Liebe Mikroskopiefreunde,
in verschiedenen Frühjahresproben (Cyanobakterien- und Diatomeenrasen auf Steinen in einem Bach, "Auftrieb" aus Kleingewässer im Würzburger Ringpark) habe ich in den letzten Wochen zahlreiche Ciliaten gefunden und mit diesem Material schöne Stunden am Mikroskop verbracht.
Besonders interessiert haben mich hierbei Konjugationsvorgänge, bei denen genetisches Material ausgetauscht wird und die somit der genetischen Rekombination dienen. Martin Kreutz hat am Beispiel von Paramecium bursaria diese Vorgänge schon einmal mustergültig dokumentiert (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=41218.0). Ich fand seine Beobachtungen absolut faszinierend, konnte sie jedoch bisher nie in eigener Anschauung nachvollziehen, da mir entsprechendes Untersuchungsmaterial, nämlich Ciliatenpopulationen mit zahlreichen Konjuganten, fehlte.
In den Proben der letzten Wochen hatte ich jedoch Glück, und ich konnte mehrere Konjugationspaare bei Trithigmostoma cucullulus, einer Nassula-Art und bei Paramecium putrinum untersuchen. Einige Bilder dieser Beobachtungen zeige ich hier, ohne jedoch zu sehr ins biologische Detail zu gehen.
Neben den Bildern von Konjugationsstadien stelle ich zusätzlich noch zwei Objekte ein, die für sich einfach schön zu mikroskopieren waren und zahlreich auftraten.
Frontonia, vermutlich F. angusta:
Frontonia_angusta_OlympusBX50_60_1,25_Rieselstein_Ringpark_21.03.2024Komposit_850.jpg
Coleps spec. kurz vor Abschluss der Teilung:
Coleps_spec._OlympusBX50_60_1,25_Rieselstein_Ringpark_21.03.2024a_850.jpg
Trithigmostoma cucullulus während der Konjugation; die Zellen sind im Bereich der Mundreusen verschmolzen:
Trithigmostoma_cucullulus_OlympusBX50_40_0,75_Froschteich_Gerbrunn_13.03.2024b_850.jpg
Paramecium putrinum, im Zellinneren sind zahlreiche Kerne in Meiose-Stadien zu sehen:
Paramecium_cf.putrinum_LeitzLaborlux_40_0,70_40mm_PeriplanGW8x_Froschteich_Gerbrunn_10.03.2024a_650.jpg
Bei stärker gepressten Zellen sieht man mehr Details und kann Wander- und stationäre Kerne, Reste der Makronuklei sowie kontraktile Vakuolen erkennen:
Paramecium_cf.putrinum_OlympusBX50_60_1,25_Froschteich_Gerbrunn_11.03.2024b_850labels.jpg
Nassuliden verschmelzen ebenfalls im Bereich der Mundreusen, hier zwei Bilder unterschiedlicher Schärfeebenen, auf denen jeweils ein Wanderkern zu erkennen ist:
Nassula_picta_OlympusBX50_60_1,25_Froschteich_Gerbrunn_14.03.2024a_850labels.jpg
Nassula_picta_OlympusBX50_60_1,25_Froschteich_Gerbrunn_14.03.2024c_650.jpg
Ein herzlicher Dank geht an Martin Kreutz, der mir bei der Interpretation der Befunde sehr geholfen hat.
Schöne Grüße
Ole
Lieber Ole,
wieder spektakulär!
Hallo Ole,
wie immer super und informative Bilder! Besonders die Zellkerne in Teilung finde ich faszinierend.
Bist Du Dir sicher, dass die beiden Coleps gerade eine Teilung hinter sich haben? Soweit ich es bisher beobachtet habe, ist direkt nach der Teilung eine ,,Panzerhälfte" noch nicht vollständig nachgebildet. Könnte es sich hier nicht auch um eine Konjugation handeln?
Viele Grüße
Michael
Lieber Ole,
tolle Aufnahmen. Leider bin ich in Australien ohne Mikroskop unterwegs. Ich würde mir jetzt gerne auch was anschauen.
Grüße aus Mackay,
Stephan
Lieber Ole,
eine tolle Beobachtung (mit tollen Bildern!), bei der ich mir vorstellen kann, dass sie Dir viel Freude bereitet hat.
Herzliche Grüße
Peter
Lieber Ole,
wieder mal ein toller Beitrag von dir mit hochaufgelösten Bildern und interessanten Informationen.
Ich habe die Konjugation von Cyrtophoriden noch nie gesehen. Besonders die Nassuliden sind hoch attraktiv.
Schönen Sonntag
Klaus
Liebe Kollegen,
vielen Dank für Euer Interesse! Und schönen Dank, Michael, für Deine Anmerkung. Du hast völlig recht; es liegt bei Coleps sicherlich auch eine Konjugation vor.
Ich habe das Thema der Konjugation noch etwas weiter verfolgt und kann den Beitrag um einige Bilder einer nicht weiter bestimmten Euplotes-Art ergänzen. In diesem Fall lagern sich die Zellen mit ihren cirrenbesetzten Bauchseiten um etwa eine halbe Zellbreite versetzt aneinander:
Euplotes_spec._OlympusBX50_40_0,75_Rieselstein-Ringpark_23.03.2024b_1000labels.jpg
Bei den von mir beobachteten Paaren zeigte der Makronukleus erste Degenerationserscheinungen, wenngleich noch keine Auflösung in Fragmente:
Euplotes_spec._OlympusBX50_40_0,75_Rieselstein-Ringpark_23.03.2024e_1000labels.jpg
Ich konnte pro Zelle bis zu vier Mikronuklei identifizieren. Ich vermute daher, ich habe Konjuganten am Ende der meiotischen Teilung der Mikronuklei beobachtet:
Euplotes_spec._OlympusBX50_60_1,25_Rieselstein-Ringpark_23.03.2024c_1000labels.jpg
Hier könnte es sich um Degenerationsstadien von drei der vier Mikronuklei handeln. Ich würde erwarten, dass aus dem oberen Mikronukleus nach einer mitotischen Teilung Stationär- und Wanderkern hervorgehen:
Euplotes_spec._OlympusBX50_60_1,25_Rieselstein-Ringpark_23.03.2024d_1000labels.jpg
Schöne Grüße
Ole