Hallo liebe Gemeinschaft!
Kurz die Vorgeschichte:
Vor einigen Monaten habe ich ein deutlich altes Mikroskop der Marke ,,W. Klein Wetzlar" gekauft. Ein eher seltenes Stück, schwarz, Hufeisentyp, passabler Zustand. Die Verkäuferin hat einige Teile einfach zusätzlich mitgegeben, die allesamt von Reichert stammen.
Darunter 10 Objektive, gut erhalten und auch von ausgezeichneter Qualität.
Zwei von diesen sind 40-fach Phasenkontrast-Optiken mit Irisblende. Eines (u.a.) mit ,,A Ph 40x" beschriftet und außen mit einem gelben Ring markiert, das andere mit ,,Ph 40x" (also ohne ,,A") und einem roten Ring versehen.
Ich hatte mich darüber gewundert, dass es gleich zwei 40-fach PHK-Objektivtypen von Reichert gab. Noch dazu hatte ich nur äußerst flüchtig diese Objektive mit einem Phasenkontrastkondensor von CARL ZEISS JENA mit der 40x-Ringblende (zum Lg gehörig) ausprobiert.
Ich vermutete, dass diese zwei PHK-Typen unterschiedlich alt seien. Und ich dachte außerdem, dass dieses ,,A" für ,,Achromat" steht. Neueres Reichert PHK-Objektiv, neue Benennungskonventionen. So in diese Richtung gehend ... :)
Die Tage aber habe ich entdeckt, dass das A Ph 40x mit der 40er-Ringblende einen beeindruckend schönen Negativ-Phasenkontrast liefert. Aber er wirkt in gewisser Weise anders als ich es von Abbildungen im Internet gesehen habe.
Relativ kräftig und immer mit einem braunen Hintergrund. Sieht toll aus.
Daher bitte die Frage: Ist das nun Negativ-Phasenkontrast oder eine spezielle Art von Kontrasterzeugung von Reichert.
Und ich bitte Euch sehr um Informationen aller Art zu diesem Thema. Was immer Euch einfällt! ;) ;) ;D
Sobald ich draufkomme, wie man den Lichtweg für Durchlicht beim Zetopan konfiguriert, kann ich mit dem dann passenden Kondensor sicher bessere Ergebnisse erzielen. Ist nicht so einfach ...
Liebe Grüße
Jakob
Hyvää huomenta Jakob,
Alvar Wilskas Anoptral Kontrast ist das Stichwort ;)
Beste Grüße Stefan
http://www.science-info.net/docs/reichert/A4/Gebrauchsanweisung_Phasenkontrast_Anoptralkontrast.pdf (http://www.science-info.net/docs/reichert/A4/Gebrauchsanweisung_Phasenkontrast_Anoptralkontrast.pdf)
Hallo,
hier gibt es ausführliche Beiträge zum Anoptralkontrast von Reichert:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=47782.msg351716#msg351716
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=47785.msg351737#msg351737
Herzliche Grüße
Peter
Guten Abend zusammen,
und ein herzliches Dankeschön an Stefan und Peter. Diese Hinweise zu Reicherts Anoptralkontrast sind ausgesprochen interessant!
Die bisherigen Ergebnisse entstanden mit einem CARL ZEISS JENA Kondensor, der für ein Lg-Mikroskop konzipiert ist. Im Hilfsmikroskop sieht man, dass der Ring des 40-fach A Ph von Reichert und der Blendenring nicht exakt aber zumindest einigermaßen deckungsgleich justierbar sind.
Ich finde diese Form des Phasenkontrastes absolut beeindruckend. Mir ist jedoch noch nicht klar, worin genau der Unterschied zwischen negativem Phasenkontrast und dem Reichertschen Anoptralkontrast besteht. Ich bin mir sicher, dass es optisch-technisch zu erklären ist.
Mehr Absorption der Phasenringe im Objektiv? Breitere Ringe?
Erfreulicherweise kann ich die Abbildungseigenschaften von positiven Phasenkontrast und Anoptralkontrast jetzt sehr bald genauest betrachten, denn ein Reichert-Mikroskop (das Zetopan) zeigt mir den (positiven) PHK bei gleich 5 Objektiven, da ich auch den dafür genau passenden Kondensor habe.
Das Zetopan zeigt noch viel mehr :) ;) , ich habe dann auch einige Fragen dazu. Das wird aber bitte ein eigener Thread.
Hier zeige ich bitte noch 2 Bilder, die meiner Meinung nach die unterschiedlichen Formen des Kontrasts recht nett darstellen. Etwas schlampig fokussiert, sorry! 8) :o ;)
Liebe Grüße
Jakob
Hallo Jakob,
ZitatIch finde diese Form des Phasenkontrastes absolut beeindruckend.
Das mag sein - allein, ich sehe davon nichts. Sei mir nicht böse, aber diese Bilder sind ja gruselig! Und das liegt doch nicht nur an der "schlampigen Fokussierung" ? ? ?
Beide Bilder zeigen für mich keinen Phasen- bzw. Anoptralkontrast, sondern irgendein Gemisch aus Phasenkontrast und vor allem schiefer Beleuchtung. Woher kommen sonst die 3D-Effekte?
Ausserdem scheint das Präparat untauglich, es dürfte sich um ein massiv eingetrocknetes Präparat handeln, oder? Ich vermute mal, dass das Mundschleimhautzellen sein sollen..?
Hast Du mal überprüft, ob die Phasenringblenden des Kondensors und die Phasen- bzw. Anoptralringe des Objektivs überhaupt kongruent sind? Hast Du ein Phasenteleskop benutzt?
Mach doch mal bitte Bilder von einem halbwegs "dünnen" frischen Mundschleimhautzellenpräparat (und richtig fokussieren ;) )
Herzliche Grüße
Peter
Danke Peter,
ich werde da Ordnung reinbringen und tadellose Aufnahmen liefern.
Die Fragen oben bleiben bitte dennoch bestehen. Falls Du bitte Lust, Laune, Zeit hast: Ein mustergültiges Anoptralbild zu sehen, wäre fein.
LG
Jakob
Hallo Jakob,
Peter hatte hier unter #8 orale Mukosa-Epis im Anoptral-Kontrast gezeigt Reichert Zetopan (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=22054.0).
Falls Deine Einstellungen so waren, wie oben bei deinen Bildern durch das Hilfsmikroskop: im Falle des Anoptralringes fehlt ja nicht viel, versuche ob Du durch Höheneinstellung des Kondensors die Ringe deckungsgleich bekommst. Für den normalen Phasenkontrast könnte dies schwerer werden, da die Abweichung größer ist, aber besser Köhler mal Köhler sein lassen und etwas kurbeln könnte sich, wie ein neues Frischpräparat, auszahlen.
Beste Grüße Stefan
Hallo Jakob,
sorry, ich habe jetzt erst beim nochmaligen Aufruf Deiner älteren Beiträge in diesem Thread gesehen, dass Du ein Phasenteleskop hast und die Ringe beim Anoptralobjektiv schon recht gut passen. Dann liegt es vor allem am total eingetrochneten Präparat, dass die Bilder so schlecht sind. Beim Phasenkontrastobjektiv wird allerdings nur ein geringer Teil des Phasenringes beleuchtete, dafür hast Du einen ausgeprägten "Hellfeldring". Das kann man eigentlich alles nicht verwerten.
Die von mir gezeigten Bilder des PhA sind auch nicht mit einem PhA-Kondensor entsatnden (den ich leider nicht besitze), sondern mit einem Polyphos-Kondensor (ähnlich einem Leitzschen Heine-Kondensor). Der Ring des Polyphos war - wenn ich mich recht erinnere - "dünner" als es erforderlich gewesen wäre. Somit gibt es aber zumindest kein "Fehllicht".
Da ich allerdings alle Komponenten - speziell das Zetopan - ziemlich tief "vergraben" haben, kann ich keine aktuellen Aufnahmen liefern.
Herzliche Grüße
Peter
PS: Falls jemand einen Kondsor für Anoptralkontrast für das Zetopan übrig hat - gerne her damit! ;)
Zitat von: Jakob_Wittmann in Dezember 26, 2024, 19:56:41 NACHMITTAGSMehr Absorption der Phasenringe im Objektiv? Breitere Ringe?
Ja, meines Wissens ist das mit dem breiteren Ringen der Fall. Leider habe ich zum Phasenkontrast viele Links dazu aus dem Forum nicht gespeichert. Die Mikrofibel, Seite 86, Antwort von Göke, bietet zumindest etwas Aufschluss.
Die Absorption der Phasenringe alleine ist nicht wichtig. Entscheidend ist, dass die Phasenringe eine Phasenverschiebung des Lichts bewirken.
Allgemein unterliegen viele Kontrastverfahren dem Kompromiss zwischen Kontrast und Auflösung, dem Herstellerangebot, dem Anwender und letztlich dem Geschmack.
Zeiss hatte wohl Metalldampf für seine Phasenringe verwendet, einige andere Hersteller Ruß und dementsprechend soll auch die Farbgebung unterschiedlich gewesen sein.
Grüße
Peter
Nachtrag:
Zeiss hatte zunächst die Lizenz des Phasenkontrast-Erfinders, Zernicke, und durfte wohl den Kondensor mit Ringblenden exklusiv verkaufen.
Zur Umgehung soll die Firma Leitz mit Nicht-Ring-Blenden experimentiert haben (Halbmond-, Kreuzförmigenblenden...), um schließlich mit dem Heine-Kondensor die Anwendung der Ringblenden umgehen zu können. Die Phasenringe des Ph v sollen schmaler sein.
Und offenbar scheint beim Phasenkontrast immernoch gearbeitet zu werden:
https://www.microscopyu.com/techniques/phase-contrast/phase-contrast-microscope-configuration
Stichwort Apodized.
ZitatADL (Apodized Dark Low - Medium Contrast) - Recently introduced by Nikon, the apodized phase contrast ADL objectives contain a secondary neutral density ring on either side of the central ring in the phase plate. Addition of the secondary rings assists in reducing unwanted "halo" effects often associated with imaging large particles or specimen features (such as nuclei, whole cells and fibers) in phase contrast microscopy. Apodized objectives are available in achromat optical correction and feature contrast levels similar to the DL objective series.
Ehrlich gesagt, von allen Kontrastverfahren die ich kenne, den Phasenkontrast habe ich am wenigsten, bzw. gar nicht verstanden.
Guten Abend liebe Runde,
spät aber immerhin eine Rückmeldung von mir ... ;) :)
Danke Euch allen für die Reaktionen.
Tja, der Anoptralkonrast und auch generell Phasenkontrast. Ich habe die Versuche mit dem Reichert A Ph 40× im Zusammenspiel mit dem CARL ZEISS JENA Phasenkontrastkondensor des Lg vorläufig abgebrochen. Mit einem der Ringe des Kondensor funktioniert die Kontrastmethode einigermaßen. Allerdings merkt man bereits bei kleinsten Änderungen der Konfiguration (beispielsweise eine 1/2 mm Absenkung des Kondensors) meiner Meinung nach so etwas wie ,,überproportionale" Veränderungen der Abbildung.
Ich vermute, dass der sichtbar überstehende Lichtring, den man mit dem Hilfsmikroskop (siehe die Abbildung ganz oben) einwandfrei erkennen kann, Nebenwirkungen bei selbst sehr kleinen Variationen erzeugt.
Dazu kommt, dass ich nun ein Reichert Zetopan habe, das unter sehr viel Zubehör auch einen exakt für positiven und Anoptralkontrast geeigneten Kondensor hat. Es ist die Ausführung für (auch) UV. Was bedeutet, dass dieser Kondensor auch für UV-Fluoreszenz-Durchlicht geeignet ist.
Zum Zetopan (ein ungemein beeindruckender Riese mit elitärer Feinmechanik versehen) werde ich aufgrund vieler Fragen sehr bald einen Thread eröffnen, denn alleine nur die Möglichkeiten des Lichtwegs sind relativ komplex. Auflicht mit verschiedenen Kontrastverfahren, diverse Durchlicht inkl. PHK-Arten, Fluoreszenz mit 200 Watt HBO Brenner, viele, viele Schieber und Hebelchen.
Kurz gesagt: Ein wunderschönes, gewaltig feines Instrument!
Zurück zum Anoptralkontrast. Ich bin mir sicher, dass es zu verstehen ist, wenn ich das Original für Anoptralkontrast verwende und nicht mit anderen Mikroskopen Kompromisse suche. Zumindest vorläufig, denn Experimente machen durchaus Spaß!
Ich habe statt mit Epithelzellen der Mundschleimhaut einen Versuch mit einem Diatomeen-Streupräparat unternommen. Gut ist das Bild noch nicht, es gibt da einige Feinheiten u.a. der Beleuchtungseinstellung, die besser gemacht werden müssen. Auch Wartung ist notwendig, denn Kollektor und Umlenkspiegel der 30 Watt Niedervoltbeleuchtung gehören gründlicher entstaubt. Und noch viel mehr.
Das Bild ist zudem etwas hart geraten, aber der Weg scheint wenigstens in eine stimmige Richtung zu weisen. ;) ;D
Liebe Grüße
Jakob
Abend Jakob,
einer dieser tollen Beiträge ist dieser hier:
Negativer Phasenkontrast - Anoptralkontrast https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=47785.0
Mir fällt ein: Ein englischer Hersteller hatte diese kreuzförmigen Blenden. Cooke?
Grüße
Peter
Guten Morgen!
Danke für den Link, Peter, dieser Thread ist ein wirklich gutes Beispiel für die Tatsache, wie beeindruckend das Ausmaß an Wissen bestimmter Mitglieder dieses Forums ist.
Hier meine ich Apochromat (Michael), der nicht nur hier ein enormes Maß an Fachkenntnis präsentiert.
Das soll bitte die Qualität der Beiträge anderer Forenmitglieder in diesem Thread nicht als minder erscheinen lassen.
Was ganz anderes, bitte: Mein Bildbeispiel gefällt mir immer weniger. Aber ich schaffe das noch ... 8) ;D ;)
Wobei: Das Herstellen alleine nur kongruenter Ringe ist beim Zetopan meistens nicht alleine mit Kondensorjustage zu bewerkstelligen. Man muss sich an die Bedienung gewöhnen. Macht aber Freude pur!
Liebe Grüße
Jakob
Hallo Peter,
Zitat von: Peter_le in Januar 13, 2025, 22:41:26 NACHMITTAGSMir fällt ein: Ein englischer Hersteller hatte diese kreuzförmigen Blenden. Cooke?
Meines Wissens nach hat die kreuzförmigen Blenden kurz mal C. Baker gebaut. Cooke, Troughton and Simms hatte den Zernike Phasenkontrast wie übrigens um 1950 schon etliche andere Hersteller auch angeboten (Zeiss Jena, Zeiss-Winkel, Reichert, L Koristka and Co., Officine Galileo, Beck, Bausch and Lomb Optical, American Optical Co.) (1, S 114f)
Über die anfänglichen Probleme beim Bau der Phasenkontrasteinrichtungen und der genauen Berechnung der Ringe hatte Michael ja auch schon einmal berichtet. Dass Leitz nicht gleich den Zernike Ph gebaut hatte, könnte neben der Lizenzgebühr auch daran liegen, dass der Heine Ph schon in Planung und Produktion war.
Interessant finde ich, dass im anglo-amerikanischen Raum früh sehr viel mehr verschiedenste Arten (positiver und negativer und Nuancen hiervon) gebaut worden sind; letztlich war aber die variable Vielfalt, wie beim Heine von Leitz, nicht das was sich in der Breite durchgesetzt hat.
Beste Grüße Stefan
(1) Bennett, Osterberg et al., Phase microscopy; principles and applications (https://archive.org/details/phasemicroscopyp00benn/page/2/mode/2up) 1951 (frei abrufbar)