Hallo,
nach über einem halben Jahrhundert treuen Dienstes, hat sich ein Schneidezahn aus meinem Mund verabschiedet. Ich habe ihn in Epoxy2000 gegossen, mit dem Dremel zerteilt und zu einem Dünnschliff verarbeitet.
EigenerZahn-HF-SPA4-Stitch-3000.jpg
Seine volle Schönheit entfaltet sich im X-Pol mit Rot1:
EigenerZahn-Xpol+Rot1-Pano-SPlA4-3000.jpg
Was es hier so zu sehen gibt, habe ich hier mal beschriftet:
EigenerZahn-HF-SPA4-Stitch-beschriftet.jpg
Deutlich sieht man, dass die Schneide schon gut abgenutzt ist und hier der Zahnschmelz fehlt. Man sieht auch, dass das Zahnbein weicher ist: Es ist nach innen weiter abgenutzt. Während der Zahnschmelz noch vor dem Durchbrechen des Zahnes gebildet wurde (da bekam ich gerade meine Zuckertüte) und nicht nachwachsen kann, wächst das Zahnbein immer weiter. Allerdings wächst es nur innen und verengt so die Pulpa immer mehr. Von ihr ist nicht viel übrig geblieben. Dafür gibt es reichlich Zahnstein. Seine mikrokristalline Struktur erscheint im Mikroskop schwarz, sowohl im HF als auch im X-Pol. Der ist sehr bröselig und seine abgebrochenen Splitter haben beim Schleifen deutliche Riefen im Epoxydharz hinterlassen (rechts oben)
Und hier nochmal die Zahnspitze/-schneide im Detail. Bei diesem Bild lohnt es sich, es in einem anderen Tab zu öffnen oder herunter zu laden und hinein zu zoomen. Es ist ein Stitch aus 6 Bildern mit dem 10er Objektiv. Auch die Übersichtsbilder sind Stitches, allerdings mit dem 4er.
Zahnspitze-XPol-SPA10-Stitch3000.jpg
Viel Freude beim Betrachten wünscht
Gerd
Hallo Gerd,
über ein halbes Jahrhundert täglicher Dauereinsatz, das ist doch eine tolle Leistung von so einem Zahn! Meine Mikrotommmesser halten jedenfalls nicht so lange.
LG
Jürgen
Hallo Gerd,
geniale Bilder. Gibts ein neues Lied dazu ("Ode an meinen Zahn" oder so)?
Hallo Gerd,
Das ist dann wohl der sprichwörtliche "Zahn der Zeit".
Schön in Szene gesetzt.
Grüße Holger
Hallo Gerd,
Du bist wirklich ein "Mikroskopischer Allesfresser".
Interessante Bilder, danke fürs Zeigen.
Nur ein Mikroskop hält länger, obwohl ja auch mit der Zeit Delamination und ein Zahnverlust droht. :D
LG Frank
Hallo Gerd
Eine Geschichte, ein Präparat aus dem wahren Leben und mikroskopisch, fotografisch sehr schön, lehrreich und aussagekräftig dargestellt. 8)
Aber mit dem alten Mann muß ich dir Wiedersprechen. Mein Freund Eberhard Raap, 87 jährig, sagt immer zu mir, Sigi (72) du bist doch noch jung. 8) In diesem Sinne,
lg von Siegfried
Hallo,
danke für die Rückmeldungen.
@Sigi: Das ist deshalb der "Zahn eines alten Mannes" weil die Pulpa fast gänzlich zugewachsen ist. Bei einem jüngeren Zahn, wäre da mehr Hohlraum. Man erkennt ja deutlich, dass die Pulpa mal fast bis zur Spitze reichte. Das was im letzten Bild so schön rot-violett erscheint, ist die zugewachsene Pulpa.
Das "alt" hat in diesem Fall wenig mit meinem "gefühlten" Alter zu tun - da geht schon noch was.
LG Gerd
Hallo Gerd,
Zitatda geht schon noch was.
Da hoffen wir doch drauf :-))
Grüße
Wolfgang
Hallo Gerd,
tolle Arbeit! Darf man fragen, wie lange Du daran schleifen musstest?
Ich bin auch ziemlich begeistert!
Grüße
Martin
-
Hallo Jürgen,
ZitatDarf man fragen, wie lange Du daran schleifen musstest?
Ich habe nicht auf die Uhr geschaut. Es ging aber besser und schneller als ich dachte. Ist von der Härte nicht vergleichbar mit verkieseltem Gestein:
1. Desinfektion/Fixierung in 70%igem Ethanol (ca. 1Monat - nicht dass so lange nötig gewesen wäre)
2. Einschluss in Epoxy 2000 (ca. 10min +1Tag Härtepause)
3. Damit der Harzklotz zum Trennen gut und fest liegt, wurde er kurz angeschliffen und mit UV-Kleber auf ein Diaglas geklebt (ca. 10min)
4. Trennen mit Dremel und kleiner Diamantscheibe (mit Vor- und Nachbereitungen im Garten ca. 15 min)
5. Anschliff der besseren Hälfte auf Diamantschleifplatten (https://www.amazon.de/CWOVRS-Diamant-Schleifstein-Diamant-Messersch%C3%A4rfer-Honigwabenoberfl%C3%A4chenplatte-Scherenmesser/dp/B0CH323BG8/ref=sr_1_3?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=2QETET7XD24AM&dib=eyJ2IjoiMSJ9.KTxH3IOJ83G5pnSMAUBYun88eQ3SgEcV2PlGAjYLLPAritXiymWUTr5AelfHeP6kuJfQYM77lZRVe5hv27t1HhriqUeXjm5OpDlNXvWpegZmGS4nFGoAbutZN_aOboKhH9NCPgZ3HU18h-HfkFI83NFT0GsZcT4NS6f3_xusJkniynwfcFdEW-YjPnIj6d4u000mnXJOfb5-8G9vfiFBCjn_QKprI0gx6KPSPQi4An0.4ngDGXv1KmoFC5Jc0wu24D0OOvSVlsFqa5yUT9r0S54&dib_tag=se&keywords=Diamantschleifplatten&qid=1751569239&sprefix=diamantschleifplatten%2Caps%2C143&sr=8-3)mit den Körnungen 200, 600, 1000 und 2000 - letzter Schliff auf Nasschleifpapier und Glasplatte mit Körnung 3000.(ca. 15min + ein Tag Trockenpause)
6. Abwischen mit wasserfreiem ISOpropanol und Aufkleben auf Objektträger im Gießener Format mit UV-Kleber CONLOG 665 (ca. 2min)
7. mit dem Dremel auf ca 1mm heruntergeschnitten (2min)
8. Schliff mit Diamantplatten gleicher Körnung wie oben, nur, dass ich sehr viel länger mit der gröbsten Platte schleifen musste und am Ende eine wiederholte Kontrolle der Dicke erfolgen musste, eine leichte Keilbildung war auszugleichen. Die letzten drei Schleifgänge erfolgten trocken, weil dünnes Knochen-/Zahnmaterial zum Quellen und Verbiegen neigt. (ca. 30 - 40min)
9. Abwischen mit ISO und Aufkleben des DG mit UV-Kleber, Endreinigung, Etiketten schreiben und kleben (ca. 5min)
Also ohne die nötigen Pausen zum Härten und Trocknen ca. 2h Arbeitszeit. Die Fotoarbeiten am Mikroskop und die Bearbeitung der Fotos haben länger gedauert.
LG Gerd
Hallo Gerd,
der Zahn der (brauchte viel) Zeit. (Edit: Holger dachte das auch)
Ich dachte für 10 Sekunden So jetzt hab ich (bald) ein Mikrotom, da kann ich auch mal was damit schneiden und sowas machen.
Mein erster Schnitt, ein Zahn :P .
dann dachte ich hmm das geht doch gar nicht zum schneiden Knochen villeicht, aber Zahnschmelz ist zu hart. :-\
Ein Dünnschliff aaah war ja klar. Ohne Arbeit geht das nicht.
X-Pol ohne Rot I = λ/4-Platte? ginge das auch?
bei mir fehlt auch der Schmelz vorne
wirklich schön gelungen Danke Gerd.
Gruss
Martin
🖖(Lebe lang und poste viel)
Lieber Gerd,
danke für die ausführliche Beschreibung.
Hallo Martin,
ZitatX-Pol ohne Rot I = λ/4-Platte? ginge das auch?
X-Pol ohne Hilfsobjekt sieht so aus.
EigenerZahn-Xpol-Pano-SPlA4.JPG
Bunt wird es mit einem Hilfsobjekt, wobei die λ/4-Platte nicht das Gleiche ist wie Rot1. Wenn es aber nicht um kristalloptische Messungen geht, sondern um die Darstellung verschiedenen Kristallausrichtungen (und genau das bedeuten die verschiedenen Farben im Bild vom Zahn), geht das mit jeder Verzögerungsplatte, auch mit Tesa-Film auf einem Stück Glas. Die Farben sind dann nur andere. Übrigens wechseln die Farben auch, wenn man das Objekt (in diesem Fall den Zahn) dreht. Wenn ich es um 90 Grad drehe wird mit dem Rot1 aus Blau Gelborange und umgekehrt.
Beste Grüße
Gerd
Hallo,
ich habe diesen älteren Faden noch einmal heraus gekramt, weil ich einen weiteren Zahn von mir (dieses Mal einen Backenzahn), zu einem Dünnschliff verarbeitet habe.
Backenzahn-DLHF&X-POL-Rot1600pix.jpg
Damit dieser Zahn entfernt werden konnte, musste er von der Zahnärztin mit dem Bohrer halbiert werden, weil sie ihn nicht als Ganzes herausbekommen hatte. Der Schliff verläuft größtenteils seitlich neben der Pulpa, so dass diese nur im untersten Teil sichtbar ist. Durch das Zerbrechen des Zahnes gibt es in der Mitte auch ein paar Ausbrüche, wo im Schliff nichts vom Zahn erhalten ist, aber den oberen Teil fand ich sehr interessant, weil dort auch noch eine Füllung angeschnitten ist.
Backenzahn-Beschriftung-1200pix.jpg
Es war mir auch dieses Mal ein inneres Bedürfnis, dieses persönliche Stück nicht in der Tonne für infektiöses Material verschwinden zu lassen.
Grüße
Gerd
Eigentlich wollte ich demnächst zum Zahnarzt.... :-\
Ja, lieber Martin,
da kommen wir letztlich nicht drumherum. Bei mir wurden letzten Donnerstag 5 (in Worten: "fünf") Zähne extrahiert, um Platz zu schaffen für eine Prothese. Irgendwann ist es halt so weit. Mein Vater hatte schon mit 50 eine Prothese. Ich bin ja der letzte von 4 Brüdern und war noch sehr klein. Ich weiß noch, dass ich ihn als Kind darum beneidet habe, dass er seine Zähne zum Putzen herausnehmen konnte, jetzt hoffe ich, dass ich auch mit dem Ersatz noch singen kann. z.Z. lispele ich fürchterlich, weil da nur noch Lücken sind.
LG Gerd
Hi Gerd,
tut mir leid für dich. Aber auf jeden Fall großen Dank für das Teilen dieser Bilder.
Kannst du auch sagen, ob bzw. wo man im Schliff sieht, warum das Teil raus musste. Um Platz zu schaffen zieht man doch keine pfennigguten Zähne?
Gute Besserung und viele Grüße
Michael
Lieber Gerd,
Du bist einer der vielseitigsten und dadurch auch erfahrensten Mikroskopiker hier im Forum - und immer für eine neue Erfahrung und Überraschung gut!
Das wollte ich Dir schon immer einmal sagen.....
lG
anne
Hallo erstmal,
nur im Scherz! :-)
"Die alten Zähne wurden schlecht, und man begann sie auszureissen.
Die neuen kamen grade recht, um damit ins Gras zu beissen."
Hallo Gerd:
ich hoffe, dass Du noch lange bei unseren Treffen in etwa anderes beissen kannst.
Bei mir im Hals siehts jedenfalls aus wie in Venedig:
Eine Brücke an der anderen.
liebe Grüße
Wolfgang
Zitat von: liftboy in Juni 25, 2026, 09:48:59 VORMITTAGDie alten Zähne wurden schlecht, und man begann sie auszureissen.
Die neuen kamen grade recht, um damit ins Gras zu beissen
Ich dacht immer, Gras raucht man?
(Ich selber bin Nichtraucher)
Aber mir kommt die Frage, ob man in so Zahnschliffen auch die Veränderungen an Raucherzähnen sehen kann.
ZitatIch dacht immer, Gras raucht man?
nein, nein! Außer Kekse backen (lecker) kann man sogar Lilör ansetzen (mühsam). Tee ist am einfachsten.
Ich verweise hier auf den wunderschönen Film "Saving Grace".
Unbedingt sehenswert ;-)
Grüße
Wolfgang
Zitat von: liftboy in Juni 25, 2026, 11:56:09 VORMITTAGIch verweise hier auf den wunderschönen Film "Saving Grace"
Ich dachte der Film heißt "Sowing Grass"
Wie dem auch sei, ich berausche mich an Kaffee und der macht wie die Zigaretten die Zähne farbig. Kann man aber mit Coca cola putzen. Mich würde nun das alles mal im Zahnschliff interessieren.
Hallo Gerd,
des Lobes wurde ja schon alles gesagt. Da schließe ich mich an. Im Forum wurde ja auch schon der Begriff "Mikroskopischer Allesfresser" geprägt. 8) Auch ich schaue immer wieder sehr gerne deine Präparate mit Fischschuppen, von dir an, die du mir vor Jahren einmal zuhastkommen lassen und deine Flohpräparate in Forum. Danke.
Gruß von Siegfried
Hallo Michael,
natürlich wurden mir keine kerngesunden Zähne gezogen. Das zuletzt gezeigte Stück ist tatsächlich nur ein kleines noch recht gutes Stück eines ansonsten nicht mehr erhaltungswürdigen Zahnes. Aber bei mir ist leider auch nicht Karies das Hauptproblem, sondern ein sehr kleiner Kiefer, in dem die Zähne sich schräge drängeln und Parodontose, die auch daraus resultiert, dass es sehr schwer ist, die Zahnzwischenräume dieser schrägen Zähne ordentlich zu putzen. Meine 4 Schneidezähne im Unterkiefer waren alle schon so locker, dass ich mir einen davon selber gezogen habe (den im Beitrag 1# gezeigten) und die übrigen 3 auch relativ gut erhalten sind, aber schon zu locker waren, um damit noch "kraftvoll zuzubeißen". Ich werde also noch 3 weitere Präparate machen. An dem gezeigten Schneidezahn sieht man ja auch, wie tief hinab der Zahnstein reicht. Hier war also die Parodontose weit fortgeschritten und auch Teile des Unterkieferknochens schon mit aufgelöst.
Zum größten Teil bin ich aber wohl selber Schuld an dieser Misere, denn ich habe über Jahre die Zahnsteinentfernung abgelehnt, weil mir nach einer solchen die nackten Zahnhälse immer sehr weh taten. Auch hatte ich das Gefühl, dass die Schneidezähne durch den Zahnstein "zusammengehalten" wurden, was natürlich Quatsch ist. Ich hätte mich schon vor Jahren regelmäßig der professionellen Zahnreinigung stellen sollen. Das kam jetzt alles erst durch einen Zahnarztwechsel ins Rollen, der notwendig wurde, weil meine alte Zahnärztin in den Ruhestand gewechselt ist und ihre Praxis keinem Nachfolger hat.
LG Gerd
Hallo Gerd,
Das ist ja richtig doof gelaufen. Ich hoffe, dass Du mit dem Zahnersatz gut zurecht kommst und auch weiter singen kannst.
btw: Ich vermisse dich auf der Kornrade. Meine Erinnerung an dein Lied nach dem Abendessen ist bei mir immer noch lebendig.
Viele Grüße
Alexander
Hallo Gerd,
ich kann Dich trösten und Dir sehr gut nachfühlen: Du bist da sicher nicht wesentlich dran schuld. Bei mir hat die Paradontitis mit Anfang 40 heftig zugeschlagen (Nichtraucher, gründliche Zahnpflege), wurde dann noch in allen 4 Quadranten konventionell gescalert (macht man wohl heute nicht mehr). Zwar habe ich die Zähne damals behalten, aber viele hatten eine Wurzelbehandlung nötig und die fallen nun seit ca. 2-3 Jahren einer nach dem anderen der Zange zum Opfer.
Zitat von: Siegfried in Juni 25, 2026, 15:14:34 NACHMITTAGSHallo Gerd,
... mit Fischschuppen, von dir ...
....
Ach je - passiert das bei mikroskopischen Allesfressern - wachsen denen sogar Fischschuppen .....ist das eine Mutation?? Fischschuppen von Gerd, die würde ich auch gerne mal sehen...
Lieber Martin,
stammesgeschichtlich betrachtet sind Zähne auch nur Fischschuppen. 8)
"Bissige" Grüße
Gerd
Hallo Martin,
"Fischschuppen von Gerd würde ich auch gerne einmal sehen"
aber bitte, natürlich gemeint ist ein Fischschuppenpräparat von Gerd hergestellt. HI :D ;)
Flußbarsch und Aal.
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?msg=346552
Gruß von Siegfried
Schöne Bilder - aber auch wenn (oder gerade weil?) ich beruflich mit Zahnersatz zu tun habe: schade um diese eigentlich noch recht heilen Zähne!
Um die so einem Zahnverlust lange vorangehende chronischen Zahnfleischentzündung mit folgendem Knochenabbau frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, wird bei meinem Zahnarzt regelmäßig bei der Zahnreinigung die Gingivatiefe rund um die Zähne mit einer Sonde gemessen und mit den durch die Messung bei einer lokalen Entzündung entstehenden minimalen Blutungen genau protokolliert - und wenn ein Wert über einen kritischen Punkt steigt, kriegt man eins auf den Deckel und weiß, wo man besser putzen muß, damit der Knochen sich wieder aufbaut.
Leider wird das längst nicht von jedem Zahnarzt durchgeführt.