Hallo Mineralogenfreunde,
der etwas unvollkommene "Labradorit"-Dünnschliff hat ja zu interessanten Diskussionen geführt. Dabei habe ich nebenbei noch die Tauglichkeit meines Polmikroskops überprüft, weil es mir nicht gelang ein vernünftiges Achsenbild des Apatitkristalls in konoskopischer Betrachtung zu bekommen.
In meiner Sammlung befindet sich ein Präparat: Glimmer Schnitt senkrecht zu 1. M... leider ist der Rest unleserlich. Ich kann also nur das etwas komplizierte Achsenbild zeigen. Ohne weiteren Aufschluss geben zu können:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/34998_60272281.jpg)
Zitat von: Klaus Herrmann in März 14, 2010, 16:17:45 NACHMITTAGS
In meiner Sammlung befindet sich ein Präparat: Glimmer Schnitt senkrecht zu 1. M... leider ist der Rest unleserlich. Ich kann also nur das etwas komplizierte Achsenbild zeigen. Ohne weiteren Aufschluss geben zu können:
Hallo Klaus,
das Präparat ist so geschliffen, dass die gemeinsame Ebene beider optischer Achsen senkrecht zur Polarisationsrichtung stehen.
Das wäre dann "senkrecht zur ersten Mittellinie".
Liebe Grüße
Frank
Hallo Klaus,
ein wirklich tolles Bild!!!
Habe noch nie ein Achsenbild vom Glimmer gesehen, irgendetwas kommt mir spanisch vor...
Viele Grüße
Erik
Zitat von: Erik W. in März 14, 2010, 16:59:25 NACHMITTAGS
Habe noch nie ein Achsenbild vom Glimmer gesehen, irgendetwas kommt mir spanisch vor...
ich schon ;D
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=714.0
Viele konoskopische Grüsse
Bernhard
Danke lieber Frank,
für die Ergänzung des Labels - schön, dass man das virtuell machen kann!
Da die Glimmer eine ausgeprägte Spaltbarkeit haben, ist das sicher nicht einfach den schräg zu dieser Richtung zu schleifen, ohne, dass da Stufen ausbrechen?
Dann wäre das sogar ein Schmankerl. Lag lose in einer Schachtel mit Gerümpel. Jetzt muss ich direkt nochmal reinschauen, ob da weitere Aschenputtel drin sind! ;)
Guten Abend Klaus,
......viel einfacher - der ist doch garnicht geschliffen, das ist schlicht ein Spaltsück. Das ist das elegante am Glimmer: dass er perfekt senkrecht zur spitzen Bisektrix (oder zur ersten Mittellinie, was das Gleiche ist), spaltet. Geht übrigens nicht nur mit Muskovit (Hellglimmer), der hier benutzt wurde, sondern auch mit Biotit (Dunkelglimmer), nur ist da der Achsenwinkel viel kleiner, oft sogar pseudoeinachsig.
Gute Nacht, Olaf
Zitat von: olaf.med in März 14, 2010, 22:02:54 NACHMITTAGS
Guten Abend Klaus,
......viel einfacher - der ist doch garnicht geschliffen, das ist schlicht ein Spaltsück. Das ist das elegante am Glimmer: dass er perfekt senkrecht zur spitzen Bisektrix (oder zur ersten Mittellinie, was das Gleiche ist), spaltet. Geht übrigens nicht nur mit Muskovit (Hellglimmer), der hier benutzt wurde, sondern auch mit Biotit (Dunkelglimmer), nur ist da der Achsenwinkel viel kleiner, oft sogar pseudoeinachsig.
Gute Nacht, Olaf
Guten Morgen Frank ...Hallo Olaf,
da war ich wohl zu sehr auf die Mittellinie fixiert und wollte schon dem Spaltblatt mit der Schleifhexe zu Leibe rücken. :D
Und das, obwohl keine 2m neben mir ein schöner Muskovitkristall liegt.
Mit freundlichen Grüßen
Frank
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/35074_8627612.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Danke Olaf für die Erklärung,
das wäre dann ein "Schliff" der mit dem Spaltmesser hergestellt wird. Und die Schichtdicke ist fürs Achsenbild auch nicht so kritisch?
# Frank: sind ordentliche Muskovite nicht so groß wie Fensterscheiben, die wurden doch zu Zeiten als Floatglas noch nicht erfunden war in Moskaus feinen Häusern als solche eingesetzt - daher der Name.
Nun bist Du dran in kyrillischen Buchstaben ;)
Moin Klaus,
doch, die Dicke des Spalktstücks spielt eine entscheindende Rolle für das Aussehen des Achsenbilds. Es gilt: je dicker, desto bunter, also umso mehr Isochromaten. Guck doch einfach mal unter:
ftp://ftp.min.rub.de/pub/Medenbach/Kristalloptik/zweiachsig.ppt (ftp://ftp.min.rub.de/pub/Medenbach/Kristalloptik/zweiachsig.ppt)
....aber bitte "Bildschirmpräsentation vorführen, sonst verpaßt Du das Beste.
Viel Spaß und Gruß,
Olaf
Frank,
sind das auf dem Foto wirklich Muskovit-Kristalle?
Ole
Hallo Ole,
Zitatsind das auf dem Foto wirklich Muskovit-Kristalle?
ich denke schon. Biotit ist in dünnen Schichten deutlich dunkler.
Aber das müsste Achsenbilder geben! ;D Braucht man nur eben eine ordentlich helle Lampe! ;)
Hallo Klaus,
den hinteren Kristall finde ich schon ziemlich dunkel, um nicht zu sagen schwarz. Wie dunkel mag dann erst Biotit sein?
Ole
Guten Morgen zusammen,
nach Ole's Frage bin ich selbst "ins Grübeln gekommen".
Obwohl auf dem Bestimmungszettelchen " Glimmer / Muskovit / natürliche Bildung in Pegmatiten / Ambositra, Madagaskar "
steht, finde ich den Kristall mit seinen 5mm Dicke ebenfalls zu dunkel; im Taschenlampenlicht ist er undurchsichtig.
Kann Muskovit in dieser Stärke ebenfalls die für Biotit typische Farbe Braun/Schwarz aufweisen?
Die dünnen Spaltblätter sind durchsichtig, zeigen aber eine leichte bräunliche Färbung. Das trifft doch auch auf Biotit zu!
Freundliche Grüße
Frank
Hallo Glimmer-Fans,
im v. Philipsborn steht: Biotit hauptsächlich als Gesteinsgemengeteil und nicht in derben Massen.
Beim Muskovit Kristalle in granitischen Drusen. Riesenplatten!.
Die Farbe ist allerdings wirklich recht dunkel. Vielleicht ein Muskovit, der etwas Eisen eingebaut hat?
Da ich ja neuerdings immer die "Bibel" unterm Arm trage.
Muskovit Mg und Fe-frei und Glimmer der I. Art
Biotit enthält Mg und Fe Glimmer der II. Art und vor dem Lötrohr schmelzbar,
dagegen der Muskovit nur sehr schwer schmelzbar. Also Frank blas die Backen auf und schmelze!
Nun habe ich im meinem Mineralienfundus auch Spaltstücke von Muskovit - Bild reiche ich nach! Aber direkt greifbar waren aus dem Präparatefundus 2 Spaltstücke, die früher vor der Zeit der Kunsttstoff-Folien als Schnittträger benutzt wurden. Man hat Schnittserien aufgezogen und en block gefärbt, anschließend mit der Schere vereinzelt zu Dauerpräparaten. Bester Beleg dafür, den ich kenne sind die Heidenhain-Histologiepräparate.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/35221_23442726.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/35221_21627670.jpg)
Nun habe ich gleich auch noch geschnibbelt und von dem Stück ohne Präparate kleine 10x10 mm Stückchen abgeschnitten und Achsenbilder gemacht, um die Aussage von Olaf zu visualisieren: Höhere Schichtdicke machts bunter um es mal vereinfacht auszudrücken.
Wie man sieht: den Aussagen des Fachmanns kann man vertrauen! :D
Danke Olaf für die Anregung!
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/35221_14319264.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/35221_50218949.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/35221_45711022.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/35221_62212587.jpg)
Hallo zusammen,
hier noch nachgereicht mein Muskovit. Jetzt wird auch der Begriff "Handstück" verständlich! ;)
Schon etwas heller als das Stück von Frank, aber auch bräunlich!
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/35224_23749423.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/35224_34202272.jpg)
Zitat von: Klaus Herrmann in März 16, 2010, 14:22:24 NACHMITTAGS
Die Farbe ist allerdings wirklich recht dunkel. Vielleicht ein Muskovit, der etwas Eisen eingebaut hat?
Da ich ja neuerdings immer die "Bibel" unterm Arm trage.
Muskovit Mg und Fe-frei und Glimmer der I. Art
Biotit enthält Mg und Fe Glimmer der II. Art und vor dem Lötrohr schmelzbar,
dagegen der Muskovit nur sehr schwer schmelzbar. Also Frank blas die Backen auf und schmelze!
Hallo Klaus,
gesagt getan, und siehe da .... nichts tat sich! (oder doch? ???)
Habe eine dünne Lage Glimmer ca. 2 Minuten mit dem Brenner auf Weissglut erhitzt und nur eine gelbe Flammenfärbung bemerkt, was mich wiederum an den Paragoniten (
NaAl
2AlSi
4O
10(OH)
2 ) erinnerte.
Diese Miniaturbrenner kommen auf eine Temperatur so um die 1300°C, liegt die Schmelztemperatur des Biotiten wirklich so weit unter der des Muskoviten? Laut Wikipedia kristallisiert Biotit in magmatischen Gesteinen, wenn sich das Magma auf 800-700°C abkühlt.
Nach dem Erhitzen war die Stelle etwas heller und brüchiger, aber kein Schmelzrand zu erkennen.
Ich werde auch noch die Löslichkeit in Schwefelsäure prüfen. Hier sollte sich am Muskoviten ebenfalls nichts verändern.
Freundliche Grüße
Frank
Hallo Frank,
danke, dass Du die Backen erfolglos aber dennoch mit Erfolg gebläht hast. Das würde ja die Bestimmung "Muskovit" bestätigen!
Etwas dunkler, als mein "Handstück" aber eben doch Muskovit
Hallo ihr Glimmerfans,
ich war ein paar Tage nicht online und kann mich daher erst heute wieder in die spannende Diskussion einschalten...
Warum denn nicht einfach das Achsenbild auch als Bestimmungshilfe zu benutzen, statt sich die Restlunge am Lötrohr aus dem Hals blasen??? Muskovit hat einen Achsenwinkel von ungefähr 40°, das bedeutet, dass die Achsenausstichpunkte bei einem Objektiv mit einer Apertur von ca. 0.65 am Bildrand liegen. Biotit hat einen sehr kleinen Achsenwinkel oder ist sogar pseudoeinachsig! Weiterhin ist Muskovit in Dünnschliffdicke immer farblos, Biotit dagegen auch in dünnen Schichten immer gefärbt, wobei die Farbskala von hellbraun beim Phlogopit (sehr eisenarmer Biotit) bis zu fast opak beim sehr eisenreichen Biotit reicht. Sind die Dinger nicht parallel zur Spaltfläche geschnitten, wie es im Gesteinsdünnschliff der Normalfall ist, ist Biotit IMMER pleochroitisch, das heißt er wechselt seine Farbintensität im linear polarisierten Licht beim Drehen des Mikroskoptischs. Diesen Effekt sieht man schön unter
ftp://ftp.min.rub.de/pub/Medenbach/Mineraloptik/ (ftp://ftp.min.rub.de/pub/Medenbach/Mineraloptik/)
im Ordner Polmi II, Teil 3, Biotit-Stilpnomelan (aber bitte animieren!)
Nun Frank, was isses???
Gruß, Olaf