Liebe Kollegen,
Hier beginne ich mal einen Thread der vielleicht den Einen oder Anderen bewegen mag, sich näher mit der Beobachtung von Mineralen, speziell Erzen, in der Auflicht-Mikroskopie zu beschäftigen.
Zur Technik gibt es ja einiges in der GEO-Bibliothek: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?board=42.0 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?board=42.0)
Ich beginne mit einem (grau-rosa) Siegenit Kristall, einem Co-Ni-Sulfid aus der Reihe der sog. Thiospinelle.
Die Siegenite aus dem Siegerland zeigen oft Instabilitäten, die sich vorzugsweise als hellgelbe Millerit-Einlagerungen (Ni-Sulfid) zeigen - typischerweise am internen Kristallgitter des Siegenits orientiert.
Der Siegenit liegt in Fahlerz (grau), daneben noch Kupferkies (stumpfgelb).
Viele Grüße,
Holger
Hallo Holger,
wie immer, unerreichbar (zumindest für mich) schöne Bildqualität.
Bei Thiospinelle denke ich an Greigit , hättest du davon Bild-Beispiele ? Was ich darüber gelesen habe, sind Kristalle in µm -Bereich eher selten.
Eine andere Struktur, die mich zur Zeit beschäftigt, ist der monokline Pyrrhotit ( Fe₇S₈) , ebenfalls ferrimagnetisch , wie der Greigit.
LG
Jürgen
Hallo Jürgen,
Greigit, die Fe2+/Fe3+-Variante von Pyrrhotit (Fe2+) kenne ich aus dem Siegerland nicht, zumindest habe ich sie dort noch nicht identifiziert. Was auch nicht so einfach sein wird, da die bräunliche Reflektionsfarbe dem Pyrrhotit stark ähnelt. Allerdings ist Greigit meines Wissens nach kubisch / isotrop und zeigt daher keine Bireflektion wie der Pyrrhotit, aber ob einzelne Körner in einem Pyrrhotit-Aggregat Greigit sein könnten ist mit meinen Möglichkeiten schwierig zu testen ....
Der Pyrrhotit ("Magnetkies") kommt in der frühen katathermalen, variszischen Mineralisation ("Vorphase") im Siegerland verbreitet vor, wenn auch nicht häufig. Selten sieht man massigere Aggregate wie z. B. in Bild 1 dargestellt (Inset: XPL).
Pyrrhotit ist im Siegerland meist nicht stabil. Die ehemaligen, typisch lamellar ausgebildeten Pyrrhotit-Aggregate zerfallen unter Bildung von Pyrit (Py) und Markasit (Mrc), die oft noch Reste von Pyrrhotit (Po) umschließen (Bild 2).
Die lamellare Struktur des ehemaligen Pyrrhotits bleibt bei der Umwandlung erhalten, die Umwandlung in Pyrit und Markasit hinterlässt aber typische Schrumpfungs-Hohlräume, "bird's eyes" genannt (schwarz in Bild 2 und 3), da Pyrit und auch Markasit weniger Volumen einnehmen als Pyrrhotit.
LG
Holger
Lieber Holger,
bei den Mineralien und Erzen kann ich nicht mitreden. Obwohl ein gut ausgerüstetes Pol Mikroskop bei mir auf dem Tisch steht...
Aber ich finde es genial, deine Bilder zu betrachten und deine Erläuterungen zu lesen. Sie sind eine grosse Bereicherung. Mich spricht vor allem die Aesthetik in deinen Bildern an.
Grüsse Arnold
Vielen Dank auch Dir, lieber Arnold. Das freut mich.
Ich mache mal weiter mit dem Mineral Bournonit, BNN, ein Blei-Kupfer-Antimon-Sulfid.
Im normalen polarisierten Auflicht (PPL = plane polarised light) sieht es wenig spektakulär aus (Bild 1), es ist im PPL-Auflicht gräulich, zeigt ein etwas mehr blaustichiges Grau als das hier daneben auftretende, ähnlich erscheinende, aber etwas grünstichige (und isotrope) Fahlerz.
(Man sieht im Bild noch weisslichen Bleiglanz, dunkelgraue Zinkblende, und gelben Kupferkies).
Bei gekreuzten Polfiltern (XPL = crossed polarised light) zeigt Bournonit oft wunderbare Anisotropien (hier in hellblau, mittelblau und blassgelb), typischerweise mehrfache Zwillingslamellen ("polysynthetische Verzwilligung"), die in jedem Korn des BNN Aggregates unterschiedlich orientiert sein können (Bild 2).
Viel Spaß beim Anschauen,
Holger
Lieber Holger,
wie von Dir nicht anders erwartet sind die Bilder perfekt und eine Augenweide. Die Erzmikroskopie ist ja leider völlig unterschätzt und in dem Bewusstsein vieler Leute gar nicht vorhanden, daher sind solche Beiträge wirklich ein Segen!!!
Ich muss aber wieder einmal den Schulmeister raushängen lassen ;) - Dein Pyrrhotit heißt im deutschen Sprachgebrauch Pyrrhotin.
Herzliche Grüße, Olaf
Lieber Holger,
hast Du einmal überlegt, Deine hervorragenden Bilder drucken zu lassen? Gerahmt mit einem schlanken Metallrahmen böten sie eine wahre Augenweide. Ein Traum wäre ein Lichtdruck eines Deiner Bilder....
viele Grüße
Jürgen
Zitat von: olaf.med in Juli 08, 2024, 13:52:12 NACHMITTAGSIch muss aber wieder einmal den Schulmeister raushängen lassen ;) - Dein Pyrrhotit heißt im deutschen Sprachgebrauch Pyrrhotin.
Hast ja Recht (wie immer ;D ), lieber Olaf! Danke auch für die Blumen :)
Danke auch Dir, lieber Jürgen. Ja - das wäre sicherlich möglich. Ich habe schon an einen elektronischen Bilderrahmen gedacht, der natürlich hinterleuchtet ist und wo man mehrere Bilder im Wechsel laufen lassen kann....
Herzlich,
Holger
... und gleich schicke ich noch was hinterher. Auch die Erze / Minerale aus der Oxidationszone können sehr attraktiv sein - nicht nur makroskopisch, sondern auch im Anschliff.
Das erste Bild zeigt das Fe-Oxi-hydrat Goethit bei XPL mit schönen kugeligen/ radialstrahligen Formen des Glaskopfes, besonders schön der leuchtende weil durchscheinende Rand.
Darin eingebettet sind einige scharf begrenzte, vieleckig angeschnittene Cuprit Kristalle, ein simples Kupferoxid, in verschiedenen Grau-Blau-Grün Tönen, teilweise mit Innenreflexen.
Das zweite Bild zeigt die teils verrückten graphischen Strukturen der Fe-Mn-Oxi-hydrate im Anschliff.
Das dritte Bild zeigt gekammerten Brauneisenstein (teilweise mit Mn-Oxiden), in den Kammern sind
sekundäre Cu-Sulfide gesprosst, welche wie Eisblumen aussehen.
Viel Spaß beim Anschauen,
Holger
....kein Rubin sondern Cuprit in XPL.
Lieber Holger,
Deine Bilder sind wie immer ein Genuß und mit den Erläuterungen unterhaltsam und lehrreich zugleich.
Danke Dir!
Beste Grüße
Jörg
p.s.
Magst Du nicht auch mal wieder was fürs Kollegium machen (Vortrag und / oder Webseite)? :D
Herzlichen Dank lieber Jörg, das freut mich.
Ich mache dann hier mal weiter mit einer randlichen hydrothermalen Umwandlung des Nickelantimonsulfids Ullmannit (massig, grau in PPL, isotrop, Bild 1) in das Nickelsulfid Millerit (nadelig, strohgelb in PPL in Bild 1, stark anisotrop, mit Umschlag von gelb nach blau in XPL in Bild 2).
Zitat von: Fahrenheit in Juli 09, 2024, 20:30:01 NACHMITTAGSMagst Du nicht auch mal wieder was fürs Kollegium machen (Vortrag und / oder Webseite)? :D
Lieber Jörg, vielen Dank.
ich bin im Moment ziemlich busy, aber gern bereit im August (nach meinem Urlaub) die letzte Exkursion (Text von Klaus) zu bearbeiten. Gern auch wieder einen Vortrag in Bonn auf einem MKB Treffen, es sind ja mittlerweile viele "Neue" dabei.
Viele Grüße,
Holger
Obwohl man es in der Erzmikroskopie meist mit glattpolierten Oberflächen zu tun hat, eröffnet der Anschliff manches Mal auch eine kleine Druse. Dann sieht man darin oft wunderbar ausgebildete Kristalle wie zum Beispiel den Tetraedrit in Bild 1 oder die wunderbar längsgestreiften Millerit-Nadeln in Bild 2.
Lieber Holger,
ganz tolle Bilder!
Danke für's Teilen!
Gruss
Florian
Lieber Holger,
auch ich genieße Deine Bilder. Daher gerne noch viel mehr davon!
lg
anne
Vielen Dank, Anne und Florian, dann mache ich mal weiter mit etwas Geochemie.
Das Bild zeigt polygonale, fleischfarbene Bornit-Kristalle, die sich beim Abkühlen einer Bornit-Neodigenit-solid-solution bilden, also einem Gemisch aus Cu, Fe und S.
Im Siegerland enthält diese solid-solution oft noch nennenswerte Mengen an Wismut (Bi).
Die "Löslichkeit" von Bi in der solid-solution beträgt max. 17,2 Gew.-% Bi bei 420 °C, gemessen in einem experimentellen Cu2S-Bi2S3-CuFeS2-System.
Im festen, kalten Bornit sind allerdings nur noch ca. 0,16 Gew.-% Bi verträglich.
Was passiert also mit dem Wismut beim Abkühlen der solid-solution und der Bildung der Bornit-Kristalle? Das Bi wird quasi herausgeworfen und muss sich nun Bindungspartner suchen.
Sofern noch genügen freie Cu- und Schwefel-Valenzen vorhanden sind, bildet sich das Cu-Bi-Sulfid Wittichenit (im Bild grau), welches sich dann bevorzugt an den Korngrenzen der neu entstehenden Bornit-Kristalle ablagert.
Falls noch immer Wismut übrig ist, Cu- und Schwefel aber verbraucht sind, bleibt dem Wismut nichts anderes übrig als sich elementar abzuscheiden.
Das reine Halbmetall Wismut ist an den weißen Stellen im Wittichenit zu sehen und hat im Mikroskop bei hoher Vergrößerung einen rötlichen Metallglanz.
Das Gelbe ist Kupferkies, der sich auch oft als Lamellen im Bornit bildet.
Heute mal wieder etwas aus der unbelebten Welt.
In den Mineralisationen des Siegerlandes ist hydrothermal abgeschiedenes Gold meist mit dem Ullmannit NiSbS der variszischen Hauptphase assoziiert (hier grau in den Bildern).
Ullmannit mit Goldflittern konnten meine Exkursionsteilnehmer Florian D, ortholux, und hugojun tatsächlich auch schon selbst finden und in ihren Anschliffen bewundern, wenn auch nicht in den hier gezeigten "Mengen" ...
Goldige Grüße,
Holger