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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: purkinje in August 24, 2024, 15:03:13 NACHMITTAGS

Titel: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in August 24, 2024, 15:03:13 NACHMITTAGS
Wertes Forum,
hier will ich ein lose Reihe von wundersamen und/oder kuriosen Geräten bzw Schriftzeugnissen (wird meist aus vergangenen Zeiten sein) rund ums Mikroskop beginnen. Jeder ist eingeladen bei Funden (nicht von Verkaufsplattformen, dafür gibt es schon eine Rubrik!) hier etwas beizutragen.
Beste Grüße Stefan

Der Mikroskopfuß mit "Adlerfußkrallen", der "Mündener Binokelfuß"

"Ist man richtig vorgegangen , so sitzt nunmehr das Binokel in
Horizontalstellung mit seinem Mündener Binokelfuß wie festgewachsen
am Baume so daß man sich um sein Festhalten nicht weiter zu ,
kümmern braucht, und nun beide Hände wieder zu beliebiger Ver-
wendung (für die Einstellschrauben am Tubus, für Präparationszwecke, zum Notizenmachen oder Zeichnen) frei hat."
war für einen Forstentomologen, wie es Ludwig Rhumbler war, sicher praktisch,  über dieses Fachgebiet hinaus dürfte der Fuß für stattliche 135 Mark (1921) wenig Verbreitung gefunden haben  ;D , trotz seiner Empfehlung man könne ihn ja auch für hydrobiologische Untersuchungen in den Bootstisch rammen...

mündener Binokelfuß.jpg
von und nach Prof. Ludwig Rhumbler (https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Rhumbler) in Z Wiss Mikrosk 38 (1921) S270 (https://www.biodiversitylibrary.org/item/23840#page/292/mode/1upp)
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: beamish in August 24, 2024, 17:07:42 NACHMITTAGS
Wunderbar!
In dieser Zeit hat man sich offenbar ganz speziellen Bedürfnissen angenommen.
Hier ein Bino mit speziellem Tisch für Entomologen von Zeiss (Katalog von 1924):

Zeiss_Heller_1924.jpg

Grüße
Martin
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in August 24, 2024, 17:36:41 NACHMITTAGS
Hallo Martin,
eindeutig für die Heimanwendung die möbelschonendere Variante des entomologischen Mikroskopierens  ;D
Beste Grüße Stefan
Titel: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: B.Neuhaus in August 24, 2024, 20:00:10 NACHMITTAGS
Liebes Forum,

spätestens in den 1960ern bot Zeiss Jena ein Mikroskop NgzK mit Gleitmanipulator und Stirnstütze (!) an. Den Gleitmanipulator benötigt sicherlich nicht jeder Mikroskopiker, aber die Stirnstütze erscheint mir schon recht hilfreich, damit man nach stundenlangem Mikroskopieren nicht mit den Augen in die Okulare kippen kann.

Viele Grüße
Birger

Quelle: Adam, H. & Czihak, G. (1964) Arbeitsmethoden der makroskopischen und mikroskopischen Anatomie. Ein Laboratoriumshandbuch für Biologen, Mediziner und technische Hilfskräfte. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 1-367. [Abbildung 162b auf Seite 178]
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in September 13, 2024, 16:46:38 NACHMITTAGS
Der MIKROKOSMOS ,,im Felde" des I WK, nicht nur uns heute wohl wundernd zurücklassend...

In der letzten Nummer des MIKROKOSMOS (12 /2, S. 39) zu Kriegszeiten des 1. Weltkrieges findet sich unter kleine Mitteilungen folgendes:
,,Schützengraben-Mikroskopiereinrichtung. Wohl mancher unserer Mitglieder war in der Heimat ein eifriger Arbeiter am Mikroskop, doch draußen im Felde lebt er nur noch von den Erinnerungen an jene Zeiten köstlicher Erbauung. Warum setzt er nicht seine Studien im Feindesland fort? Gerade hier bieten sich viele freie Stunden, in denen er sich völlig seiner Wissenschaft widmen kann. Besonders nach schweren Kampftagen ist es in der Ruhe ein wahrer Genuß, sich in die Wunder des Mikroskops zu vertiefen. — Ich trage meine Feld - Mikroskopiereinrichtung  im Tornister ; sie wiegt nur wenig und beansprucht auch nur sehr wenig Platz. Das Gepäck des Frontsoldaten ist heutzutage ja ohnedies, auch beim Infanteristen, nicht mehr so umfangreich. .. [es folgen nüchterne Ausführungen übers Schneiden und Färben von Präparaten] Hoffentlich findet diese Anregung Anklang bei manchem mikroskopierenden Kameraden und ermuntert recht viele von ihnen zu praktischem Studium. Fimmen, zurzeit im Feld. "

angemerkt: zu diesem Zeitpunkt waren fast 10 Mio Soldaten gefallen und 20 Mio verwundet, auch der ein oder andere Autor des MK:
MK gefallen.jpg
Am Erscheinungstag dieses Heftes, (9. Nov. 1918 ! ) verkündet Max von Baden die Abdankung des Kaisers und übergibt die Regierungsgeschäfte an Friedrich Ebert. Philipp Scheidemann ruft die Republik, Karl Liebknecht die sozialistische Republik aus.
Zwei Tage später unterzeichnet Mathias Erzberger für das Deutsche Reich bei Compiègne den Waffenstillstand.

Hypothese: man darf annehmen dass es sich bei dieser ,,Mitteilung" um einen der (allerletzten) Versuche von Propaganda der Militärzensur handelt, da ein unbeschwerten Alltag und beinahe Langeweile an der Front geschildert wird. Dafür spricht auch das Pseudonym (ohne Vornamen) das ausgerechnet und eher nicht zufällig dem Namen eines damals und später sehr bekannten niederländischen Friedensaktivisten und Gewerkschafters entliehen worden ist: Edo Fimmen (https://de.wikipedia.org/wiki/Edo_Fimmen)(s.u.).
Dass die Miltärzensur auch über den MK wachte, lässt sich an den kleinen Stempelchen auf den Titelseiten von Kriegsbänden welche ins Ausland (verbündet oder neutral) geliefert wurden ablesen:
Zensurstempel MK.jpg
Einer der vielen Militärzensoren der damaligen Zeit war übrigens  Viktor Klemperer (https://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Klemperer), den viele wegen seiner beeindruckenden Tagebücher (oder der teilweisen Verfilmung) kennen dürfte.
Beste Grüße Stefan
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: beamish in September 13, 2024, 17:09:00 NACHMITTAGS
Dieser Fimmen hieß mit Vornamen Ewald:
https://books.google.de/books?id=Tt8aeTFAwQoC&q=fimmen+mikrokopie&dq=fimmen+mikrokopie&hl=de&newbks=1&newbks_redir=0&sa=X&ved=2ahUKEwjO7NWTmcCIAxVpgv0HHai9Bu8Q6AF6BAgHEAI (https://books.google.de/books?id=Tt8aeTFAwQoC&q=fimmen+mikrokopie&dq=fimmen+mikrokopie&hl=de&newbks=1&newbks_redir=0&sa=X&ved=2ahUKEwjO7NWTmcCIAxVpgv0HHai9Bu8Q6AF6BAgHEAI)

Grüße
Martin
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in September 13, 2024, 17:26:27 NACHMITTAGS
Hallo Martin,
du hast recht es gibt einen "mikroskopisch-photografisch aktiven" Ewald Fimmen, nur warum ist diese Mitteilung dann nicht mit seinem vollen Namen unterzeichnet? Soweit ich das überblicke eine absolute Ausnahme bei den Autorennennungen im MK.
Wie geschrieben, nur eine Hypothese; Dank dir für den Hinweis.
Beste Grüße Stefan
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: beamish in September 13, 2024, 17:48:48 NACHMITTAGS
Es ist sicher dieser Ewald. Er hat darüber auch im Mikrokosmos geschrieben:
Fimmen.jpg
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: Siegfried in September 13, 2024, 18:55:10 NACHMITTAGS
Hallo
Da ja hier von  Kuriositäten im Zusammenhang mit Mikroskopen die Rede ist, suchte ich einen
"Hauptner/ Sonder-Katalog B1 über Instrumente u. Apparate zur Mikroskopie Bakteriologie Fleischbeschau"
von 1920 aus meinem Regal. Diesen Katalog hatte ich mir für einem Beitrag über mein Hauptner Trichinenmikroskop in einem Antiquariat gekauft.

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=44818.0  Seite2

Als Kuriosität fand ich in diesem Katalog ein angebotenes
Mäuse-Impfbrett nach Lorenz und einen
Mäuse-Halter nach Kitasato
Beides zur Vorbereitung zum Mikroskopieren.
  Gruß von Siegfried
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: Peter T. in September 13, 2024, 19:34:10 NACHMITTAGS
Das Mäuse-Impfbrett und der Mäusehalter haben es mir ehrlich gesagt angetan. Gottlob liest PETA hier nicht mit. Diese historischen Abbildungen wären heutzutage natürlich undenkbar.
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: Gerd Schmahl in September 13, 2024, 22:21:45 NACHMITTAGS
Hallo,
wie werden denn heutzutage Mäuse geimpft? Gibt es dafür keine Geräte? macht man das frei Hand? Viele Impfstoffe werden doch an Mäusen getestet.
LG Gerd
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: Peter V. in September 14, 2024, 13:33:42 NACHMITTAGS
Hallo,

wer ein Faible für aus heutiger Sicht skurrile Apparaturen hat, dem empfehle ich den Erwerb des Hauptkataloges eines großen Lieferanten für Arzt- und Krankenhausbedarf aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Katalog "Medicinisches Waarenhaus" wurde als guter Reprint von Jahrzehnten von zwei Verlagen (Thomas Schäfer, Dortmund und WELTBILD) in großer Auflage produziert und ist deshalb entsprechend günstig im Antiquariat erhältlich.

Druck, Papierqualität und Buchdeckel sind handwerklich und gestalterisch bei der Ausgabe von Schäfer mit der halbnackten Dame deutlich hochwertiger als bei der Ausgabe von Weltbild (Weißer Umschlag mit roter Ornamentik und der Eule oben). Die Schrift auf dem Buchdeckel von Schäfer ist geprägt, der Druck ist für ein Reprint erstaunlich fein auf gestrichenem Papier mit einer "vergilbten" Optik, insgesamt ist die Gestaltung deutlich liebevoller und "historischer".

Ich habe früher oft mit Schmunzeln in diesem Buch geblättert. Wenn es nicht auf den letzten EUR ankommt, kauft das Buch mit der barbusigen Dame. Es kostet ja nicht die Welt (wird zwischen 10.00 und 30.00 EUR gehandelt).

https://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R40&_trksid=p4432023.m570.l1313&_nkw=medicinisches+waarenhaus&_sacat=0

https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Angebote/titel=medicinisches+waarenhaus

Herzliche Grüße
Peter

(Das Gitterraster auf den ersten beiden Bildern wurde von meinem Smartphone verursacht!)


Screenshot_20240914_133008_Photo Editor.jpgScreenshot_20240914_132929_Photo Editor.jpgScreenshot_20240914_132840_Gallery.jpgScreenshot_20240914_132759_Gallery.jpg

Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in Oktober 04, 2024, 13:48:19 NACHMITTAGS
Wer hätte nicht gerne  an diesem 'Ferienkurs' teilgenommen?

Wenn ich so auf unsere heutigen Themen im Forum blicke, dann finden sich einige davon bereits 1907 in diesem hochkarätig besetzten Ferienkurs wieder:
Ferienkurs 1907.jpg

Quelle: Universidad nat. de La Plata (http://sedici.unlp.edu.ar/handle/10915/29339)

Dieser Handzettel ist aus dem Nachlass von Margrete Heiberg de Bose (1865-1952). Sie war Dänin und absolvierte zu Beginn des 20Jh. ihren Postdoc bei Nernst in Göttingen wo sie ihren Mann Emil Bose kennenlernte. Dieser war zuerst Physik-Professor in Danzig und später in der neugegründetetn Uni von La Plata Argentinien (1909), verstarb aber kurze Zeit später (1911). Margarita Heiberg de Bose war die erste Frau die in Dänemark einen naturwissenschaftlichen Graduiertengrad erhielt und die erste Physik-Professorin Lateinamerikas, da sie nicht nur ihrem Mann folgte, sondern auch an der Uni von La Plata lehrte. Während des 1. WK kehrte sie kurzzeitig nach Deutschland zurück. Zurück in Argentinien musste sie sich erst mühsam wieder eine halbwegs angemessene Position erkämpfen, sie forschte über Raman-Effekte und Untersuchungen im UV-Licht. In Argentinien wird Ihr Andenken vor allem unter Professorinnen und Studentinnen der Naturwissenschaften bewahrt.
Compilación de trabajos publicados (http://sedici.unlp.edu.ar/bitstream/handle/10915/51811/Documento_completo.pdf?sequence=1&isAllowed=y) in Spanisch, zu ihren Arbeiten, im letzten Viertel des Pdfs auf deutsch
"Was ich in Deutschland gesehen habe", ihre Kriegs- und Waffenstillstanderinnerungen von 1919

Beste Grüße Stefan

Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: Jürgen Boschert in Oktober 04, 2024, 16:47:54 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

bin mir nicht ganz sicher, ob das hier richtig ist, wenn nicht möge den Beitrag jemand der Administratoren ins Café verschieben.
Eine kleine Abhandlung über die immerwährende Diskussion Tier oder Pflanze in der Mikrowelt aus dem Jahr 1847. Zwei Doppelseiten sind bei meinem Originaldruck nicht getrennt, sodass im Scan entsprechend vier Seiten (10+11, 14+15) fehlen; man sieht aber trotzdem, worum es geht und wie aktuell die Diskussion durchaus auch heute noch ist.

Titelseite.jpg

Fresenius 1847 Infusorien vs Algen.pdf
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in Dezember 13, 2024, 14:42:07 NACHMITTAGS
Werte Freunde des Jamin-Lebedeff-Kontrasts,

auch vor beinahe 100Jahre dürfte die Justage dieses Interferenzverfahrens eine Herausforderung dargestellt haben, trotz des nautisch anmutenden Designs  ;D
Lebedeffs Interferenzmikroskop 1930
Lebedeff.jpg
Beste Grüße vor allem an anne und Diana , die uns mit ihren ZAUBERHAFTEN BILDERN das Grau etwas vergessen haben lassen
Stefan
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: olaf.med in Dezember 13, 2024, 16:30:53 NACHMITTAGS
Lieber Stefan,

das ist ja spektakulär - woher stammt dieses Bild? Kannst Du mir evtl. eine Kopie der Quelle machen.

Es handelt sich ganz offensichtlich um ein modifiziertes Theodolit-Mikroskop von R. Fuess/Berlin (siehe auch hier (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=29762.0) etwa Mitte des Beitrags). Und ich dachte ich kenne alles von Fuess  ;D .

Herzliche Grüße,


Olaf
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in Dezember 13, 2024, 16:48:01 NACHMITTAGS
Hallo Olaf,
mein Bild stammt von einem schlechten pdf aus der engl. Fassung dieses Buches
Beiträge zur Interferenzmikroskopie
von Wolfgang Krug, Joachim Rienitz, Günter Schulz (https://www.google.de/books/edition/Beitr%C3%A4ge_zur_Interferenzmikroskopie/Z3YNEQAAQBAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Smith+double-focus+system+microscope&pg=PA112&printsec=frontcover)
es ist in Teilen abrufbar, auf S 102 findet sich das Bild und eine Seite später eine Seitenansicht.
Beste Grüße Stefan
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in Dezember 13, 2024, 17:16:25 NACHMITTAGS
Hallo Olaf,
mir war doch so als hätte ich das "Steuerrad" schon einmal gesehen. jetzt weiß ich es wieder, es war von Deinem oben verlinktem Beitrag über die Steglitzer Mikroskope  ;)
Beste Grüße Stefan
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: hugojun in Dezember 13, 2024, 17:19:11 NACHMITTAGS
Hallo Stefan,

für mich sind diese Seitenzahlen nicht abrufbar.
Möglicherweis ändert sich das von Aufruf zu Aufruf??

LG
Jürgen
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: beamish in Dezember 13, 2024, 17:25:32 NACHMITTAGS
bei mir kann ich sogar noch eine Detailabbildung sehen:
lebedeff_2.jpg
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in Dezember 13, 2024, 17:37:31 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,
ja ich fürchte es ist Browser und mgl.weise abrufabhängig,
hier noch die beiden Seiten (besser hab ichs dann leider auch nicht)
Die erwähnte Referenz Leutwein ist (lt engl pdf) vermutl ein Jahrbuch
Leutwein, F., Der Universaldrehtisch nach Fedorow, Bergakademie (Freiberg) 7, 236 (1955). S. 113
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: hugojun in Dezember 13, 2024, 19:11:36 NACHMITTAGS
Vielen Dank Stefan,

die Angabe zur Genauigkeit von Dickenmessungen von 5 Å
ist eine gute Referenz zu Fragen in einem anderen Faden.

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=37783.0#bot

#6 bis #11

LG
Jürgen

Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: olaf.med in Dezember 13, 2024, 19:46:29 NACHMITTAGS
Herzlichen Dank an alle Suchenden und Findenden. Es handelt sich ja ganz offensichtlich um ein für diesen Zweck modifiziertes Mikroskop und nicht um ein Serienmodell. Damit bin ich mit den mäßigen Kopien der relevanten Seiten sehr zufrieden.

Übrigens irrt Leutwein natürlich, wenn er das Theodolit-Mikroskop als Vorläufer der Fedorowschen U-Tische ansieht. Letztere wurden bereits ab 1895 gefertigt, da hat noch lange niemand an ein Theodolit-Mikroskop gedacht!.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in Januar 06, 2025, 20:23:29 NACHMITTAGS
Wenn es bei der Mikrofotografie mal wieder fuchst...
immer an Mr. Smith denken   ;)


mr smith.jpg

Q:Nature through microscope & camera 1905 (https://www.biodiversitylibrary.org/bibliography/140771)
Beste Grüße Stefan
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in März 27, 2025, 15:29:46 NACHMITTAGS
Wertes Forum,
vermutlich einziges Tondokument vom
Naturphilosophen Ernst Haeckel über die Einheit der Natur und 'Kristallseelen' 1918 (https://pdodswr-a.akamaihd.net/swr/swr2/wissen/archivradio/archivradio/2022/11/naturphilosoph-ernst-haeckel-ueber-die-einheit-der-natur-und-kristallseelen.m.mp3)
Auch wenn ich einige Monisten zu denen Haeckel, Roul Francé und Walther Keller (die beiden letzteren Begründer des Mikrokosmos bzw. der Verleger des Kosmos/Franckh-Verlags) zählten, vor allem wegen ihres "biosophischen" Spätwerks sehr kritisch sehe, weiß ich doch, dass sich Haeckels Zeichnungen bei Mikroskopikern gewisser Beliebtheit bis heute erfreuen und er unbestritten Verdienste zur Begründung der modernen Biologie als eigenständiges Fach hierzulande hat. Das obige Tondokument gehört (leider) auch zu diesem Spätwerk, wer den kurzen Text nachlesen möchte:
SWR Archivradio (https://www.swr.de/swrkultur/wissen/archivradio/naturphilosoph-ernst-haeckel-ueber-die-einheit-der-natur-und-kristallseelen-102.html). Dort finden sich für historisch Interessierte ettliche andere Audioschätze.
Beste Grüße Stefan
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: Florian D. in März 27, 2025, 15:51:52 NACHMITTAGS
Zitat von: Peter T. in September 13, 2024, 19:34:10 NACHMITTAGSDas Mäuse-Impfbrett und der Mäusehalter haben es mir ehrlich gesagt angetan. Gottlob liest PETA hier nicht mit. Diese historischen Abbildungen wären heutzutage natürlich undenkbar.

Passend dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=bEst3_-Tdc8

Viele Grüsse
Florian
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: Oecoprotonucli in März 27, 2025, 18:01:56 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

Zitat von: Florian D. in März 27, 2025, 15:51:52 NACHMITTAGS
Zitat von: Peter T. in September 13, 2024, 19:34:10 NACHMITTAGSDas Mäuse-Impfbrett und der Mäusehalter haben es mir ehrlich gesagt angetan. Gottlob liest PETA hier nicht mit. Diese historischen Abbildungen wären heutzutage natürlich undenkbar.

Passend dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=bEst3_-Tdc8

Viele Grüsse
Florian

krasser Fund, Florian, scheint ja noch ein neueres Video zu sein. Hat so ein bisschen Monty-Python-Feeling. Wenn ich mich richtig erinnere sieht so wie in dem Satire-Video prinzipell auch ein echter Apparat zum Decapitieren von Mäusen aus. Nur nicht so in "Mädchenfarben".

@ Peter: Dies hier ist das Internet, prinzipiell kann hier auch PETA mitlesen. Also schön leise treten, falls abweichende Meinungen bestehen. Aus diesem Grund und damit der Faden nicht den Faden verliert, spare ich mir weitere Kommentare. Anmerkung für potentielle PETA-Mitleser: Daraus zu schließen, ich wäre "für" Tierversuche ist falsch. Ich kann aber Farben sehen, meine Welt ist nicht schwarzweiß und ich bestehe aus Materie, nicht aus Feenstaub.

Glücklicherweise kommen wir wohl mehr und mehr in die Lage, Tierversuche zu reduzieren und trotzdem notwendige Erkenntnisse zu gewinnen. Das kann man aber nicht unbedingt auf die Vergangenheit übertragen. (So, doch noch ein Statement abgegeben, Sorry.)

Viele Grüße

Sebastian
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in Juli 07, 2025, 14:38:03 NACHMITTAGS
Hallo,
Da uns anne erneut mit ihren Bildern mithilfe des Lebedeffschen Interferenzkontrasts erfreut hat und hier oben ja bereits der Prototyp  abgebildet ist (1930):
Wann und von wem denkt ihr wurde das erste Interferenzmikroskop (also mit totaler Bildaufspaltung, nicht differentiell =DIK) gebaut?
Beste Grüße Stefan
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in Juli 09, 2025, 09:48:40 VORMITTAG
Wertes Forum, ich löse mal auf:

Vorne weg, das Kuriosum daran ist, so beliebt und gesucht Interferenzmikroskope heute sind, so sind sie doch Ende des 19 Jh. nicht über ihren Prototypen hinaus gekommen.

Jacobus Laurens Sirks (1867-1905) war ein studierter Sprachen- und Physiklehrer am Gymnasium in Groningen, wo er zuletzt Rektor war. Er hielt 1893 einen Vortrag ,,Over een interferentiemicroscoop".
Soweit bekannt tauchte hier der Name ,,Interferenzmikroskop", wie auch die schon bekannte prinzipielle Technik von Jamin zum ersten Mal in Verbindung mit einem Mikroskop auf.

 Ernst Pringsheim (https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Pringsheim_senior) hatte 1898 eine verbesserte Version erdacht und bauen lassen. Interessant auch dass er in seinem Artikel auf die Notwendigkeit eines solchen Mikroskops für die biologische  und medizinische Forschung hinwies, allerdings zu Messzwecken. Es ging also schon wegen der geringen Vergrößerungen, die mit diesen dicken halbverspiegelten Glasplatten nur möglich waren (ges. ca 100x), nicht primär um Strukturen und Kontrast, was mit erklären könnte warum  sich diese Konstruktionen nicht durchsetzten. Auch traten die vom, um 1930 entwickelten, Jamin-Lebedeff Interferenzkontrast bekannten Geisterbilder auf (totale Bildaufspaltung).

Die ersten differentiellen Interferenzkontrastmikroskope wurden in den späten 1940er Jahren konstruiert, bis heute wird im angelsächsischen Raum zuerst F.H. Smith und auf dem Kontinent G. Nomarski als Erster bzw Erfinder genannt; es zeigt sich auch hier: zwei Mikroskopiker drei Meinungen  ;D


J. L. Sirks , Over een interferentiemicroscoop, in Handelingen van het vierde Nederlandsch Natuur- en geneeskundig congres, gehouden te Groningen op den 7den en 8sten April 1893.  S 92ff

E. Pringsheim, Ueber ein Interferenzmikroskop nach Sirks,  Verhandlungen der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin 17 1898 S 153ff

Beste Grüße Stefan
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: Jürgen Boschert in Juli 09, 2025, 10:02:42 VORMITTAG
Hallo Stefan,

herzlichen Dank für diese Recherche und die Links zu den beiden Veröffentlichungen. Sehr interessant!
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in Januar 17, 2026, 20:04:32 NACHMITTAGS
Wertes Forum,
dieses Bild zeigt den heute vor 65 Jahren ermordeten ersten Präsidenten des seit 1960 unabhängigen Kongo Patrice Lumumba (https://de.wikipedia.org/wiki/Patrice_Lumumba) mit der Tochter von Ernst Leitz II Elsie Kühn-Leitz (https://de.wikipedia.org/wiki/Elsie_K%C3%BChn-Leitz), welche sich damals verstärkt für wirtschaftliche Kontakte der BRD zur jungen Republik Kongo einsetzte
(https://dokdoc.eu/wp-content/uploads/2026/01/4_Patrice-Lummumba_E.Kuehn-Leitz-in-Friedwart-2048x1254.jpg)
 die lesenswerte Quelle: Das Erbe von Elsie Kühn-Leitz:
,,Um Frieden zu sichern, muss man Menschen verbinden" (https://dokdoc.eu/2026/01/13/um-frieden-zu-sichern-muss-man-menschen-verbinden/)
Beste Grüße Stefan
Titel: Aw: Mikroskopische virtuelle Kuriositäten- und Wunder-Kammer ( MVKWK )
Beitrag von: purkinje in Februar 13, 2026, 14:14:03 NACHMITTAGS
Wertes Forum,
heute ein weiteres kurioses Kapitel der Mikroskopie:

Wilhelm Reich als Mikroskopiker oder ,,Bione" in Leervergößerung

Wilhelm Reich, dieser umstrittenste Tausendsassa unter den Schülern Sigmund Freuds war sehr vieles, auch ein Mikroskopiker, wenn auch nicht der begnadetste.
Nach seinem Tode, in den 1960er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden seine Schriften– insbesondere "Funktion des Orgasmus", "Massenpsychologie des Faschismus" und "Charakteranalyse" zu Bestsellern.  Der Begriff der sexuellen Revolution leitet sich vom deutschen Titel einer seiner Schriften ab.

Bei seinen vielgestaltigen Forschungen befasste er sich ab den 1930er Jahren mit mikroskopischen Phänomenen, die seine vitalistischen Ansichten stützen sollten, auf der Suche nach mikroskopischen Belegen einer ,,Lebenskraft" .
Er glaubte, dabei ,,Energiebläschen" entdeckt zu haben, die er Bione nannte. Als ,,elementare Funktionseinheit aller lebenden Materie" entstünden sie in der Natur ständig ,,durch einen Auflösungsprozess anorganischer und organischer Materie", seien kultivierbar und ,,können sich zu Protozoen und Bakterien entwickeln." Den Auflösungsprozess meinte Reich auch bei einer Untersuchung der Probe des Gewebes eines Krebskranken festzustellen.

Dies geschah auch im Exil in Norwegen, wo er weiter forschte.
Eine seiner engsten Mitarbeiterinnen war Gertrud Mayer (https://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_Meyer_(Politikerin)), die durch ihre Arbeit ihren Lebenspartner, den jungen Willy Brandt auch materiell unterstützen konnte. Auch hatte Willy Brandt wohl als Proband an Reichs bioelektrischen Versuchen teilgenommen. Sie folgte Reich später noch in die USA wo es jedoch bald zu einem Zerwürfnis kam.

Doch zurück zur Mikroskopie:
Ursprünglich verwendete Reich ein Leitz Mikroskop
Reichs Leitz.jpg
bevor er 1936 das gerade erst von Reichert auf den Markt gebrachte große Universal Mikroskop Z  mit Einrichtung zur Mikrokinematografie erwarb.
Reichs Reichert 2.jpg
Es ist überliefert ,dass er seine Untersuchungen im Dunkelfeld mit bis zu 3000x facher Vergrößerung (Objektiv 100:1) und Hellfeldbeobachtungen  zwischen 1600 und regelmäßig 3500fach, vereinzelt sogar höher (bis 5600x) durchführte.
Dies ist wohl auf die Verwendung von Okularen 20x und 25x verbunden mit einem Tubusfaktor von 1,5 und einem alten Seibert Fluoritobjektiv 150:1 zurückzuführen. Nehmen wir eine Apertur von 1,3 an so liegt der Bereich der förderlichen Vergrößerung jedoch nur zwischen 650 bis 1300x.
Diese Beobachtungen an der Auflösungsgrenze mit ungleich in die Höhe getriebener Vergrößerung wie auch das Verkennen von Brownscher Molekularbewegung, also Bewegungen ohne Leben, verursachten Fehlinterpretationen und führten zu teils abenteuerlichen Theorien.
Die ,,Fundgeschichte" des oben erwähnten uns heute eher sonderbar erscheineneden Durchlicht-Objektivs mit einer Vergrößerung von 150:1 von Nagy soll noch erwähnt werden. Dieses Objektiv wird von den Freunden der Reichschen Bionenforschung gerne als Erklärung für die Nichtreproduzierbarkeit der allemeisten Beobachtungen durch andere Forscher ins Feld geführt, kann aber auch nur bestenfalls eine n.A. von max 1,4; eher 1,3 aufgewiesen haben. Nagys Fundbericht diese Objektivs und seine Tests lesen sich, trotz fehlenden Bildern und stichhaltigen Erklärungen reichlich amüsant (Link s.u.).

Niemand geringerer als Wilhelm Foissner befasste sich mit einigen seiner Beobachtungen in einem kurzen Artikel 2013 im Mikrokosmos. Dort werden auch ein paar von Reichs Aufnahmen gezeigt (link s.u.)
Feussners kritische Würdigung des ,,zellbiologisch" arbeitenden Reich entspricht auf wenigen Seiten doch viel mehr den Tatsachen als die Publikation von Strick auf beinahe 500 Seiten. Dort wird die immense Leervergrößerung zwar erwähnt, der damit einhergehende fehlende Auflösungsgewinn negiert und mit anekdotischer Evidenz versucht die Beobachtungen zu retten. Erneut soll das ominöse 150x Objektiv als Erklärung für die Nichtreproduzierbarkeit herhalten.
Reichs Beobachtungen und Theorien widersprachen Ende der 1930er Jahre bereits einigen damaligen Erkenntnissen der Zellbiologie, auch wenn diese noch deutliche Lücken hatte. Stattdessen hätten diese besser in die ,,naturromantische Periode" der frühen Zellbiologie zur Wende vom 19. zum 20 Jh gepasst, von der Reich wohl auch geprägt war, da half auch nicht das allerneueste Mikroskop von Reichert.
Einige seiner auf anderen Gebieten stärkeren und durchaus der Zeit vorausschauenden Beobachtungen machte Reich auf alle Fälle ohne ein Mikroskop.


Wilhelm Feussner: Die sonderbore Protozoologie des Wilhelm Reich {1897-1957) Mikrokosmos 102 ,2013, S 74-77 (http://www.wfoissner.at/data_prot/Foissner_2013_74-77.pdf)

Steven S. Nagy: Rediscovering Dr Reichs 150x microscope objective, 2003 (http://exo-science.com/microscope.pdf)   

James E. Strick: Wilhelm Reich, biologist. Harvard University press 2015

Beste Grüße Stefan