Hallo zusammen,
ich habe ein paar Aufnahmen von Weinsäure gemacht, die gab's recht günstig in der Apotheke um die Ecke. Mit den Einstellungen von Mikroskop und Kamera habe ich etwas gespielt und vergleiche die Bilder. Mein Eindruck ist, dass bei kleinen Spannungen eher "warmes" rotes Licht erzeugt wird, bei großen Spannungen eher blaues "kaltes". Außerdem sieht man doch glaube ich sehr deutlich die Effekte der geschlossenen Blendenöffnung, man erzielt mehr Tiefenschärfe (und braucht weniger Bilder zu stacken?) komischerweise musste ich nicht länger belichten was ich eigentlich erwartet hätte.
https://www.dropbox.com/scl/fo/7acqx3pmjesgsa1ivj8y8/h?rlkey=qau87u18ukudtfhaldtfmlvtz&dl=0
Fällt euch sonst noch etwas an den Aufnahmen auf?
Eine andere Frage wäre was ich da eigentlich sehe? Die bunten Farben sind Interferenzen, die in doppelbrechenden, optisch anisotropen Matieralien entstehen. Aber mehr weiß ich auch nicht.
Hallo Christian,
Zitat von: ChristianSMein Eindruck ist, dass bei kleinen Spannungen eher "warmes" rotes Licht erzeugt wird, bei großen Spannungen eher blaues "kaltes
Mit Spannungen haben die Farben in diesem Fall kaum etwas zu tun. Die unterschiedlichen Farben resultieren aus unterschiedlichen Dicken und unterschiedlichen Ausrichtungen der Kristalle. Drehe doch mal bitte Dein Präparat (echte Polarisationsmikroskope haben nicht umsonst einen Drehtisch mit Gradeinteilung), dann kannst Du sehen, wie abhängig von der Richtung, in der die Kristallnadeln verlaufen, die Farben sind, Aus Orange wird Blau und umgekehrt.
Natürlich erhöht eine stärker zugezogene Aperturblende die Tiefenschärfe und auch den Kontrast, aber beides darf man nicht zu sehr übertreiben, sonst opfert man zu viel Auflösungsvermögen. Oder meinst Du die Blende des Fotoapparates? Die Bildtitel könnten das nahe legen.
Zitat von: ChristianSkomischerweise musste ich nicht länger belichten was ich eigentlich erwartet hätte.
Aber Du hast doch sehr unterschiedliche Blenden und Belichtungszeiten.
Wie wurde das Präparat erstellt: mit oder ohne Deckglas? Für mich sehen die Fotos aus, als hättest Du ohne Deckglas gearbeitet mit einem Objektiv das für Deckglas berechnet ist. Da fehlt noch etwas Schärfe und Brillianz.
Beste Grüße
Gerd
Moin Christian,
ist bei deiner Kamera eventuell die Iso Automatik aktiviert?Dann setzt die Kamera den Iso Wert hoch um die Belichtungszeit beizubehalten.
Gruss Jörg
Ich verwende im Manuellen Modus konstant ISO 100 also den niedrigsten Wert. Und Qualitätsverluste durch zu langes Belichten habe ich bisher keine.
Dass die bunten Farben durch die Doppelbrechung in optisch anisotropen Materialien hervorgerufen werden weiß ich doch, meine Frage war eine ganz andere:
Wenn man sich die Bilder mal genauer! ansieht fällt doch auf, dass manche vom Eindruck her kälter sind, manche wirken wärmer. Und meine Vermutung wäre, dass kleine Spannungen die Probe eher mit warmem, roten Licht beleuchten.
Aber das Deckglas macht absolut Sinn zumal die Kristalle wachsen. Ich habe da tatsächlich keins verwendet.
Hallo Christian,
wenn Du mit "Spannung" die elektrische Spannung meinst, mit der eine Glüh- oder Halogenlampe betrieben wird, dann hast Du Recht. Bei niedrigerer Spannung hat das Licht ein höheren Rotanteil, bei höherer Spannung steigt der Blauanteil. Diese Verschiebung der sog. "Farbtemperatur" ist bei thermischen Kontinuumsstrahlern wie klassischen Glühlampen (z.B. der 6 V/5 A von Leitz) etwas stärker sichtbar als bei Halogenlampen (z.B. der 12 V/100 W), die aufgrund ihres Funktionsprinzips bereits mit einer höheren Glühwendeltemperatur betrieben werden können. Da die Wirkungsweise und die Helligkeitsregelung bei LEDs auf ganz anderen Prinzipien beruht, ändert sich die "Farbtemperatur" bei ihnen bei der Helligkeitsveränderung praktisch nicht.
Früher hatte man zum Anpassen der Farbtemperatur verschiedene blaue Korrekturfilter der KB- oder BG-Serie, sowohl für die visuelle Mikroskopie als auch für die Fotografie.
Viele Grüße, Jochen.
Hallo Christian,
ach um die Stromspannung der Beleuchtung geht es! Tja, dieses Missverständnis resultiert dann wohl aus der verkürzten Beschreibung des Problems. Ich hatte an die Spannungsdoppelbrechung im polarisierten Licht, wie sie in der Spannungsoptik (https://de.wikipedia.org/wiki/Spannungsoptik)technisch angewendet wird, gedacht.
LG Gerd
Guten Tag
Das die Spannung bei Glühmittel hat wurde ja bereits beschrieben. Was noch offen ist heißt Weißabgleich, der wird bei JPG in der Kamera und bei RAW im Rawkonverter eingestellt und vom automatischen Weißabgleich beeinflusst. Auch da kann man natürlich manuell einstellen. Der exakte Wert kann messtechnisch ermittelt werden.
Liebe Grüße
Gerhard
Gut, dann stellt sich die Frage wie man einen Weißabgleich korrekt durchführt. Ich habe halt noch nicht die Muße das bei jedem Bild anzuwenden.
Meine Vorgehensweise ist auch recht einfach. Ich nehme einen weißen Hintergrund als Referenz und sage meinem Kontrollprogramm von Canon Utility dann beim manuellen Weißabgleich! das der Hintergrund jetzt weiß ist. Es gibt da so einen Pinsel als Button und ich klicke auf die weiße Fläche so geht das jedenfalls bei mir.
Andernfalls mal das Spektrum von der Leuchtquelle anschauen. Das sind bisher ganz gewöhnliche 100W Halogenlampen drin. Andererseits: Was gewinne ich dann?
Hallo Christian,
Weißabgleich am Mikroskop: Du nimmst einfach das Präparat heraus oder sucht eine "leere" Stelle im Präparat aus. Dann mit der Pipette dort hinein klicken und Du hast den korrekten Weißabgleich (aber nur genau für d i e s e Lampenspannunseinstellung). Wenn Du die Lampenspannung hernach veränderst, musst Du im Prinzip einen neuen Weißabgleich durchführen, wobei das im Utility doch nur 2 Klicks sind; das kann doch im Zweifelsfall vor jeder Aufnahme kurz machen!? Dazu bedarf es doch keiner "Muße" ;)
ZitatAndernfalls mal das Spektrum von der Leuchtquelle anschauen. Das sind bisher ganz gewöhnliche 100W Halogenlampen drin. Andererseits: Was gewinne ich dann?
Das verstehe ich jetzt auch nicht. Was für ein Spektrum willst Du Dir wofür anschauen? Halogenlicht ist nach wie vor qualitativ das "beste" Licht an Mikroskop, an das immer noch keine LED in letzter Konsequenz herankommt (wenngleich es natürlich inzwischen sehr sehr gute LEDs gibt). Aber es ist schon so: Die Farbtemperatur ändert sich mit der Lampenspannung.
Zum Deckglas: Das hat jetzt weniger mit den kristallen zu tun als vielmehr damit, dass eben die höher vergrößernden Objektive (i.d.R. oberhalb von 10fach) für Durchlicht in der Regel für die Verwendung mit Deckglas gerechnet sind (erkennbar an der Aufschrift 0.17). Wenn man solche Objektive ohne Deckglas verwendet, führt das eben zu einen mehr oder weniger merklichen Qualitätsverlust. Schon aus dem Grund solltest Du ein Decklgas auflegen, wenn Du mit solchen Objektiven arbeitest.
Herzliche Grüße
Peter
Hallo,
bei gekreuzten Polarisatoren funktioniert das mit dem Weißabgleich nicht so toll.
V G
Florian
Hallo Florian,
Uaaaahhhh....natürlich (!) muss zumindest der Analysator vorher "raus", ansonsten gibt es einen Schwarzabgleich ;) Das hatte ich jetzt quasi stillschweigend vorausgesetzt, dass das vor einem Weißabgleich gemacht wird.
Herzliche Grüße
Peter
Zitat von: Peter V. in Dezember 09, 2023, 15:10:11 NACHMITTAGSHallo Florian,
Uaaaahhhh....natürlich (!) muss zumindest der Analysator vorher "raus", ansonsten gibt es einen Schwarzabgleich ;) Das hatte ich jetzt quasi stillschweigend vorausgesetzt, dass das vor einem Weißabgleich gemacht wird.
Herzliche Grüße
Peter
Das meinte ich jetzt gar nicht mal. Man kann vor dem Kreuzen einen perfekten Farbabgleich machen und die Farben, die man mit gekreuzten Polarisatoren photographiert, sind trotzdem fern von dem, was man aufgrund des optischen Eindrucks erwarten würde.
Viele Grüsse
Florian
Hallo Florian,
das hängt dann aber wahrscheinlich mit Deinen Polarisatoren zusammen, die nicht ganz "neutral" arbeiten. Man sieht das gelegentlich, dass manche Filter in 90-Grad-Stellung z.B. ein bläuliches Restlicht durchlassen.
Ich habe mit meinen Original-Filtern von Olympus das Problem nicht, oder zumindest nicht in dem Maße, dass es mir je negativ aufgefallen wäre.
LG Gerd
Liebe Polfreunde,
es wird sehr oft vergessen, dass Polfilter im nahen Infrarotbereich sehr durchlässig sind. Wenn nun noch mit einer Halogenleuchte, welche im Infrarotbereich die höchste Intensität hat gearbeitet wird, so werden die Verhältnisse sehr undurchsichtig und nebulös. Wer nun auch noch an eine totale IR-Blockung bei der Kamera glaubt :(
Abhilfe ist ganz einfach. Keine Halogen, sondern LED als Lichtquelle nehmen.
Pol-var-log.jpg
Peter
Hallo Christian,
lieber Halogen im höherem und hellerem Bereich fahren, wer seine Optik und Polfilter liebt Wärmeschutzglas und falls zu hell Neutral(grau)filter rein.
Falls bei 90° gekreuzten Polarisatoren nicht ganz dunkel, kann dies natürlich auch an der Optik liegen, auch bei spannungsfreien Pol-Objektiven kann es zu Teildepolarisation an den Linsenoberflächen kommen, hat schon die Altmeister beschäftigt: Inoue, S. (1952) Studies on depolarization of light at microscope lens surfaces. Experimental Cell Research, Vol. 3
Falls Du es noch nicht kennen solltest, ein paar Links zur Inspiration, statt der Lambda /4 und Lambda-Platten/Kompensatoren eignen sich auch viele klarsichtige Kunsstoffverpackungen oder Tesafilm (das Original etwa Lambda):
http://www.microscopy-uk.org.uk/mag/artmay14/jp-retardation.pdf
http://www.microscopy-uk.org.uk/mag/indexmag.html?http://www.microscopy-uk.org.uk/mag/artjan05/bjcomp.html
Beste Grüße Stefan
Hallo Freunde der Polarisation,
wer sich eine Übersicht verschaffen möchte, bzw. auch speziell am NIR-Bereich interessiert ist, kann hier ->
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=46201.msg347363#msg347363 mal reinschauen. Ist auch bezahlbar!
Viele Grüße aus Berlin,
Michael
Das mit dem Tesa-Film habe ich auch schon in dem Buch "Faszination Mikroskopie" von Werner Nachtigall gelesen. Man kann damit anscheinend Lambda-Kompensatoren ersetzen. Mir ist noch nicht gänzlich klar wie sich das auf die Bilder auswirkt.
Den Weißabgleich führe ich dann vor dem Schließen der Filter durch. 7V als Quellspannung für die Halogenlampe ist dann wohl auch besser, es geht m.E. auch bei 3V aber dann müsste ich halt tendenziell länger belichten, so wie ich es sehe.
Hallo, am besten Ausprobieren ;)
LCD-Bildschirme haben ja auch einen Polarisator (TV, Handy, tablet, Laptop), aber manchmal auch gleich eine Viertel-Lambda Schicht (Zirkulärer Polfilter). Man kann dann zum Ausprobieren einen Linearen Polfilter davor halten, drehen bis es dunkel wird und dann als sog Kompensatoren (zB Folien oder Tesa) dazwischenhalten und auch drehen. (Wird vor dem Bildschirm mit nur einem linearen Polfilter beim Drehen es nur gelb und blau und nicht dunkel hat der Bildschirm die oben erwähnte λ¼ Schicht, dann evtl anderen Bildschirm zum Testen verwenden.). Danach ausprobieren am Mikroskop mit deinen Präparaten, es lohnt sich (und auch das Ansehen der oben genannten Links). Tesa am besten auf eine Objektträger kleben und zwischen den Polfiltern drehen.
Beste Grüße Stefan