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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Peter T. in November 20, 2024, 15:36:57 NACHMITTAGS

Titel: Botanik: Magnolia liliiflora (Purpur-Magnolie) *
Beitrag von: Peter T. in November 20, 2024, 15:36:57 NACHMITTAGS
Neben der Pflasterritzenflora bleibt natürlich auch immer Zeit für die nichttrottoirgebundene Botanik.

Heute möchte ich einen Blattstiel eines Baumes zeigen, der Purpur-Magnolie. In China heimisch, wird sie hierzulande als Ziergehölz angebaut. Sie ist winterhart. Mein Exemplar steht in München in einem öffentlichen Garten.

Hier der Zweig, von dem die Probe stammt. Man sieht, es herbstelt bereits heftig.

Ml ü.jpg

Ich habe vom Blattstiel zwei Ebenen geschnitten, einmal proximal am Zweig und einmal distal ganz am Beginn des Blattes. Alle Färbungen FCA nach Etzold.

Blattstiel distal (4x Objektiv)

Ml 1.jpg

Und hier ein Detail (10x Objektiv)

Ml 3.jpg

Jetzt die Übersicht über den Stiel nahe am Zweig (Pano aus 3 Bildern, 4x Objektiv). (In der ersten Version war der Hintergrund verfärbt, danke an Hans-Jürgen für den Hinweis)

Ml 2.jpg

Bei den Leitbündeln ist oft nicht genau erkennbar, ob ein Kambium (also die Zellschicht zwischen Phloem und Xylem) vorhanen ist bzw. welche Zellen wohl dazu gehören. Man weiß aber, dass Leitbündel von zweikeimblättrigen (dikotylen) Pflanzen offen kollateral sind. Das wiederum ist die Definition eines Leitbündels mit Kambium.Ob eine Pflanze zweikeimblättrig ist, lässt sich meist schnell über Googeln rausfinden und wenn man weiß, da muss ein Kambium sein, dann kann man auch in schwierigeren Fällen versuchen, eine Zellschicht zuzuweisen. Kambiumzellen sind annähernd rechteckig, das ist ein gewisser Anhaltspunkt.
Das Kambium ist nach dem Mikroskopisch-Botanischen Praktikum von Wanner verantwortlich für das Dickenwachstum von Sprossachsen. Einkeimblättrige Pflanzen (z.B. Gräser) haben kein Dickenwachstum und benötigen also auch kein Kambium.

Hier zunächst die Übersicht über ein Leitbündel im Blattstiel der Purpur-Magnolie

Ml 7.jpg

Und hier mein Versuch, die Kambiumschicht zu markieren

Ml 7 k.jpg

Ihre Schönheit entfalten Pflanzenschnitte für mich immer in Bereichen, in denen sich etwas anderes abspielt als im Rest. Seien es Kristalle, Ölbehälter oder eben Steinzellen.

Hier ein Bereich, in dem man die Schichtung der verholzten Zellwände der Steinzelle schön sieht. In der Zellschicht darunter erkennt man eine Tüpfelung (quergeschnittene Tüpfelkanäle zwischen Zellen).

Ml 4.jpg

Und hier ein regelrechtes "Steinzellennest"

Ml 5.jpg

Zum Abschluss eine Ansammlung von Zellen mit den erwähnten Tüpfeln (entsprechend dem ersten Steinzellenbild erkennt man hier in einer darüberliegenden Ebene auch wieder Steinzellen)

Ml 6.jpg


Und ganz zum Schluss möchte ich noch eine Knospe dieser Magnolie zeigen (aufgenommen im März).

Mlb 1.jpg


Wie immer freue ich mich über Kommentare, Kritik und Korrekturen.
Titel: Aw: Botanik: Magnolia liliiflora (Purpur-Magnolie)
Beitrag von: Hans-Jürgen Koch in November 21, 2024, 10:01:21 VORMITTAG
Hallo Peter,

die Schnitte sind zu dick, es liegen mehrere Zellschichten übereinander.
Bei dem Bild (Übersicht über den Stiel nahe am Zweig) ist der Hintergrund auf der linken Seite blau.
Bitte werte meine Kritik als einen wohlwollenden Hinweis.

Gruß
Hans-Jürgen
Titel: Aw: Botanik: Magnolia liliiflora (Purpur-Magnolie)
Beitrag von: Peter T. in November 21, 2024, 10:12:24 VORMITTAG
Hallo Hans-Jürgen,

besten Dank für Deine Antworten.

Das mit der Schichtdicke kommt immer wieder mal vor, ich mache zwar immer mehrere Schnitte unterschiedlicher Dicke, aber dann verliere ich mich oft im Präparat und freue mich über die Strukturen, so dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe und zu dicke Präparate präsentiere. Manches Mal gelingt mir auch kein guter Schnitt, dann muss es halt der zweitbeste sein.

Das mit dem Blau dagegen ist ein dummer Fehler, das werde ich korrigieren.

In jedem Fall vielen Dank für Deine Reaktion!
Titel: Aw: Botanik: Magnolia liliiflora (Purpur-Magnolie)
Beitrag von: Fahrenheit in November 22, 2024, 19:36:43 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

das mit dem Cambium im Blattstiel ist so eine Sache: manche Blattstiele haben eines, andere nicht. Hier würde ich tatsächlich darauf tippen, dass der Blattstiel des Magnolienblattest kein Cambium aufweist: Cambiumzellen sind im Querschnitt meist ziegelsteinförmig mit dünnen zellwänden, das sehe ich hier nicht.
Metcalfe and Chalk scheigen sich dazu leider auch aus, sodass eine kleine Restunsicherheit bleibt.
Die allgemeinen Aussagen zu den Leitbündel (offen oder geschlossen kollateral z.B.) beziehen sich immer auf den Spross.

Womit und wie schneidest Du denn?

Auf jeden Fall ein schöner Beitrag, den ich gerne gelistet habe.

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Aw: Botanik: Magnolia liliiflora (Purpur-Magnolie) *
Beitrag von: Peter T. in November 22, 2024, 19:53:58 NACHMITTAGS
Lieber Jörg,

vielen Dank für die Aufklärung bezüglich des Cambiums. Dann werde ich beim Blattstiel einfach noch kritischer hinschauen und nicht nach dem Motto "muss doch da sein" etwas hineininterpretieren.

Ich schneide (selten) mit einem Handmikrotom und SHK-Klingenhalter und (meist, so auch hier) mit einem Euromex-Tischmikrotom mit normalen Rasierklingen. Dabei schneide ich meist anfangs eher dicke (ca 100µm) Schnitte und reduziere dann, wenn alles gut ethanolisiert ist und gut läuft, schrittweise (pro Schritt laut Anleitung 25µm) die Schnittdicke, so weit es eben geht.

Ganz herzlichen Dank auch für das Listing!
Titel: Aw: Botanik: Magnolia liliiflora (Purpur-Magnolie) *
Beitrag von: Fahrenheit in November 22, 2024, 20:03:43 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

immer gerne!

Wenn Du mit der Schnittdicke so um die 40 bis 60 µm bleibst, bist Du auf der sicheren Seite. Achte darauf, dass Du die Probe möglichst genau senkrecht zur Wuchsrichtung schneidest.

Beste Grüße
Jörg