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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Aljoscha in November 24, 2024, 14:57:06 NACHMITTAGS

Titel: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Aljoscha in November 24, 2024, 14:57:06 NACHMITTAGS
Hallo,

nachdem in der letzten Zeit Epithelzellen als Objekt zur Färbung mit Acridinorange verwendet wurden möchte ich eine Alternative zeigen. Die Färbung mit Ethidiumbromid hebt die Zellkerne und vorhandene Bakterien deutlich hervor, während das Zellplasma weitgehend unsichtbar bleibt.

Objektiv: Plan-Neofluar 63x/1.25, Grünanregung mit Zeiss-Filtersatz 14. Die Zellen wurden fixiert und dann mit Ethidiumbromid in dest. Wasser 1:1.000.000 für 15 Minuten gefärbt, danach gewaschen und in Glyzerin eingedeckt.

Ethidiumbromid wird auch durch UV angeregt. Es fluoresziert dann gelb-orange. Allerdings sind Helligkeit und Kontrast deutlich geringer als bei Grünanregung.

Viele Grüße

Alexander
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: K. B. in November 24, 2024, 15:17:35 NACHMITTAGS
Hallo Alexander,

super Färbung, vor allem der Kontrast ist sehr gut ausgeprägt, nur schade das Ethidiumbromid schwierig zu bekommen ist.
Hast du auch schonmal eine Kombinations-Fluoreszenzfärbung mit EtBr ausprobiert?

Viele Grüße
Kay
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Aljoscha in November 24, 2024, 17:01:54 NACHMITTAGS
Hallo Kay,

Ich verwende es nur als Einzelfärbung für DNA. Für Kombinationsfärbungen gibt es besser geeignete Farbstoffe.

Viele Grüße

Alexander
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Spectrum in November 24, 2024, 23:11:58 NACHMITTAGS
Hallo Alexander,
Kontrastreiche, knackscharfe Fluoreszenzaufnahmen präsentiert du uns hier. Ich würde mich auch sehr gerne einmal an Ethidiumbromid versuchen, aber zur Zeit sind fast alle meine Filter und auch die meisten LED's unterwegs zum Ausmessen. Hole ich aber bestimmt noch nach.
Bei welcherISO/Belichtungszeit wurde die Aufnahme gemacht?
Hast du mit dem Glycerin nur eingedeckt, oder auch immergiert?
Grüße Holger
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Aljoscha in November 25, 2024, 06:24:34 VORMITTAG
Hallo Holger,

Mit dem Glyzerin habe ich nur das Präparat eingedeckt. Das Objektiv wurde ganz traditionell mit Öl immergiert. Man braucht halt ein fluoreszenzfreies Öl. Belichtungszeit war 1/10 Sekunde bei ISO 1600, Canon EOS R.

Viele Grüße

Alexander
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Spectrum in November 25, 2024, 06:59:52 VORMITTAG
Morgen,
Ok, danke.
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Daniel Scheibenstock in November 26, 2024, 18:55:56 NACHMITTAGS
Hallo Alexander,

Danke für die gute idee. Leider hat mein erster Versuch nicht ganz geklappt. Anbei ein Bsp. Ich vermute überfärbt ?

Liebe grüße Daniel
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Aljoscha in November 26, 2024, 23:36:31 NACHMITTAGS
Hallo Daniel,

Ja, das sieht nach Überfärbung aus. Ich habe oben ja die Verdünnung genannt, mit der ich arbeite.

Viele Grüße

Alexander
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Daniel Scheibenstock in November 27, 2024, 08:15:41 VORMITTAG
Danke für die Bestätigung,

Vlt bin ich eine kommastelle verrutscht beim Rechnen🙈 Wie hast du eigentlich fixiert?
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Aljoscha in November 27, 2024, 08:38:14 VORMITTAG
Hitzefixierung, die hat den Vorteil, dass die Probe gut am Objektträger haftet und so das Waschen übersteht.
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Daniel Scheibenstock in November 27, 2024, 23:32:56 NACHMITTAGS
So neuer Versuch, Hitzefixiert. Saurer Puffer 30ul, 10ul von meiner Eth.Bromid Lösung und siehe da jetzt schaut das schon sehr gut aus:IMG_4356.jpeg

Das Foto entstand auf dem Zeiss Universal mit einem 40 Neofluar, Bild ist zugeschnitten und etwas bearbeitet.

Die Probe ist dieses Mal etwas besonderes. Als ich den Abstrich machen wollte kam gerade unser Hind zur Türe rein..........:))) :-)
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Holger Adelmann in November 29, 2024, 18:25:00 NACHMITTAGS
Liebe Kollegen,

das sind schöne Bilder. Bitte dran denken, dass Ethidiumbromid aufgrund seiner sehr hohen Affinität zu Nukleinsäuren stark mutagen ist. Also bitte Vorsicht - besonders mit dem Pulver. Und bitte sachgerecht entsorgen. Das Zeug gehört nicht in den Ausguss....

Viele Grüße,
Holger
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Daniel Scheibenstock in November 29, 2024, 20:09:11 NACHMITTAGS
Als Nachtrag zur Warnung: ein interessantes Dokument der Fa. Roth:

https://www.carlroth.com/medias/Infobroschuere-Gelfaerbung-Nukleinsaeuren-DE.pdf?context=bWFzdGVyfHRlY2huaWNhbERvY3VtZW50c3w1MTAwNjN8YXBwbGljYXRpb24vcGRmfGRHVmphRzVwWTJGc1JHOWpkVzFsYm5SekwyaGpNQzlvTkRndk9URXlNVFUxT1RFNE16TTVNQzV3WkdZfDdmMjA0MmVkZTFlOWU0NjMxZmI1YjU0NjRkNWQ5NWIxNGM0NGZkNGQyMjBjZGMyMzM1YTI3MjJhYjcxMjYzYTM

Liebe Grüße Daniel
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Aljoscha in November 29, 2024, 23:56:37 NACHMITTAGS
Hallo,

An diesem Beispiel sieht man sehr schön, wie sich Fakten im Lauf der Weiterverbreitung verändern.
Aus "Karzinogenität kann nicht völlig ausgeschlossen werden." und "potenziell erbgutverändernd" wird "ist stark mutagen".

Die wässrige Lösung ist nicht gefährlicher als die Farbstofflösungen, die jeder Mikroskopiker im Schrank hat. Das Pulver ist eine andere Sache, das muss man mit Sachverstand und größter Vorsicht handhaben. In den meisten Universitätslabors ist den Studenten der Umgang mit dem Pulver verboten.

Übrigens sagt das Sicherheitsdatenblatt für Natriumchlorid (https://www.carlroth.com/medias/SDB-3957-DE-DE.pdf?context=bWFzdGVyfHNlY3VyaXR5RGF0YXNoZWV0c3wyMzY0NDR8YXBwbGljYXRpb24vcGRmfGFESXpMMmcxT1M4NU1UZ3lNakUwTnpFM05EY3dMMU5FUWw4ek9UVTNYMFJGWDBSRkxuQmtaZ3xiOWZmYjI1Nzk0ZTMzODc0MTllMjMwZWVlMzA5MzIzZTQ1Mjk0YjMwZThmNWVjNTEyM2FmNzdiOGJmNWZmZjNm) "Das Eindringen in die Kanalisation oder in Oberflächen- und Grundwasser verhindern. Verunreinigtes Waschwasser zurückhalten und entsorgen." Also nie wieder das Kochwasser für die Nudeln einfach in den Ausguss kippen. Das muss fachgerecht entsorgt werden. Von konzentrierteren Salzlösungen wie etwa Urin wollen wir lieber nicht reden.

Viele Grüße

Alexander
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Daniel Scheibenstock in November 30, 2024, 01:07:32 VORMITTAG

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte weder etwas verharmlosen noch unnötige Panik schüren. Das von mir geteilte Papier zeigt jedoch klar auf, wie in solchen Fällen vorzugehen ist: Handschuhe sollten verwendet werden, da mögliche gesundheitliche Risiken nicht vollständig ausgeschlossen werden können. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass das Material ordnungsgemäß entsorgt werden muss. Den Hinweis auf eine verantwortungsvolle Arbeitsweise würde ich ohnehin als Standard beim Umgang mit Chemikalien voraussetzen.

Noch ein positiver Hinweis: Ethidiumbromid ist auch in vorverdünnten Tropfflaschen erhältlich. Diese bieten eine praktische Alternative, da sie durch ihre geringere Konzentration keine Gefahrenhinweise tragen und den sicheren Umgang erleichtern.
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Spectrum in November 30, 2024, 01:26:59 VORMITTAG
Hallo Forumskollegen,
Ich geb jetzt auch mal meinen Senf zu dem Thema dazu. Wie meine Vorredner bereits, in meinen Augen richtig, beschrieben haben, sollte man die Relationen beim Umgang mit bestimmten potenziell gefährlichen Stoffen wie Etidiumbromid und anderen mehr oder weniger giftigen Stoffen die zu unserem Hobby gehören, nicht ganz ausser Acht lassen.

Ein verantwortungsvoller Umgang und Vorsicht im Handling sollten selbstverständlich sein.
Voraussetzung dafür ist das man sich im Vorfeld ausreichend informiert.

Was Ethidiumbromid angeht gibt es (wie für viele andere DNA interkalierende Fluoreszenzfarbstoffe auch), allerdings  nur wenige fundierte Studien.
Im Falle des vieldiskutierten Ethidiumbromids wurde, was den Verdacht der Mutagenität angeht, diese durch den sogenannten Ames Test zumindest teilweise nachgewiesen. Ein cancerogenes oder teratogenes Risiko konnte bisher nicht belegt werden, liegt aber nahe.
Hierzu habe ich einmal folgenden Artikel verlinkt, der das meiner Meinung nach ganz bodenständig beschreibt:

https://www.laborjournal.de/rubric/methoden/methoden/m_v44.php?consent=1

Trotzdem, oder besser gesagt gerade deshalb, sollte man aber  alle sinnvoll umsetzbare Maßnahmen zum Eigenschutz und Schutz anderer beherzigen!
Nitril-Handschuhe (Latexhandschuhe bieten nachweislich keinen ausreichenden Schutz!), eine wasserfeste Einwegunterlage und die räumliche Trennung von Lebensmitteln (Thema Kühlschrank) und Kindern sind deshalb in meinem Verständnis bei diesen Stoffen auch im "Zweifelsfall" immer selbstverständlich.
Das tut nicht weh, und man ist im Fall der Fälle auf der sicheren Seite, ganz einfach.
Und ja, es macht einen Unterschied ob man mit pulverförmigen Substanzen arbeitet oder mit einer verdünnte Lösung bei der keine Gase oder Aerosole freisetzt werden. 
Wer das selbst einmal praktisch ausprobieren will dem empfehle ich einmal mit dem recht harmlosen Rhodamin B oder Fluorescein ohne Unterlage zu hantieren. Einfach mal so sorgsam wie möglich abwiegen und umfüllen und dann im Anschluss die Arbeitsfläche feucht abwischen und mit einer geeigneten Lichtquelle absuchen...

Was die Entsorgung angeht ist, denke ich auch eine Frage des gesunden Menschenverstandes. Sicherlich macht es einen Unterschied ob ein Großlabor seinen täglichen Umsatz an Gelplatten einfach so im Ausguss verklappt, oder ob der mikroskopierende Amateur einen Tropfen vom Austrich abspült...
Trotzdem sammel ich Reste an solchen Stoffen wo es geht in festschließenden Behältnissen (in meinem Fall medizinischen Spritzenabwurfsbehältern) und gebe sie dem Sondermüllmobil. Zusammen mit meinen Farbresten und den alten DDR Herbiziden die ich in meiner Gartenlaube gefunden habe.
Tut alles nicht weh und läßt sich alles mit gesundem Menschenverstand meistern.
Selbst die ach so gefährliche Pikrinsäure und tatsächlich alles andere als harmlose Kandidaten wie Osmiumtetroxid oder Flusssäure lassen sich verantwortungsvoll händeln.
Wenn man weiß was man da tut, und je nachdem auch die nötigen Schutzmaßnahmen kennt und umsetzt.
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Spectrum in November 30, 2024, 01:38:16 VORMITTAG
Anhang:
Hier ein Link zum oben angesprochenen Ames-Test:

https://www.dbu.de/OPAC/ab/DBU-Abschlussbericht-AZ-32654_01-Hauptbericht.pdf

Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Aljoscha in November 30, 2024, 01:55:46 VORMITTAG
Zitat von: Spectrum in November 30, 2024, 01:26:59 VORMITTAGWer das selbst einmal praktisch ausprobieren will dem empfehle ich einmal mit dem recht harmlosen Rhodamin B oder Fluorescein ohne Unterlage zu hantieren. Einfach mal so sorgsam wie möglich abwiegen und umfüllen und dann im Anschluss die Arbeitsfläche feucht abwischen und mit einer geeigneten Lichtquelle absuchen...


Hallo,

Wenn man Kristallviolett für diesen Versuch benutzt, braucht man nicht einmal eine geeignete Lichtquelle. Die Schweinerei ist mit dem bloßen Auge wahrnehmbar.

Viele Grüße

Alexander
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Alfons Renz in November 30, 2024, 11:24:57 VORMITTAG
Hallo,

Ethidiumbromid wurde und wird (wahrscheinlich noch heute) unter dem Namen "Homidium" zur Bekämpfung (Prophylaxe und Therapie) der Nagana (Trypanosomiasis bei Rindern) in großem Massstab in Afrika eingesetzt.

Ob die dabei erzielten Serumwerte den Konsum des Rindfleisch und der Milch beeinträchtigen, hat damals Niemanden interessiert. Denn ohne Prophylaxe gegen Trypanosomen können die meisten lokalen Rinderrassen (Bos indicus) und speziell die Europäischen Hochleistungsrinder nicht in Gebieten gehalten werden, in denen die Tsetse-Fliege (Glossina spp.) vorkommt. Das betrifft fast ganz Afrika südlich der Sahara.

Mit herzlichen Grüßen,

Alfons



 
Titel: Aw: Epithelzellen und Bakterien mit Ethidiumbromid
Beitrag von: Spectrum in November 30, 2024, 13:02:54 NACHMITTAGS
Danke Alfons,
Genauso isses.
Dazu giebt es übrigens auch einen wunderbar zu lesenden Beitrag im Laborjournal. Ich mußte da wirklich mehrfach herzhaft Schmunzeln:

https://www.laborjournal.de/rubric/methoden/methoden/m_v47.php?consent=1

Vollkasko-mentale Grüße
Holger