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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: ChristianS in Juli 20, 2024, 22:55:11 NACHMITTAGS

Titel: Metallographie mit dem Mikroskop
Beitrag von: ChristianS in Juli 20, 2024, 22:55:11 NACHMITTAGS
Mir fehlt das Equipment. Reicht ein Auflicht-Mikroskop für diese Zwecke aus? Die Werkstoffwissenschaftler arbeiten (so wie ich es gesehen habe) oft mit inversen Mikroskopen, da fehlt mir das Kleingeld für.

Außerdem bin ich bei meinen ersten Recherchen doch ziemlich überrascht worden. Da ist ja nahezu jedes mikroskopische Verfahren vertreten! Dunkelfeld, DIC, Polarisation, Auflicht, Phasenkontrast einfach alles...Und die Chemikalien dazu bekommt man ja auch nicht an jeder Ecke.

Wer hat Erfahrungen dazu? Wer arbeitet in diesem Bereich? Gibt es eventuell Literatur dazu?
Titel: Aw: Metallographie mit dem Mikroskop
Beitrag von: Michael L. in Juli 21, 2024, 09:25:06 VORMITTAG
Hallo Christian,

erst solltest Du mal klären was Du überhaupt machen willst, was ist Deine Intension sich mit mit diesem interessanten Themenbereich zu beschäftigen? Im Lichtmikroskopischen Bereich geht nur Auflicht da Metalle nicht lichtdurchlässig sind. Invers muss das Mikroskop nur dann sein wenn größere Werkstücke betrachtet werden müssen. Literatur gibt es genügend da solltest Du erst mal im Internet selber recherchieren. Also es stehen ein paar Hausaufgaben an.

Viele Grüße

Michael
Titel: Aw: Metallographie mit dem Mikroskop
Beitrag von: Peter V. in Juli 21, 2024, 09:45:12 VORMITTAG
Hallo Christian,

ich denke nicht, dass Du Dich jetzt wirklich s e l b s t praktisch mit einem absoluten Spezialthema beschäftigen möchtest, das vor allem für den Hobbyisten nichts bietet, sondern Dich das Ganze nur grundsätzlich interssiert - oder?

Selbstverständlich betreibt man Metallographie auch mit aufrechten Mikroskopen, früher schon und auch jetzt immer noch. Der Vorteil der inversen Mikroskopie liegt nur darin, dass man das Anschliffpräparat einfach auflegen kann und es damit automatisch senkrecht zu optischen Achse den Mikroskops platziert ist. Also automatisch parallel zur Tischebene liegt. Beim aufrechten Mikroskop wäre das nicht der Fall. Hier muss das Anschliffpräparat zunächst auf einen kleinen Klumpen plastischen Matierals (ähnlich Plastilin / Kinderknete) gedrückt und dann dann mit einer Anschliffpresse (dabei geht es nicht wirklich ums "Pressen", sondern ums Aurichten) planparallel zum Objektträger bzuw. Objekttisch ausrichten. Und man hat bei Inversen natürlich unendlichen Raum für größere Präparate, der beim aufrechten Mikroskop durch den Abstand Tisch/Objektiv begrenzt ist.

Chemikalien braucht man eigentlich wenig, genau genommen nur eine Chemikalienart: Ein Ätzmittel wie z.B. Nital, die allerdings ohne Gewerbe nicht zu bekommen sind.

Phasenkontrast ist in der Metallographie veraltet und wird schon lange nicht mehr praktisch im Auflicht eingesetzt. Primär kommen Hellfeld und einfache Polarisation zum Einsatz, eher selten DIC.

Und jetzt nochmal: Das ist nichts für Hobbyisten. Erstens ist auch das ein Spezialgebiet, in das man sich intensiv einarbeiten muss, was ja nur Sinn macht, wenn man beruflich damit zu tun hat.  Natürlich gibt es dazu Literatur, aber nicht für den Hobbyisten. Es sei denn, Du möchtest expilzit Hobby-Mettallurge werden. Aber für den allgemein an Mikroskppie interessierten Hobbyisten ist Metallographie wirklich kein Thema.

https://www.youtube.com/watch?v=UmH5QcT7Vnk&t=536s

Bei 9:30 siehst Du links ein inverses Zeiss-Auflichtmikroskop der AXIO-Serie und rechts ein aufrechtes Leitz Ortholux II.


Herzliche Grüße
Peter


Titel: Aw: Metallographie mit dem Mikroskop
Beitrag von: jcs in Juli 21, 2024, 10:10:44 VORMITTAG
Hallo Christian,
Metallographie ist ein sehr weites Feld, je nach Anwendungsfall (Schadensfälle, Untersuchung des Einflusses  verschiedenen Wärmebehandlungen, Qualitätskontrolle, Legierungsentwicklung, Archäometallurgie, ...).

Die finale Aufnahme von Bildern am Mikroskop ist eigentlich der einfachste Teil des gesamten Prozesses. Aufwändig ist vor allem die Probenpräparation und das anschließende Anätzen des Schliffes. Für die Probenpräparation benötigt man entsprechende Sägen, um kleine Würfel oder Zylinder aus dem Probenmaterial zu schneiden. Dann wird die Probe in speziellen Automaten in ein Harz eingebettet, um im Anschluss geschliffen und poliert zu werden.

Im nächsten Schritt wird geätzt, um das Gefüge sichtbar zu machen. Dafür benötigt man, je nach Material, zahlreiche zum Teil sehr giftige bzw. ätzende Chemikalien (konzentrierte Salpetersäure, Flusssäure, Pikrinsäure, Salzsäure um ein paar der "grausligsten" zu nennen).

Ein klassisches deutschsprachiges Buch zudiesem Fachgebiet ist "Schumann Metallographie (https://www.wiley-vch.de/de/?option=com_eshop&view=product&isbn=978-3-527-35106-0)".

Wenn Dich Metallographie als Hobby interessiert, würde ich an Deiner Stelle versuchen, aus einem (Uni)-Labor alte Schliffe zu bekommen, die Du dann zu Hause im Mikroskop anschauen kannst. Das ist vermutlich der niederschwelligste Einstieg ins Thema, bevor man in das komplexe Gebiet der Probenpräparation vordringt.
LG
Jürgen
Titel: Aw: Metallographie mit dem Mikroskop
Beitrag von: ChristianS in Juli 21, 2024, 13:46:21 NACHMITTAGS
Danke für die Literatur, ich kann mich in das Thema denke ich einarbeiten.

Und ich hab da ein bisschen was durcheinander geworfen. Klar interessiert mich das Thema, trotzdem wird man es nur gewerblich nutzen.

Es gibt in unserer Gegend schon metallverarbeitende Firmen, die sich auch dem Thema widmen. Ich hätte Interesse mich an solchen Projekten zu beteiligen. Wie man Federn oder andere Metallteile und Legierungen untersucht, Proben herstellt etc. Ein völlig neues Gebiet für mich, trotzdem bitte keine Kommentare wie: Du bist ja sowieso nur Hobby-Mikroskopiker, beschäftige dich erst mal mit den Grundlagen, also vergiss es. Ich habe oft genug erlebt, dass man im beruflichen Kontext meine Ideen eher belächelt und wenig Ernst nimmt / mir so Steine in den Weg legt...

Also bitte nicht böse sein. Auch das Video habe ich breits gesehen, danke vielmals.

Ich wiederhole meine Frage, die ich zu Beginn gestellt habe gerne nochmal:

Wer beschäftigt sich beruflich mit Metallographie? Bitte schickt mir eine persönliche Nachricht.
Titel: Aw: Metallographie mit dem Mikroskop
Beitrag von: Michael L. in Juli 21, 2024, 22:46:37 NACHMITTAGS
Guten Abend Christian,

ganz ehrlich mit dieser Einstellung wird sich keiner der professionell mit dieser Thematik arbeitet bei Dir melden, trotzdem viel Erfolg.

Gruß

Michael
Titel: Aw: Metallographie mit dem Mikroskop
Beitrag von: Florian D. in Juli 22, 2024, 08:42:00 VORMITTAG
Hallo,

ich kann die Kritik nicht ganz nachvollziehen. Prinzipiell ist das doch ein spannendes Thema.
"Bastian" hat hier doch interessante Beiträge zur Archäometallurgie gezeigt.
Den würde ich auch mal kontaktieren bzw. erst mal seine Seite https://archaeometallurgie.de/ konsultieren.

Viele Grüsse
Florian
Titel: Aw: Metallographie mit dem Mikroskop
Beitrag von: Mikroman in Juli 22, 2024, 12:36:46 NACHMITTAGS
Hallo Florian,

wenn Dich so etwas interessiert, empfehle ich Dir den folgenden Titel:

METALLOGRAPHY
AND
MICROSTRUCTURE
OF
ANCIENT
AND
HISTORIC METALS

Gruß
Peter
Titel: Aw: Metallographie mit dem Mikroskop
Beitrag von: Werner in Juli 22, 2024, 18:55:43 NACHMITTAGS
Hinweis:
Das Buch "Schumann Metallographie" gibts bei "Booklooker.de" billiger (und teurer) als bei Wiley.

Gruß - Werner
Titel: Aw: Metallographie mit dem Mikroskop
Beitrag von: 3D Alfons in Juli 23, 2024, 16:17:06 NACHMITTAGS
Zitatgeht hier eine PN ?
Titel: Aw: Metallographie mit dem Mikroskop
Beitrag von: Florian D. in Juli 23, 2024, 17:21:02 NACHMITTAGS
Hallo Alfons,

ich vermute, das war eine Frage und kein Zitat?
Ganz oben in der Leiste steht neben deinem Namen "Meine Mitteilungen". Dort gibt es "Posteingang" -> "Mitteilungen" -> "Neue Nachricht"
Wenn Du jemanden in einem Thread eine persönliche Nachricht schicken willst, ist unter dem entsprechenden Atavar oder Bild ein Sprechblasensymbol.

Viele Grüsse
Florian
Titel: Aw: Metallographie mit dem Mikroskop
Beitrag von: Tommmy in Juli 24, 2024, 20:38:13 NACHMITTAGS
Besonders gut bietet sich für die Auflichtmikroskopie auch die Baureihe der "NEOPHOTS", VEB Carl Zeiss Jena, an. Ich benutze ein Neophot21. Es ist mit einer Halogenlampe sowie einer Xenonhochdrucklampe ausgestattet,erlaubt die Betrachtung im Hell- und Dunkelfeld und ist in jeder Hinsicht erweiterbar. Neben der Betrachtung durch das Okular kann das Bild auch auf eine Mattscheibe ausgespielt werden. Eine Plattenkamera links oder ein Fototubus auf der rechten Seite ermöglichen auch den Anbau einer Digitalkamera. Vorteilhaft ist, dass das Mikroskop über einen großen und nach beiden Seiten mittels Mikrometerschrauben verschiebbaren Tisch verfügt.Anbei eine Schematazeichnung des Strahlengangs, Das Bild einer Tomate, die Oberfläche einer Krone (Münze) sowie zwei längs geschliffener Leiterplatten.