Liebe Mikroskopiefreunde,
auch einige Wochen nach der Rückkehr vom Pillerseetreffen lassen sich am mitgebrachten Probenmaterial interessante Beobachtungen machen - hier der Fraßvorgang eines unbestimmten Vampyrelliden an Micrasterias truncata, aufsummiert aus Einzelbeobachtungen in mehreren Präparaten.
Eine schöne Zusammenstellung zur Biologie der Vampyrelliden, den Einzellern des Jahres 2015, findet man z.B. hier: https://www.protozoologie.de/wp-content/uploads/2022/04/EinzellerDesJahres2015_Vampyrella_V2.pdf
Erstkontakt des Vampyrelliden mit der Algenzelle:
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Umfließen der Algenzelle, prospektives Loch in der Zellwand wird sichtbar:
Vampyrella_lateritia_OlympusBX50_40_0,75_Lauchseemoor_07.07.2024f_1000.jpg
Phagocytose des Algenprotoplasten Phase I (Austritt des unter Druck stehenden Protoplasten, Ausbildung riesiger Vakuolen in der Amöbe):
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Detail der wie ausgestanzt wirkenden Zellwand, zwischen biochemisch herausgeschnittenem ,,Deckel" und Rand dringen Filopodien der Amöbe ein:
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Phagocytose des Algenprotoplasten Phase II (Ausräumen der Micrasterias-Zelle mittels Fraßpseudopodium der Amöbe):
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Amöbe lässt entleerte Zelle zurück:
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Plasma der Amöbe dicht gefüllt mit phagocytierter Algennahrung:
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Beste Grüße
Ole
Danke Ole für diese wunderschöne Bildgeschichte!
Gruss Arnold
Lieber Ole,
ich finde die Dokumentation auch toll, aber der ,,wunderschönen Geschichte" von Arnold schließe ich mich nicht an. Ist doch eher brutal, was da passiert. Oder sollte man es als ein Schüsselchen Salat für die Amöbe abhaken?
Bei mir sind auch noch sehr viele Micrasterias und anderes in den Pillerseeproben.
Grüße und danke,
Stephan
Sehr interessante Story, Ole, ich finde es erstaunlich wie die Fraß-Pseudopodien die Zelle komplett leerräumen...
Viele Grüße,
Holger
Lieber Stephan,
nein, kein Schüsselchen Salat! ;) aber was Ole uns zeigt, ist eine grosse Arbeit die mit viel Geduld, Beobachtungsgabe und Können erstellt wurde. Deshalb für mich eine wunderschöne Geschichte.
Grüsse Arnold
Einigen wir uns auf "Wahnsinn!"
Gruß
Rolf
Lieber Ole,
was wäre das Forum ohne Deine tollen Beiträge.
Ganz großes Kino!
lg
anne
Hallo Ole,
vielen Dank für diese tolle Bildgeschichte!
Liebe Grüße
Manfred
Hallo Ole,
das sind sehr spektakuläre Aufnahmen. Die Hellfeldaufnahmen gefallen mir am Besten. Mir ist nicht bekannt gewesen, dass Vampyrelliden auch Desmidiaceen in ihrem Beutespektrum haben. Ich habe ja lange Norbert Hülsmann begleitet, der ja als der moderne Erforscher der Vampyrelliden gelten muss. In seinen Rohkulturen (Petrischalen mit Fundortwasser und VOLVIC) waren oft auch Desmidiaceen enthalten, ohne dass dieses Freßverhalten von ihm mit seinem inversen IM 35 beobachtet werden konnte. Norbert war ein sehr geduldiger Beobachter.
Danke!
LG
Michael
Hallo Ole,
Stoff-Wechsel im Zeitraffer, beeindruckend
Beste Grüße Stefan
Lieber Ole,
einfach "irre"! Die ganze "Aktion" samt deiner Erläuterungen als auch die Bildqualität; auch mir gefallen hier die Hellfeldbilder sehr gut.
Wie lange hast Du beobachtet? Sprich - wie lange hat der Vorgang gedauert?
Herzliche Grüße
Peter
... Schönen Dank Euch allen für die netten Rückmeldungen - es freut mich, wenn ich hier etwas nicht Alltägliches habe zeigen können.
In der Tat, Michael, mir war auch nicht bekannt, dass Vampyrelliden Desmidiaceen (bis auf Closterium, das wusste ich) attackieren. Ich habe im Netz nach einer ersten Suche auch keine Bilder gefunden, die Micrasterias zeigen, die von einem Vampyrelliden erbeutet wird. Ich habe schon mit Sebastian Hess Kontakt aufgenommmen; vielleicht gelingt es seiner Arbeitsgruppe, die von mir beobachtete Art in Kultur zu nehmen und dann näher zu charakterisieren. Danke auch für Deinen Hinweis auf Norbert Hülsmann, dessen legendären Film zu Vampyrella ich kenne. Jetzt weiß ich auch, dass Hülsmann ein IM 35 eingesetzt hat. Ich habe bei meinem Beobachtungen wohl auch viel Glück gehabt, im richtigen Moment an Ort und Stelle gewesen zu sein. Ich habe mehrere Präparate erstellt, und fast immer war zumindest ein Fraßvorgang in vollem Gange. Die Ämöben ließen sich durch das Pipettieren und Auflegen des Deckglases in keiner Weise stören (ich habe am aufrechten Olympus BX50 gearbeitet).
Peter, ich habe keinen Fraßvorgang von Anfang bis Ende beobachten können, sondern den Ablauf aus verschiedenen Einzelbeobachtungen an mehreren Präparaten rekonstruiert. Ganz grob geschätzt würde ich sagen, dass vom Erstkontakt bis zum Verlassen der leeren Algenzelle ca. 90 min zu veranschlagen sind.
Das Algen- und Amöbenmaterial stammte übrigens aus einem überaus interessanten Biofilm, der sich an der Glaswand des Probengefäßes einige Wochen nach der Aufsammlung der Probe gebildet hatte. Die Probe selbst habe ich im Lauchseemoor genommen, das bei den Teilnehmern der Pillerseetreffen wohlbekannt ist.
Beste Grüße
Ole
Lieber Ole,
ja, das Lauchseemoor. Ich habe heute, motiviert durch deinen Beitrag, ohne zu wissen, dass es das Lauchseemoor war, genau in diese Probe zwei Stunden lang reingeschaut, aber keine Vampyrella entdeckt. Dafür bergeweise - wie der Bayer sagt - pumperlgsunde Micrasterias, auch M. pappilifera (!). Aber was ich ganz spannend fand, war eine Arcella sp., von der man nicht zum 100 Male die Schale sah, sondern das prächtig aufgespannte Tier im Inneren. Deswegen hänge ich mal ein Bild an.
Grüße
Stephan
P. S.: Ich habe, was man ja nicht tun soll, für das Bild die Aperturblende ziemlich zugezogen. Aber das wirkte spektalulärer.
Lieber Ole,
einfach wieder einmal W-O-W!
Danke für Beitrag und Link.
Lieber Ole,
habs jetzt erst gesehen.
Eine wunderbare, spektakuläre Bilderzählung.
Du wirst ja fast zum mikroskopischen Event-Master.
Danke fürs Zeigen und den Link.
Die Flyer haben eine gute Kombination aus Information und attraktiver Gestaltung.
So etwas sollte es es nicht nur einmal im Jahr geben.
Herzliche Grüße
Klaus
Lieber Ole,
ja das Vampyrella- Arten Cosmarien anbohren, hatte ich schon vergessen. Das ist ja bei mir auch schon 35 Jahre her, dass ich dort als Beobachter zuschauen durfte, wenn Norbert Hülsmann seine Petrischalen durchmusterte. Mit dem LD- Plan 40/ 0,55 Ph2. Das waren immer Fundortwasser- VOLVIC- Gemische. Jetzt fiel mir aber zur Nahrungsselektivität der Vampyrelliden ein, dass er feststellte, dass es in unterschiedlichen Gewässern Populationen (Norbert war viel zu klug, um hier gleich "eine neue Art" zu beschreiben) mit sehr unterschiedlichen und nicht umstimmbaren Nahrungsspektren gab. Es gab solche, die nur Cosmarien fraßen, andere Mougeoutien oder Spyrogyren usw. Das wurde von ihm durch Isolierung einzelner Stämme und verschiedenstem Nahrungsangebot überprüft.
Die spektakulärsten Funde kamen aus einem kleinen Ort in der Auvergne aus dem Puy-de-Dome- Gebiet, wo wir gemeinsam öfters hinfuhren. Zu den großen Seen, die die Krater der längst erloschenen Vulkane bedeckten.
In Berlin wurden ebenfalls zahlreiche Habitate sehr regelmäßig beprobt. Ich erinnere mich noch an die Kuhlake, ein großes Feuchtgebiet im Spandauer Forst und den Rückert- Teich am Gustav- Mahler Platz in Berlin- Dahlem (den hat schon Karl Belar in den 1920er Jahren beprobt. Ein sicherer Fundort für Dimorpha mutans)- bis heute.