Hallo,
in Vorbereitung eines Beitrags für das MKB versuche ich, Lackabzüge von Mikrochips herzustellen.
Das ist nicht einfach und mit meinen bisherigen Ergebnissen bin ich noch lange nicht zufrieden.
Ich habe verschiedene Nagellacke ausprobiert. Alle zu weich, auch die "extrem harten". Es lassen sich nur einzelne Fetzen vom Chip lösen. Ich habe veruscht, die Chipoberfläche mit Silkon und Teflon zu behandeln, um die Haftung zu reduzieren. Das geht Teilweise, aber dann hat man tausende winzige "Öltröpchen" im Film.
Gegenwärtig versuche ich, die Nagellackoberfläche mit einer sehr dünnen Schicht eines UV-Klebers zu beschichten. Das geht. Aber die Präparate werden zu dick. Und vor allem: ungleichmäßig dick.
Auch das Eindecken ist nicht trivial: alle Lösemittelhaltigen Eindeckmittel lösen sofort die winzigen Deteils im Nagellack auf.
Ein Reinraum wäre auch nett 8) .
Hier meine ersten Ergebnisse, eingedeckt in Glyzeringgelantine.
Bin für Tips dankbar.
Schönen Abend,
Carsten
Hallo Carsten,
in der Geologie benutzt man Azetat-Folie (https://www.amazon.de/Acetatbl%C3%A4tter-strapazierf%C3%A4hig-Kunststoff-PVC-B%C3%B6gen-Kunststofffolie-Schutzbindungen/dp/B09BZ8BVBM/ref=asc_df_B09BZ8BVBM/?tag=googshopde-21&linkCode=df0&hvadid=696330808008&hvpos=&hvnetw=g&hvrand=13098730525018196209&hvpone=&hvptwo=&hvqmt=&hvdev=c&hvdvcmdl=&hvlocint=&hvlocphy=9043016&hvtargid=pla-1485480460219&psc=1&mcid=8ed13bfd866339b0a4597392d77a21e9&th=1&psc=1&gad_source=1), um feinste Details von geätzten Anschliffen abzuformen: Man bestreicht den Anschliff mit Aceton und legt die Folie blasenfrei auf wie ein Deckglas. Aceton löst die Oberfläche der Folie an und diese Lösung dringt in die feinsten Oberflächenstrukturen ein. Das Aceton verdampft schließlich und man kann die Folie, die auf der Luftseite noch schön eben ist, abziehen und mikroskopieren.
Ob das auch für die Chips geht oder auch der Chip angelöst wird, kann ich Dir aber nicht sagen. Einen Versuch wäre es wert.
Hallo,
welchen Mehrwert bringt es einen Lackabdruck anzusehen, gegenüber den Originalen im Auflicht. Bei dem 50x/0,8 ist doch schon recht viel erkennbar. Es gibt auch Objektive mit hohem Arbeitsabstand von 3 mm.
Bringt dann der farblose Abdruck bei Immersion mehr??
Woher weiß man, das der Abdruck auch wirklich alles abbildet?
unwissende Grüße, Frank
Guten Morgen.
@Gerd, guter Tip, muss ich mal suchen, aber die aus Deinem Link sind viel zu dick. Aceton wäre kein Problem.
@Frank, als man mit interferrometrischen Methoden noch Dickenbestimmungen an Chipstrukturen vorgenommen hat, musste man feststellen, dass das in der Praxis gar nicht gut funktioniert. Die Aufenthaltswahrscheinlichkeit der Wellenfunktion ist an den Kanten nicht null und die "Eindringtiefe" der Welle materialabhängig. Da man auf so einem Chip viele Materialien hat, funktionieren die normalen Dickenberechnungen nicht. Daher hat man zu Zeiten des Interphako Lackabzüge der Chipoberflächen gemacht, um die Messung in einem optisch homogenen Medium durchführen zu können. Stichwort "Phasensprung".
Carsten
Hallo Carsten,
schönen Dank für Deine Erklärung.
Zur Reinigung von Schallplatten gibt es den Discofilm Reiniger https://www.discofilm-shop.de/ (https://www.discofilm-shop.de/) , der erzeugt einen mehr oder weniger transparenten Film und kann anschl. mit Hilfe eines Klebebandes abgezogen werden.
Siehe Youtube-Shorts https://www.youtube.com/shorts/lveHx63DpIA (https://www.youtube.com/shorts/lveHx63DpIA)
Es gibt auch ähnliche Versuche mit PVAc Leim. Ggf. könnte Lackleim helfen. Beide bleiben aber opak, je nach Schichtdicke.
LG Frank
Hallo,
Ich habe versuchsweise auch mal ein Chip-Lackabdruck gemacht. Benutzt habe ich Pattex Plasic. Es ist eine ältere Flasche Kunststoffkleber. Nutze ich eigentlich nur um Legeborsten fertig zu machen, sprich Haare in eine Kanüle kleben.
Diesen habe ich mit etwas Aceton verdünnt und auf einen Chip gegeben. Etwas gewartet und abgezogen.
Die "Folie" habe ich auf mit Wasser betropften OT gegeben, darauf ein DG und Fotos mit dem 20er Objektiv gemacht. Einmal Hellfeld und einmal Phako.
Hier das Bild.
Gruss
Michael
Hallo Michael,
das sieht doch richtig gelungen aus. Die Auflösung ist im Hellfeld sogar besser, finde ich.
Hast Du eine Idee, warum es den grünen Hotspot gibt?
Viele Grüße
Ludger
Hallo Ludger,
Ja weis ich, es liegt an meiner Kamera. Da ich aber meistens in sw Fotografiere stört mich das nicht weiter.
LG
Michael
Hallo Michael,
hast du diesen Kleber verwendet?
"Pattex Sekundenkleber Plastik flüssig"
In welchen Mengenverhältnis hast du Aceton zugegeben?
Interessant, dass du den Kleber wieder runtergebracht hast.
Super Ergebnis.
Liebe Grüße
Rudolf
2024-10-01 17_35_13-Pattex Sekundenkleber Plastik flüssig, Sofortkleber für alle Arten von Kunststof.jpg
Hallo Gerd,
kannst du das genauer beschreiben, wie du die Folie auflegst?
Steinschliff einstreichen, wie anpressen, wie lange warten?
Geht das mit Pflanzenblätter auch?
Oder verträgt sich das mit Aceton nicht.
Eine Messerspitze/Messerschneide wäre auch noch interessant?!
Liebe Grüße
Rudolf
Hallo,
kennt jemand Rox oder wie man das anmischt oder wo bestellt?
Soll in der Haaranalyse verwendet werden.
Einführungskurs Mikroskopie, Berliner Mikroskopische Gesellschaft, Seite 19
https://www.berliner-mikroskopische-gesellschaft.de/Einfuhrungskurs_in_die_Mikroskopie.pdf
2024-10-01 17_47_55-Einfuhrungskurs_in_die_Mikroskopie.pdf - Adobe Acrobat Reader (32-bit).jpg
Liebe Grüße
Rudolf
Hallo Carsten,
nur mal so eine Idee.
Könnte man Nigrin oder Tusche nehmen, um vielleicht den Kontrast zu verstärken?
Liebe Grüße
Rudolf
Hallo,
Ich habe diesen Kleber verwendet. Mischungsverhältnis Kleber:Aceton; 1:1.
LG
Michael
Hallo Rudolf,
ZitatHallo Gerd,
kannst du das genauer beschreiben, wie du die Folie auflegst?
Steinschliff einstreichen, wie anpressen, wie lange warten?
Man streicht den Anschliff mit Aceton ein, legt die Folie an einer Seite auf und rollt sie langsam auf den die Oberfläche, so dass keine Luftblasen drunter bleiben. Dann drückt man das überschüssige Aceton noch darunter raus und wartet, bis das verdampft ist. Das geht bei Aceton relativ schnell. Es macht sich gut, wenn man die Folie etwas größer wählt als den Schliff, um die gut anfassen zu können zum Abziehen.
Ich glaube nicht, dass das mit Blättern gut geht. Die groben Unebenheiten der Leitbahnen sind zu viel für diese doch recht steife Folie und ich denke auch, dass es schwer wird, das Blatt wieder hinterher ab zu ziehen, aber ausprobiert habe ich es noch nicht. Es gibt jedenfalls genügend Blätter, die auf ihrer Unterseite so stark strukturiert sind (z.B. Oleander), dass selbst der Nagellackabdrück nicht wieder im Guten runter zu bekommen ist.
Rox würde mich auch interessieren. Habe ich auch im Zusammenhang mit Abdrücken von Haaroberflächen gelesen, aber der Nagellack macht das auch schon recht gut. In TEERINK, B.J.: Hair of the westeuropean mammals, wird dafür eine 10 bis 20%ige Gelatinelösung benutzt, die mit etwas Thymol konserviert wird. Soll erwärmt und ganz dünn auf die Deckgläser gegeben werden und lässt sie wieder ablaufen (senkrecht auf Filterpapier stellen) so dass ein sehr dünner Film entsteht. nach ca. 5min werden dann die Haare eingelegt. und nach ca. 1/2h wieder abgezogen. Die Deckgläser werden dann mit Leimptropfen auf einem OT befestigt, natürlich mit der Gelatineschicht zum OT und können nun in hoher Auflösung betrachtet werden.
Ich habe kürzlich aber auch dafür Nagellack benutzt, der auf ein DG gestrichen wurde, worin ich dann sehr schnell das Haar eingedrückt habe. Zeitaufwand: 5min
Haar-Mensch-Lackabdruck.JPG
EinzelaufnahmeFür alle diese Abdrücke ist wichtig, dass man entweder ein einigermaßen flexibles Objekt hat (Haare, Blätter) oder ein flexibles Abform-Medium, wenn das Objekt sehr fest ist (Steine, Schallplatten) sonst kann man beides später nicht wieder trennen.
LG Gerd
Hallo,
ich habe noch mit anderen Nagellacken getestet. Werde schon beim Roßmann komisch angesehen... 8)
Eine halbe Stunde getrocknet und mit Nadel und Pinzette abgezogen.Leider wieder nur ein halber Chip, aber immerhin.
Die drei Bilder sind Durchlicht im Interphako-Kontrast mit dem 50er Planachromaten.
@Rudolf: nein, das geht nicht. Den Kontrast muss schon der Interphako richten. Ich will in dem Vortrag ja schließlich etwas messen, da wird Tusche etc. nur stören.
Schönen Abend
Carsten
Hallo Carsten,
die Bilder werden ja immer besser. Der Maßstab ist ja auch sehr klein.
Gibt es eine Möglichkeit, dass du die Dicke von dem Auftrag steuerst und vor allem den Lack auch plan bekommst.
Ist die Welligkeit an der Oberfläche ein Thema?
Wenn man einen Lack aufträgt, hat man immer das Gefühl, dass er wellig ist.
Vielleicht ein Deckglas auflegen(auch mit Aceton bestrichen)
Die Autlackierer schleifen, dafür ist Nagelack zu weich, der "Uhu hart" ist vielleicht ok.
Anflammen
Oder noch eine Idee, mit extrem feinen Acetonnebel oben aufsprühen
Apropos wie wäre es mit dem Aufsprühen von Lack mit einer Airbrush-Pistole?
Schichtdicken von ~35µm.
Nur mal so Ideen.
Liebe Grüße
Rudolf
Hallo zusammen,
für Lackabdrucke verwende ich bevorzugt den Klebstoff UHU hart. Entweder direkt in dünner Schicht auf die abzudruckende Fläche verteilen, antrocknen lassen (Minutenbereich, testen) und Film abziehen. Oder in einen angetrockneten Klebstofffilm auf einem Objekltträger das (kleine) Objekt kurz eindrücken und wieder entfernen. Einfaches Wasserpräparat herstellen. Kontrastierung durch Phako, schiefe Beleuchtung oder DIK.
Ein Beispiel für die zweite Methode im Phako:
Homo_Abdruck Objektiv 40x_APlanPh2_Forum.jpg
Haarabdruck (von einem der immer weniger werdenden Haare auf meinem Kopf), 40x, A-Plan Ph2. Vorheriges Putzen von Objektträger etc. hätte dem Bild gut getan.
Grüße
H. Ott
Hallo,
ich habe mir mal den Discofilm gekauft und auch mit einer kleinen Platine Versuche unternommen.
Der Discofilm hat etwa die Konsistenz von Honig. Er wird direkt satt aufgetragen (kein Trennmittel) und läuft dann zähflüssig in die feinsten Poren. Blasenbildung ist nur minimal erkennbar, wenn überhaupt.
Bei meiner Platine sind Bohrungen in die dann auch der Film hineingelaufen ist. An den Stellen war er recht schwer herauszubringen.
Der Ausgetrocknete Film (je nach Wärmeeintrag 2-20h, ich habe die Platine ca. 2h auf die warme Heizung gelegt) ist zähelastisch, scheint sich aber trotz der Anhaftung an den Bohrungen kaum zu dehnen, bzw. geht in die Ausgangsstellung zurück. Bei Schaltungen ohne Bauteile und Bohrungen wird die Ablösung leichter gehen.
Wie sich der Film, der mit erneutem Auftrag lt. Hersteller wieder zu dickerer Schicht verbindet, mit Lösemitteln reagiert müsste dann noch getestet werden.
Ich habe den losen Film ringsum mit Tesafilm auf Objektträger befestigt und nur den Teil der Betrachtung frei gelassen.
Bilder im Anhang.
LG Frank
Bild 1: Film teilweise mittels Pinzette abgezogen, Objektträger
Schaltung mit Filmabzug.jpg
Bild 2: Detail bei 33x, Stack incl. Bohrung in 3D. Das Bild ist ja ggü. Original 180° gedreht, also Bohrung geht nach oben.
Schaltung Detail 33x und 3D.jpg
Bild 3: 3D Panorama, 3D Höhendaten
Schaltung Pano 3D und 3D Höhen.jpg
Hallo Frank,
das ist jetzt aber im Auflicht betrachtet oder?
LG Gerd
Hallo Gerd,
nein, ist mit schiefer Beleuchtung im Durchlicht belichtet. Das ist ein genialer Einsatz vom Olympus Stemi den man in Grenzen noch einstellen kann.
Den Objektträger habe ich einfach so aufgelegt.
LG FrankOlympus Oblique-Einsatz.jpg
Hallo Carsten,
Ich hab mich auch einmal an einem Abdruck versucht. Mein Tipp an dich wäre "Bondic". Das ist ein UV härtender Kleber, ähnlich der Abformasse, wie er von Zahnärzten für Abdrücke verwendet wird. Vorteile von dem Zeug sind, das man einfach direkt einen Tropfen auf den Objektträger geben kann. Dann das Objekt in den Tropfen einsinken lassen, etwas festdrücken und dann von unten durch den Objektträger hindurch mit der UV-Lampe aushärten. Die Verbindung ist dabei nicht so bombenfest wie bei einem Harz, und das Material läßt sich wie eine Schutzfolie abziehen. Für Blattabdrücke ist das ideal, einfach das Blatt nach dem Aushärten abziehen. Auf dem Objekträger bleibt der sehr fein ausmodellierte Abdruck zurück. Dieser läßt sich auch ganz einfach mit einer Pinzette wieder als Ganzes vom Objektträger entfernen. Bei starren Objekten wie dem Chip ist das Trennen aber etwas schwieriger. Die Haftung am Silizium war fester als am Glas. Hier das Ergebnis:IMG_20241023_120454.jpg
Der Abdruck wurde in Wasser unter einem Deckglas abgedeckt.
"schräges"Dunkelfeld
Nikon Plan Fluor 10 0,3 Bildausschnitt
Hier das Ganze nochmal im Durchlicht DIC:
IMG_20241023_115441.jpgIMG_20241023_120050.jpg
Gleiche Probe, in Wasser+Deckglas
Nikon Plan Fluor 10 0,3