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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: cuwohler in Februar 25, 2024, 16:44:22 NACHMITTAGS

Titel: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: cuwohler in Februar 25, 2024, 16:44:22 NACHMITTAGS
Hallo Forum,

ich habe mir ein Nikon CF-Plan 20x, 0,46, oo, 0 gekauft.
Hiermit möchte ich ohne weitere Optik fotografieren (stacken).
Wie ist bei diesem Objektiv die mech. Tubuslänge?
Der Verkäufer sagt nur  ... ausprobieren. Vielleicht hat hier ja jemand Erfahrungen mit dem Objektiv und DSLR.

Viele Grüße
Cai-Uso
mail@cuwohler.de
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: beamish in Februar 25, 2024, 16:52:30 NACHMITTAGS
Ist nicht einer der Witze an Unendlichoptik, daß die Tubuslänge keine Rolle spielt (abgesehen von Vignettierung ab bestimmter Länge).

Grüße
Martin
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: Nochnmikroskop in Februar 25, 2024, 17:33:19 NACHMITTAGS
Hallo,

ggf. hilft ja der Blick in den Systemkatalog.

Ich würde mind 2 unterschiedlich lange Tubusrohre und dazu noch einen passenden Metall Helicoid-Adapter beschaffen. Dann hast Du Variationsmöglichkeiten. Den Durchmesser dann mind. mit M42 wählen, je nach Kamerasensor.

LG Frank

Screenshot_20240225_171609_Samsung Notes.jpg

Screenshot_20240225_172657_Samsung Notes.jpg
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: cuwohler in Februar 25, 2024, 17:41:50 NACHMITTAGS
Hallo,

danke für die Antworten!

@ Martin: ich bin mir da nicht so sicher, ich meine mal etwas von 200mm gelesen zu haben. Aber es macht schon Sinn, dass man das Bild an jeder Stelle abgreifen kann. Es soll aber optimale Längen geben.

@ Frank: ich habe Tubusrohre in verschiedenen Längen kombinierbar in M42. Dann muss ich wohl mal probieren.

Viele Grüße
Cai-Uso
mail@cuwohler.de
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: TStein in Februar 25, 2024, 18:15:13 NACHMITTAGS
Hallo in die Runde,

ich denke nicht, das Unendlich-Optik bedeutet, dass die Tubuslänge egal ist. Sondern Unendlich bedeutet halt, dass das Objektiv optimal alle Bildfehler korrigiert, wenn es nach "Unendlich" abbildet. Daher wird zwingend eine passende Tubus-Linse benötigt, welche dann die Abbildung auf den Kamerasensor erledigt. Der Vorteil ist hierbei, dass zwischen Mikroskopobjektiv und Tubuslinse der Strahlengang beinahe parallel ist und es einigermaßen egal ist, wie weit die Tubuslinse eigentlich entfernt sitzt.
Da kann man viel besser beliebig Strahlteilerwürfel, Filter usw. in den Strahlengang setzen, was bei einer festen Tubuslänge erstens geometrisch begrenzt ist und beim divergenten anstatt parallelen Strahlengang weitere Abbildungsfehler verursacht.

Ohne Tubuslinse funktioniert bestimmt, aber halt nicht so wie es sollte.

Vg Tino       
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: cuwohler in Februar 25, 2024, 18:45:00 NACHMITTAGS
Hallo Tino,

also kann ich die Fotografie, nur mit dem Objektiv, vergessen - schade.

Viele Grüße
Cai-Uso
www.cuwohler.de
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: TStein in Februar 25, 2024, 18:57:41 NACHMITTAGS
Hallo Cai-Uso,

so streng würde ich das nicht sehen. Wenn der Abstand zum Sensor recht groß gewählt wird, vllt ist da >200mm einen Versuch wert, bekommt man ganz sicher ein Bild auf dem Sensor, wenn man das Mikroskopobjektiv entsprechend nachfokussiert. Aber man kann davon ausgehen, dass die optische Qualität des Objektivs nicht vollständig ausgenutzt wird. Aber Versuch macht kluch.
U.u. kann man auch noch eine passende Tubuslinse vorsehen, hier gibts aber leider auch einige Fallstricke zu beachten.
Mglw. ist es aber auch weniger kritisch als gedacht, da wenn beispielsweise nur die Korrektur des plananen Bildfelds durch die fehlende Tubuslinse beeinträchtigt ist, es ja beim geplanten Fokusstacking sowieso ausgeglichen wird.

Vg Tino   
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: beamish in Februar 25, 2024, 19:19:18 NACHMITTAGS
Ein Bild gibt es immer..., heißt es so schön ;.)

Unser Forumsbetreiber hat da eine gute Grafik parat:
https://www.mikroskopie.de/kurse/glossar/defs/unendlich.htm
Durch den parallelen Strahlengang dachte ich erstmal, daß die Tubuslänge egal ist. Aber natürlich bedarf es einer Tubuslinse, die das ganze wieder bündelt.

Grüße
Martin
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: cuwohler in Februar 25, 2024, 21:20:04 NACHMITTAGS
Vielen Dank nochmal für eure Ausführungen! Dann werde wohl ein wenig experimentieren.

Viele Grüße
Cai-Uso
www.cuwohler.de
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: reblaus in Februar 25, 2024, 22:35:43 NACHMITTAGS
Hallo -

es wird leider oft nicht beachtet, dass bei der Unendlichoptik die Tubuslänge nur in recht Grenzen variiert werden kann, denn sonst tritt relativ schnell Vignettierung des Bildfelds auf. Schließlich wird das Bildfeld ins Unendliche projiziert und dort hat es dann auch einen unendlichen Durchmesser bzw. eine unendlich große Tubuslinse. Bei der Unendlichoptik wird die praktikable Tubuslänge durch den Durchmesser des Tubus mit seinen vielen Engstellen und letzten Endes durch den Durchmesser der Tubuslinse begrenzt.

Beim Basteln fiel mir das auf, als ich auf ein Axiolab eine Auflichteinrichtung vom endlichen Standard setzen wollte, weil ich dann auf dessen delaminierte Linsen verzichten konnte, die beim Endlichmikroskop ein Stück Unendlichstrahlenraum schaffen. Die ung. 70 mm Verlängerung vom  Axiotubus reichte bereits zu einer kräftigen Vignettierung des Bildes.

Viele Grüße

Rolf
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: Kay Hoerster in Februar 26, 2024, 06:02:20 VORMITTAG
Hallo Cai-Uso, im WWWW (amerikanisches Makro-Forum, ich suche nachher noch den Link raus) finden sich Hinweise zur Brennweite der Nikon-Tubuslinse. Um die optische Leistung des Nikon-Objektivs optimal auszunutzen, solltest Du eine (passende) Tubuslinse verwenden, das kann im einfachsten und wahrscheinlich auch günstigsten Fall eine Raynox-Linse sein und zwar die DCR-150. Diese hat eine Brennweite von 210mm, damit stimmen nahezu die Vergrößerungsangaben auf den Nikon Objektiven. Die originale Nikon-Tubuslinse hat wohl eine Brennweite von 200mm. So eine Tubuslinse läßt sich gut an ein Balgengerät anbringen, die Linse allein sollte vor der Kamera so platziert sein, dass sie sehr weit (unendlich) entfernte Gegenstände auf dem Chip abbildet. Davor wird dann das Nikon-Objektiv angebracht, der Abstand zwischen Objektiv und Tubuslinse kann so zwischen 40 - 80 mm variiert werden.
Mit enem ähnlichen Setup habe ich mit meinen Mitutoyo-Objektiven gute Erfahrungen gemacht. Als Tubuslinse sollen auch Objektive im Brennweitenbereich um 200mm geeignet sein, das wäre mir persönlich dann aber zu schwer und zu viel Glas im Pfad. Vor dem Objektiv wird dann analog zur Tubuslinse das Objektiv adaptiert.
Für weitere Fragen gerne fragen...

Viele Grüße Kay

P.S.: Sicherlich kann das Objektiv auch solo ohne TL verwendet werden, dann wirst Du aber aller Wahrscheinlichkeit nach die optische Leistung nicht ausnutzen.
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: cuwohler in Februar 26, 2024, 07:25:00 VORMITTAG
Hallo Rolf und Kay,

vielen Dank für eure Erklärungen!

@ Kay: wenn ich Deinen Beitrag so lese, dann ist mir klar, dass ich nochmal ~ € 200.- ausgeben muss, um eine praktikabele Lösung zu erreichen (Raynox etc.). Dann stellt sich mir die Frage, ob ich damit bessere Ergebnisse erzielen werde, als mit meinem vorhandenen Nikon E-Plan 20x mit einer mechanischen Tubuslänge von 160mm, was auch zu meinen anderen Objektiven im Revolver passt.
Ich denke, dann werde ich das Nikon CF 20x wohl eher verkaufen, da ich nicht denke, dass ich damit sehr viel bessere Ergebnisse erzielen kann.

Vielen Dank nochmal und
viele Grüße
Cai-Uso
www.cuwohler.de
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: Kay Hoerster in Februar 26, 2024, 14:00:00 NACHMITTAGS
Hallo Cai-Uso,

wie sieht denn momentan Dein Setup (mechanisch) bei der Verwendung des Nikon E-Plan 20x mit Tubuslänge 160mm aus? Nutzt Du einen festen Tubus dafür oder auch ein Balgengerät? Die Raynox bekommst Du bei Kleinanzeigen / ebay für ca. 40,-€ mit etwas Glück. Dann noch ein paar Ringe / Gewinde-Adapter und das sollte es eigentlich sein. In Summe schätze ich, bist Du da ehr bei 100,-€. Ob sich aber die optische Performance ggü. Deinem bisherigen Nikon E-Plan 20x signifikant verbessert, vermag ich nicht zu sagen...ich würde es bei dem finanziellen Einsatz von 100,-€ mal testen, denn die Raynox ist auch für weitere oo-Objektive sehr gut geeignet.

Ich kann Dir beim Setup mit Raynox behilflich sein, wenn Du mir eine Zusammenstellung Deines aktuellen Setups zukommen läßt.

Viele Grüße Kay
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: Florian D. in Februar 26, 2024, 14:19:05 NACHMITTAGS
Im Unendlichstrahlengang wird doch durch das Objektiv ein Bild der Eintrittspupille in ihrer hinteren Brennebene erzeugt. Die Tubuslinse erzeugt ihrerseits ein reelles Zwischenbild des Objekts in ihrer hinteren Brennebene. Demnach sollte in ihrer forderen Brennebene das Bild der Eintrittspupille liegen, damit das Bild der Eintrittspupille im Unendlichen landet. Damit ist die Tubuslänge doch genau festgelegt?

Viele Grüsse
Florian
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: Lupus in Februar 26, 2024, 15:11:55 NACHMITTAGS
Hallo Florian,

die Austrittspupille liegt nicht genau am Ort der hinteren Brennebene.
Warum soll das Bild der Eintrittspupille im Unendlichen liegen?

Hubert
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: Florian D. in Februar 27, 2024, 13:05:29 NACHMITTAGS
Zitat von: Lupus in Februar 26, 2024, 15:11:55 NACHMITTAGSHallo Florian,

die Austrittspupille liegt nicht genau am Ort der hinteren Brennebene.
Warum soll das Bild der Eintrittspupille im Unendlichen liegen?

Hubert

Hallo Hubert,

Was ich meine ist, dass man ja einen verschränkten Bild und Lukenstrahlengang haben möchte. D. h. am Ort des von der Tubuslinse erzeugten Zwischenbildes, sollen die Strahlen, die von einem Bild der Pupille ausgehenden Strahlen alle parallel sein. D. h. die Brennebene der Zwischenlinse muss mit der Ebene des vom Objektiv erzeugten Pupillenbildes zusammenfallen.

Viele Grüsse,
Florian
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: Lupus in Februar 27, 2024, 14:51:05 NACHMITTAGS
Hallo Florian,

ZitatWas ich meine ist, dass man ja einen verschränkten Bild und Lukenstrahlengang haben möchte. D. h. am Ort des von der Tubuslinse erzeugten Zwischenbildes, sollen die Strahlen, die von einem Bild der Pupille ausgehenden Strahlen alle parallel sein.
das wäre der Idealfall wenn wie Du sagst die vordere Brennebene der Tubuslinse mit der hinteren Brennebene des Objektives zusammen fällt. Wenn sich aber die Tubuslinse näher am Objektiv befindet, wird der Lukenstrahlengang hier divergent, das Bild der Objektiv-Austrittspupille befindet sich als virtuelles Bild vor dem Objektiv. Dann erzeugt aber das Okular trotzdem ein Bild davon als Austrittspupille hinter der Augenlinse des Okulars.

Wenn sich die Tubuslinse noch näher am Objektiv befindet und mit diesem "verschmilzt" hat man ein Endlich-Objektiv. Dann liegt das Bild der Pupille wieder in der (neuen, etwas verschobenen) hinteren Objektivbrennebene. Und das Okular kann ebenfalls wie gewohnt diese Pupille hinter der Augenlinse als Austrittspupille abbilden. In allen Fällen existiert ein jeweils unabhängiger Pupillen- und Lukenstrahlengang.

Hubert
Titel: Aw: Mechanische Tubuslänge eines Objektivs
Beitrag von: Florian D. in Februar 27, 2024, 15:50:27 NACHMITTAGS
Ja, ich habe mich schlecht ausgedrückt. Ich meinte die Austrittspupille der Tubuslinse. Liegt diese im Unendlichen, wird sie von einem Okular auf die augenseitige Brennebene des Okulars abgebildet. Wie ich das verstanden hatte, geht es ja aber eher um eine Photoadaption, wo man gar kein Okular verwendet.

Viele Grüsse
Florian