Der Sassafrasbaum (auch Nelkenzimtbaum genannt) ist in Nordamerika heimisch. Er wird sehr groß (20 bis 35 m).
Eine interessante Nutzung ist das Sassafrasöl, das aus Rinde und Wurzel destilliert werden kann und bis zu 80 % Safrol enthält. Das ist eine ebenfalls sehr spannende Substanz, wird sie doch einerseits für Parfum und Duftstoffe verwendet, andererseits ist sie eine Vorstufe für MDMA (Ecstasy), so dass der Handel mit Sassafras in Europa verboten ist. Außerdem wird dem Safrol nachgesagt, dass es krebserregend sein soll.
Ein Blatt dieses wirklich interessanten Gewächses habe ich von der High Line, einer botanisch (und auch sonst!) sehr lohnenswerten Strecke in New York mitgenommen.
Hier zunächst ein Foto des Baumes (Wikimedia Commons, Autor Pymouss)
Bild 1
(https://www2.pic-upload.de/img/37496492/Sassafras.jpg) (https://www.pic-upload.de/)
Dann ein Bild von "vor Ort"
Bild 2
(https://www2.pic-upload.de/img/37496455/Sais.jpg) (https://www.pic-upload.de/)
Jetzt aber zur Mikroskopie. Wie gesagt habe ich mir ein Blatt mit Blattstiel angeschaut. Gefärbt wurde mit W3A (Acridinrot, Acriflavin, Astrablau) nach Wacker.
Als erstes der Querschnitt durch den Blattstiel
Bild 3
(https://www2.pic-upload.de/img/37496452/Sabs1.jpg) (https://www.pic-upload.de/)
Man sieht den großen Raum, den das Rindenparenchym einnimmt, die kräftige Epidermis und lignifizierende Bereiche (rot gefärbt). Das Markparenchym ist verschwindend klein, es scheint instabil zu sein, möglicherweise entsteht eine Markhöhle. Der Leitbündelring ist kräftig. Im Durchlicht angedeutet sieht man auch eine Behaarung.
Die Trichome zeigen sich vor allem gut im polarisierten Licht.
Bild 4
(https://www2.pic-upload.de/img/37496454/Sabs2.jpg) (https://www.pic-upload.de/)
Hier eine Detailaufnahme des Leitbündelrings
Bild 5
(https://www2.pic-upload.de/img/37496453/Sabs3.jpg) (https://www.pic-upload.de/)
Das Blatt selbst weist einige Besonderheiten auf. Zunächst der Überblick
Bild 6
(https://www2.pic-upload.de/img/37496445/Sab1.jpg) (https://www.pic-upload.de/)
Man sieht die Leitbündelregionen der Mittelrippe und zweier Nebenrippen. Auch hier fallen wieder lignifizierte Bereiche auf.
Der Querschnitt durch die Blattspreite zeigt eine Aufteilung in ein (einreihiges) Palisadenparenchym und ein (hier ziemlich dichtes) Schwammparenchym.
Bild 7
(https://www2.pic-upload.de/img/37496444/Sab2.jpg) (https://www.pic-upload.de/)
Bei langen Blattspreiten kommt es vor, dass sich beim Schneiden das Präparat dreht und aus dem Querschnitt ein Längsschnitt wird. Was mich früher geärgert hat, freut mich jetzt, weil das den Blick auf neue Strukturen eröffnet.
Mit dem 40x Objektiv bekam ich folgendes zu sehen
Bild 8
(https://www2.pic-upload.de/img/37496446/Sab3.jpg) (https://www.pic-upload.de/)
Ich dachte erst, dass es sich um Spaltöffnungen handelt, aber das sind keine. Hier noch mal eine Ansicht mit DIC
Bild 9
(https://www2.pic-upload.de/img/37496447/Sab4.jpg) (https://www.pic-upload.de/)
Spaltöffnungen finden sich auch, aber in einer ganz anderen Schnittebene (Epidermis). Sie sind sehr unscheinbar, haben keine speziellen Begleitzellen, sondern sind von normalen Epidermiszellen umgeben (anomozytische Stomata). Hier ein Beispiel mit dem 100xOil
Bild 10
(https://www2.pic-upload.de/img/37496448/Sab5.jpg) (https://www.pic-upload.de/)
Die eigenartigen Strukturen jetzt noch einmal ebenfalls im 100x Oil mit DIC
Bild 11
(https://www2.pic-upload.de/img/37496449/Sab6.jpg) (https://www.pic-upload.de/)
Bei mir entsteht der Eindruck von gekammerten Behältern bzw. Drüsen, die z.B. Öl enthalten. Jetzt kommt Sassafrasöl wohl nur in Rinde und Wurzeln vor, also muss das etwas anderes sein (wenn die Aussage stimmt).
Nach einigem Suchen konnte ich eine ähnliche Struktur auch im Blattquerschnitt finden (40x, DIC, Ausschnittsvergrößerung)
Bild 12
(https://www2.pic-upload.de/img/37496450/Sab8.jpg) (https://www.pic-upload.de/)
Sowohl Längs- als auch Querschnitt sind fast kreisrund, so dass es sich um kugelförmige Strukturen handelt. Da ich bisher Ölbehälter nur als flüssigkeitsgefüllte Hohlräume kenne, diese hier aber eine zentrale feste Struktur und eine Art "Kammerung" aufweisen, rätsle ich, um was es sich dabei handeln könnte. Vielleicht hat ja einer der botanikkundigen Spezialisten eine Idee dazu.
Ansonsten freue ich mich wie immer über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.
Grüß´ Dich Peter,
Gratulation zu diesen wunderbaren Beitrag. Auch Blattstiele sind interessant, wie figura zeigt.
Grüße vom Namensvetter Peter W
Hallo Peter,
betsen Dank für Deinen wohlwollenden Kommentar.
Blattstiele sind interessant, und ein Blatt (mit Stiel) ist schneller mal irgendwo mitgenommen als eine Sprossachse. Ich habe oft nur die 8 ml Röhrchen dabei, wenn ich nicht gezielt losgehe. Außerdem möchte ich z.B. solitär wachsende Pflanzen nicht schädigen, indem ich sie umschneide.
Deshalb gibts bei mir häufig Blätter (mit Stiel) zu sehen. :)
Hallo Peter,
nur kurz über Handy.
Mir war der Baum nicht bekannt.
Gelungener Beitrag.
Grüße
Hans-Jürgen
Lieber Hans-Jürgen,
danke, dass Du Dich auch unter widrigen Umständen meldest.
Alles Gute und bis bald!
Lieber Peter,
vielen Dank für den schönen und informativen Beitrag, den ich gerne gelistet habe.
Beste Grüße
Jörg
Lieber Jörg,
vielen Dank!