Anmerkung vorab: Ich kenne die Diskussion, ob es Wismut heißen sollte oder besser Bismut. Hatten wir auch hier im Forum schon. Ich möchte diese Diskussion aber nicht wieder aufmachen. Ich bleibe hier mal bei Wismut.
Hallo zusammen,
sicher kennen die meisten diese großen Kristalle aus Wismut.
Wismut groß.jpg
Da Wismut ein Metall ist, das schon bei etwa 271 °C schmilzt, kann man diese Kristalle relativ leicht am heimischen Herd wachsen lassen. Ein Video auf YouTube (https://www.youtube.com/watch?v=ydIke5-bXI8) zeigt das recht anschaulich.
Angeregt durch Bilder hier im Forum und vor allem auf Facebook habe ich mich entschlossen mir dieses Wismut genauer anzusehen. Genaueres Ansehen meint: durch das Mikroskop.
Zum Schmelzen habe ich einen elektrischen Schmelztiegel verwendet, wie er für Lötbäder benutzt wird. Wismut bekommt man problemlos bei Amazon oder eBay als Pellets oder Barren. Ist beides hochrein (99,99 %), wofür man sich entscheidet, hängt also vor allem von der Menge ab, die man schmelzen möchte. Dafür genügt nämlich auch schon ein Brüllcreme- oder Mini-Gasbrenner. Geht für den Anfang wohl auch. Hier ein paar Bilder:
P1050217.jpg
P1050220.jpg
Wismut 5 AL-DF BB = 4,0 mm.jpg
Bildbreite 4 mm
P1050221.jpg
P1050214.jpg
Mikrofotos folgen
Viele Grüße
Michael
Zunächst habe ich aus der Schmelze einen Kristall ,,herausgefischt" (siehe YouTube-Video aus vorherigem Beitrag).
Bildbreite = 14 mm.jpg
Bildbreite 14 mm
P1050225-Bearbeitet.jpg
Die folgenden Aufnahmen habe mit dem Orthoplan im Auflicht und Dunkelfeld gemacht.
Wismut 3 AL-DF BB = 4,0 mm.jpg
Wismut 1 AL-DF BB = 1,5 mm.jpg
Wismut 2 AL-DF BB = 0,63 mm.jpg
Die Auflicht-Aufnahmen gelingen aber auch auf ,,herkömmlichem" Weg: Schwedenfackel und Diffusor aus Kopierpapier.
Hier ein Beispiel:
Wismut 6 AL BB = 4,0 mm.jpg
Soweit erst mal.
Viel Freude beim Anschauen!
Michael
Hallo Michael,
schöne Bilder und eine Anregung. Ich habe auch noch einen Wismut-Kristall da. Aber bevor ich ihn schmelze, muss ich ihn erst noch makrofotografisch ablichten.
Viele Grüße
Ludger
Hallo Michael,
gute Idee erst einen Kristall einzuschmelzen um dann anschl. wieder welche zu "züchten". ???
Deine Fotos sind auf jeden Fall zeigenswert und "goldig".
LG Frank
Hallo Ludger, hallo Frank,
danke für die Rückmeldungen. Na ja, Metall schmelzen und Kristalle wachsen lassen ist mal etwas Anderes.
Hier noch ein paar Aufnahmen:
Wismut 7 AL-DF BB = 0,88 mm.jpg
Wismut 8 AL-DF BB = 3,4 mm.jpg
Wismut 9 AL-DF BB = 1,4 mm.jpg
Viele Grüße
Michael
Hallo Michael,
interessante Farben. Nicht die typischen Polarisationsfarben (ist ja auch keine Polatisation ;) ).
Viele Grüße
Ludger
Hallo Michael,
bei diesen glänzenden Kristallen treten gerne Spitzlichter auf, gar nicht so einfach das ohne Überbelichtung abzulichten. Das hast Du gut hinbekommen!
Ich habe eben auf die Schnelle mal den Koaxial-Illuminator an mein Stemi gebastelt und einen gekauften Kristall abgelichtet.
Dann mit dem original 1x PlanApo nochmal versucht und ein interessantes Detail entdeckt, da waren viele Farben drin.
Sollte das Bild stören, lösche ich natürlich gerne wieder den Post.
Das Detail ist ca. 0,5 mm breit und wurde mit einer Astrokamera von Touptek aufgenommen (12Bit TIFF). Um die Spitzlichter zu umgehen habe ich den Gamma Tip (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?msg=361150) von Holger Adelmann angewandt und den Gammawert auf 0,60 eingestellt, zusätzlich noch den Kontrast vor der Aufnahme etwas reduziert.
Anschl. wurde das Bild stark nachbearbeitet.
Leider wird die Brillanz der Okularbetrachtung nicht erreicht.
Kristall Übersicht-Detail koaxiallicht mit Pfeil.jpg
Hallo ihr beiden,
ja, es ist schon ein bisschen tricky, mit den vielen Spitzlichtern. Aber was will man von solch einem Metall bzw. Kristall anderes verlangen?
Da hast du ja ein schönes Detail gefunden! Das macht auch für mich gerade den Reiz aus, Stellen zu finden, die durch Form und Farbe besonders sind und die man so nicht erwartet hätte.
Hier ist noch solch eine Eckchen, oder besser eine Kante:
Wismut 10 AL-DF BB = 3,4 mm.jpg
Viele Grüße
Michael
Hallo Michael,
jetzt könntest Du ja tatsächlich noch mit POL arbeiten, dann siehst Du bestimmt auch weitere tolle Stellen.
Gruß aus Minden
Frank
Hallo Frank,
gute Idee. Allerdings ist das Ergebnis nicht so überzeugend.
Wismut 11.1 AL-POL BB = 4,0 mm.jpg
Auflicht POL
Wismut 11.2 AL-DF BB = 4,0 mm.jpg
Auflicht Dunkelfeld
Viele Grüße
Michael
Hallo Michael,
Interessant, dass es im Dunkelfeld bunter ist als mit POL. Aber erklärbar, da es ja beides Auflicht ist.
Für Durchlicht-POL scheint mir Wismut nicht transparent genug. ;)
Viele Grüße
Ludger
Hallo Michael,
Deine Beiträge sind Quell der Inspiration.
Und so habe ich mich mit Salzsäure über eine BiSn42-Legierung hergemacht. Ergebnis ist die typische Bi-Schachtelstruktur, wie wir sie von den Makrokristallen kennen.
Viele Grüße,
Heiko
BiSn42-Legierung, HCl geätzt.jpg
Hallo,
ich habe meinen Kristall nun doch etwas zerkleinert, damit ich den besser unter das Orthoplan bekomme.
Bilder mit ICR-Dik im Auflicht, derzeit noch mit Handy durch das Okular gefilmt und mit Helicon gestackt.
LG Frank
Bild 1 ungestackt, Einzelfoto
Wismut Orthoplan ICR bearbeitet.jpg
Bild 2 aus Video
2024-09-27 13-51-12 (B,Radius8,Smoothing4)264VID_20240927_103457_0017.jpg
Bild 3 in 3D
Snapshot 2024-09-27_13-55-38.jpg
Hallo zusammen,
@Ludger - nein, nicht transparent genug. Da helfen auch 100 s Belichtung und ISO 1200 nix. ;)
@Heiko - Interessant, BiSn42, wie bist du darauf gekommen, da mit Salzsäure ran zugehen?
Wie ist die Bildbreite, bzw. wie hast du die Aufnahme gemacht?
@Frank - Super, sind das die ersten Bilder mit dem Orthoplan? Besonders gefällt mir das 3D-Bild. Habe ich auch auf der To-do-Liste.
Mit Wismut wirst du noch viel Freude haben, besonders, wenn du den Hochofen anheizt.
Beste Grüße
Michael
Wismut 12 AL-DF BB = 2,9 mm.jpg
Hallo Michael,
das Foto entstand mit dem 40er im Auflicht.
Die Salzsäure löst die unedleren Bi-Metallkristalle heraus und lässt das edlere Zinn stehen.
Viele Grüße,
Heiko
Hallo Michael,
ja, das waren die ersten Bilder, welche vorzeigbar waren.
Mit Auflicht durch das Objektiv sind schon schöne Farben und Strukturen erkennbar.
Bei einigen Stellen, an der Bruchkante (hatte mit Seitenschneider einfach etwas abgequetscht) sind mittendrin dann plötzlich farbige Stellen. Das habe ich mehrfach gesehen.
Hochofen, Hmmm. Ich versuche mal mit Flamme was einzuschmelzen, mal sehen ob das geht.
LG Frank
Hallo,
@Heiko - danke für die Inofs. Sehr interessant.
@Frank - es muss ja nicht gleich ein Hochofen sein. Es geht auch so:
Wismut Mini-Brenner.jpg
Und so sieht das dann aus:
Wismut 14 AL-DF BB = 1,55 mm.jpg
Um die bekannten Formen der Wismutkristalle zu erhalten, braucht man aber etwas mehr Schmelze. Deswegen hatt ich mich für dieses Lötbad entschieden. Aber du kannst ja mal experimentieren.
Beste Grüße
Michael
Hallo Michael,
ja so ungefähr hatte ich mir das auch vorgestellt. Probiere gleich mal....
LG Frank
Bismut-Schmelzen.jpg
Hallo,
schmelzen geht, und denne? ???
Warten???
LG Frank
829202411521.jpg
geshmolzenes Bismut, und nun.jpg
Hallo Frank,
Zitat von: Nochnmikroskop in September 29, 2024, 11:11:02 VORMITTAGschmelzen geht, und denne?
Da passiert nix mehr. Unter dem Mikroskop anschauen. Wenn du aber die "richtigen Kristalle" ernten willst, brauchst du mehr Material und eine gewisse Tiefe der Schmelze.
Hattest du dir das YouTube-Video (https://www.youtube.com/watch?v=ydIke5-bXI8) angeschaut?
Das ist die Ernte eines "Fischzugs" im Lötbad:
Eine Ausbeute Tiegel.jpg
Geht mit Brenner und geeignetem Behälter sicher auch.
Beste Grüße
Michael
Hallo Michael,
danke für das Video, jetzt ist es klar. Schöne Ausbeute hast Du da kreiert.
Inzwischen habe ich meinen "Hochofen" auch angeworfen, aber vom "Fischen" wusste ich da ja noch nix.
Muss ich nachher nochmals versuchen, gleich kommen die Enkel, da soll das heiße Zeugs hier nicht rumstehen. ;D
Ich versuche dann trotzdem im Flachen zu Fischen, die Kristalle sollen ja nicht groß werden, sondern lediglich etwas ausgebildet werden, damit die unters Mikroskop passen. Bei höheren Vergrößerungen wird es doch erst richtig interessant. 8)
LG Frank
PS: unsere Wärmebildkamera bringt hier leider nur Murks-Werte, sowohl bei Alu, Stahl und Bismut!
Bild 1: mein flacher Hochofen, der erstaunlich präzise alle Temperaturen hält. Die Anzeige flackert, daher ist nur die 40 von den 340 Grad übrig geblieben.
Bismut 340 Grad.jpg
Bismut geschmolzen
Bismut 340 Grad -2.jpg
Wärmebid bei echten 340°C. Die heiße Aluplatte des "Ofens" wird kalt dargestellt -- autsch ....
1727603636743_100.JPG
Hallo Frank,
na dann mal los!
Ja, mit solchen Motiven hat die Wärmebildkamera Probleme. Es gibt aber eine neue Software für die TC001: TopInfrared (https://play.google.com/store/search?q=topinfrared&c=apps&hl=de)
Da kann man u.a. verschiedene Emissionsgrade einstellen. Habe ich aber noch nicht getestet.
Das Foto hier habe ich mit den Grundeinstellungen aufgenommen. Sollte aber etwas mehr als 270 °C sein.
TC001-1.jpg
Grüße
Michael
Zitat von: witweb in September 29, 2024, 17:56:58 NACHMITTAGSHallo Frank,
na dann mal los!
Ja, mit solchen Motiven hat die Wärmebildkamera Probleme. Es gibt aber eine neue Software für die TC001: TopInfrared (https://play.google.com/store/search?q=topinfrared&c=apps&hl=de)
Da kann man u.a. verschiedene Emissionsgrade einstellen. Habe ich aber noch nicht getestet.
Hallo Michael,
den Emmissionsgrad und die Raumtemperatur kann man auch bei TC001 App einstellen, habe ich aber ehrlich gesagt auch noch nicht für Edelstahl, bzw. Aluminium eingestellt. Ich glaube man kann das auch als Variante abspeichern. Muss ich morgen mal schauen, wenn der Ofen an ist.
LG Frank
Wismut im Auflicht-Dunkelfeld:
Wismut 15 AL-DF BB = 1,4 mm.jpg
Wismut 17 AL-DF BB = 1,7 mm.jpg
Grüße
Michael
Hallo Michael,
schöne Aufnahmen. Der Glanz auf der "Wiese" ist toll und auch die goldene Ecke des Quaders.
Ich habe aus dem ersten Versuch der Schmelze einfach mal ein Paar Muster abgelichtet. Diesmal mit dem Keyence, das hat mehr Arbeitsabstand. Alles normales Ringlicht-Auflicht.
Bild 1: der große Rest der Schmelze, da habe ich etwas mit einem Schaber die oxidierte Oberfläche des noch heißen Bismuts geschoben und anschl. abkühlen lassen.
20241001_154532 kleiner.jpg
Bild 2: ein abgebrochenes Stück, als Ganzes abgelichtet
20241001_115434 kleiner.jpg
Bild 3: die goldene "Kugelschreiberspitze" aus dem 3D-Panorama
20241001_115434 Ausschnitt klein.jpg
Bild 4: ein Ausschnitt aus einem weiteren Bruchstück mit Schuppen
20241001_113251 bearbeitet.jpg
Hallo Frank,
sehr gute und "goldige" Aufnahmen zeigst du da. Besonders das metallische Aussehen des Materials kommt gut rüber.
Wachsen deine Kristalle schon? Besonders groß brauchen sie ja nicht zu werden ...
Ich bin wieder fasziniert von den Details dieser Wismut-Kristalle - wie man sie eben nur mit dem Mikroskop entdecken kann.
Wismut 18 AL-DF BB = 1,7 mm.jpg
Wismut 19 AL-DF BB = 1,0 mm.jpg
Viele Grüße
Michael
Hallo Michael,
ich habe noch nicht wieder etwas eingeschmolzen, insofern wächst dann auch nix. ;D
Deine Bilder sind klasse, besonders der Würfel. Geht der noch etwas größer, höher aufgelöst?
LG Frank
Hallo Frank,
für das Forum skaliere ich die Bilder, bis auf wenige Ausnahmen, auf 800x533 Pixel. Damit macht Zoomen natürlich wenig Sinn, aber bei meinen Motiven geht es ja in erster Linie um das Bild als Ganzes. Bei Insektenflügeln oder Diatomeen wäre das sicher etwas anderes.
Für meine Homepage speichere ich die Bilder mit 1200x800, sollte ich vielleicht hier auch machen.
Den ,,Würfel" hatte ich, der Übersicht halber, nur mit 5 großen Schritten gestackt und dann am nächsten Tag leider nicht wieder gefunden. Dabei hat sich ein Problem mit der aktuellen Beleuchtungsart gezeigt. Beim Wismut hatte ich bisher immer mit Auflicht-Dunkelfeld gearbeitet. Geringes Kippen der Kristalle oder wenn ich ein anderes Objektiv verwendet habe, führte das schnell zu völlig anderen Bildern. Aus Gelb wird Schwarz oder umgekehrt, Objekte tauchen auf oder verschwinden, viele gleißende Reflexionen, je nach Objektiv und Lage des Kristalls an unterschiedlichen Stellen.
Das ist bei diesen Wismut-Kristallen alles normal und nachvollziehbar. Aber da kann dann schon mal etwas verschwinden. :(
Nun habe ich die Beleuchtungsart gewechselt und beleuchte die Szene mit zwei externen Blitzen. Der Bildeindruck ist jetzt ein völlig anderer, vor allem aber kann ich ohne Probleme das Objektiv wechseln und sehe immer noch das gleiche Motiv. Und ich kann auch mein Nikon CF Plan 20/0,35 SLWD mit 20,5 mm Arbeitsabstand nutzen. Das ist natürlich sehr vorteilhaft bei Objekten im 3D-Format. Und das Blitzlicht kommt wegen des großen Arbeitsabstandes auch ungehindert an die richtige Stelle.
Das Auflicht habe ich gedimmt und nutze es als Einstelllicht. Bei einer Belichtungszeit von 1/200 s kann das für die Dauer der Aufnahmen eingeschaltet bleiben, was beim Stacken sehr hilfreich ist.
P1050235.jpg
Hier sind zwei Bilder von den ersten Versuchen mit Blitzlicht.
Wismut 20.1 AL-BL BB = 1,7 mm.jpg
Wismut 20.2 AL-BL RL BB = 1,6 mm.jpg
Viele Grüße
Michael
Hallo Michael,
dass man schon mal eine Stelle nicht wiederfindet passiert hier öfters. Ich versuche, zumindest am Keyence, erst einmal ein großes 3D-Panorama anzufertigen, dann kann man später daraus Details rauskopieren. Das hat aber auch seine Grenzen. Wenn dann der Ausschnitt gefällt, dann finde ich den für höhere Auflösungen auch wieder. Die Beleuchtung und der Winkel des Tisches wird mit abgespeichert.
Beim Orthoplan macht mir der geringe Arbeitsabstand etwas zu schaffen, wusste ich aber vorher. Ich habe mir ein Paar Nikon Objektive mit etwas mehr AA (1mm) gekauft und hoffe, dass die diese Woche aus USA kommen. Die passen dann natürlich nicht zum DIK.
Die Blitzadaption von Dir gefällt mir, so einen Diffusor muss ich dann auch mal probieren, dann aber mit den Mitutoyos am Stackschlitten.
Ich habe ja noch vor den Blitz irgendwie in die Hauptbeleuchtung des Orthoplans einzubauen, mal sehen.... Aber dann wird das Problem beim Wechseln des Objektivs eine andere Optik am Kristall vorzufinden gleich bleiben, so wie Du es oben schon beschrieben hast.
LG Frank
Hallo,
nochmal ein paar Infos zum Blitzen.
Der eine Blitz wird über einen Transmitter angesteuert, der auf dem Blitzschuh der Kamera sitzt. Das ist auf dem Bild oben der linke Blitz. Dieser löst dann den rechten Blitz optisch aus. Beide Blitze können unabhängig voneinander eingestellt werden, der eine über das Kamera-Menü, der andere am Blitz selbst.
Durch die Position der Blitze, Abstand, Winkel usw. hat man großen Einfluss auf Licht und Schatten am Objekt. Da ist allerdings etwas Experimentieren gefragt. Natürlich könnte man auch noch einen dritten Blitz einsetzen, das ist aber selten sinnvoll. Oft reicht auch nur ein Blitz, der Diffusor reflektiert ja auch noch einen Teil des Lichtes, sodass auch die dem Blitz abgewandte Seite des Objektes beleuchtet wird.
Probleme gibt es beim Blitzen mit geringem Arbeitsabstand zwischen Objektiv und Objekt. Dann verdeckt u.U. das Objektiv das Licht von den Blitzen. Muss man sehen, was geht.
Zum Stacken verwende ich Helicon Remote, wo ich die Anzahl der Bilder einstellen kann und das Programm dann entsprechend oft die Kamera und den Blitz auslöst. Wie schon beschrieben, verwende ich das gedimmte Auflicht vom Mikroskop als Einstelllicht. Das bleibt die ganze Zeit eingeschaltet. Das ist sehr hilfreich, zumal ich bei Helicon Remote die Funktion ,,Fokusbereiche markieren" nutze.
Am Mikroskop drehe ich von Hand. ;)
Hier zwei Bilder von der gleichen Stelle des Wismut-Kristalls. Das erste Bild habe ich mit dem Auflicht des Mikroskops aufgenommen, das zweite mit dem oben gezeigten Blitz-Setup.
Das sind jetzt keine tollen Motive, aber man kann recht schön sehen, was die unterschiedliche Beleuchtung ausmacht.
Wismut 21.2 AL-DF BB = 4,0 mm.jpg
Wismut 21.3 AL-BL BB = 4,0 mmjpg.jpg
Viele Grüße
Michael
Nabend Michael,
danke für die "Erhellung" des Blitzthemas. Die Optik kann natürlich bei Auflicht und seitlichem Blitzlicht nicht gleich sein. Aber beides hat hier seine Daseinsberechtigung.
Beim Auflicht-Dunkelfeld, sieht das dann wieder anders aus, schätze ich. Da kommt das Licht ja auch seitlicher, oder?
Dein reines Auflicht kommt doch durch einen Polarisator. Kannst Du da nicht was drehen, also dass die Optik dann wieder besser passt nach dem Objektivwechsel?
Bei den Blitzbild, welches ich echt super finde, sieht man schön die Muskelstränge, mit leichtem Fettanteil. ;D ;D
Beim Bismut kann man wohl nix falsch machen, sieht eigentlich immer gut aus.
LG Frank
Hallo Frank,
natürlich haben alle Beleuchtungsarten ihre Berechtigung. Aber bei 3D-Objekten und Auflicht gibt es eben große Unterschiede im Ergebnis. Das hat ja auch seine Reize.
Ich hatte kein reines Auflicht verwendet, sondern immer Auflicht-Dunkelfeld. Sorry, ich hatte das nicht klar beschrieben. In #9 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=49717.msg363931#msg363931) hatte ich schon mal ein Bild gezeigt, das ich mit Auflicht und Polarisation aufgenommen habe. Das habe ich aber nicht weiter verfolgt, da mich das Ergebnis - für dieses Objekt - nicht überzeugt hat.
Nebenbei ist die Beleuchtung mit Blitzen in der oben beschriebenen Art bei mir nix Neues. Ich habe auf diese Art und Weise schon vor Jahren Micromounts fotografiert. Gelegentlich auch Details von Blüten.
Man kann sicher bei der Gestaltung von Diffusor/Reflektor noch einiges optimieren, lohnt sich hier aber sicher nicht. Der Kopierpapierzylinder hat sich bewährt. Kann man auch schnell in verschiedenen Höhen basteln, falls erforderlich.
Die "Muskelstränge" habe ich auch als solche erkannt. :) Schaue ich mir noch genauer an.
Viele Grüße
Michael
Noch ein 3D-Nachtrag zu den letzten Bildern (berechnet mit Picolay):
Wismut 21.3 AL-BL 3D BB = 4,0 mmjpg.jpg
Wismut 21.3 AL-BL RECY BB = 4,0 mm.jpg
Hallo Michael,
Ein sehr lebendiges Thema, die Tage möchte ich es mir mal genauer am PC durchgelesen & die Bilder anschauen.
Der "Würfel" gefällt mir sehr gut. Er zeigt schön das regelmäßige von Kirstallen und das unregelmäßige der Kristallisation.
Grüße
Peter
Hallo Michael,
danke für die 3D Bilder, sehen top aus.
Mal ne andere Frage. Macht die Lichtfarbe da nicht auch noch was aus? Blitz ca. 6000K, Auflicht 3500K geschätzt.
Aber man muss da ja nicht unbedingt eine Wissenschaft draus machen.
Peter,
das Ansehen am PC oder Tablet lohnt sich. Ich gucke mir das über das OLED Display am Tablet an, da kommen die Farben richtig gut raus.
LG Frank
Hallo Peter und Frank,
danke für die positiven Rückmeldungen!
Die Lichtfarbe ist bei beiden fast gleich, Hillersche LED für das Orthoplan 5100K, die Blitze 5600K.
Aber ich denke, es ist sowieso müßig, den Farben zu viel Bedeutung beizumessen.
Wismut sieht ja von Natur aus so aus:
Wismut-Brocken.jpg
Die Farben kommen erst infolge von Interferenzen durch die Oxidschichten zustande, die beim Schmelzen und Abkühlen an der Luft entstehen. Die zu beobachtenden Farben sind dann natürlich von vielen Faktoren abhängig.
Hier noch eine Aufnahme vom Planeten Bismuth.
Wismut 22.2 AL-DF RLLR BB = 3,5 mm.jpg
Wismut 22.2 AL-DF RECY BB = 3,5 mm.jpg
Viele Grüße
Michael
Hallo Michael,
entschuldigung, dass Du die hillersche Beleuchtung hast hatte ich nicht mehr bedacht. Obwohl, er verbaut gerne 4000K LED. Ist aber wohl in diesem Fall egal.
Planet Bismuth, haha. Warst Du zufällig in Ägypten im Urlaub, da sind doch klar Pyramiden erkennbar, nachts, mit Beleuchtung. ::)
Ich habe zwischendurch auch mal die Schmelze angeworfen. Aber bei der kleinen, flachen Menge konnte ich nicht wirklich sehenswerte Kristalle "ziehen".
LG Frank
Das ist doch ein Isländisches Alpenglühen!
Hallo,
ich hatte mich nach kurzer Rücksprache mit Stephan für 5100K entschieden. Hatte ich auch schon beim Zeiss Standard.
Das mit der Gewinnung der Kristalle ist ein wenig Glückssache.
Ich habe durch das Lötbad ja ein bisschen mehr Material zur Verfügung. Wichtig ist, das Material nach dem Schmelzen abkühlen zu lassen und erst kurz vor dem Erstarren nach Kristallen zu suchen.
Zur Gewinnung der Kristalle stecke ich da entweder einen kleinen Schraubendreher in die Schmelze und ziehe den laaangsam wieder raus. An der Spitze bilden sich dann oft kleine Kristalle, die man vorsichtig mit einem Seitenschneider abknuspern kann. Das Bild unten stammt von solch einem Exemplar.
Ergiebiger ist es, aus der Schmelze kurz vor dem Erstarren mit einer Pinzette größere Brocken herauszufischen. Dazu nehme ich eine Pinzette mit Keramikspitze. Gibt es für 6,99 EUR bei Amazon.
Das geht ganz gut. Wenn man nichts erwischt, kann man gleich nochmal erhitzen und das Spiel wiederholen.
Die Kristalle können ruhig klein sein, wir haben ja ein Mikroskop. :)
Petri Heil!
Michael
Wismut 24 AL-DF BB = 0,86 mm.jpg
Wismut 25 AL-BL RC BB = 1,3 mm.jpg
Wismut 25 AL-BL RL BB = 1,3 mm.jpg
Grüße
Michael
Hallo,
Amazon hat mir noch etwas glänzendes Rohmaterial gebracht, das sieht ja auch schon gut aus. Wenn man das auftrennt (Seitenschneider, oder Stecheisen, o.ä.) kommen nach kurzer Zeit sicher auch schon schöne Strukturen/Farben heraus, das probiere ich vor dem Einschmelzen auch mal aus.
Jetzt muss ich mir noch ein etwas tieferes Gefäß suchen, damit man mehr laaaangsaaam ziehen kann.
Ich hatte mit Metallpinzette probiert, mit wäremisolierendem Material könnte es noch besser klappen, da muss ich mal etwas probieren. Eine mit Keramispitzen hätte ich auch.
LG Frank
Bin gespannt, Frank.
Hier noch ein Kreuzblick-Bild von der letzten Aktion "Schraubendreher/Kristalle abknuspern". Auflicht-Dunkelfeld.
Grüße
Michael
Wismut 26 AL-DF RL BB = 1,5 mm.jpg
Hallo Michael,
Dein letztes Bild finde ich etwas, ähmm komisch :-\ , und wenn man dann noch schielen muss .... ???
Ich habe inzwischen meinen ersten Versuch mit dem Rohling unternommen.
Also das 100g Stück wurde mit einem Seitenschneider an einem dünneren Ende abgeknipst. Dabei sind wie zu erwarten war nicht genau die Stellen, welche ich mir ansehen wollte heil geblieben, aber was soll´s.
Auch konnte ich nicht wirklich eine besondere Oxydation an der Schnittstelle sehen, das hat mich etwas verwundert. Ich habe mit das größte Bruchstück an 2 gegenüberliegenden Seiten und den beiden Enden angesehen, dazu wurde es in eine mehrfach verstellbare Klemme gespannt.
Die Übersichtsbilder wurden per Handy gemacht, alle anderen am Keyence mit Ringlicht-Auflicht und HDR. HDR war nötig, um die starke Überstrahlung des Lichtes zu umgehen. Dadurch wird allerdings der schöne Glanz auch etwas dezimiert.
LG Frank
Bild 1: Übersicht und "Schnitt"-führung, größtes Bruchstück in Klemme
Bismut Rohstück und Abschnitt.jpg
Bild 2-5: Details aus der Probe, teils in 3D. Beim letzten Bild wurde nur etwas das Licht angepasst, schon waren andere Details klarer erkennbar.
Bismut Detail 1a und 1-3D.jpg
Hier die Stelle von Interesse, bevor ich das dünne Ende abgeknipst habe. Leider brach alles entzigfach.
Bismut-Detail vor Abtrennung und in 3D.jpg
Bismut Pyramide und Holzreste.jpg
Bismut Detail 2a und 2-3D.jpg
Bismut Detail 4a und 4b.jpg
Hallo Frank,
was findest du an dem Bild komisch? Die 3D-Darstellung für Kreuzblick? Oder das Motiv, die Farben, zu hell,zu dunkel ...?
Wismut ist wirklich sehr spröde, was es schwierig macht, einzelne Stücke sauber herauszutrennen. Jedenfalls mit Seitenschneider o.ä.
Deine Darstellung des metallischen Materials ist gut gelungen. HDR hat sich gelohnt.
Ist das letzte Bild das 3D-Bild?
Ich hänge noch ein Bild an, das ein Stück zeigt, das ich vom Schraubendreher abgezogen und dann mit dem Seitenschneider geteilt habe. Das Bruchstück habe ich auf dem Objektträger mit Hama Haftpaste fixiert. Da kann man nachträglich bequem die Position anpassen und das Teil ausrichten. Es ist etwas rustikal, mache ich aber schon ewig so. Die Stelle, die ich dann fotografiert habe (Auflicht mit Blitz) habe ich gekennzeichnet.
Viele Grüße
Michael
Knusper BB = 22mm.jpg
Zitat von: witweb in Oktober 16, 2024, 17:16:06 NACHMITTAGSHallo Frank,
was findest du an dem Bild komisch? Die 3D-Darstellung für Kreuzblick? Oder das Motiv, die Farben, zu hell,zu dunkel ...?
Hallo Michael,
das letzte Bild ist so Krisselig (vermutlich die Struktur) und das Violett sieht halt für mich komisch aus. Dazu muss ich sagen, das Violett auch nicht gerade meine Lieblingsfarbe ist. Die gleiche Stelle mit dem Rot finde ich echt gut. Ist wohl der von Dir beschriebene Effekt beim Wechsel des Objektivs.
Hast Du die Stelle mal etwas schräg gestellt und oder gedreht? Solche Würfelähnlichen Strukturen möchte ich auch noch produzieren, die gefallen, und dann noch in GOLD ::) .
Das letzte Bild von mir ist nur mit etwas anderem Licht gemacht, kein 3D. Hätte ich besser beschriften können, sorry. Es sollte zeigen, dass schon etwas anderes Licht anderes Details erkennen lässt.
An einem Bild, hier nicht gezeigt, änderte sich beim Stacken die Farbe. Von schönem Rot in so ein hässliches Violett-Pink, bäh.
LG Frank
Hallo Frank,
welche Software verwendest Du für die HDR-Bilder? Das Problem mit dem Hue-Shift (Rot zu Pink oder Blau zu Türkis) kenne ich von Photomatix mit gesättigten Farben.
Viele Grüße
Ludger
PS: Macht ruhig weiter mit dem Wismut. Das sieht alles sehr interessant aus.
Hallo Ludger,
die Software Funktion ist in meinem Mikroskop (Keyence VHX) eingebaut. Die Aufnahmen jeder Ebene beim Stacken werden scheinbar direkt verarbeitet, es dauert dadurch ca. 5x so lange, bis der Stack im Kasten ist. Erst im Nachgang kann man auf das Ergebnis starken Einfluss nehmen. Auch alles im Mikroskop-Menü, welches nach Beendigung automatisch erscheint.
LG Frank
PS: bei Canon ist ja die Software zur Bearbeitung von HDR-Bildern mit dabei. Ich glaube bei Panasonic auch. Welche Kamera verwendest Du? Hast Du schon die Hersteller-Software ausprobiert?
Hallo Frank, Ludger
danke Ludger für die ermunternden Worte!
@Frank - diese krisselige Struktur ist bei fast allen Wismut-Bildern zu sehen, die ich mit Auflicht-Dunkelfeld gemacht habe. Besonders hier schön zu erkennen (hatte ich schon mal gezeigt):
Wismut 10 AL-DF BB = 3,4 mm.jpg
Ich kann mir das nicht wirklich erklären, denn bei den Blitzaufnahmen sieht man davon fast nix.
Hier noch zwei Bilder, das erste mit Auflicht-Dunkelfeld, das zweite mit Blitz. Beide bewusst unscharf, aber man erkennt bei erstem schon das Grün, das dann auch dieses Krisseln aufweist.
Was auch gut zu erkennen ist, ist die Vielzahl von Farben und ganz viel Violett. Ich mag das auch nicht, aber man kann das hier fast nicht vermeiden.
Wismut AL-DF BB = 4,0 mm.jpg
Wismut AL-BL BB = 4,0 mm.jpg
Zum Schluss noch die Ecke eines Kristalls, geblitzt.
Wismut 28 AL-BL BB = 4,0 mm.jpg
Viele Grüße
Michael
Hallo zusammen,
@Frank, ich verwende meist eine Canon 80D am Mikroskop, zumindest für die Kristallfotos. Das eingebaute HDR nutze ich aber nicht, weil man da ja keinen Einfluss auf das Ergebnis hat. Am Mikroskop bin ich auch selten in die Bredullie gekommen, HDR verwenden zu müssen (das sieht bei euren Wismut-Fotos allerdings anders aus).
In der Landschafts- und Architekturfotografie schieße ich aber oft Belichtungsreihen und rechne sie am Rechner mit Photomatix um. Da taucht das Problem mit der Verschiebung der Farbtöne bei Erhöhung der Sättigung (durch das Tonemapping) hin und wieder auf.
@Michael, die Kristallecke sieht klasse aus, auch von den Farben. Das Krisseln im grün oben sieht zwar ein bisschen wie Farbrauschen vom Sensor aus, aber ich glaube nicht, dass es wirklich Farbrauschen ist. Sonst müsste es sich auch in anderen Teilen des Bildes bemerkbar machen, denke ich.
Viele Grüße
Ludger
Hallo Ludger,
eine Belichtungsreihe wäre auch ein guter Ansatz, zumal dann wohl auch RAW gehen würde, glaube ich.
Wenn RAW geht, dann hat man ja alle Möglichkeiten.
Hallo Michael,
ich habe gerade nochmal meine Bilder durchforstet, wenn ich grüne Stellen sehe, sind die auch krisselig.
Ich schließe mich Ludger an, die Ecke ist richtig gut abgelichtet, schöner Stack!
LG Frank
Bild der krisseligen Stelle nach Aufschmelzung und wieder Erkaltung
Ausschnitt aus Panorama - grünes Krisseln.jpg
Hallo zusammen,
danke fürs Kristalleckeliken!
Ich habe nochmal auf das Krisseln geschaut. Hier zwei Bilder mit etwas höherer Vergrößerung. Der abgelichtete Bildausschnitt ist bei beiden fast gleich, Bildbreite 0,45 mm. Die erste Aufnahme mit Orthoplan Auflicht-Dunkelfeld, die zweite wieder geblitzt. Ich habe nicht gestackt, sodass nur ein schmaler Streifen, etwas oberhalb der Mitte, im Fokus ist. Was man sieht, ist, dass das Krisseln unabhängig von Position, Farbe oder Beleuchtung vorhanden ist. Ob man das dann bei anderen Aufnahmen erkennt, hängt sicher noch von anderen Dingen ab.
Viele Grüße
Michael
Wismut AL-DF BB = 0,45 mm.jpg
Wismut AL-DF BB = 0,48 mm.jpg
Hallo zusammen,
@Frank, bei Deinem Bild ist schon einiges Luminanzrauschen zu sehen, allerdings kaum Farbrauschen. Das Farbrauschen hat wahrscheinlich die Software schon addressiert. Das Luminanzrauschen kann man Software-seitig auch reduzieren, was aber dann auf Kosten der Schärfe geht. Eine andere Möglichkeit wäre das Stacking von vielen Aufnahmen (gleicher Fokus, gleiche Belichtung), wie in der Astrofotografie üblich. Aber ob sich der Aufwand lohnt, sei mal dahin gestellt. Ich persönlich finde ein bisschen Rauschen nicht dramatisch.
@Michael, bei Dir sieht mir das eher nach Materialeigenschaft aus.
Viele Grüße
Ludger
Hallo zusammen,
das Krisseln habe ich auch oft gesehen, schein wie Metallic-Lack zu sein, also Minipartikel die das Licht anders brechen. Das ist kein Farbrauschen.
Ich hänge noch ein älteres Bild an mit mehreren Farben (nur kein Violett ;D ), da kriselt es überall auf dem Metall, die Umgebung ist dahingehend krisselfrei.
LG Frank
Bismut Krissel.jpg
Hallo Ludger und Frank,
na dann lassen wir es halt "krisseln".
Vielleicht kann man es bei der Bildbearbeitung klein halten, ohne den Gesamteindruck zu sehr zu beeinträchtigen.
Ich gehe jetzt Lack abdrücken!
Viele Grüße
Michael
Hallo,
das Thema Krisseln lässt einen ja nicht in Ruh.
Erstmal habe ich einen Lackabdruck mit Discofilm versucht. Es sollte geklärt werden, ob da nun Strukturen erkennbar sind, oder ob die Kamera was verursacht, oder ....
Gut erkennbar ist das Ablösen der kristallinen Struktur aus dem massiven Bismut-Stück (dieses war mal eingeschmolzen).
Dann kamen erneut Auflicht Aufnahmen mit unterschiedlichen Lichtarten.
Für mich ist erneut klar, diese feinen Strukturen sind kein Rauschen, sondern für Bismut typisch.
Viel Spaß beim Ansehen.
LG Frank
Bild 1 ist wieder mit schrägem Durchlicht, diesmal alles ohne Stacken. Im Übersichtsbild (oben links) sind die Strukturen des Oblique Einsatzes aus dem Stemi erkennbar, das sieht etwas wie Bildrauschen bzw. körniges Bild aus. Die anderen 3 Bilder zeigen den gleichen Abschnitt des Abdruckes nur mit unterschiedlicher Vergrößerung. Die höchste Vergrößerung zeigt dann auch das "echte" Krisseln des Bismuts.
Bismut Lackabdruck COB alle 2000Px.jpg
Bild 2 habe ich als Auflicht mit Segment-Ringbeleuchtung erstellt. Jedes der 4 Segmente zeigt klar andere Farben.
Bismut Segmentbeleuchtung HDR 2000Px.jpg
Bild 3 ist zur Demonstration der Veränderungen beim Zoomen (Hardwarezoom) gemacht worden. Hier sind praktisch keine Veränderungen an der Farbe sichtbar. Alles mit vollem Ringlicht und HDR.
Wieder dieses Lilaaaaaa :'(
Das Bild unten rechts ist nicht gestackt.
Bismut Koaxiallicht Vergrößerungsvergleich 2000Px.jpg
Hallo,
der Thread wächst ich komme nicht mehr mit.
Vielleicht fotografierst du dein Wismut mal untergetaucht in Wasser?
Zitat von: Peter_le in Oktober 22, 2024, 20:32:47 NACHMITTAGSHallo,
der Thread wächst ich komme nicht mehr mit.
Hallo Peter,
wo hapert es denn?
Idealerweise machst Du einfach mit. 8)
LG Frank
Zitat von: Nochnmikroskop in Oktober 22, 2024, 21:07:34 NACHMITTAGSZitat von: Peter_le in Oktober 22, 2024, 20:32:47 NACHMITTAGSHallo,
der Thread wächst ich komme nicht mehr mit.
Hallo Peter,
wo hapert es denn?
Idealerweise machst Du einfach mit. 8)
LG Frank
Die Zeit ;)
Mitmachen ist eine gute Idee. Mal sehen, Wismut müsste ich noch bei meinen Eltern haben.
Grüße
Peter
Hallo Frank, Peter
krisselig und violett. OMG. Müssen wir wohl mit leben. :)
Da hast du ja richtig Arbeit in das Thema gesteckt. Super!
Dass der Lackabdruck diese feinen Details abbildet, ist schon erstaunlich.
Ich hatte eigentlich gehofft, dass sich hier mal einer der Experten meldet und etwas zur Erhellung des Themas beiträgt. Egal. Ich habe mal ChatGPT gefragt. Die KI meint:
,,Die feine Struktur, die du bei erstarrtem Wismut beobachtest, entsteht durch die Art und Weise, wie das Metall beim Abkühlen kristallisiert. Wismut hat eine niedrige Schmelztemperatur und eine komplexe Kristallstruktur, die bei der Abkühlung zu einer Vielzahl von Kristallen führt.
Wenn Wismut schmilzt und dann langsam abkühlt, beginnen sich die Kristalle zu bilden. Die spezifische Temperatur und die Abkühlgeschwindigkeit beeinflussen die Größe und Form der Kristalle. Eine langsame Abkühlung fördert die Bildung größerer Kristalle, während eine schnelle Abkühlung kleinere und feiner strukturierte Kristalle erzeugt.
Zusätzlich hat Wismut eine relativ hohe Neigung zur Bildung von sogenannten ,,Zweiphasen" oder ,,Lamellenstrukturen", die ebenfalls zur feinen Struktur beitragen. Diese interessanten Muster und Farben, die oft sichtbar sind, entstehen durch die Oxidation und die unterschiedlichen Schichten von Kristallstrukturen."
Peter, was versprichst du dir vom "Wasserbad"?
Viele Grüße
Michael
Noch ein Bild in drei Varianten:
Wismut 30 AL-DF BB = 1,5 mm.jpg
Wismut 30 AL-DF RL BB = 1,5 mm.jpg
Wismut 30 AL-DF RECY B = 1,5 mm.jpg
Viele Grüße
Michael
Hallo Michael,
den "Goldklumpen" hast Du schön abgelichtet, toller Stack.
LG Frank
Hallo Frank,
danke. Ich habe noch ein paar Kristalle "gezogen". Die müssen wohl unsere Diskussion mitverfolgt haben, jedenfalls sich alle metallisch blank, kein Grün oder Pink zu sehen. Keine Ahnung woran das liegt. Vielleicht mache ich noch ein paar Aufnahmen von diesen Exemplaren.
LG Michael
Hallo Michael,
ja bitte weitere Bilder zaubern.
LG Frank
Einige Aspekte der Kristallisation wurden hier angesprochen. Leider – oder zum Glück, ist die Kristallisierung ein sehr interessanter Vorgang.
Kristallisierung und Schmelzen unterliegen der Entropie und Kinetik. Dazu einige Vorbemerkungen:
1. Hier geht es eher um Schmelzen & Kristallen von reinen Metallen.
2. Eine Schmelze ist immer (ja, immer) Energiereicher als ein Festkörper. Ein Eiswürfel mit ,,kalten" 0 °C würde in einer Schmelze von 0 °C ,,warmen" Wasser aufgelöst werden, nicht aber der Eiswürfel wachsen.
3. Das Vorkommen von ,,Keimen" ist wichtig. Der Eiswürfel von 0 °C würde sofort wachsen, würde man ihn in unterkühltes, -10 °C kalten Wassers legen. Das gilt für noch mehr Phasenübergänge.
4. Wärme, Temperatur und Entropie stehen in einem direkten Zusammenhang. Es ist nicht leicht, das immer verständlich und klar voneinander zu Trennen. *1
5. Schmelzen ist Aufbrechen der Bindungen zwischen den Atomen. Dafür wird Wärme benötigt. Kristallisation ist das Gegenteil: Starke Bindungen werden aufgebaut, Wärme wird frei.
Weiter...
A): Im Kristall ist die ehemalige Schmelze plötzlich geordnet. Dadurch sinkt die Entropie. Wärme wird ,,frei".
B): Beim Schmelzen steigt die Entropie. Wärme wird aufgewendet, um die Bindungen im Kristall aufzubrechen.
A und B ,,arbeiten" gegeneinander! In Lösungen, wie Kochsalz in Wasser, ist das finde ich, etwas weniger schwer nachzuvollziehen. Kristallisiert das Kochsalz, so wird das Wasser ausgeschlossen, das NaCl verliert die Hydrathülle. Dadurch steigt die Entropie dieses freigesetzten Wasser. Beim Auflösen dagegen steigt auch die Entropie, durch die Verteilung des NaCl's im Wasser.
Meines Wissens nicht gut verstanden ist der Prozess der Bildung eines ersten Kristalls. Für einen Kristall müssen sich die Atome in einer regelmäßigen Ordnung aneinanderlagern. Die Abstände und Winkel zueinander müssen stimmen. Und zwar unter Nachbarn, die sog. Nahordnung, aber auch weit entfernt, die sog. Fernordnung.
Es ist gut nachvollziehbar, wenn man sich einen Quadrat unterteilt in vier Quadrate vorstellt, dass es schwierig ist ein kleines Quadrat exakt an ein anderes kleines Quadrat anzulagern. Dagegen ist es einfach, mit einem vierten kleinem Quadrat das Quartett zu vervollständigen. Das geschieht auch in der Kristallisation: Das Wachstum findet oft bevorzugt an bestimmten Orten statt, besonders gut nachvollziehbar ist das an nadelförmigen Kristallen. Die Mininadel, an der großen Nadel, ist zudem der Schmelze exponiert, und geht eher ,,verloren".
Das nanoskopische Kriställchen ist einem weiteren Effekt unterworfen, im Verhältnis ist die Kristallfläche gegenüber dem Kristallvolumen sehr groß. Die Grenzflächenenergie ist sehr groß, beim Schmelzen wird diese v.a. als Wärme frei. Kinetisch ist das Schmelzen bevorzugt. Demzufolge ist es gut nachvollziehbar, dass Schmelzen oft unterkühlt sind, also nicht kristallisieren, obwohl man es wegen der Temperatur erwarten würde.
Es ist nicht leicht, an diesen ,,Anfangskristall" zu kommen. In der Forschung wartet man teilweise jahrelang auf diesen. In der Praxis provoziert man die Kristallisation häufig mit Impfkristallen, die wohl besten Krisallisationskeime. Teilweise sind auch Fremd-Stoffe möglich.
Mein Eindruck ist, dass große Wismut-Kristalle erwünscht sind. Das erfordert, denke ich:
1. Eine vollständige Schmelze, durch ausreichend Energiezufuhr und Kinetik -> Rühren, oder schlicht Konvektion durch hohe Temperatur könnten helfen - und Zeit. Sind noch sehr viel mikroskopisch oder nanoskopische Wismut-Kristalle in der homogen erscheinenden Schmelze, so wird man auch viele kleine Kristalle erhalten. Schließlich ist jedes Kriställchen ein Keim.
2. Die Temperatur langsam senken. Das Wachstum geordneter, großer Kristalle braucht Zeit. Zu schnelle Senkung (ich weiß nicht wie es genau beim Wismut ist) erhält man sehr kleine Kristalle oder einen amorphen Klumpen.
3. Ggf. einen kleinen Impfkristall vergrößern. Vielleicht sollte man den ,,vorwärmen", damit der kleine Impfkristall nicht die Schmelze zu schnell zu tief abkühlt.
Viel Erfolg!
Ich tue mich mit Thermodynamik & Kinetik nicht immer intuitiv, aber ich finde es sehr spannend! Daher bin ich gespannt auf Kommentare & Kritik & Korrekturen.
*1 So kann man z.B. die Alufolie aus dem Backofen direkt mit den Fingern anfassen. Sie hat zwar eine hohe Temperatur ,,heiß", aber sie hat nur wenig Wärme-Energie gespeichert. Dagegen kann man sich am Alu-Backblech, das schon aus dem Ofen raus ist, verbrennen, obwohl die Temperatur relativ gering ist. Dafür ist relativ viel Wärme-Energie gespeichert & übertragen worden. Zu aller Unklarheit kommt noch die Wärme-Leitung dazu...
Hallo Peter,
vielen Dank für die Erläuterungen zu Grundlagen der Kristallisation.
Wer sich mit Mikrokristallen beschäftigt, hat sich sicher schon mit dem einen oder anderen Aspekt deiner Überlegungen beschäftigen müssen. Unser aktuelles Thema - Wismut - ist da sicher etwas speziell, denn generell geht es ja bei dem Thema Kristallisation auch um solche Kristalle:
Optical Brightener, Mikrokristalle im polarisierten Licht, 6, Bildbreite = 0,65 mm.jpg
Oder um diese, nur mal als Beispiel:
Gelbflechte, Mikrokristalle im Auflicht (Blitz), 3, Bildbreite = 2,1 mm.jpg
Ich denke, das ist ein seeehr weites Feld.
Was du zum Schmelzen und Kristallisieren von Metall, hier also Wismut sagst, kann ich so bestätigen. Im Wesentlich habe ich meine Kristalle auch so gewonnen. Ich habe es sogar mit Impfen bzw. Keimen versucht, aber dazu hätte man wohl umfangreichere Versuche unter kontrollierten Bedingungen machen müssen. Also habe ich mich auf langsames Abkühlen und mechanisches ,,Anstoßen" beschränkt, um die Kristallbildung zu starten. Das ging nach einigen Versuchen ganz gut. Wobei, große Kristalle brauchen wir nicht, wir haben ja ein Mikroskop.
Kannst du etwas zu der ,,krissligen" Oberfläche des Wismuts sagen, die wir ja in den letzten Beiträgen umfangreich diskutiert haben?
Viele Grüße
Michael
Hier noch auf die Schnelle ein Foto von der letzten "Ernte". Alle Brocken habe ich nacheinander aus dem Löttiegel "gefischt". Das Teil ganz rechts hat sich gebildet, indem ich einen Edelstahl-Spatel langsam in die Schmelz getaucht und wieder herausgezogen habe. An der einen Seite hat sich ein schöner Kristall gebildet. Die anderen Brocken habe ich mit der Keramikpinzette herausgezogen. Die Zeit, die man für solche Aktionen hat, beträgt nur ein oder zwei Minuten, vom Beginn des Erstarrens der Schmelze.
Wismut = BB 40 mm.jpg
Viele Grüße
Michael
Zum Schluss noch eine Detailaufnahme für Kreuzblicker:
Wismut 31 AL-BL RL BB = 3,6 mm.jpg
Viele Grüße
Michael
Hallo Michael,
Deine neuen Kristalle, welche Du gezogen hast sehen z.T. ja schon recht Profimäßig aus, quasi verkaufsfähig. ;D
Für noch gleichmäßigere muss man wahrscheinlich größere Gebinde erhitzen und dann langsam ziehen, wie in dem Youtube Video.
Dein letztes Schielbild ist doch bestimmt ein Makro-Tortenguss :P . Interessant wie immer.
Ich habe noch nicht weiter experimentiert, war kurz im Urlaub. Bei der Naturschatzkammer in Neuheide hatten die auch Wismut zum Verkauf, allerdings alles etwas überteuert.
LG Frank
Hallo Frank,
wenn du dich vom Urlaub erholt hast, kannst du dein Wismut ja noch etwas weiter erforschen. Ich bin gespannt. Ansonsten würde ich unser Nischenthema jetzt mal beenden. Zum Schluss noch eine Aufnahme von dem großen, gekauften Kristall, den ich ganz am Anfang gezeigt hatte.
Um solche Kristalle zu bekommen, musst du wohl wirklich einen großen Topf aufs Feuer bringen. Es gibt ja eine ganze Reihe Videos dazu auf YT. Ganz lustig.
Meinen Kristall habe ich nur auf die Seite gekippt und losgestackt. Alles dabei, viele Reflexe und vor allem Pink und Grün ... :)
Wismut 32 AL-DF BB = 3,9 mm.jpg
Viele Grüße
Michael