Einige Fakten zum Thema:
- Kann ich an einem alten Leitz Mikroskop (170mm Tubuslänge) neuere Leitz Objektive verwenden? Oder umgekehrt?
- Kann ich an einem alten Leitz Mikroskop (170mm Tubuslänge) oder älterem Leitz Mikroskop (160mm Tubuslänge) Objektive anderer Hersteller verwenden?
Zu 1.Solange der Typ des Leitz Mikroskops mit Endlichoptik (160 bzw 170 mm Tubuslange) zu den verwendeten Leitz-Okularen passt (s.u), gibt es bei Objektiven ≥16:1 für die jeweils andere Tubuslänge kein Problem.
Bei Objektiven <16:1 stimmt die Parfokalität nicht exakt, aber ansonsten funktionieren diese auch (s. S.2 Punkt 3 im Leitz 160 mm Memo (http://www.science-info.net/docs/leitz/Leitz-160mm-Memo.pdf))
Zur Erinnerung
Leitz Okulare mit Angabe der Sehfeldzahl zB "12,5x /18" für 160mm TL
Leitz Okulare ohne Angabe der Sehfeldzahl zB "12,5x" für 170mm TL
Die schöne Übersicht zu den Tubuslängen von Jon (hier (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=19232.0)) hatte ich mal modifiziert bzw um den Fall 160mm Objektive am 170mm Tubuslängen-Gerät mit 170mm Okularen (Fall 7) erweitert:
TL 170 mod.jpg
Die
Änderung der Maßstabszahl des Objektivs ∆M
ob beträgt nach
∆Mob = ∆t / f'ob∆t: Tubuslängendifferenz; f'
ob: objektseitige Objektivbrennweite
∆Mobbei ∆t=2mm und einem Objektiv 10:1 (f'ob= 16,2mm)= 0,12 und einem Objektiv 63:1 (f'ob= 2,9mm) = 0,69
also bei unserem Beispiel von 2mm Differenz ändert sich die Vergrößerung um nur etwa 1% !
Die
Änderung der Objektebene ∆O
e beträgt nach
∆O
e = (f
ob x ∆t) / (f'
ob x M
ob2)
bei Trockenobjektiven sind die beiden Objektivbrennweiten identisch, daher gilt
∆Oe = ∆t / Mob2∆t: Tubuslängendifferenz; f
ob: bildseitige Objektivbrennweite; f'
ob: objektseitige Objektivbrennweite; M
ob: Maßstabszahl des Objektivs
Oe bei ∆t=2mm, einem Objektiv 10:1 = 20µm und einem Objektiv 63:1 = 0,5µm. Setzt man dies ins Verhältnis zu den freien Arbeitsabständen von 6800µm bzw. 150µm ergeben sich Abweichungen von nur 0,3% !
Eine Abweichung von 2mm wird auch hier für Trockenobjektive bis n.A 0,81 und Immersionsobjektiven bis n.A 1,39 für tolerabel gehalten:
(modifiziert nach B. M. Spinell, R. P. Loveland: Optics of the object space in microscopy, Journal of the Royal Microscopical Society Vol 79 (1), S. 59-80, 1959). Weiteres HIER (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=48177.0)
Tube-Length-nA ratios.jpg
Zusammenfassung:
Alle endlich Durchlicht-
Objektive passen an alle endlich-Stative (mit Durchlicht-Tubuslinse)!
kleine Einschränkung: Parfokalität bei Objektiven <16 nicht unbedingt gegeben
Die
Okulare mussen bzgl Tubuslänge zum Stativ passen;
Ausnahme: 170mm Okulare passen mit Distanzhülse an 160mm Stative und
160mm Okulare an 170mm Stative nur mit Säge ;)
zu 2.Und hier noch eine Übersicht über die Verhältnisse bei
den verschiedenen Herstellern alter Endlichoptik (modifiziert n. Mikrofibel, S. 55).
Beim
Mischen von Optik verschiedener Hersteller muss natürlich auch berücksichtigt werden, dass bestimmte Okulare auch Bildfehler bestimmter Objektive auszugleichen vermögen und manche eben nicht (vgl hierzu z.B. Die richtige Objektiv-Okular Kombination (https://mikroskopiedernatur.de/die-richtige-objektiv-okular-kombination) von Rolf Vossen u.a.).
Vor allem die höheraperturigen Plan-, Apo- und Planapochromat-Objektive können bei Tubuslängenabweichungen empfindlicher reagieren. Hier hilft nur ausprobieren und ggf. Testobjekte im Vergleich zu fotografieren, da unser Auge und Gehirn geringere Abweichungen ausgleichen kann. Dies führt dann aber bei nicht zueinander passenden Optiken zur schnelleren Ermüdung der Augen beim mikroskopieren.
Hersteller Abgl.jpg
Weiteres findet sich hierzu in Klaus Henkels Mikrofibel (https://www.mikroskopie-forum.de/pdf/mikrofibel.pdf) und in Gerhard Gökes Umrüstung von Mikroskopen mit fremden Bauteilen (http://mikroskoptechnik-hagen.de/schriftreihen%20methoden/M%2039%20Umr%C3%BCstung.pdf).
Beste Grüße Stefan
Da heute Zeit gehabt, den obigen Beitrag noch um Berechnungen und Referenzen erweitert. Ich hoffe er kann bei diesen Dauerbrennerthemen in Zukunft einmal hilfreich sein
Beste Grüße Stefan