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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Winfried Berberich in Februar 28, 2024, 11:47:25 VORMITTAG

Titel: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Winfried Berberich in Februar 28, 2024, 11:47:25 VORMITTAG
Zu allererst einmal ein Danke für die Aufnahme hier!

Ich bin Berufsfotograf und betreibe hobbymäßig die beobachtende Astronomie. Da interessiert man sich natürlich auch für das "Gegenteil", der Mikroskopie.

Nun hat mir ein Freund ein älteres Fotomikroskop überlassen, da er selbst mehrere hat. Es handelt sich um ein ROW-Rathenow Mikrofot D-16-B-

Es hat Stockflecken am Gehäuse, das läßt sich leicht reinigen. Der Kreiztusch funktioniert, es sind 6 Okularpaare und Filter dabei. Leider läßt sich der Tisch nicht bewegen und der Verschluß der Filmkammer bewegt sich auch keinen Millimeter. Ansonsten ist das Gerät vollständig, sehe ich mir die Bedienungsanleitung an. Trafo ist dabei, sogar einige Ersatzlampen. Der Verschluß der eingebauten Kamera scheint zu funktionieren.

Meine Frage: lohnt sich eine Revision des Gerätes noch und kann ich da mit z.B. Waffenöl das Ding wieder beweglich machen oder muß man es zerlegen (dafür bin ich zu ungeschickt).

Würde mich auf Antwortrn freuen.
Besten Gruß

Winfried
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: RainerTeubner in Februar 28, 2024, 13:53:34 NACHMITTAGS
Hallo Winfried,

 hier im Forum findest Du erste Informationen: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=9235.0

Viele Grüße!

Rainer
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Winfried Berberich in Februar 28, 2024, 14:15:53 NACHMITTAGS
Hallo Rainer,

danke für den link, den hatte ich schon gefunden. Es ist genau das Mikroskop, das ich bekommen habe. Mir geht es nur darum, wie ich das Teil, also die Tisch-Höhenverstellung und die Befestigung des Kamerateils hinbekomme. Ich will nicht einfach Waffenöl dazugeben und ggf. damit etwas falsch machen. Sollte es sich lohnen, dann würde ich es einem Fachmann zur Überholung geben, ich hätte aus der Astronomie da jemanden, der Feinmechaniker ist.

Lieben Gruß
Winfried
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Gerd Schmahl in Februar 28, 2024, 18:01:55 NACHMITTAGS
Hallo Winfried,
willkommen im Forum!
Von diesem Gerätetyp dürfen nicht all zu viele zu finden sein. Ob es hier jemanden gibt, der diesen Fokustrieb schon mal gewartet hat, bezweifle ich, aber er dürfte mechanisch anderen koaxialen Trieben ähneln. Das Fett war zur damaligen Zeit in der DDR nicht das Beste und neigte sehr zum Verharzen. Deshalb sollte es schon entfernt und ersetzt werden. Oft sitzt das Problem dabei nicht im Trieb selber sondern in den Schwalbenschwanzführungen mit ihren vergleichsweise großen Auflageflächen.

Wenn Du Dich selber in dieses Abenteuer hinein stürzen möchtest, empfehle ich Dir Fotos von jedem Demontageschritt zu machen. Wichtig ist aber passendes Werkzeug. Die Schraubendreher müssen sehr genau passen, um die Schraubenköpfe nicht zu ruinieren. Auch sollte man alle Optiken, die sich leicht entfernen lassen wie den Objektivrevolver, den Binotubus und den Kondensor möglichst vorher abbauen. Sie sollten mit einfachen Rändelschrauben gesichert sein.
Oft ist es nötig, feste Bauteile wenigstens vorläufig zum Bewegen zu überreden. Dabei ist Wärme, die mittels eines Haarföhns (nicht Heißluftföhn!) zugeführt wird, oft sehr hilfreich. Das darf aber nur dort erfolgen, wo keine Optiken sind. Auch das Waffenöl, WD-40, oder andere Kriechöle dürfen nicht in der Nähe von Optiken verwendet werden, weil sie oft bis zu diesen hin kriechen. Ansonsten können sie schon sehr hilfreich sein, um die Teile überhaupt auseinander zu bekommen, sollten danach aber wieder entfernt werden. Hat man die Führungen freigelegt, reinigt man sie mit Waschbenzin, bevor man sie neu fettet. An verschiedenen Stellen der Mikroskopmechaniken benötigt man dazu i.d.R. auch unterschiedliche Fette. Manche Teile wie uhrwerksartige Zahnradwerke oder die Lamellen von Blenden müssen fettfrei bleiben.
Alles in allem braucht es schon ein wenig Erfahrung und ggf. auch das eine oder andere Spezialwerkzeug, um ein solches Gerät zu warten. Es gibt einige wenige Firmen, die dergleichen professionell machen, aber das hat dann natürlich auch seinen Preis. Das muss man sich gut überlegen, ob es einem das wert ist, aber i.d.R. geben die ja auch vorher Kostenvoranschläge ab. Kommt wahrscheinlich auch darauf an, ob man das gute Stück in die Vitrine stellen oder damit mikroskopieren will.
Anfragen kannst Du bei ASKANIA in Rathenow oder bei Spezialoptik Thalheim (https://www.labo.de/firma/tso-thalheim-spezialoptik-gmbh.htm) in Pulsnitz, die zumindest noch bis vor kurzem Mikroskope aus DDR-Produktion gewartet haben. Das ist sicher irgendwann vorbei, wenn die Leute in Rente gehen, die das noch gelernt haben.

LG Gerd
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Winfried Berberich in Februar 28, 2024, 20:27:18 NACHMITTAGS
Hallo Gerd,

ich danke Dir für Deine sehr ausführliche Beratung. Als Hobbyastronom habe ich vieles an Spezialwerkzeugen im feinmechanischen Bereich. Trotzdem glaube ich, daß ich das Mikroskop dank Deiner Ausführungen doch lieber einem Kumpel übergebe, der selbst fast schon professionelle Teleskope (Refraktore, APOS) baut. Ich bin da eher der Grobmechaniker, kann ein komplettes Holzhaus bauen und da sind bekanntlich 1 cm kein Maß.... Ist in der Astronomie wie in der Mikroskopie wohl "ein klein wenig" anders. Aber das hat mir schon sehr viel weiter geholfen.
Ich möchte das Mikroskop gerne behalten, einmal, weil mich die Materie schon immer begeistert hat und andererseits, weil ich glaube, daß dies nicht gerade ein Kaufhausmikroskop à la Amazon oder Bresser ist. So etwas muß bewahrt und benutzt werden. - Und das habe ich auch vor.

Nochmals vielen Dank für Deine Ratschläge,
Winfried
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Gerd Schmahl in Februar 28, 2024, 20:34:44 NACHMITTAGS
Hallo Winfried,
bitte informiere uns über den Ausgang Deiner Bemühungen. Es ist ein nicht ganz alltägliches Gerät. Da wären ein paar Innenansichten, für die Menschen die nach uns kommen, wahrscheinlich sehr hilfreich. Ich habe mich bei vielen Geräten von Zeiss-Jena und ROW auch nur Stück für Stück vor getastet. Aus den Fotos, die ich dabei gemacht habe, um die Teile am Schluss wieder sinnvoll zusammen zu bringen, sind ein paar ganz nützliche Reparaturanleitungen entstanden. Oft helfen ein paar Fotos vom Innenleben schon weiter, um eine Reparatur besser planen zu können.
LG Gerd
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Winfried Berberich in Februar 28, 2024, 21:13:07 NACHMITTAGS
Hallo Gerd,

Ich bin Berufsfotograf und betreibe ein 650qm großes Atelier (besser gesagt, ich betrieb..). Das Studio ist noch da, aber wir sind in Rente).

Ich werde mal Fotos des Geräts in seinem derzeitigen Zustand machen (Stockflecken am Gehäuse). Und ein paar Nahaufnahmen. Aber die gibt es ja bereits. Sogar hier im Forum. Es ist absolut das gleiche Gerät, auch mit dem Bino-Aufsatz. Sollte es zerlegt werden, dann werde ich Detailaufnahmen anfertigen. Ich denke, das Gerät ist es wert. Nur kann ich im Moment noch nichts machen, da es mein Freund jemandem versprochen hat. Aber der wohnt im hohen Norden, ich im Süden. Ihm wäre der Weg wohl zu weit. In 2-3 Wochen weiß ich, ob ich es behalten darf, dann wird es restauriert. Eigentlich freue ich mich schon darauf und hoffe, derjenige will es nicht abholen (900km hin und rück). Ich wollte schon immer eines haben, am liebsten mit Phasenkontrast, damit hatte ich um die 1974 viele Aufnahmen für Schulbücher gemacht (war als Medienredakteur in einem Schulbuchverlag, CVK,Cornelsen Vellhaber und Clasing). Da hatten wir ein japanisches Forschungsmikroskop, das ich benutzen konnte.
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Winfried Berberich in März 01, 2024, 10:53:39 VORMITTAG
Noch eine Frage....

Das Teleskop hat am Bino den 0,95" Anschluß und Hygens-Okulare. Das sind ja die gerademal billigsten Okulare. Gibt es da auch neuere, wesentlichbessere mit diesem Anschluß? Von der Astronomie her kenne ich nur 1-1/4" und 2" Okulare, die "etwas taugen".

Gruß
Winfried
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Kay Hoerster in März 01, 2024, 11:03:23 VORMITTAG
Hallo Winfried, Du schreibst gerade vom Teleskop...??? Ich denke, Du meinst aber Dein Mikroskop, denn um das geht es hier ja. Also, die Mikroskop-Okulare der allermeisten (historischen) Hersteller haben einen Steckdurchmesser von 23,2 mm, moderne Mikroskope mit Großfeldoptik (Sehfeldzahl > 24mm) haben auch Steckdurchmesser mit 30mm. Ausnahmen bilden hier dann noch Stereomikroskope, die z.T. noch andere Steckdurchmesser (31mm und 32mm) haben. Aber bei den Labormikroskopen triffst Du eigentlich immer auf die Okulare mit 23,2mm bzw. 30mm Steckdurchmesser.
Das ROW gab es meines Wissens nach nur mit Okularen mit 23,2mm Steckdurchmesser.
Viele Grüße Kay
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Winfried Berberich in März 01, 2024, 14:50:00 NACHMITTAGS
Danke Kay für Deine Antwort.

Ja, der Durchmesser ist mir klar, ich spreche schon vom Mikroskop. In der Astronomie sprechen wir heute von Zoll. Die 23,2mm entsprechen 0,95". Von der Astronomie her weiß ich, daß die Hygens die schlechtesten Okulare sind. Wir nehmen sie nicht mehr. Ich weiß nun nicht, ob das auch für Mikroskope zutrifft. Dies war meine Frage. Wenn ich es schon restaurieren lasse, dann möchte ich auch gute Okulare dazu haben. Es gibt (Astro) die Zeiss Ortho Okulare, allerdings mit Minieinblick und die Plössel Okulare, letztere leider nur in 1-1/4", also zu dick für das Bino.
Ein Bekannter Aus der Astronomie, ein Feinmechaniker, der selbst ein Zeiss Forschungsmikroskop hat, wird mein Gerät wieder in Ordnung bringen. - Soweit bin ich schon einmal. Meine Astronomieokulare scheiden ja aus, da sie zu groß im Durchmesser sind (ich habe am Teleskop auch ein Bino). Diese Brocken würden eh nicht passen (Ethos 8 mm)

Lieben Gruß
Winfried
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Kay Hoerster in März 01, 2024, 15:12:14 NACHMITTAGS
Hallo Winfried, vor allem würden die Astro-Okulare optische Fehler ins System bringen. Ich vermute ganz stark, dass beim ROW noch optische Restfehler (CVD) durch die System-Okulare kompensiert werden. Daher sollte man, zumindest bei Mikroskopen, deren Objektive mit endlicher Tubuslänge (160mm / 170mm) berechnet sind, die Originalobjektive verwenden, ansonsten können schnell unschöne Farbränder entstehen.
IdR haben die astronomischen Okulare, auch wenn es so hochwertige wie Deine TeleVue's sind, nicht diese Korrektur eingerechnet. Höherwertige Okulare könntest Du bei den Zeiss Jena Okularen suchen (die von der Mikroval-Reihe), dort gab es zumindest (CVD-)kompensierende Plan-Okulare mit größerem Gesichtsfeld. Ob die jetzt zu 100% mit ROW harmonieren, vermag ich nicht zu sagen. Es wäre aber nicht so abwegig, ein Versuch wäre es Wert. Ggf hat ROW auch mit dem Zeiss Jena Kombinat kooperiert (Neu-deutsch Joint Venture) und sie haben die optischen Rechnungen zu beiderseitigem Nutzen verwendet.
Vielleicht kann hier noch ein Kenner von ROW etwas dazu beitragen.

Viele Grüße
Kay
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Kay Hoerster in März 01, 2024, 15:17:27 NACHMITTAGS
Als Ergänzung: Deine zitierten 0,95" beziffern die kleinen Astro-Okulare mit Steckdurchmesser 24,5mm. Die Mikroskop-Okulare haben wie oben erwähnt einen Steckdurchmesser von 23,2mm, das wären in Zoll umgerechnet 0,91".

Viele Grüße Kay
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Winfried Berberich in März 01, 2024, 17:45:44 NACHMITTAGS
Oh, danke,

ich dachte, der Größe wegen, es wären diese Okulare. Danke für die Richtigstellung. Auch zu Deiner Aussage über die Abbildungsqualität. Da merkt man halt, daß ich noch nicht ganz in der Materie stecke!
Wenn ich bei meinem Kumpel bin, werde ich mal seine Okulare testen, sollten sie passen.ROW wurde übrigens in Zeiss Jena integriert, muß Ende der sechziger gewesen sein.
So, nun lasse ich Euch erst einmal mit meinen Fragen in Ruhe. Wenn die Überholung des Mikroskops losgeht, werde ich weiter berichten.

Auf jeden Fall an alle hier meinen herzlichen Dank für Eure Unterstützung! Ich komme mir ja schon vor wie in unserem Astroforum. Da geht es auch qualitativ, wissend und höflich zu.

Bis bald,
Winfried
Titel: Aw: Restaurierung eines Mikroskops
Beitrag von: Gerd Schmahl in März 03, 2024, 16:37:40 NACHMITTAGS
Hallo Winfried,
ROW wurde in das "Kombinat Carl-Zeiss-Jena" integriert. In diesem Kombinat waren 12 weitere Betriebe integriert, von denen die wenigsten mit Optik zu tun hatten. Die Betriebe behielten zu großen Teilen ihre Selbständigkeit. Dein Mikroskop wurde aber vor der Kombinatsgründung gebaut. Da würde ich davon ausgehen, dass die Optik-Berechnungen in Rathenow erfolgt sind, wo es übrigens die weit längere Tradition im Mikroskopbau gab als in Jena. Dein Mikroskop sollte eine Tubuslänge vom 170mm haben, während Zeiss schon immer 160mm-Mikroskope gebaut hat. Deshalb würde ich bei ROW-Okularen bleiben.
LG Gerd