Hallo,
Michael Plewka hat hier:
Zitathttps://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=30255.0
zu einigen Rädertiern auf Frullania dilatata geschrieben.
Nun konnte ich heute eine interessante Beobachtung machen.
In einer frischen Aufsammlung mit F. dilatata fand ich auf der dem Stamm zugewandten Seite im Substrat frei liegend viele! kleine zarte orange Körperchen, z.T. einwenig eingedellt.
Mit einer wasserfeuchten Pinzettenspitze habe ich ein solches Körperchen aufgenommen und auf dem OT in einen Tropfen Wasser gegeben und mit dem DG zugedeckt.
Was ich am Mikroskop beobachten konnte zeige ich in den folgenden Bildern und möchte sie mit euch teilen.
Ich selber kenne mich mit Rädertieren nicht aus. Das ist überhaupt nicht mein Gebiet.
Kann es sein, dass es sich um die Trockenform von Mniobia scarlatina handelt, das Michael P. hier dokumentiert? https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Mniobia%20scarlatina.html
Alle Bilder sind am Nikon Optiphot mit den Achromaten 20 und 40 plan im DIC gemacht. Kein Stapel. Beleuchtung Hillersche LED.
Rädertier in der Übersicht Objektiv Nikon Achromat plan 20/0.40 DIC Balken 20µm
Rädertierchen I. Balken 20µm .jpg
Kauer; Objektiv Nikon Achromat plan 40/0.65 DIC.
Rädertierchen III. .jpg
Rädertierchen II. Balken 20µm.jpg
Oberflächenstruktur Balken 20µm
Rädertierchen iV. Balken 20µm.jpg
Grüsse Arnold Büschlen
Abend,
Besonders das zweite Bild gefällt mir sehr, hat etwas von einem surrealen Gesicht.
Grüße
Peter
Hallo Arnold,
in dem vorletzten Bild hast Du sehr schön zwei Merkmale dokumentiert, die zusammen für das von Dir auch schon vermutete Rädertier
Mniobia scarlatina sprechen: 1. die typischen Warzen auf dem Integument des Rumpfs und 2. die zapfenförmigen Sporen mit dem Zwischenraum. Als Zahnformel erkenne ich: 8/8 in Foto 2, was ein Unterschied zu dem von mir damals gefundenen Morphotyp (Zahnformel 7+1//+1 )ist.
Du schreibst:
ZitatIn einer frischen Aufsammlung mit F. dilatata fand ich auf der dem Stamm zugewandten Seite im Substrat frei liegend viele! kleine zarte orange Körperchen, z.T. einwenig eingedellt.
Hast Du davon vielleicht auch ein Bild?
Ich kann mir das nicht vorstellen: war das Lebermoos feucht? Es stellt sich nämlich die Frage, ob diese orange Körperchen sog. ,,Tönnchen" sind, d.h. Dauerformen (ohne aktiven Stoffwechsel), oder aber einfach kontrahierte Viecher. Es verwundert nämlich, dass in den Mikrofotos lediglich ein gelbgrüner Mageninhalt zu sehen ist, was wiederum (zusammen mit der Zahnformel) für die ähnliche
M. russeola spräche.
Dauerformen brauchen, je nach Art, zwischen wenigen Stunden bis mehrere Tage zum ,,Erwachen" aus diesem Dauerzustand. Dann sind die Viecher wieder aktiv, kriechen herum und entfalten ihr Räderorgan. Du schreibst nicht, ob sich die Viecher auf dem Objektträger bewegt haben. Hast Du evtl. noch ein Bild von einem lebendigen Viech mit entfaltetem Räderorgan? Das könnte hilfreich sein.
Leider ist gibt es nur wenig präzise Literatur zu diesen Arten, genausowenig präzise Fotos, insofern sind dringend weitere Informationen hilfreich. Ich selbst habe z.B.
M. scarlatina nur in den Proben, die Du mir seinerzeit geschickt hattest, gefunden, auch in anderen Frullania-Moosen nicht. Zur Ökologie dieser Arten ist wenig bekannt. Jede Zusatzinformation kann helfen, diese Viecher besser zu verstehen.
Beste Grüße
Michael Plewka
Hallo Michael,
besten Dank für deine Erläuterungen und deine Fragen.-
Zum Einen habe ich aus meiner Sicht gutes trockenes Material. Daraus kann ich dokumentieren was ich sehe.
Zum Anderen fehlt mir jegliches Grundwissen in Sachen Rädertiere.
Gibt es frei zugängliche Abbildungen von " Tönnchen" und von "kontrahierten" Rädertieren? Wie stabil sind diese Lebensformen?
Gerne teile ich mit, was ich beobachten kann.
Grüsse Arnold
Hallo,
Michal fragt oben:
ZitatIch kann mir das nicht vorstellen: war das Lebermoos feucht? Es stellt sich nämlich die Frage, ob diese orange Körperchen sog. ,,Tönnchen" sind, d.h. Dauerformen (ohne aktiven Stoffwechsel), oder aber einfach kontrahierte Viecher. Es verwundert nämlich, dass in den Mikrofotos lediglich ein gelbgrüner Mageninhalt zu sehen ist, was wiederum (zusammen mit der Zahnformel) für die ähnliche M. russeola spräche.
Meine Aufsammlung wurde am 22. Februar 2025 von einem Buchenstamm gelöst und wie bei Moosaufsammlungen üblich in eine Papiertüte gepackt. Darin ist sie verblieben. Das Ausgangsmaterial für die folgenden Bilder ist trockenes Material.
Am Stereomikroskop habe ich das Frullania dilatata Polster auf der Stamm zugewandten Seite untersucht und dabei zufällig die hier auf dem ersten Bild sichtbaren orangen Krümmelchen gefunden. Ihre Grösse beträgt ca. 100µm. Auf dem Bild kann man ca. 10 Stück erkennen.
Makro 1200 .JPG
Mit einer Pinzette habe ich ein kleines Stück Substrat mit einen orangen Krümmelchen herausgelöst und dies in einen Tropfen Wasser auf ein DG gegeben. In weniger als 1h hat sich daraus ein Rädertier entfaltet und sich auf dem Substrat bewegt. Mit einem OT versehen wurde das Präparat am Mikroskop berachtet.
Auf dem Bild das Rädertier total. Die Balkenlänge beträgt 20µm
Rädertier total Balken 20µm 1200.jpg
Das ausgefaltete Räderorgan konnte ich nicht beobachten. Hier aber 4 Bilder zur "Frontseite". Der Balken beträgt 20µm.
Rädertier Detail Front Balken 20µm 1200.jpg
Ich habe kein Blitz am Mikroskop. Alle Mikroskopbilder sind am Nikon Optiphot im DIC mit dem Nikon 20/0.40 plan gemacht.
Grüsse Arnold
Fantastische Story. Eine richtige Detektivarbeit. Und wir "live" mit dabei.
This forum rocks.
Lieber Arnold,
eine ganz besondere Symbiose auch im Überschneiden der Fachgebiete.
Vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
lG
Anne
Hallo Arnold,
Ich fang mal so an:
Du fragtest zunächst nach ,,M. scarlatina". Dabei weist dieser Artname: ,,scarlatina" auf die ,,scharlachrote" Färbung des Magen(Inhalts ) bzw. des gesamten Tiers hin. (Dass die Färbung des Mageninhalts ein Kennzeichen für eine Rädertierart sein kann, zeigt sich z.B. sich auch bei der Art Philodina roseola (https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Philodina%20roseola.html)). Das sieht auf Deinen zuerst gezeigten Bildern anders aus: Mageninhalt gelbgrün.
Insofern vielen Dank für die weiteren Erläuterungen. Damit wird ein Sachverhalt deutlicher, der im Zusammenhang mit den Rädertieren sehr wichtig ist: eine ,,frische Aufsammlung" hätte m.E. auch bedeuten können, dass die Probe feucht ist beziehungsweise nass, so dass die Rädertiere im nativen Zustand vorliegen würden.
Dadurch, dass jetzt klar ist, dass die Probe trocken war, kann man dann davon ausgehen, dass die Rädertiere im Überdauerungszustand, d.h. als Tönnchen, von Dir als ,,Trockenform" bezeichnet, vorgelegen haben. Du hast ja mittlerweile auch ein Bild von diesen Tönnchen hier eingestellt (ich selbst fotografiere diese Dinger eigentlich nie, weil sie für die Bestimmung von Arten nicht relevant sind. Ich warte eigentlich demzufolge immer, bis die Tiere durch Wässerung wieder ihren aktiven Zustand erreicht haben, so dass die Merkmale der lebendigen Tiere beobachtbar sind.)
Dabei ist der Übergang vom beweglichen Tier, das (kurzzeitig) kontrahiert, und den Tönnchen kontinuierlich. Es wird immer mehr Wasser über das Nierensystem nach außen abgegeben, das Tier ,,vertrocknet" also, aber nicht letal: bei manchen Rädertieren ist dieser Vorgang selbst nach Jahren reversibel.
Nach Deinem 1. Beitrag war auch nicht klar, dass sich die Viecher (noch) bewegt haben: eine solche Quetschung wie in den ersten Bildern zu sehen ist letal.
In Deinem 2. Teil ist die Farbe des Mageninhalts deutlich anders. Was die Ursache für diesen Farbunterschied ist, bleibt somit erst mal noch rätselhaft.
Beste Grüße
Michael Plewka
Hallo Michael,
besten Dank für dein antworten. Für mich als ein nicht Sachverständiger leider nicht immer nur konstruktiv.
Ich habe es schon oben erwähnt: Ich kenne mich mit Rädertieren nicht aus. Ich habe auch keine Kenntnis zu den unterschiedlichen Lebensformen dieser Tiere. Abbildungen als Beispiele der
sog. ,,Tönnchen" und einfach kontrahierte Viecher (deine Worte oben) zeigt anscheinend Niemand, aber man erwähnt sie immer wieder...
Warum? Das würde aus meiner Sicht helfen zu verstehen.
Du erwähnst:
ZitatNach Deinem 1. Beitrag war auch nicht klar, dass sich die Viecher (noch) bewegt haben: eine solche Quetschung wie in den ersten Bildern zu sehen ist letal.
Dazu meine Frage: Hat die Beweglichtkeit eine Auswirkung auf die Merkmale die ich gezeigt habe?
Dann:
ZitatIn Deinem 2. Teil ist die Farbe des Mageninhalts deutlich anders. Was die Ursache für diesen Farbunterschied ist, bleibt somit erst mal noch rätselhaft.
Warum rätselhaft? Der Unterschied ist minim und ist in beiden Bildern nie rötlich.
Ich habe keine Blitzeinrichtung am Mikroskop. Das Ausgangsmaterial ist gleich. Das Mikroskop und die Beleuchtung auch. Bei der zweiten Bildserie habe ich die ISO Zahl erhöht, damit ich bei Bewegung ein einigermassen scharfes Bild bekomme.
Grüsse Arnold
Hallo Arnold,
zu deinen Fragen:
ZitatAbbildungen als Beispiele der sog. ,,Tönnchen" und einfach kontrahierte Viecher (deine Worte oben) zeigt anscheinend Niemand, aber man erwähnt sie immer wieder...
Warum? Das würde aus meiner Sicht helfen zu verstehen.
Du hast doch selbst diese Tönnchen im Stereomikroskop gesehen und auch fotografiert.
Wenn du dazu noch konkrete Fragen hast, die über das hinausgehen, was ich bereits geschrieben habe, versuche ich die gerne, diese zu beantworten.
ZitatDazu meine Frage: Hat die Beweglichtkeit eine Auswirkung auf die Merkmale die ich gezeigt habe?
So, wie du die Frage stellst: eindeutig nein!
Aber darum geht es auch gar nicht. Vielmehr ist die Bewegung ein Indikator für den morphologischen und physiologischen Zustand der Tiere, den es mit den bisher bekannten artbestimmungrelevanten Merkmalen abzugleichen gilt. An einem Tönnchen hat man beispielsweise überhaupt keine Chance, das Räderorgan dergestalt zu fotografieren, dass es für die Bestimmung nützlich ist. (Siehe Bild 2 im 1. Beitrag).
Mir ist jetzt erst aufgefallen:
Zitat.....und dies in einen Tropfen Wasser auf ein DG gegeben. ...Mit einem OT versehen wurde das Präparat am Mikroskop berachtet.
Bei mir kommen die Objekte immer zunächst auf den Objektträger und darauf ein DG. Warum machst du das anders?
ZitatWarum rätselhaft? Der Unterschied ist minim und ist in beiden Bildern nie rötlich.
Und da wiederhole ich mich: deine Rädertiere haben einen Mageninhalt, der sich eindeutig farblich unterscheidet von dem, was für die von dir angefragt
M. scarlatina bekannt ist. Möglicherweise eine unbekannte Art. (Der Zoologe Zelinka hat mal eine ,,
Callidina lutea" mit einem solchen Mageninhalt genannt, die aber nirgendwo in der Literatur wieder auftaucht). Deshalb versuche ich, diesen Unterschied zu verstehen und einzuordnen. Dazu gehört selbstverständlich auch der Aktivitätszustand (Dauerform versus nativ). Für dich mag der Unterschied der Farbe des Mageninhalts ,,minim" sein (ich will ja nicht soweit gehen zu kommentieren: wenn es nicht rätselhaft ist, kannst du ja sicherlich die Ursache für den Unterschied erläutern ;-)......), aber nach der jetzigen Darstellung ist nicht klar, ob die Farbe des Mageninhalts mit dem Übergang aus der Tönnchenform in den nativen Zustand zusammenhängt. Die Tönnchen sind orange, davon ist der in den Fotos nirgendwo etwas zu sehen. Das kenne ich von anderen Rädertieren anders. Es wird aus deiner Beschreibung auch nicht klar, ob deine Bilder von einem oder mehreren Tieren stammen.
Hat sich denn in den letzten Tagen in den gewässerten / feuchten Proben etwas an der Farbe der Tiere / Mageninhalt verändert?
Ist der Standort des
Frullania-Mooses der Sonne ausgesetzt?
Beste Grüße
Michael Plewka
Hallo Michael,
danke für deine Rückmeldung und dein fragen.-
Ich versuche mich zu erklären und beginne mit den einfachen Dingen:
ZitatBei mir kommen die Objekte immer zunächst auf den Objektträger und darauf ein DG. Warum machst du das anders?
Es ist eine Angewohnheit meiner Arbeitsweise. ;)
Ich richte meine Objekte aus der Bryologie und Mykologie gerne auf dem DG aus, weil ich da die Objekte gezielt ausrichten kann und wenn ich den OT mit zwei Händen am Stereomikrokop kontrolliert auflege, kann ich das besser kontrollieren.
ZitatDu hast doch selbst diese Tönnchen im Stereomikroskop gesehen und auch fotografiert.
Wenn du dazu noch konkrete Fragen hast, die über das hinausgehen, was ich bereits geschrieben habe, versuche ich die gerne, diese zu beantworten.
Bei den Begriffen "Tönnchen" und "einfach kontrahierte Viecher " stehe ich immer noch auf dem Schlauch. Für mich sind das zwei Formen die sich deutlich unterscheiden. Was habe ich vor mir? Tönnchen oder einfach kontrahierte Viecher ?
Zur Farbe:
in meiner trockenen Aufsammlung zeigen sich die gezeigten "orangen Krümmelchen" orange. Wenn ich ein solches Objekt in einen Tropfen Wasser gebe, entwickelten sich daraus die gezeigten Rädertiere mit der eher gelb, gelbgrünen Färbung.
Dass sich die beiden Bildfolgen in der Farbe unterscheiden, führe ich daraufhin, dass ich mit unterschiedlichen ISO Zahlen gearbeitet habe und unteschiedlich lang belichtet habe.
Das ist meine Erklärung dazu. Aus meiner Sicht und auf Grund meiner Erfahrung in der Bryologie würde ich dem vor erst nicht zu viel Gewicht geben. Dazu benötigen wir doch Erfahrung aus vielen Beobachtungen, oder nicht?
Soviel für den Moment. Ich werde in einem weiteren Beitrag etwas ausführlicher zur Ökologie der Laub-und Lebermoose als Epiphyten schreiben.
Grüsse Arnold
Hallo Michael und Interessierte,
Hat sich denn in den letzten Tagen in den gewässerten / feuchten Proben etwas an der Farbe der Tiere / Mageninhalt verändert?
Nein, das aufgesammelte Material liegt bei mir trocken gelegert.
Ist der Standort des Frullania-Mooses der Sonne ausgesetzt?
[/quote]
In der Schweiz kommt F. dilatata fast flächendeckend vor. Als Epiphyt lebt dieses beblätterte Lebermoos auf seinen Trägerbäumen vom Stammfuss bis weit in die Krone. Nach meinen Beobachtungen werden Laubbäume gegenüber den Nadelbäumen deutlich bevorzugt. Darunter finden wir Buche, Hagebuche, Ahorne, Holunder, Esche, Hasel, Vogelbeere . Diese Auflistung ist nicht vollständig.
Viele Frullania - Polster sind oft von anderen Laub- und Lebermoosen durchwachsen. Es gibt auch Flechten die diese Polster besiedeln und Ascomyceten als Bryoparasiten kommen hier vor. Die Polster sind oftmals mehrschichtig gewachsen. Die untersten Schichten (der Rinde anliegend) sind bereits abgestorben. Darin und darauf sammelt sich wie in einem Filter was durch das Niederschlagswasser (Regen, Schnee) von der Baumkrone über die Rinde zum Stammfuss läuft. Deshalb ist das Nahrungangebot für wirbellose Substratabbauer sehr vielseitig.
Viele Epiphytenstandorte sind Extrem-Standorte. Der totalen Nässe folgt sehr schnell eine totale Austrocknung. Im Herbst, nach dem Laubfall werden schattige Standorte oft der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt.
Ich meine, dass wir dies alles in die Rädertierbeobachtung miteinbeziehen müssen.
Ich kann mir auch vorstellen, dass sich das Nahrungsangebot innerhalb der verschiedenen Jahreszeiten ändert.
Grüsse Arnold
Hallo Michael und alle Interessierte,
Michael schreibt oben:
ZitatUnd da wiederhole ich mich: deine Rädertiere haben einen Mageninhalt, der sich eindeutig farblich unterscheidet von dem, was für die von dir angefragt M. scarlatina bekannt ist. Möglicherweise eine unbekannte Art. (Der Zoologe Zelinka hat mal eine ,,Callidina lutea" mit einem solchen Mageninhalt genannt, die aber nirgendwo in der Literatur wieder auftaucht). Deshalb versuche ich, diesen Unterschied zu verstehen und einzuordnen. Dazu gehört selbstverständlich auch der Aktivitätszustand (Dauerform versus nativ). Für dich mag der Unterschied der Farbe des Mageninhalts ,,minim" sein (ich will ja nicht soweit gehen zu kommentieren: wenn es nicht rätselhaft ist, kannst du ja sicherlich die Ursache für den Unterschied erläutern ;-)......), aber nach der jetzigen Darstellung ist nicht klar, ob die Farbe des Mageninhalts mit dem Übergang aus der Tönnchenform in den nativen Zustand zusammenhängt. Die Tönnchen sind orange, davon ist der in den Fotos nirgendwo etwas zu sehen. Das kenne ich von anderen Rädertieren anders. Es wird aus deiner Beschreibung auch nicht klar, ob deine Bilder von einem oder mehreren Tieren stammen.
Ich habe mich nochmals am Stereomikroskop in die "trockene Aufsammlung" vertieft und dabei orange und kleinere gelbliche Trockenstadien gefunden. Ich nahm einen kleinen Seitentrieb von F. dilatata und gab diesen auf einen Hohlschliff mit Wasser. Nach <1h konnte ich mit einer Pipette daraus einige Rädertiere auf einen OT geben und deckte bei hoher Schichtdicke mit einem 24x24mm DG.
Bild 1 und 2 wurden am Nikon Optiphot DIC mit dem Achromat plan 20/0.40 und LED nach Hiller gemacht. Wir sehen 2 Rädertiere, unterschiedlich gross und mit farblich unterschiedlichem Mageninhalt.
Der Balken beträgt 20µm.
Rädert. I 1200 Balken 20µm.jpg
Rädert. II 1200 Balken 20µm .jpg
Bild 3 zeigt das gleiche Rädertier wie auf Bild 2. Es wurde ABER an einem Leica mit Halogenbeleuchtung
gemacht.
Rädert. III 1200 .jpg
Es scheint, dass in der vorliegenden Aufsammlung unterschiedliche Arten zu finden sind, und Farben unterschiedlich dargestellt werden können.
Grüsse Arnold
Hallo Arnold,
vielen Dank für deine weiteren Infos und Bilder. Die zwei Individuen aus den neuen Bildern 1+2 unterscheiden sich nicht nur in der Größe und der Farbe des Mageninhalts, sondern auch in dem Zustand (der Phase?) der Kontraktion und somit möglicherweise in unterschiedlichem Wässerungszustand.
In Bild 3 ist die Kontraktion eindeutig anders (Kopf eiungezogen) als beim gleichen (??selben??) Tier in Bild 2, auch die Schichtdicke/ Fokusebene ist anders.
Um zu überprüfen, ob wirklich verschiedene Arten vorliegen, müssen die Tiere unter möglichst gleichen Bedingungen auf verschiedene Merkmale hin überprüft und dokumentiert werden.
Ein Merkmalskatalog findet sich hier:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/E-TL/ID_Bdelloid/ID/src/ID_03_Key1.html
Das ist harte Arbeit und da braucht man auch Glück, dass die Viecher mitmachen (z.B. beim Räderorgan)...
Beste Grüße
Michael Plewka
Hallo Michael,
danke für den Link.-
Ich beende nun meinen Input zu den gezeigten Rädertieren. Da mir die Erfahrung mit Rädertieren fehlt, geht nun die Aufsammlung an Michael weiter.
Grüsse Arnold
Hallo zusammen,
hier noch ein paar weitere Informationen zu dem Frullania-Projekt.
Arnold hatte mir in der Zwischenzeit freundlicherweise die Frullania-Probe geschickt (GANZ herzlichen Dank dafür!), welche ich in den letzten zwei Wochen ziemlich intensiv untersucht habe.
(Es ist im übrigen faszinierend zu beobachten, wie ein Tropfen Wasser von dem trockenen Moos aufgesaugt wird und sich dabei aufgrund der Kapillarkräfte die Form des Polsters ständig verändert!)
Bei der Suche nach den ,,vielen" Rädertieren hatte ich mich zunächst an dem Bild mit den ,,orangen Krümmelchen" in Arnolds Beitrag 4 orientiert, das wohl im Aufsicht entstanden ist (ob trocken oder nass, kann ich auf der Aufnahme nicht erkennen).
Ich möchte hier mal ein ähnliches Moospflänzchen im Wasser liegend zeigen, wobei das Bild im Dunkelfeld entstanden ist:
(https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/Kennkarten%20Pilze/Ascomycetes/image/Bryocentria_Frullania__233c-800.jpg)
Auch hier sind einige orange Körperchen zu sehen, die ich dann weiter untersucht habe. Dabei hat sich dann herausgestellt, dass es sich bei diesen Körperchen hier um etwas völlig anderes als Rädertiere handelt: nämlich um einen parasitischen Pilz:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/Kennkarten%20Pilze/Ascomycetes/source/Bryocentria%20brongniartii.html
An dessen Charakterisierung ist Arnold übrigens auch beteiligt:
https://ascomycete.org/Journal/Article/art-0399
Diese orangen Körperchen sind praktisch auf allen!! Moospflanzen dieser Probe zu finden gewesen und können leicht mit Rädertier-Tönnchen verwechselt werden!
In den trockenen Moosproben habe ich leider überhaupt keine Rädertiere entdecken können.
Auch die gewässerten Proben haben sich deutlich unterschieden von derjenigen Probe, die mir Arnold im Jahr 2017 geschickt hatte. Damals habe ich 3 Rädertier-Arten gefunden, von denen 2 eindeutig in den Wassersäcken (Amphigastrien) zu finden waren:
Mniobia symbiotica (https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Mniobia%20symbiotica.html) und Habrotrocha annulata
(https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Habrotrocha%20annulata.html)
Die 3. Art (Mniobia scarlatina) kroch damals zwischen den Blättchen umher und hat damals auch mit dem Räderorgan gestrudelt.
In der jetzigen Probe waren nur sehr wenige Rädertiere zu finden; In den Amphigastrien habe ich überhaupt keine Rädertiere entdecken können; die anderen waren weitestgehend ziemlich unbeweglich, und gehören nach meinen Beobachtungen alle zur selben Art: Mniobia scarlatina (s.u.).
Bisher habe ich ca 20 Exemplare genauer untersucht; 16 davon hatten Parasiten in unterschiedlichen Stadien, die meisten davon (10) waren schon tot (was aber für die Kaueranalyse sehr hilfreich war), 2 leben noch, wobei ich dort die Entwicklung der Parasiten weiter beobachten will. Offenbar haben diese Parasiten einen Einfluss auf die Beweglichkeit des Rädertiers, was angesichts der Anzahl (geschätzt: > 100 ) dieser Parasiten nicht verwundert:
(https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/Bdelloid/Mniobia/img/Mniobia-scarlatina-319-1c-800.jpg)
Nach jetzigem Kenntnisstand handelt es sich bei dem Parasiten ebenfalls um einen Ascomyceten, es scheint der gleiche zu sein wie derjenige, den ich in Rädertieren aus einer Frullania-Probe aus unserer Gegend gefunden hatte: Triacutus:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/Kennkarten%20Pilze/Ascomycetes/source/Triacutus%20subcuticularis.html
Im Nachhinein ist auch klar, dass zumindest das 2. Bild in Arnolds Beitrag 12 ein Tier mit diesen Parasiten zeigt.
Noch was zu der Art M. scarlatina:
artspezifisch sind wohl die ,,Warzen", die (häufig) auf dem Integument des Rumpfs zu finden sind.
Hier mal ein neues Bild:
(https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/Bdelloid/Mniobia/img/Mniobia-scarlatina-234c-800.jpg)
Teilweise sind diese schon bei schwacher Vergrößerung am Umriss im HF zu sehen. Das Problem dabei ist, dass diese anscheinend nicht bei allen Tieren in einer Probe zu finden sind. Ein weiteres Merkmal ist bei allen bdelloiden Rädertieren die Kauerformel, welche die Anzahl der großen ,,Zähne" innerhalb des Kauapparates angibt. Jede Abweichung beschreibt nach jetziger Kenntnis eine eigene Art. Dabei ist das Problem, dass je mehr ,,große" Zähne vorhanden sind, die Unterscheidung von den kleinen Zähnen immer unsicherer wird. Die Analyse der mazerierten Kauer aus den bereits toten Tieren (s.o.) ergab eine Übereinstimmung für die Zahnformel 1+7+1 / 1+7+1:
(https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/Bdelloid/Mniobia/img/Mniobia-scarlatina-192-4c-400.jpg)
Diese Zahnformel ließ sich auch bei einigen Tieren ohne die o.a. Warzen feststellen. (Vielleicht junge Tiere?)
Mehr zu Mniobia scarlatina hier:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Mniobia%20scarlatina.html
Soweit erst mal
Beste Grüße
Michael Plewka
Hallo Michael,
danke für das mitteilen deiner Beobachtungen!
Dass ich dich nicht auf das Vorhandensein von B. brongniartii aufmerksam gemacht habe, war keine Absicht! Siehe dazu auch: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=30211.msg224566#msg224566
Freundliche Grüsse
Arnold