.
Begehrte Fachkräfte mußten in die USA, aus der Verwandtschaft eines Bekannten war auch Einer dabei.
Bevor dann Gebiete an die Russen übergeben wurden, SBZ, später DDR, wurden Jena Fachkräfte die den Russen nicht in die Hände fallen sollten u.a.
Nach Oberkochen und Mainz, Jena Glaswerk Schott und Genossen, verbracht.
Was dann noch übrig war erbeuteten die Russen.
Damit wurde in Rekordzeit Kernwaffen entwickelt und im All waren sie auch zuerst
Aus Ruinen mußte dann Jena aufgebaut werden.
In meiner Jena Literatur ist nur von Opton zu lesen, das auch in Russisch.
Grüße Alfons
Hallo Alfons,
es grenzt schon an mehrere Wunder, dass die Firmen ZEISS und SCHOTT in Jena praktisch ab etwa 1950 wieder weitermachen konnten, trotz vollständiger Demontage und Verbringung von Teilen der Geschäftsleitung, sowie der wichtigsten Wissenschaftler in die Nähe von Heidenheim, nach Göttingen und die USA. Es wurden dann auch beträchtliche Geldmittel von Jena in den Westen transferiert, weil ja völlig unklar war, wo es mit ZEISS am Schnellsten weitergehen würde. Es war eine verrückte Zeit und man kann die Geschehnisse nicht nur aus heutiger Sicht bewerten. Und ja, den Rest nahm der Russe mit. Allerdings war wohl die Behandlung dort auch ganz gut. Natürlich auch zur Realisierung von Stalins Atomwaffenprogramm, z.B. deportierte man den weltbekannten Metallographen Prof. Hauser, der wurde dann später nur noch todkrank wieder in Jena abgeladen.
Im Ostblock wurde CARL ZEISS, Oberkochen natürlich nur unter dem Namen "OPTON" bzw. "OPTON- Feinwerktechnik" geführt. "ZEISS" war dort nur Jena. Das war eben deren einseitige Sicht auf die Dinge, und bei uns war das Kombinat eben kein richtiges "ZEISS". Auf dem Gebiet der Mikroskopie wurden die erst nicht mehr belächelt, als 1982 die MIKROVAL 2- Baureihe (JENAVAL etc.) vorgestellt wurde. Da wurde es CZO angesichts deren Abbildungsleistung auch etwas mulmig.
Ist doch wunderbar, dass das alles jetzt vorbei ist.
Gruß
Michael
Was mich immer wieder begeistert, ist die Qualität, mit der Opton in Oberkochen losgelegt hat. So was wie das W-Stativ konnte ja sicher nicht auf den gewohnten Maschinen realisiert werden. Lagen die Pläne dafür wohl schon in der Schublade, oder wurde das erst in Oberkochen entworfen?
Grüße
Martin
"Frage an alle über Tubuslinse"
Als Deutschsprachiger in der fernen Diaspora frage ich mich, ob wir nicht auf ChatGPT oder Englisch umstellen sollten, wenn ich dies lese. Es schmerzt!
Einmal abgesehen von der falschen Verwendung (bitte nicht argumentieren: es ist schlichtweg falsch!), frage ich gerne, warum die vermeintliche Frage garnicht gestellt wird. Im Deutschen gibt es für eine Frage folgendes, relativ leicht verfügbares Zeichen: "?". Ein Fragezeichen.
Eigentlich recht einfach, oder?
Haarspalterei? Ja. Aber warum ist das denn hier eines der wenigen deutschsprachigen Foren?
Beste Grüße aus einem fernen Land, in dem Deutsch mit Ach und Krach den Status einer offiziellen Sprache halten kann, solange es nicht aufgegeben wird.
Thomas
Zitat von: 3D Alfons in Dezember 03, 2023, 15:57:15 NACHMITTAGS(...)Das mit der Gründung von Opton in Oberkochen ist wohl verklärt dargestellt.
Da haben die USA nach dem Krieg Beute gemacht.
Begehrte Fachkräfte mußten in die USA, aus der Verwandtschaft eines Bekannten war auch Einer dabei.
Bevor dann Gebiete an die Russen übergeben wurden, SBZ, später DDR, wurden Jena Fachkräfte die den Russen nicht in die Hände fallen sollten u.a.
Nach Oberkochen und Mainz, Jena Glaswerk Schott und Genossen, verbracht.
Was dann noch übrig war erbeuteten die Russen.
Damit wurde in Rekordzeit Kernwaffen entwickelt und im All waren sie auch zuerst
Aus Ruinen mußte dann Jena aufgebaut werden.
In meiner Jena Literatur ist nur von Opton zu lesen, das auch in Russisch.(...)
Angesichts der neutralen Geschichtsschreibung (Hermann, A, 1989: Nur der Name war geblieben - Die abenteuerliche Geschichte der Firma Carl Zeiss, DVA; außerordentlich empfehlenswert) empfinde ich obenstehende Einlassungen als eine Zumutung. Die Geschichte wird durch schnelle Übertreibungen weder wahrer, noch besser. Zumal, wenn auf einmal geopolitische Themen aufkommen. Einmal ganz abgesehen von A Hermanns Recherchen liegen mir Originale vor, die zwar die traurige Evakuierung von gut 80 Jenensern belegen (übrigens überwiegend technische Angestellte, Werkstattmeister und drei-vier Glas-Zauberer von Schott), aber keine Alu-Hut-Geschichten über Kernwaffen. Wenn überhaupt war das eine Sache der SUAG Wismut, die weite Teile Thüringens und ein bisschen von Sachsen in eine Mondlandschaft der Uran-Förderung verwandelt hatten (zwischen 1946 und 1960 war die DDR der mit Abstand größte Uran-Poduzent der Welt - Hoppla).
Ich schlage vor, solche Themen gut zu belegen bevor es in's Politische abdriftet. Danke!
Hallo Thomas,
ich war da wohl nicht gemeint, hoffe ich.
LG
Michael
Zitat von: Apochromat in Dezember 04, 2023, 18:03:16 NACHMITTAGS(...) ich war da wohl nicht gemeint, hoffe ich.(...)
Hallo Michael,
nein, keine Sorge. Im Gegenteil, ich schätze Deine Beiträge zur Geschichte wie zur Technik sehr!
LG Thomas
Zitat von: beamish in Dezember 03, 2023, 21:30:20 NACHMITTAGSWas mich immer wieder begeistert, ist die Qualität, mit der Opton in Oberkochen losgelegt hat. So was wie das W-Stativ konnte ja sicher nicht auf den gewohnten Maschinen realisiert werden. Lagen die Pläne dafür wohl schon in der Schublade, oder wurde das erst in Oberkochen entworfen?
Grüße
Martin
Hallo Martin,
das W- Stativ war ein von der Oberkochener Geschäftsführung (vor allem von Prof. Bauersfeld), initiierter Gegenentwurf zum Göttinger STANDARD- Programm von Dr. Kurt Michel bei WINKEL- ZEISS in Göttingen. Göttingen sollte bei seinem althergebrachten Fertigungsprogramm bleiben: den Schul- und Polarisationsmikroskopen, Polarimetern, Polier- und Schleifmaschinen.
Das W- Stativ wurde völlig im "Geheimen", ohne das Göttingen etwas davon mitbekommen sollte und auch mitbekam, in Oberkochen entwickelt. Einschließlich der speziellen Apochromate. Wenn es schon vor Kriegsende in Jena geplant worden wäre, hätte es höchstwahrscheinlich eine LUMIPAN- ähnliche Form gehabt und Dr. Michel hätte es dann in Göttingen ab etwa 1949 selbst so gebaut. Er war ja schon vor 1945 der Kopf hinter allem in der Mikroskopie- Neuentwicklung aus der sich August Köhler so etwa ab 1936 schon immer mehr zurückzog und den Kurt Michel ja zu seinem Stellvertreter machte.
Kurt Michel und sein Konstrukteur Otto Erbe fingen nach Kriegsende in Göttingen mit einem völlig neuen Stativdesign an. Es sollte alles Althergebrachte hinter sich lassen. Den ersten Konzept- Entwurf (Arbeitsname "Stativ N") zeige ich hier:
(https://www2.pic-upload.de/img/37318731/MichelStativentwurfneu_1947.jpg)
Als Mikroskop- Baureihe STANDARD wurde es später zum meistgebauten Mikroskop- Programm aller Zeiten:
(https://www2.pic-upload.de/img/37318765/STANDARD_Portfolio.jpg)
Ja und ich stimme Dir zu, die mechanische Qualität des W- Stativs (z.B. die wunderschönen, Perl- sandgestrahlten Oberflächen), die innovativen Bajonettverschlüsse, der große Einstellring für den Augenabstand und Vieles mehr waren schon sehr gut gemacht und der Zeit z.T. weit voraus. Das W- Stativ wurde komplett in Oberkochen gefertigt. Leider ist mir über die Entwicklungsgeschichte des W- Stativs nicht viel mehr bekannt. Die Prospekte etc. habe ich auch, aber mehr eben nicht. Ich habe öfters mit diesem Gerät in der Biologischen Station Besse-en-Chandesse in der Auvergne gearbeitet. Dort steht ein Phasenkontrast W- Stativ- wahrscheinlich bis heute. Da ist die Zeit eben auch stehen geblieben. Aber für Protistenfreunde der Ort auf diesem Globus schlechthin.
Das PZO MB-30 lehnt sich äußerlich stark an die Stativform des W- Stativs an.
Oberkochen musste ja komplett aus dem "Nichts" neu anfangen und bekam natürlich darum sehr viele neue -die besten- Maschinen, die es damals zu kaufen gab und benutzte von Anfang an immer die neueste Technologie. Da half auch der Marshall- Plan ab 1948 kräftig beim Neuaufbau von CARL ZEISS, Oberkochen und der SCHOTT Glaswerke in Mainz mit.
LG
Michael
Also wieder einmal eine Zeitreise, diesmal von der Tubuslinse zum W- Stativ
Hallo Michael,
vielen Dank für diese aufschlußreichen Einblicke, incl. dieses seltenen Dokuments aus der Frühzeit der Standard-Serie!
Ich besitze selbst ein "W" mit mehreren Kondensoren (auch den unglaublichen Phasenkontrast-Kondensor). Das ist schon haptisch ein Erlebnis. Aus den damaligen Prospekten geht aber hervor, daß z.B. für Fotoaufsätze auf kompatible Teile von Winkel in Göttingen verwiesen wurde. So ein wenig Zusammenarbeit muß es also schon gegeben haben.
Grüße
Martin
PS: eine tolle Übersicht über das W-Stativ gibt es übrigens auf der Seite von Robert Görke: http://robert-goerke.de/canon-60d-1
Hallo Martin,
wie du bereits geschrieben hast, ist der Phasenkontrast-Kondensor ein technisches Meisterstück. Allerdings gibt es bei der Konstruktion des Kondensors einen kleinen Haken. Ich besitze zwei davon, bei beiden ist das Fett der vergangenen Jahrzehnte etwas zäh geworden, und ich sehe keine Möglichkeit, die Teile zu demontieren, um sie dann zu reinigen und neu zu fetten. Ansonsten sehen alle Teile am Kondensor neuwertig aus, auch die Phasenringe sind unbeschädigt. Ich bin noch auf der Suche nach einer Reinigungsanleitung für den Kondensor.
Grüße,
Robert
Hallo Robert,
auch ich bin stolzer Besitzer einiger W-Stative und musste einige PH-Kondensoren reinigen.
Leider gibt es bei der Serie einige Kondensoren die buchstäblich nicht mal mit der Brechstange zu öffnen sind. Siehe hierzu den sehr informativen Thread von Herrn Hiller bei dem Olaf ein Martyrium durchlaufen musste, um den Kondensor buchstäblich zu knacken. ;D Link (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=37015.15)
Bei anderen Seriennummern waren die Kondensoren wiedrum sehr leicht zu öffnen. Da hat eine einfache Boa (https://www.amazon.de/BOA-13-2612-Constrictor-Strap-Wrench/dp/B00096JDKS) gereicht um ans Herz zu gelangen.
Wenn mein Gedächnis mich nicht trügt, habe ich bei meinen Reinigungsarbeiten damals jede Menge Bilder gemacht um alles zu dokumentieren. Lass es mich bitte wissen, falls Du dazu Infos benötigst, dann suche ich in meinem Archiv nach und sende Dir die Bilder zu.
Eins vorweg, die Kondensorlinse nicht abschrauben, oder mit sehr viel Vorsicht nur wenn es unbedingt nötig ist. Denn bei einigen Kondensoren waren zwischen den Trägern der Linse und dem Grundkörper des Kondensors kleine lose "Ausgleichsmetallplättchen" die man nur dann sieht wenn man die Linse bereits entfernt hat. Dann penibelst genau das Plättchen samt Platzierung notieren. ;)
Viele Grüße,
Marcel
Hallo Robert,
Deine schöne Webseite verfolge ich schon lange.
Es ist glaube ich nicht ganz unwahrscheinlich, dass Diana Witzgall es irgendwie schaffen könnte, Deinen Kondensor wieder schön zu machen. Ich würde mich jedenfalls mit so einem Anliegen an Sie wenden. Alles Weitere kann man Googlen.
LG
Michael
Hallo Marcel,
den Thread "Phoenix aus der Asche" von Stephan Hiller kenne ich, aber so rustikal wie das da beschrieben und abgebildet ist, möchte ich bei meinem Kondensor nicht angreifen. ;-o
Wenn du die Bilder von deiner Reinigungsarbeit am Kondensor findest und sie mir zur Verfügung stellen könntest, würde ich tatsächlich einen neuen Versuch starten, um die Teile zu reinigen. Es stehen noch einige lange Winterabende bevor, die sich gut für solche aufwendigen Arbeiten eignen.
Danke schon mal für den Hinweis zur nicht Demontage der Kondensorlinse. Denn das mit den Ausgleichsplättchen muss man sich nicht geben.
Viele Grüße,
Robert
Hallo Michael,
Danke für die Idee, Diana Witzgall mit meinem verharzten Phasenkontrast-Kondensor zu belästigen. ;-)
Zuerst werde ich jedoch noch einen weiteren Versuch starten, den Kondensor zu "knacken". Dazu hoffe ich auf Hilfe von Marcel, der Fotos und eine Anleitung zur Demontage des Kondensors angeboten hat.
Viele Grüße,
Robert