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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: treinisch in März 07, 2010, 21:23:16 NACHMITTAGS

Titel: Nuklei – Ganz dumme Frage
Beitrag von: treinisch in März 07, 2010, 21:23:16 NACHMITTAGS
Geschätzte Mikroskopiker,

als Chemiker habe ich mich im Studium ja eher
mit tödlicher Materie beschäftigt. Lebende Studienobjekte sind erst
jetzt in den Fokus meines Interesses geraten.

Es gibt ja diesen Effekt, dass man nur sieht, was man kennt und
ich habe das Gefühl, dass ich gar nichts sehe. Will sagen:

Wie erkenne ich zum Beispiel Nuklei bei Einzellern? Da gibt es ja runde und lange,
L-förmige und C-förmige vor allem aber solche, die ich nicht sehe.

Wichtig ist wohl, dass man die Tierchen schön platt macht, das zu tun, ohne, dass
nur noch Matsch zu sehen ist, übe ich fleissig, aber ansonsten?

Worin unterscheidet sich optisch ein kleiner Nukleus zB von einer Vakuole?
(kontraktile Vakuolen erkenne ich wohl :-) )

Kurz: Gibt es irgendwelche Tips, wie ich unter all dem was ich im Inneren
eines Einzellers sehe den Kern / die Kerne im Hellfeld oder Phasenkontrast
besonders elegant/idiotensicher ausfindig machen kann?

Ich hoffe, die Frage ist nicht zu blöd, ein bisschen peinlich ist sie mir allemal.

Herzliche Grüße

Timm
Titel: Re: Nuklei – Ganz dumme Frage
Beitrag von: Dieter Stoffels in März 08, 2010, 12:20:12 NACHMITTAGS
Hallo Timm,

zunächst möchte ich Dir sagen, dass ich Deine Ausführungen weder für eine dumme noch für eine peinliche Frage halte. Das Erkennen von Organellen(Nucleus, Nucleoli, usw.) sowie von höhergeordneten Zell- und Gewebestrukturen muss durch Vergleiche erlernt werden. Hierzu ist es wichtig, dass Du Dir Präparate auswählst, die sich durch eine gewisse Übersichtlichkeit  (Zwiebelhäutchen, Munschleimhautzellen) auszeichnen. Bei diesen Präparaten sind die Kerne leicht auffindbar, so dass Du  die typischen Kernstrukturen auf einfache Art studieren kannst. Der Zustand eines Zellkernes hängt im Wesentlichem von seinem Aktivitätszustand ab. Entsprechend liegt das Chromatin in unterschiedlichen Zuständen vor. Bei einer kurzzeitigen Betrachtung findet keine Änderung der Chromatinstruktur statt, wohl aber kann der oder die Kerne im Zytoplasma der Zelle wandern oder rotieren. Im Unterschied hierzu unterliegen Partikel in Vakuolen häufig der Brownschen Molekularbewegung, was mikroskopisch gut zu verfolgen ist.

Für Dein weiteres Vorgehen würde ich Dir eine Zweigleisigkeit empfehlen. Suche Dir "einfache" Präparate mit klaren Zellverhältnissen. Betrachte diese Präparate im Hellfeld und im Phasenkontrast und suche nach einem möglichen Zellkern. Färbe anschließend das Präparat mit Karminessigsäure oder besser mit Orceinessigsäure. Bei Letzterem färben sich die Kerne tief blauschwarz an. Vergleiche das mikroskopische Bild des ungefärbten mit dem gefärbten Präparat. Wenn Du auf diese Weise einmal den Zellkern gefunden hast, wirst Du auch bei Folgepräparaten den Kern  ohne Färbung sicher identifizieren können. Eine Kernsuche bei komplexen Zellverhältnissen wie bei Protozoen, Algen und Pilzen kann sich sehr schwierig gestalten und erfordert genaue Kenntnisse zur Morphologie des zu untersuchenden Objektes. 

Vielleicht habe ich Dir ein wenig weiterhelfen können.

Viele Grüße!

Dieter
Titel: Re: Nuklei – Ganz dumme Frage
Beitrag von: Oliver S. in März 08, 2010, 13:31:54 NACHMITTAGS
Hallo Timm,
die Dinger im Kern heißen übrigens Chromosomen, weil man sie gut anfärben kann  (von griechisch χρώμα, chróma, ,,Farbe" und σώμα, sóma, ,,Körper", also ,,Farbkörper").
Gruß, Oliver